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Topic: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage (Read 673 times) previous topic - next topic

Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Frauke und ich studiere Psychologie an der Medical School in Hamburg. Ich beschäftige mich aktuell mit meiner Bachelorarbeit.
In dieser liegt der Fokus auf der Body Integrity Identity Disorder (BIID). Bei diesem Phänomen leben die Betroffenen mit dem Gefühl, dass ein Körperteil (zum Beispiel ein Bein) nicht zu ihnen gehört. Die Betroffenen leiden sehr darunter und es kam bisher noch nicht zu einer Aufnahme in die Klassifikationssysteme (ICD-10, DSM-5). Damit eine Diagnose gestellt werden kann und somit auch Behandlungen zugänglich zu machen und die Situation der Betroffenen zu verbessern, ist es wichtig ein Phänomen klar zu definieren und auch abzugrenzen.

Somit dient die Studie dazu, einen weiteren Baustein zur Differentialdiagnostik zwischen BIID und Geschlechtsinkongruenz zu leisten. Hierbei werden vor allem die Unterschiede in den Empfindungen des nicht erwünschten Körperteils betont.

Ich würde mich sehr freuen und ihr würdet mir wirklich weiterhelfen, wenn ihr euch ca. 15 min Zeit nehmen könntet und diesen Fragebogen ausfüllt.

Bei Fragen könnt ihr euch gerne bei mir melden (Frauke.kanschik@gmx.de)
Ich hoffe, es in Ordnung ist, dass ich diesen Fragebogen hier reinstelle.

Liebe Grüße,
Frauke

Hier ist der Link zu der Umfrage:
https://ww2.unipark.de/uc/Empfindungen_GID/#start

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #1
Hallo Frauke,

an diese Umfrage werde ich nicht teilnehmen. Grund ist, dass man eine Differentialdiagnostik zwischen Geschlechtsinkongruenz und einem Empfinden der Nicht-Zugehörigkeit bestimmter Körperteile zum Körper sucht.

In meinen Augen ist das ein grundsätzlich falscher Ansatz, denn die mehr oder weniger ausgeprägte Ablehnung bestimmter Körperteile bei transidenten Menschen ist nur Folge einer Abweichung zwischen dem empfundenen oder als richtig empfundenen Geschlecht, und sie ist unabhängig vom Geschlecht als solchem, tritt sowohl bei genetisch weiblichen wie männlichen Menschen auf. BIID m.W. hingegen nur bei genetisch männlichen Menschen, Und BIID scheint mir keine Folge von irgendetwas, sondern originär zu sein.

BIID mag zwar oberflächlich betrachtet Parallelen aufweisen. Die werden aber vor allem von den Leuten wahrgenommen, die Transmenschen auf den primären Wunsch nach körperlichem Umbau reduzieren wollen, weil zum Beispiel irgendein Körperteil als nicht zum Körper gehörender Fremdkörper wahrgenommen wird. Das waren zumindest übrigens originär auch die "Fachleute", die Transmenschen das Leben eher schwer machen wollten. Deshalb schrillen bei mir sofort die Alarmglocken, wenn ich mit diesen sogenannten "Parallelen" konfrontiert werde. Das reduziert mich und mein Empfinden unmittelbar aufs körperliche.

Ich halte es daher für wichtig, dass man sich erstmal von dieser Vorstellung der Parallelen von Trans und BIID löst. Das sind für mich schlicht und ergreifend zwei Paar Schuhe. Das bedeutet aber dann wohl auch, dass es grundsätzlich vorstellbar ist, dass es auch Transfrauen mit zusätzlich BIID geben könnte.

Hier im Forum waren vor ein paar Jahren mal ein paar Menschen mit BIID aktiv. Wenn Du mal stöberst, findest Du sogar Material zu Deiner Frage.

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #2
Seh ich wie Beate.

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #3
Da habt ihr wohl recht. Das hatte ich noch nicht mal vollständig durchleuchtet.

