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Topic: Vorstellung Jörg - Victoria (Read 8658 times) previous topic - next topic

Vorstellung Jörg - Victoria

Hi,

ich möchte mich vorstellen. Ich bin Jörg und 54 Jahre alt. Seit meinem 13. Lebensjahr wünsche ich mir eigene Brüste. Damals konnte ich mit niemandem darüber reden, weil ich spürte, dass meine Eltern nicht offen dafür waren. Und es war auch irgendwie etwas Verbotenes, denn ich bin christlich erzogen worden. Ich negierte also diesen Wunsch und ungefähr 2002 begann ich eine Hormontherapie, die ich nach einem halben Jahr abgebrochen hatte. Ein Kumpel von mir sagte, ich suche die Frau vor mir und nicht an mir. Aber der Brustwunsch ging nicht weg, und ich ignorierte ihn weiterhin. Ich fand für mich heraus, dass ich ein transvestitischer Fetischist bin, denn ich trage gerne BHs. Um wenigstens ein wenig das Gefühl zu haben, dass ich Brüste habe. Es ist irgendwie so, dass da vorne etwas fehlt. Meine Psychiaterin sagte, das käme daher, dass ich meinen Vater abgelehnt hatte. Den hatte ich abgelehnt, weil er gewalttätig in Wort und Tat mir gegenüber gewesen war. Ich fühle mich nicht ganz als Frau, sondern zu 40% als Frau und zu 60% als Mann. Ich bin also weder ganz Frau noch ganz Mann bzw. beides. In früheren Kulturen war es das dritte Geschlecht. So gesehen würde ich sagen, ich bin androgyn. Und ich überlege mir die Möglichkeit von Brustimplantaten. Hormone würde ich nicht mehr wollen, weil, wie ich gelesen habe, sie das Gehirn verändern. Den Mann-Anteil in mir möchte ich behalten, aber auch die Frau in mir soll zu ihrem Recht kommen. Zudem ist es so, dass ich nicht auf Männer stehe, sondern nur auf Frauen. Das soll man jetzt verstehen...

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #1

Hi,

Ich bin Jörg und 54 Jahre alt.

Das soll man jetzt verstehen...
Hallo Victoria!
Darf ich dich auch Jörg nennen oder bestehst Du auf Victoria?

Du scheinst in erster Linie Persönlichkeit entwickelt zu haben, das finde ich gut.
Dass deine Lebenseinstellung 40/60 beträgt, weiß keiner besser als Du selbst. Schätze gar, dass die Tendenzen sich nach Gemütslage verschieben können.

Und ich behaupte einfach mal, egal wie man es macht, dass es nicht einfacher wird. Sondern einzig und allein wichtig ist, dass man sich wohlfühlt. In jedweder Form. Das geht natürlich nicht immer, dass wir in Bestform mit unserem Wohlbefinden sein können, kann ich mir nicht vorstellen.

Du möchtest deine Belange durchsetzen und Brüste haben? Wie sieht das denn mit einer Bartepilation aus? Das ist ja nicht ganz unwichtig. Oder meinst Du auf Kosten meiner Zeit, mich verarschen zu können?

Lieben Gruß,
Dany

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #2
Hallo Victoria,

herzlich willkommen im Forum!  :)

Aus deinem Vorstellungstext werde ich nicht ganz schlau, deshalb möchte ich da auch keine Ideen oder gar Empfehlungen einbringen. Wenn du schon in therapeutischer Behandlung warst (bist?), ja sogar schon mal in der Hormontherapie warst, müsstest du doch eigentlich schon diverse Themen viel genauer durchdacht haben als es in deinem Vorstellungsbeitrag erscheint?

Solltest du ein Mann sein, und deine Männlichkeit dir was wert sein, kommen weibliche Hormone nicht in Frage. Ein Männerleben mit implantierten Brüsten ist wohl auch kaum vorstellbar, auch wenn sich gewiss irgendwo im Ausland ein Arzt für sowas finden ließe.

Liebe Grüße,
Michi

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #3
Hormone verändern das Gehirn nicht, da kann ich dich beruhigen. Ich nehm seit vier Jahren welche und habe mich nicht verändert vom Wesen her.

Besorg dir doch Siikontitten, dann kannst du mal ausprobieren, wie sich so ein Vorbau anfühlt.

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #4
Hallo J-V...

Die Einordnung als irgendwas dazwischen ist ja durchaus legitim, ob Du Dich als schräg zwischen den Geschlechtern liegend definierst, oder als Angehöriger beider Geschlechter, gleichzeitig oder alternierend, siehst, liegt alleine an Dir. Und welche Ausdrucksformen Du dafür findest, ist ein spannendes Thema, das ich nur als Außenstehende würdigen kann.

Aber ein paar Bemerkungen möchte ich mir doch gestatten:

Eine physiologische Veränderung des Gehirns durch Hormone halte ich für unwahrscheinlich, da verändert sich das Gehirn selbst stärker durch unterschiedliche "Übung", bzw. Training. Was aber passieren kann ist eine Veränderung deiner Emotionen. Muss aber nicht, liegt auch mit an der Dosierung, Deiner Emotionalität jetzt, usw.

Körperliche Veränderungen sind recht individuell, ich kenne Frauen die nach Jahren Hormoneinnahme kein nennenswertes Brustwachstum hatten, und andere, die nach 4 Monaten schon kein enganliegendes T-shirt tragen konnten, ohne sich zu offenbaren.  Wenn Du schon mal Hormone genommen hast, und Du Dich dabei nicht wohl fühltest, würde ich das als Anzeichen nehmen, dass es für Dich nicht das richtige ist.

