Skip to main content
Topic: Sabrina stellt sich vor (Read 356 times) previous topic - next topic

Sabrina stellt sich vor

Hallo,
mein Name ist Sabrina und ich möchte Euch kurz erzählen wie mein absolut chaotisches Leben verlaufen ist und berichten, wie ich vom Jungen zum  Crossdresser und später zum Transgender  wurde.

Ich werde an dieser Stelle nicht alles fertig bekommen, aber ich gebe mir Mühe.
Wenn dann Interesse besteht, schreibe ich vielleicht an anderer Stelle, etwas ausführlicher die genauen Begebenheiten.

Wo soll man nur anfangen...

Mit 12 Jahren habe ich bereits gemerkt, das etwas nicht stimmt. Ich war unglaublich sensibel und ein totaler Einzelgänger.
Ich hatte wenig, bis keine Freunde und am liebsten habe ich zuhause in meinem Zimmer gesessen und geträumt.
Zu Jungs hatte ich nur wenig Kontakt und wenn, dann wurde ich meistens gehänselt.
In jeder Klasse gab und gibt es vermutlich bis heute, dieses eine Kind, dass von allen anderen gemobbt wird.
Gründe dafür finden sich immer: Keine Markenkleidung, zu dick, zu dünn, zu lange Haare, zu schüchtern, zu verspielt usw.
Jedenfalls war ich solange ich denken konnte dieser Junge.

Ich war weder besonders groß, noch besonders stark und mit Sportarten wie Fußball oder Basketball hatte ich auch nichts am Hut.
Mein Geschmack bezüglich Kleidung  war für diese Zeit sehr komisch und weiß noch genau, wie ich nieder gemacht wurde, weil ich weiße Hemden trug und mir nichts aus den ganzen Markenklamotten wie Nike, Adiddas usw. machte. Vielleicht auch weil meine Eltern nicht besonders wohlhabend waren und ich sowas vermutlich eh nicht bekommen hätte. Also habe ich ständig versucht meinen eigenen Style zu finden, doch mein Kleiderschrank gab einfach nicht das her, was mir gefallen hätte.

Ich habe bereits damals die Mädchen beneidet, die in ihren hübschen Kleidern, Röcken, Tops, Blusen und Strumpfhosen in die Schule kamen und für ihr süßes Aussehen Komplimente erhielten. Auch ihre schönen Schuhe, mit Riemchen oder Schleifen sahen so verdammt schön aus. Wie gerne hätte ich nur einmal diese Kleider zur Auswahl gehabt....

Doch zu dieser Zeit (1992) sah ich keine Möglichkeit mir diesen Wunsch zu erfüllen.

Was soll ich sagen, es war ein Teufelskreis.
Ich dachte damals, wenn ich heimlich die Kleidung meiner Mutter anziehen würde, was schon sehr schwierig war, weil wir drei Kinder waren und nur selten alle außer Haus waren, dann würde sich das vielleicht legen, doch ich sollte mich irren.
Es wurde immer schlimmer.
Je öfter ich mich am Kleiderschrank bediente, immer mit pochendem Herzen und zittrigen Händen, je besser gefiel es mir und ich bin in einen regelrechten Rausch verfallen. Ich habe mich noch mehr eingeigelt und jede Gelegenheit genutzt diese schönen Sachen tragen zu können. Mit 12 Jahren natürlich ohne jeden sexuellen Hintergedanken, es war einfach nur schön und richtig diese Sachen zu tragen. Badeanzüge, Abendkleider, Slips, BH´s, Feinstrumpfhosen, Röcke, Hot-pant´s, rosa Sneaker, Pumps, Stiefel usw.

So verlief mein Leben und meine ganzen Gedanken kreisten von morgens bis Nachts nur darum, das ich lieber ein Mädchen wäre.

Mit 14 Jahren habe ich dann das Make-up entdeckt und wollte natürlich auch diese Erfahrung mitnehmen, was jedoch deutlich schwieriger zu realisieren war als die Kleidung, obwohl auch da bereits heikle Situationen entstanden waren. Ich war mittlerweile jedoch Profi in sich merken wo die Teile im Schrank lagen und wie sie gefalten waren. Das war nämlich häufig sehr trikky und meine Ma war zu Anfang sehr verwirrt, wenn ihre Kleider nicht so vorzufinden waren, wie sie es in Erinnerung hatte und oftmals hat mich nur mein gutes Gehör gerettet, was auf jedes noch so winzige Geräusch reagiert hat und mich zu Höchstleistungen in Reaktionszeit gebracht hat.  Doch nun mit dem Make-up stand ich vor der nächsten Herausforderung. Wie könnte ich mich komplett umstylen, schminken und in wenigen Minuten zurückverwandeln, wenn ich das Auto auf den Hof fahren hörte?
Doch ich wollte es unbedingt erleben, fühlen, rieschen, spüren....