Hinzu kommt noch, daß der Fragebogen auch unter dem Gesichtspunkt von Logik und sinnvoller Auswahl bei den Antwortmöglichkeiten (Multiple Choice Fragen) her vermurkst ist.  Ich habe mit dem Fragebogen begonnen und nach der 2. Seite abgebrochen. Grund: Es war nicht möglich, einige unlogische und widersinnige Fragen unbeantwortet zu lassen, obwohl eine sinnvolle Beantwortung im konkreten Einzelfall nicht möglich war. Ich halte den Ansatz der Fragestellung in einigen Fällen für vollkommen verkorkst und unbrauchbar für die Beantwortung wie auch immer gearteter "wissenschaftlicher" Fragestellungen. Von den Ergebnissen einer solchen Fragebogenaktion mit solchen Konstruktionsfehlern erwarte ich keine sinnvollen Erkenntnisse. Meine Daten will ich hier auch nicht verwendet wissen. Ich hoffe der Abbruch des Vorgangs hat zur Folge, daß diese gar nicht erst Eingang in die weitere Untersuchung gefunden haben.


Lohnt sich also nicht, daß man sich weiter damit auseinander setzt. Weder der Ansatz der ganzen Untersuchung noch die Ausführung des Fragebogens im Einzelnen genügen irgendwelchen "wissenschaftlichen" Ansprüchen und Erfordernissen.


liebe grüße
triona

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #4
Beate dazu gibt es eigentlich nichts mehr weiter zu sagen. Danke schön.
Jasmin

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #5
Hallo Frauke,

mir selbst kamen vor einigen Jahren, als ich das erste Mal von BIID hörte, der Gedanke, das es da scheinbare Parallelen gibt. Heute bin ich der Meinung, das die Gemeinsamkeiten sich auf wenige Dinge beschränken.

...
Somit dient die Studie dazu, einen weiteren Baustein zur Differentialdiagnostik zwischen BIID und Geschlechtsinkongruenz zu leisten. Hierbei werden vor allem die Unterschiede in den Empfindungen des nicht erwünschten Körperteils betont.
...

Bei der Transidentität wird kein Körperteil abgelehnt, jedenfalls nicht primär, sondern die Identität des Inneren stimmt nicht mit dem Äußeren, der sozialen Rolle u.v.m. überein. Wird ein "gewisses" Körperteil abgelehnt, dann weil dieses ein Makel darstellt, -eine Disharmonie, das aber auch am Selbstbewusstsein kratzt, wie stark unterschiedliche Brüste. Es gibt aber auch sehr viele Transmenschen, die sehr gut mit dem da zwischen den Beinen leben können und eine Geschlechtsangleichende OP für sich ablehnen, weil es für sie keine Rolle spielt und es trotzdem, oder gerade deshalb für sie stimmig ist.
Das ist meine Sichtweise.

Liebe Grüße,
dat Kerstin ;)

 

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #6
Hallo Ihr Lieben,

Eure Antworten auf die Bitte von Frauke um eine Beteiligung an Ihrer Studie finde ich ziemlich befremdlich.

Weder in Ihrem Post noch in der Umfrage steht irgendetwas, das sich meines Erachtens als Gleichsetzung von BILD und Trans interpretieren lässt. Im Gegenteil: Sie schreibt, dass es ihr um eine Differenzierung zwischen diesen beiden Phänomenen geht.

Warum diese reflexhafte Distanzierung von BILD?

Die Parallelen sind meines Erachtens sehr klar: Sowohl Trans- als auch BILD-Betrofffene haben eine problematische Beziehung zu bestimmten Körperteilen. Die Ursachen, Beweggründe, Hintrgründe und Konsequenzen mögen unterschiedlich sein. Aber mal ehrlich, wer von Euch kennt die genauen Hintergründe, Ursachen, Erscheinungsformen, Konsequenzen, ... von BILD? Was ist echtes Wissen und was sind Vorurteile, die Euch zu einer solchen Distanzierung bewegen? Niemand wies, ob es bei BILD tatsächlich primär um die Ablehnung bestimmter Körperteile geht, oder ob das nicht vielleicht lediglich die Konsequenz aus einem anders gearteten Identitätskonflikt ist, der sich eben nicht auf geschlechtliche, sondern andere Körpermerkmale bezieht? Oder wer von Euch ist sich warum sicher, dass es bei Trans nicht vielleicht primär um die Ablehnung der vorhandenen körperlichen Geschlechtsmerkmale geht und sich die abweichende Identität daraus sekundär entwicklet hat? Ich weis das von mir jedenfalls nicht, denn erinnern kann ich mich an das seltsam distanzierte Gefühl gegenüber den männlichen Geschlechtsmerkmalen deutlicher als an mein Gefühl einer weiblichen Identität.

