Skip to main content
Topic: Ganz am Anfang (Read 2161 times) previous topic - next topic

Ganz am Anfang

Hallo liebe Forumsmitglieder!

Mein Name lautet eigentlich Maria und ich bin 17 Jahre alt. Seit etwa 3 1/2 fühle ich mich in meinem weiblichen Körper sehr unwohl und verspüre den starken Wunsch, meine männliche Seite auszuleben. Bisher habe ich allerdings niemandem davon erzählt, da ich Angst habe, nicht ernst genommen zu werden, weil sich diese Gefühle nicht bereits in frühester Kindheit entwickelt haben. Ich fürchte mich davor, das andere denken, es sei nur eine Phase, weswegen es mir auch schwer fällt, hier darüber zu schreiben, obwohl ich mir meiner Sache sicher bin.
Erfahrungsberichte von anderen, denen ihre Transsexualität/Transidentität erst in der Pubertät oder später bewusst wurde, würden mich freuen. In der Hoffnung, dadurch den nötigen Mut aufbringen zu können, jemandem davon zu erzählen.
Hoffentlich war alles soweit verständlich und ich möchte keinesfalls irgendjemanden beleidigen!

Liebe Grüße,
Maria

Re: Ganz am Anfang

Reply #1
Hey und ein ganz dolles Willkommen von mir!

Bei mir war es leider nicht so dass ich von einer Phase reden konnte sondern eher von einen Ständigen auf und ab und einen immer wieder aufflammenden Konflikt. Weiß aber dass es nicht selten ist dass die meisten die richtige Diskrepanz erst wärend der Pubertät erleben, auch weil sich da nun mal der Körper verändert. Für mich war damals mein Stimmbruch z.B. etwas sehr unschönes und auch schwieriges. Einerseits wollte ich normal sein dachte nun kommen die Fakten auf dem Tisch was man ist und findet sich vielleicht, andererseits dann leider doch die bittere Wahrheit dass man das was man da wurde nicht innerlich war. Hasse mich dafür heute das zugelassen zu haben. Ich denke bei dir kann es ja wirklich gerade dadurch der Leidensdruck erhöht sein, auch weil man glaube vorher es zumindest in der Frauenrolle deutlich weniger merkt wenn man anders ist, bzw. es eher noch akzeptiert wird. Das Körperliche wird aber dann eben wirklich erst richtig spürbar denk ich.
Du brauchst keine Angst zu haben oder meinen dass du deshalb etwas nicht wärst. Zweifel hatten wir hier denk ich alle am Anfang. :)

Ganz lieb grüß,

Kaylee

Re: Ganz am Anfang

Reply #2

Hallo M

es gibt ja keinen Standardlebenslauf, einen Kalender, der sagt mit spätestens 3 Jahren, 2 Monaten, 4 tagen, 15 stunden und 8 Minuten muss ein mensch sich so und so fühlen, oder rosafarbene Socken vehement ablehnen. Ich hab Kleidung für Jungen sehr früh abgelehnt, die Reaktion meiner Eltern hat aber dafür gesorgt, dass ich mir, nur um zu Überleben, keine Gedanken mehr drüber gemacht habe bis ich sehr viel älter war.  Es hat dann eine Weile gedauert, bis ich den Vorfall damals wieder rekonstruiert habe.

"Die männliche Seite ausleben", das ist eine Aussage, die eine große Bandbreite enthält, das kann die Hinwendung zu männlich definierten Freizeitbeschäftigungen sein, das kann aber auch die Ablehnung von körperlichen Merkmalen sein, die sich erst mit der Pubertät entwickelt haben, oder auch die Ablehnung von Verhaltensweisen, zu denen du erst gezwungen wirst seit Du eindeutig als Mädchen wahrgenommen wirst.

Hast Du eine konkrete Vorstellung, was die männliche Seite für Dich bedeutet, oder wie Du Dich siehst in ein paar Jahren, wenn Du ein paar Wünsche frei hättest?

Re: Ganz am Anfang

Reply #3
Vielen Dank für die Antworten!

@michelangela Ich lehne vor allem die körperlichen Merkmale, die mich als eindeutig weiblich identifizieren, ab. Das Wissen, von anderen Personen so gesehen zu werden, macht es mir nicht leicht, mich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Vor ein paar Monaten habe ich damit angefangen meine Kleidung in der Männerabteilung zu kaufen und in diesen fühle ich mich deutlich wohler, auch wenn sie meine Kurven nicht ganz verbergen können. Auch die Haare sind schon kurz. Themen die, dem Klischee nach, als "typisch weiblich" gelten interessieren mich gar nicht. Meine Hobbies sind da eher geschlechtsunabhängig: Lesen, schreiben, Computerspiele und Filme/Serien. Als Kind war ich immer irgendwo zwischen Autos und Puppen. In der Schule (etwa ab der 6. Klasse) wollte ich oft mit den Jungs reden, habe mich aber nie getraut. Ich würde mir wünschen, eines Tages auf der Straße als Mann wahrgenommen und so angesprochen zu werden. Als nächsten Schritt hatte ich geplant, einen geeigneten Psychologen zu suchen.


Re: Ganz am Anfang

Reply #4
Hallo M.


herzlich willkommen hier!