Dann war es soweit, meine Mutter hatte einen Job angenommen, mein Vater war auf Montage und meine Geschwister bei unseren Großeltern. Ich hatte also mindestens 10 Stunden um endlich zu sehen wie ich als komplettes Teenygirl aussehen würde.

Ich wartete bis Mama eine halbe Stunde aus dem Haus war (man weiß ja nie) und dann ging es los.
Bereits am Abend vorher habe ich mir die Beine und Arme beim baden rasiert. Ich ging ins Schlafzimmer und suchte mir die schönste Unterwäsche heraus, die ich finden konnte. Es war ein Set aus schwarzem Hippster Slip mit viel Spitze an den Seiten und ein wunderschöner BH im gleichen Muster. Dazu wählte ich eine glänzende, schwarze Feinstrumpfhose, die sehr eng an der Haut anlag. Beim anziehen der Strumpfhose sah ich auf meine Füße und dachte mir, rot lackierte Fußnägel wären doch süß. Also schnell ins Badezimmer und das schönste rot aus Mama´s  Schminkschrank geholt. Als ich mit den Fußnägeln fertig war, habe ich mir natürlich auch noch die Fingernägel lackiert, was garnicht so einfach war. Zumindest bei der rechten Hand, da ich Rechtshänder bin, doch schließlich erreichte ich ein sehr schönes Ergebnis.
Ich ging zurück ins Schlafzimmer und zog die eben erwähnte Strumpfhose an. Es war ein unglaublich schönes Gefühl und unbeschreiblich aufregend  meine roten Nägel zu sehen, wie sie langsam und vorsichtig die weiche Feinstrumpfhose über die glattrasierten Beine zogen. Auch die Fußnägel blitzten sehr schön durch das zarte Gewebe.
Dann ging ich wieder zum Schrank. Die Auswahl war gigantisch und ich wusste nicht womit ich beginnen sollte.
Schließlich entschied ich mich für ein schwarzes Minijkeid, das ca. 20cm über dem Knie endete und die Schultern weit ausgeschnitten hatte. Dazu wählte ich einen silbernen Gürtel und ebenfalls silberne Pumps mit ca. 8cm Absatz. Das laufen hatte ich mittlerweile nahezu perfektioniert und ich liebte es wie meine Hüften sich bewegten, wenn ich diese kleinen Schritte machte und immer ein Bein leicht vor das andere setzte, während ich die Schultern zurück legte und die Oberarme am Körper anlegte. Lediglich die Unterarme schwenkten leicht im Takt der Schritte mit. Das war einfach himmlich....

Nun ging ich zurück ins Badezimmer und setzte mich an den Schminktisch.
Ich weiß nicht wie oft ich meine Mutter dabei beobachtet hatte, wie sie regelrechte Wunder an diesem Ort verbracht hatte und nun wollte ich endlich sehen wie ich wohl aussehen würde, wenn man sich hübsch macht.
Ich begann, genau wie Mama, mit einer wohlriechenden Creme und trug sie sehr gründlich in meinem Gesicht auf.
Danach setzte ich mit dem Concealer die Highlights unter den Augen, am Kinn und an der Stirn, bevor ich das Make-up auftrug.
Bereits jetzt sah mein Gesicht sehr gleichmäßig aus. Die kleinen Rötungen und Pickelchen waren verschwunden und es war schön glatt und ebenmäßig. Dann kam ich zum Lidschatten, der natürlich zum Kleid passen  und keinesfalls überladen wirken sollte.
Also wurde es eine schöne Kombination aus silber und einem zarten rosa, was für ein 14 jähriges Mädchen sehr passen sollte, wie ich fand. Für die Augen verwendete ich lediglich Mascara oben und unten, jedoch 4 mal getuscht, so bekamen die Wimpern ein richtig schönes Volumen und meine blauen Augen strahlten so schön wie nie zuvor. Schließlich benutzte ich noch einen zart rosa Lipliner und malte mit eine weibliche Form um die meine Lippen, bevor ich einen etwas helleren rasa Ton für das Finish nutzte. Abgerundet wurde das Ergebnis mit einem transparenten Lipgloss. Zum Schluss kam dann etwas Rouge auf die Wangen und fertig war mein erstes Make-up.
Ich war wie in Trance...
Sollte das wirklich der kleine zierliche Junge sein, der immer unglücklich und traurig war?
Nein... auf keinen Fall. Im Spiegel vor mir sah ich ein junges Mädchen, das einmalig hübsch aussah. Ich konnte nicht anders und musste unwillkürlich lächeln. Ich war so zufrieden wie noch nie hätte vor Glück platzen können. Das Lächeln machte das Mädchen im Spiegel dann auch noch attraktiver und vor lauter Glück flossen mir ein paar Tränchen aus dem Auge.

