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Topic: Geschichten (Read 1745 times) previous topic - next topic

Geschichten

Ich wollte den anderen Thread nicht klauen. Ich hab schon oft angesetzt, irgendwo in irgendwelchen Antworten, halbe Tage hingeschrieben und dann doch wieder gelöscht. Vielleicht sollte ich das sogar anonym schreiben.

Daniella schrieb sie sei 20, Robert hat drauf reagiert:


Sehr herzlich willkommen hier, hui so frühe weiss man schon bescheid???


Klar. Ich musste schon mit drei Jahren in die Jungsklamotten reingeprügelt werden. Ich war nie recht stur oder blöd, ich wollte überleben und hab irgendwann nachgegeben. Nackte magere Knaben mit vielen blauen Flecken sind jetzt noch mein Trigger.

Mit 9 Jahren hatte ich alle (zwei) Psychiater am Ort durch, "der Bub war so komisch". Ich sollte dann (ja mit 9) auf der Baustelle arbeiten, um ein Mann zu werden. Hilfsarbeiten, alte Steine abklopfen. Ich konnte das nicht. Irgendwann hatte mein Vater ein Einsehen. Die Steine kamen in eine alte Grube.

Als ich dann mit 14 gewachsen bin, Stimmbruch, erste Barthaare, als es enge Pullis, Schlaghosen und Plateaustiefeletten auch für Jungs gab hatte ich meine Ruhe. Vielleicht dachten die auch, das Schloss am Kleiderschrank meiner Mutter sei an Erziehungsmaßnahmen genug. Dabei bin ich da nie ran, ich hatte zu viel Widerwillen, irgendwie wie der Typ in Clockwork Orange.

Oder sie haben einfach aufgegeben. Oder sie wussten es ist jetzt eh alles zu spät. Oder ich. Mit 17 hatte ich (endlich) ein Wort dafür, aber zu einem Psychiater wollte ich auf keinen Fall mehr. War ja eh schon egal, körperliche Entwicklung siehe oben, was soll man da noch machen?

Mit 23 dann doch, aber ich konnte nicht drüber reden. Ich hatte nen Kloß im Hals, sobald es drum ging was mein Problem sei. So wie mit 45, und 47. Dass die Ärzte ratlos waren kann ich verstehen, ich war nicht krank. Ich war ja nur trans. Zugegeben hab ich das dann viel später als mit 3. (Ja ich weiß ein paar von Euch werden sagen, das hätten sie mir damals schon sagen können)

Erstaunlicherweise fühle ich mich unbeschädigt. Außer meinem Trigger, und dass ich bei Berichten über Transkinder immer heulen muss. Aber letzteres ist ja normal, oder?

Re: Geschichten

Reply #1
Ja klar, ich wußte auch schon mit vier oder fünf Jahren, daß ich anders bin als die anderen Kinder. Zum Psychiater ham sie mich auch geschleppt, damals galt ja noch die Devise "das Geburtsgeschlecht stärken".

Re: Geschichten

Reply #2
Meine frühsten Erinnerungen gehen auf die Grundschulzeit zurück. Ich muss so 6-7 gewesen sein, als ich aus allen Wolken fiel, als mir meine Freundinnen sagten: Schade, dass du kein Mädchen bist...

(WTF...ich bin doch eins...obwohl...da ist das Zipfelchen...muss wohl was dran sein, bin wohl doch ein Junge...und doch... ??? :'( :'( )

Meine Mama meinte bei einem Gespräch, das kurz danach stattfand, das wären so Phasen, die hätte jeder mal. Ich hab das geglaubt. Seitem gab es heimliche und unheimliche Crossdressing-Phasen, Versuche, in der Pubertät den frischen Bartwuchs mit eine Pinzette zu epilieren etc.