Ich habe vor einigen Jahren einen BILD-Betroffenen kennengelehrnt. Wir haben uns intensiv über Trans* und BILD ausgetauscht und ich habe mich trotz aller Unterschiede ihm sehr nah gefült. Ähnlich nah wie ich mich auch Homosexuellen fühlen kann. Ja, es gibt Unterschiede, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten. Ein genauer Blick darauf schadet meiner Ansicht nach nie, sondern kann das Verständins für all diese Phänomene nur verbessern.

Für Menschen, die nicht betoffen sind, ist vermutlich oftmals beides gleichermaßen unverständlich. Und für uns ebeso wie für BILD-Betroffene ist Solidarität sichrlich zuträglicher als reflexhafte Distanzierung.

Auch wenn manche Fragen eine gewisse Ahnungslosigkeit erkennen lassen, ich begrüße die Studie, durch die vielleicht ein kleines bisschen mehr Klarheit geschaffen wird. Ich habe daran teilgenommen und finde es gut, wenn ich nicht die Einzige bleibe.

Viele liebe Grüße
Nicola

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #7
Die Parallelen sind meines Erachtens sehr klar: Sowohl Trans- als auch BILD-Betrofffene haben eine problematische Beziehung zu bestimmten Körperteilen.


Bei manchen Trans* mag das zutreffen, aber bei Weitem nicht bei allen. Deshalb ist dieser Ansatz schon vom Grundsatz her falsch.

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #8
Hi Frauke,

da ich wusste wo ich suchen muss:
BIID vs. TG .

LG
Ju

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #9
Die Parallelen sind meines Erachtens sehr klar: Sowohl Trans- als auch BILD-Betrofffene haben eine problematische Beziehung zu bestimmten Körperteilen.


Bei manchen Trans* mag das zutreffen, aber bei Weitem nicht bei allen. Deshalb ist dieser Ansatz schon vom Grundsatz her falsch.

Hallo Daphne,

wir könnten uns jetzt wunderbar streiten, wieviele denn nun "manche" sind. Aber das wird uns sicherlich nicht weiter bringen.

Zumindest bei mir weiß ich, dass meine Beziehung zu den Bereichen meines Körpers, an denen die Männlichkeit unübersehbar wird, sicherlich nicht ohne Probleme war und ist. Und ich kann mir ehrlich gesagt kaum vorstellen, dass Du mit den männlichen Merkmalen deines Körpers völlig problemlos umgehen konntest, denn sonst hättest Du, vermute ich Mal, nichts daran verändern wollen bzw. müssen. Und wenn es hier irgendjemand gibt, dem oder der es damit anders geht, deren Umgang mit ihrer männlichen bzw. vormals männlichen bzw. weiblichen Körperlichkeit stets ohne Probleme war und ist,  dann fände ich es sehr spannend von diesem Trans-Menschen zu erfahren. Ich glaube, von solchen Trans-Menschen könnte ich viel lehrnen.

Was ich aber noch spannender finde ist die Frage, warum es offensichtlich vielen Trans-Menschen wichtig ist keinesfalls mit BILD Betroffenen auch nur verglichen zu werden. Diese Abwehrreaktionen erscheinenen mir symptomatisch dafür, Ängste vor den eigenen, nicht angenommenen Anteilen auf andere Menschen zu projezieren.

Wenn Trans-Menschen sich gesunde Teile ihres Körpers entfernen lassen und danach auf permanente Hilfsleistungen (z.B. externe Hormongabe) angewiesen sind, dann hat das mit Verstümmelung nichts zu tun, Wenn BILD-Betroffene das gleich machen dann ist das etwas ganz anderes... Seltsam, findet Ihr nicht?