Ich würde mich nicht unbedingt deiner Selbstdiagnose anschließen, fetischistischer Transvestitismus bedingt schon eine gewisse sexuelle Erregung beim Tragen des geliebten Kleidungsstücks, davon hattest ja nichts erwähnt. Das musst Du selbst beurteilen. Eine Präferenz für ein Kleidungsstück muss nicht unbedingt auf einen Fetisch hindeuten.

Die Ursache für bestimmte Eigenheiten im Verhältnis zu den Eltern zu suchen, liegt nahe, allerdings liegen Psychologen, die sich mit Transsexualität nicht auskennen, sehr gerne daneben. Ein Mensch der nicht in sich selbst zuhause sein kann, weil es zum Beispiel eine Diskrepanz zwischen biologischem Geschlecht und geschlechtlicher Identität gibt, kann alle Arten von Eigenheiten entwickeln, auch ein gestörtes Verhältnis zu einem Elter. Ich hab meine Eltern abgelehnt, weil sie zwischen mir und meinem Leben standen, ich konnte mich erst mit ihnen aussöhnen,als ich endlich angekommen war.

An Deiner Stelle würde ich weniger auf Kumpel oder Psychologen hören. Auf uns hier auch nicht. Sondern auf Dich selbst.

+lg+

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #5
Hallo Dany,

ich möchte hier niemanden verarschen. Ich meine das, was ich hier geschrieben habe, ernst.
Bartepilation ist bei mir sekundär. Ich schrieb, ich halte mich für androgyn, also zwischen den
Geschlechtern. Conchita Wurst trägt Bart.

Ansonsten, danke an alle für Eure Antworten. Ich werde sie durchdenken.

Liebe Grüße, Jörg/Victoria

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #6

ich möchte hier niemanden verarschen. Ich meine das, was ich hier geschrieben habe, ernst.


Dann ist es ja gut. Wir hören immer mal wieder derartige Ideen, und in den meisten Fällen stellte sich heraus, dass jemand das Bedürfnis hatte, irgendwas an uns abzureagieren.

Also wenn Du das wirklich ernst meinst, bist Du natürlich herzlich willkommen.

Vielleicht noch ein Gedanke: als Mann mit Busen oder auf irgendeine andere Weise androgyn kann es in unserer Gesellschaft schwerer werden, besonders beruflich. Anders als die Menschen, die eine Transition vornehmen, sprengst Du das in Deine Umwelt weitaus überwiegende binäre Denken in bezug aufs Geschlecht. Damit wirst Du sehr viel stärker irritieren als ein Transmann oder eine Transfrau das kann. Conchita Wurst will das ja auch - und in dem von ihr für diese Rolle gewählten Show-Kontext funktioniert das auch. Aber außerhalb, im "normalen" Alltag?

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #7
Ich möchte mich Beate anschließen - Herzlich Willkommen!


Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #8
Conchita Wurst trägt Bart.


Wobei das ausdrücklich eine Bühnenfigur war. Sie hat ja ausdrücklich mit den Erwartungen des Publikums gespielt. Das willst du augenscheinlich nicht. Also Vorsicht, wie schon Beate sagte.

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #9
Hallo Ihr Lieben
und danke für das Willkommen!

Ich habe kürzlich heraus gefunden, was es ist, was ich habe.
Es nennt sich Autogynophilie. Diesen Begriff kannte ich zuvor
nicht.
Mal sehen, was ich damit mache.

Liebe Grüße,
Jörg/Victoria

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #10
Find es schon seltsam, dass sich jemand selbst so nennt. Gut, Fetische sind legion, aber ursprünglich kommt der Begriff aus einer bösartigen gatekeeping-Theorie, mit der man zwischen echten und falschen transsexuellen Frauen unterscheiden will.




Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #11
Sorry, aber das ist ziemlicher Quatsch. Hat dir das Dr. Google verraten? Das ist nur ein anderer Erklärungsansatz für das Phänomen Transfrau. Nebenbei bemerkt: Transmänner werden damit nicht erklärt.

Hier steht mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Autogynophilie

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #12
Auch ich hatte mal eine Phase, in der ich mich gefragt hatte, ob ich vielleicht Autogynäphil sein könnte. Ok, sowas geht vorbei...

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #13
Dem Wikieintrag zufolge bin ich, als lesbische Transfrau, auch autogynophil. Hat mich aber nie interesiert. Ich wollte immer nur als Frau leben. Schubladen und Aufkleber brauch ich dafür nicht. Wir sind sowieso alle anders und einzigartig.

Re: Vorstellung Jörg - Victoria

Reply #14


Es nennt sich Autogynophilie.


In dem aktuellen Entwurf der Leitlinie zur Behandlung von trans* Personen ist Autogynephilie als theoretische Möglichkeit erwähnt, aber nicht mehr als Ausschlußkriterium. Der von Dahne verlinkte Artikel ist recht hilfreich, finde ich. Macht aber nix, es ist egal welchen Namen Du Deiner Katze gibst, Hauptsache ihr kommt miteinenander aus.

Nur am Rande, ich mag die Frau die ich bin sehr. Ich glaub ich mochte die immer schon, selbst als ich sie nur als Möglichkeit kannte. ich find das ist normal.