Was glaube ich bei mir einer früheren Transition im Weg stand, waren 1) fehlende Infos (80er/90er Jahre), 2) das spüren, dass es nicht, auch nicht von meinem betont liberalen Gymnasium und meinen Freunden goutiert werden würde, also die Ahnung, dass das nicht geht, auch als ich zumindest irgendwo was über Transsexuelle aus Magazinen gelernt hatte, und ich bin wenig Ich-Stark und war auf meine peergroup angewiesen 3) meine auf Frauen bezogenes sexuelles Begehren, also so, dass ich dachte, ich kann gar nicht trans sein, weil sonst müsste ich ja zumindest etwas auf Männer stehen.
Letzteres stammt wohl von der immer noch stark vorhandenen Vorstellung, dass Sexualität, Geschlechtsidentität, Ausdruck und biologisches Geschlecht untrennbar verknüpft sind (ein männlicher Mensch ist gerne Mann, gibt sich maskulin und steht auf Frauen), obwohl die damalige feministische Analyse gezeigt hat, dass alles verschiedene paar Schuhe sind. Aber auch heute kriegen ja manche Schwule noch zu hören, dass sich ja gar nicht schwul aussehen. Was daran liegt, dass ihr Begehren von Männern am weiblichen Pol liegt (in der hetero-Vorstellung), und dass damit im Geiste erwartet wird, dass bei einem schwulen Mann auch die anderen 3 Aspekte in Richtung weiblich verschoben sein müssten (also eine gewisse tuntigkeit erwartet wird, obwohl nicht alle Schwule so sind). Andersrum wird ja auch von Lesben quasi ein maskulines Aussehen erwartet. Und von den TS damals, dass sie betont weiblich sind und Männer begehren.

Dann hatte ich irgendwann Freundinnen, Studium etc. und dachte, jetzt werde ich "normal", so nach dem Motto, komm mal klar, mach was aus deinem Leben...ja...hat nicht richtig geklappt, bis ich mit 35 oder so dann anfing, wieder ernst zu machen... Ok, du bist dann wohl ein Transvestit o.ä. also genieße es und mach was draus, und dann kam schnell das Eingeständnis, dass nur der ganze Weg für mich in Frage kommt.

Quote from: "michelangela"
Erstaunlicherweise fühle ich mich unbeschädigt. Außer meinem Trigger, und dass ich bei Berichten über Transkinder immer heulen muss. Aber letzteres ist ja normal, oder?


Geht mir genauso, bzw muss ich auch. Aber ich bin auch happy für jedes Transkind, dass es schafft und glücklich ist. Und deshalb hasse ich diese Kanado-Amerikanische Sexologen-Schule so abgrundtief mit ihrer reparativen Therapie und der ewigen Reproduktion der o.g. Gleichsetzung von Sexualität und Geschlechtsidentität.

Edit: Das jüngste Transkind, von dem ich gehört habe, war 18 Monate als es formulierte, ein Mädchen zu sein. Evtl finde ich den Bericht noch...




Re: Geschichten

Reply #3


Quote from: "michelangela"
Erstaunlicherweise fühle ich mich unbeschädigt. Außer meinem Trigger, und dass ich bei Berichten über Transkinder immer heulen muss. Aber letzteres ist ja normal, oder?


Geht mir genauso, bzw muss ich auch. Aber ich bin auch happy für jedes Transkind, dass es schafft und glücklich ist. Und deshalb hasse ich diese Kanado-Amerikanische Sexologen-Schule so abgrundtief mit ihrer reparativen Therapie und der ewigen Reproduktion der o.g. Gleichsetzung von Sexualität und Geschlechtsidentität.

Edit: Das jüngste Transkind, von dem ich gehört habe, war 18 Monate als es formulierte, ein Mädchen zu sein. Evtl finde ich den Bericht noch...






Ich muss ja sagen, das ich die Kinder immer beneidet habe
Ich war immer sehr introvertiert und hab mich immer in anpassen und in der menge untergehen geübt. So hat mein transgender leben eine lange zeit nur in meinen Träumen oder im internet stattgefunden, im Moment weiss noch keiner aus meinem alten Freundeskreis was davon und ich glaube auch das die aus allen wolken fallen würden, wenn ich es ihnen erzählen würde.