So wie die Gesundheitsbehörden zur Zeit ticken, ist es sicherlich schlau, Dir so schnell wie möglich einen Psychotherapeuten zu suchen. Wenn Du kannst - mach das möglichst niederfrequent; 1-2 Termine pro Woche können auf die Dauer ganz schön belastend sein, vor allem, wenn außer dem Transthema nichts ansteht. Man will ja schließlich einfach nur leben und möglichst nicht ständig an den Transmist denken.

Und ganz neugierig: weißt Du denn schon, wie Du heißt?

Re: Ganz am Anfang

Reply #5
@Beate Danke! Ich habe in einem Buch, das meine Eltern nach meiner Geburt ausgefüllt habe eine Liste gefunden, in der Namen stehen, die sie mir hätten geben wollen wenn ich als Junge geboren worden wäre. Einer davon war Marcel und da mir dieser gut gefällt und auch aus Respekt vor meinen Eltern, würde ich diesen Namen wählen.

Re: Ganz am Anfang

Reply #6

@Beate Danke! Ich habe in einem Buch, das meine Eltern nach meiner Geburt ausgefüllt habe eine Liste gefunden, in der Namen stehen, die sie mir hätten geben wollen wenn ich als Junge geboren worden wäre. Einer davon war Marcel und da mir dieser gut gefällt und auch aus Respekt vor meinen Eltern, würde ich diesen Namen wählen.


Das kommt mir irgendwie bekannt vor... bei mir war es nämlich genauso, und ich kannte diesen Namen, seit ich 10 war.

Re: Ganz am Anfang

Reply #7

... Ich würde mir wünschen, eines Tages auf der Straße als Mann wahrgenommen und so angesprochen zu werden.


Hallo Marcel,

damit hast Du ja alles Wichtige beantwortet, denke ich.  Daraus ergeben sich die nächsten Schritte.

Ich würde Dir ein wenig Recherche empfehlen, zum Beipiel "transerfahrene Therapeuten in (Wohnort)"  hat mir das folgende Link beschert:
http://www.transgender-info.de/t115f50-Psychotherapeuten-und-Gutachter.html

Interessant wäre sicher auch http://transmann.de/adressen/

Wie Beate schon schrieb, an der Indikation durch einen Facharzt für Psychiatrie geht derzeit kein Weg vorbei, am besten jemand mit eindeutiger Erfahrung, der/die ist schneller.  Psychologen und Psychotherapeuten können unter Umständen keine Indikation ausstellen die die KK akzeptiert, da gibt es ein paar Fallstricke.

Liebe Grüße, M.

Re: Ganz am Anfang

Reply #8
Hallo Marcel,
auch von mir ein recht herzliches willkommen und das Du Dich hier Wohl fühlst wünsche ich Dir noch.
Liebe Grüße
Jasmin Viktoria

Re: Ganz am Anfang

Reply #9
Hi Marcel,

Willkommen. Hier.
Sei einfach so wie du sei willst, probier dich aus, teste deine Grenzen, achte immer darauf wie du dich dabei fühlst.

Dann passt das schon.

Lg
Ju

Re: Ganz am Anfang

Reply #10
Vielen Dank euch allen! :)

Re: Ganz am Anfang

Reply #11
Hallo Marcel,

auch von mir ein ganz liebes Willkommen!!! ;)


...
Erfahrungsberichte von anderen, denen ihre Transsexualität/Transidentität erst in der Pubertät oder später bewusst wurde, würden mich freuen...

Ich habe schon immer gefühlt, das ich anders, als andere bin. Erst mit 35 Jahren hatte ich ein Aha Erlebnis. Das hat aber auch nicht zu Klarheit geführt, was mit mir los ist, eher im Gegenteil. Noch heute, 10 Jahre später bin ich zum Teil krass hin und hergerissen. Dazu bin ich zum Teil mit mir im Reinen, leide aber oft sehr unter mein selbst gebautes Gefängnis, das ich aus Angst vor Opfern nicht verlasse.
Menschen, bei denen ich von vornherein ein gutes Gefühl hatte, haben mein Outing auch tatsächlich gut aufgenommen. Schwieriger ist es für Menschen, die einem nahe stehen.

Wichtig ist es für Dich, das Du Möglichkeiten findest, Dich auszuleben. Das ist der einzige Weg Dich selbst zu finden und herauszufinden, welcher Weg der Richtige für Dich ist.

Liebe Grüße,
dat Kerstin ;)

Re: Ganz am Anfang

Reply #12
Hallo!
Wollte ein kurzes Update geben: Mittlerweile habe ich mit meiner besten Freundin gesprochen, die sehr verständnisvoll reagierte. Außerdem war ich heute zum ersten Mal beim Therapeuten. Bis zum nächsten Termin in vier Wochen werde ich es wohl meinen Eltern irgendwie beibringen müssen.

 

Re: Ganz am Anfang

Reply #13
Hallo Lieber Marcel,

herzlich willkommen hier, bin auch ganz am Anfang, obwohl manches auch schon erledigt hab, outen zuerst.

hast du schon das Teil bei der Krankenkasse beantragt? Die Genehmigung der 12 x Therapie, meine ich.

das bekam schon, bin beim 2. Gutachten. wenn du jemand in Ulm brauchst, da hätte ich meinen Psychologen. Bin aber selbst nicht von Ulm.

schönes Wochenende wünscht Robert1, von w nach m, 57 Jahre alt.