Ich war wie gebannt von diesem Anblick und konnte mich nur sehr schwer davon lösen. Doch schließlich stand ich auf und ging zurück ins Schlafzimmer. Ich wollte nun das gesamte Kunstwerk im großen Spiegel sehen.
Im Schlafzimmer angekommen entdeckte ich auf dem Regal bei Mama am Bett, ihre große Parfum Sammlung. Es gab da diesen einen Duft, der mir immer sehr gut gefallen hat und der so extrem blumisch und verspielt roch "Naff-Naff", vielleicht kennt den ja noch jemand, leider ist er heute nicht mehr zu bekommen, den hatten früher auch viele Klassenkameradinnen von mir und glücklicherweise war er auch hier zu finden. Ich legte ein wenig davon auf und war wie in Extase...

Jetzt ging ich mit leichtem Hüftschwung auf den großen Spiegel zu. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und meine Knie zitterten leicht.  Ich konnte nicht glauben was ich sah. Es war zum ersten mal in meinem Leben alles perfekt... Es war so wie es sein sollte und ich wünschte mir, das es für immer und ewig so sein sollte. Ich war ein wunderschönes 14 jähriges Mädchen, das offenbar vorhatte auf eine Party zu gehen und dabei unglaublich süß lächelte. Ich drehte mich vor dem Spiegel hin und her, ich versuchte einige Posen nachzumachen, die ich immer bei den Modells im Otto Katalog gesehen habe und war so glücklich wie nie zuvor.
Doch etwas stimmte noch nicht ganz... Meine Haare waren zwar Schulterlang, aber nicht besonders weiblich geschnitten.
Ich beschloss also etwas herum zu experimentieren und besorgte mir einen silbernen Haarreif, den ich so trappierte dass vorne nur noch der Pony zu sehen war und die anderen Haare nach hinten, hinter die Ohren geworfen wurden. Außerdem stibitzte ich mir aus Mamas Schmuckschublade eine silberne Halskette mit einem rosa Herzchen und zwei Armreifen in silber und rosa. Ohrringe waren leider nicht drin, da ich noch keine Ohrlöcher hatte.
Kontrollblick in den Spiegel und es war wie das Tüpfelchen auf dem i.

So ging ich dann erstmal runter in die Küche und machte mir einen Tee. Währenddessen schaltete ich MTV am Fernsehen ein und hörte die Hits der 90er. Ich weiß es noch wie heute, es liefen gerade die Spice Girls mit Wannabe und so tanzte ich durch´s Wohnzimmer und genoß meine Freiheit.


((((( das war es erstmal, jetzt ist Netflix angesagt )))))

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #1
Herzlich willkommen hier bei uns!

Ähnlich wie bei dir, hat der Lebensweg zur Frau bei fast allen von uns angefangen.  Fast alle hier haben sich auch an Mutters Sachen zuerst bedient . 
Mein Lebenslauf war etwas anders, da ich nicht wusste, ob ich ein Mädchen oder ein Junge war, und auch heute noch immer nicht so richtig weiß, ob ich ein Mann oder eine Frau sein soll.  Ich bin Gender Fluid, tendiere aber stark zu einer Frau hin.

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #2
...  Fast alle hier haben sich auch an Mutters Sachen zuerst bedient . 
Mein Lebenslauf war etwas anders, ...

Das mag zwar sein, daß das für viele zutrifft. Aber "fast alle" stimmt sicher nicht. Schon im nächsten Satz schränkst du das ja selber ein. Auch bei mir war das nicht so. Und ich vermute, daß dies auch für sehr viele andere zutrifft.

Davon ab, herzlich willkommen hier.


liebe grüße
triona

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #3
Bei mir war das z.B. so.
Ich war 12, ich war so groß wie meine Mutter, die Schuhgröße stimmte auch, und der Stimmbruch war noch nicht allzu weit fortgeschritten. Da musste das einfach sein...

Also herzlich willkommen hier, liebe Sabrina!

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #4
Herzlich wilkommen!

Und Glückwunsch zum Erfolg beim ersten Schminken! Ich habe da andere Erfahrungen gemacht.

Liebe Grüße

Brigitte

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #5
Auch von mir recht hezlich willkommen und lies Dich durch Und bleiebe Gesund.
Liebe Grüße
Jasmin Viktoria

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #6
Lieber Eichenwald, :)  :)  :)  :)

sehr herzlich willkommen hier an Board bei uns, hoffe du fühlst dich sehr wohl hier. und es kann alles abgefragt werden., Nur zu.

sehr schöne Tag, Gesundheit dazu., liebe grüße dazu Robert1

Re: Sabrina stellt sich vor

Reply #7
Hallo liebe Sabrina,

schön dass du dabei bist! Ich bin sehr gespannt mehr von deiner Geschichte zu erfahren, denn ich erkenne mich in Ansätzen darin wieder (ich bin nur nie so weit gegangen wie du mit dem Anziehen und Schminken, weil es für mich damals nicht so eindeutig war, in welche Richtung mein Leidensdruck denn überhaupt ging).

Lieben Gruß,

Val