Viele Grüße
Nicola

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #10
Also Nicola, erstmal hab ich meinen Penis dran lassen lassen bei der gaOP, gegen den hab ich nun wirklich nix. Die Hoden haben mich nur insofern gestört, als sie dauernd im Weg waren und im Badeanzug halt nicht wirklich kaschiert werden können. Dazu muß man wissen, daß die nicht geschrumpft sind, wie bei anderen Transfrauen.

Darüber hinaus gibt es jede Menge Transfrauen, die früher, vor dem BVerfG-Urteil, zwar eine Namensänderung gemacht haben aber eben keine OP - aus welchen Gründen auch immer.

Auch die Transmänner lassen sich nicht alle operieren, außer einer Mastektomie vielleicht.

Und schließlich ist es schon ein Unterschied, ob ich mir ein Bein abnehmen lasse, weil ich es nicht mag und fürderhin auf Krücken, Prothesen oder den Rollstuhl angewiesen bin, oder ob ich ein Hormongel auftrage zur Substitution.

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #11
Hallo Daphne,

dass bei weitem nicht alle Trans-Menschen operiert sind, das ist mir schon klar. Ich selber bin auch nicht operiert und habe das auch nicht vor. Aber das heist noch lange nicht, dass ich keine Probleme mit meinem Körper hätte.

Und ähnlich verhält es sich, soweit ich weis, auch mit BILD: Auch BILD-Betroffene lassen sich nicht alle operieren.

Auch nach meinem Empfinden ist es ein Unterschied ob ein Bein amputiert wird oder die Hoden. Welches der beiden der gravierendere Eingriff ist, dass läßt sich vermutlich nicht objektiv beurteilen. Ob so ein Eingriff zu rechtfertigen ist, hängt meines Erachtens in beiden Fällen vom individuellen Leidensdruck ab.

Wie gesagt, geht es mir keinesfalls darum Unterschiede zu negieren. Es geht mir darum genau hinzusehen, es geht mir darum zu vergleichen, aus den Unterschieden und Gemeinsamkeiten ein besseres Verständnis auch für mein eigenes Trans-Sein zu entwickeln.

Und ganz wichtig: Es geht mir um Solidartät zwischen zwei Gruppen von Menschen, die von "Normalos" oft nicht verstanden werden. Distanzierung nach dem Motto "die sind ganz anders als wir, da lässt sich nichts vergleichen" ist das Gegenteil von Solidarität.

Liebe Grüße
Nicola



Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #12
Nicole,

es geht aber auch immer darum, *wer* die Parallelen sehen will. Und wenn das Leute sind, die uns auf den Wunsch zur körperlichen Veränderung, zum "Body-Tuning" reduzieren, kann es für uns unangenehm werden. Eben von solchen Leuten hat man vor ein paar Jahren (als der alte BIID-Faden entstand) aber diese Parallelen vernommen.

Und wenn ich mich davon distanziere, heißt das noch lange nicht, dass ich mich von BIID-Betroffenen distanziere und schon gar nicht, dass ich denen gegenüber unsolidarisch bin.

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #13
Hallo Daphne,


Auch nach meinem Empfinden ist es ein Unterschied ob ein Bein amputiert wird oder die Hoden. Welches der beiden der gravierendere Eingriff ist, dass läßt sich vermutlich nicht objektiv beurteilen.

Liebe Grüße
Nicola

Stimmt. Mit ohne Hoden gibt es keine Erwerbsminderung.

Brigitte

Re: Einladung zur Teilnahme an einer Umfrage

Reply #14
Allerdings muss man mMn sehen, dass sich die Bilder ( T* und BIID) mit fortschreitender sozialer Entwicklung auseinander dividieren.

Gab es früher auch für T* fast nur die Option operative Veränderung ist es heute wesentlich leichter entsprechend dem inneren Geschlecht auch ohne operative Veränderungen anerkannt innerhalb der Gesellschaft zu leben und so non-operativ den Wiederspruch für sich auf zu lösen.
Sogar ein Leben ohne medikamentöse Behandlung scheint möglich.
Möglicherweise nicht als Regelfall so doch als Option.

Für BIID kann ich mir eine solche Entwicklung nicht vorstellen.