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Topic: Liebes Tagebuch … (Read 18507 times) previous topic - next topic

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #76
Quote
Schwanz jagen muss ich noch üben. Ich erwisch ihn nie.


Eintrag ins Ausbildungsbuch: "Sie hat sich stets bemüht."

Gute Nacht!  8)

Liebes Tagebuch (das war’s erst mal)

Reply #77
Liebes Tagebuch,

wenn das Leben Wellen schlägt, dann war das gestern "Tsunami trifft Wüste Gobi".

Ich bin so aufgewühlt, alles ist seit meinem KLICK! in einem irrsinnigen Tempo von mir vorangetrieben worden und ich glaube, ich habe mich verrannt. Fakt ist, liebes Tagebuch, dass ich vieles in meinem früheren Leben nun besser einordnen kann. All meine Fetischphantasien, meine kleinen, versauten Kopfkinoeskapaden, meine Traurigkeit, mein Gefühl der Unvollständigkeit: die Puzzlestücke fügen sich zusammen.

Ja, in mir wohnt eine Frau, die raus will. Sie ist ein wichtiger Teil von mir.
Aber ich kann ihr das nicht erlauben, sie ist nicht alles.

Oona ist in mein Leben gedrungen wie eine unerzogene Göre, die glaubt, dass sie alles dürfte. Darf sie aber nicht.

Meine Weiblichkeit ist nicht der Dreh- und Angelpunkt der Welt und ich trage Verantwortung meinem männlichen Part, meinem Kind, meiner Quasifrau, meinen Firmen und anderen Menschen gegenüber, dass ich nicht einfach tun und lassen kann, was Oona gerne möchte. Sie muss warten. Und Hormone zum Naschen gibt’s auch erst mal nicht.

Damit mein Herz und meine Seele nicht zerreisst, habe ich gestern erneut ein Gespräch mit meiner Freundin gesucht und gefunden. Viele Tränen sind geflossen. Meine Güte, habe ich sie vor dem Kopf gestossen; ich war selber ein unsensibler Tsunami, der beinahe über Leichen gegangen wäre. Mich schaudert’s bei dem Gedanken.

Apropos Gedanke: Ich denke, ich kann mich mit mir selber arrangieren, Öl auf den Wellengang giessen. Wir – also meine Freundin und ich – sind übereingekommen, dass wir in unseren vier Wänden Oona aus dem Käfig lassen. Hin und wieder. Langsam. Zum Angewöhnen. Sie wird mich unterstützen, diesen Teil von mir besser kennen zu lernen. Ob Mode, Schminktipps oder Gespräche unter Frauen: Oona darf raus, sich ihre Silikonbrüste umschnallen und halbwegs sein, wie sie ist. Transsexualität auf dem Crossdressing-Level lautet die Devise.

Ansonsten gilt: Kneif’ die Arschbacken zusammen und bring die Firmen nach vorne! Wenn das alles so läuft, wie wir es seit gut einem Jahr planen, dann gewinnen wir die finanzielle Sicherheit, die andere gerne hätten. Die monetäre Freiheit ermöglicht auch ganz andere Lebensmodelle. Man kann in Armut frei sein oder in Reichtum. Ich bevorzuge Letzteres (Schuhe kosten Geld).

Ooana, das dumme Ding, hat sich auch mit der Wahl des Zeitpunkts ihres Outings rund um die Weihnachtszeit echt einen Klopfer geleistet, liebes Tagebuch. So viel ist mal sicher! Insgesamt schalte ich in Bezug auf sie mal reichlich Gänge zurück, das muss sein. Und es beinhaltet auch, die erhebliche Reduzierung meiner Internetreisen und damit eben auch eine gewisse Abkehr von diesem Forum.

Der Zeitpunkt ist einfach scheisse. Wenn Oona Schuhe will, muss ich Erfolg haben. So sieht’s aus. Und Erfolg werde ich haben.

Ich bin glücklich, dass ich meiner Partnerin wieder Mut machen konnte, die alles wegschwimmen sah, was ihr Lieb und Teuer ist, die mich – ihre große Liebe – nicht mehr berühren konnte, weil sie mit meinem Outing völlig überfordert war. Manchmal bin ich ein egozentrisches Arschloch.

Ich schalte also ein paar Gänge zurück, lass die Transsexualität ausrollen und parke sie in meiner Nähe.

Nach wie vor suche ich therapeutische Begleitung, nach wie vor werde ich mich selbst beobachten und Oona kennen lernen. Schliesslich sind wir jetzt zu Dritt in der Wohnung. Abgekehrt habe ich mich von dem unbedingten Verlangen eine Frau zu sein in aller Konsequenz, weil ich fest daran glaube, dass es noch andere Wege gibt; mein TS-Wesen ist naturgemäß vielschichtig und viele Wege führen nach Rom. Um diese Wege zu gehen, muss man aber nicht alles Plattwalzen, was einem bis dahin begleitet hat.

Der Mann in mir atmet auf.
Die Frau in mir muss warten.

Ich danke auf jedem Fall diesem Forum! Hier habe ich – wie viele andere Mädels vor mir – viele Antworten auf Fragen gefunden, die ich mir stellte und auch auf Fragen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gab. Ihr Mädels, die Ihr hier heimlich mitlest und dieses Forum gestaltet, Euch danke ich auch, Ihr seid Spitze. Ihr habt mir Kraft gegeben und Spaß gemacht. Und ich wünsche mir für Euch, dass Ihr Euren Weg gehen könnt, ihr Euch selbst entdeckt und Eurem Leben den Inhalt gebt, den ihr für richtig erachtet. Ich drücke uns allen die lackierten Daumen!

Und ich danke meiner Freundin, die dieses Tagebuch nicht kennt. Ich liebe sie, ich liebe sie, ich liebe sie.

Lasst es mich abschliessend mit Bugs Bunny sagen:

Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage


Eure Oona,

die jetzt das Tagebuch zumacht, abschliesst, versteckt und irgendwann wieder aus der Versenkung holen wird.

PS
Ob mein Tagebuch anderen hilft? Es würde mich freuen …!

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #78
Hallo Oona!

Dein langer Beitrag zeugt davon, das du dir (noch) nicht sicher bist, wohin dein Weg gehen wird. Ich kenne, auch aus unserer Gruppe, einige, die sich den Weg für sich sehr einfach vorgestellt haben, und dann plötzlich auf den Boden zurückkamen.

Die Gründe waren ähnlich, wie deine:

- es kann nicht schnell genug gehen
- der Weg braucht sehr viel Zeit
- das Umfeld, vor allem das familieäre und berufliche, muss mit dir und deiner Wandlung zurechtkommen
- man soll immer  erst mit sich selbst im reinen sein, dazu zähle ich auch - und diese Empfehling gebe ich auch immer wieder mal in solchen Situationen - gehe den langsameren Weg über den Transvestieten - prüfe dich damit selbst - gehe eventuell, wenn du dir noch nicht sicher bist, nicht zu schell nach draussen. Gib deinem Umfeld Zeit, sich an dein neues "ich" zu gewöhnen.

Ich entnehme deinem Beitrag, das dir dabei deine Freundin sehr unterstützen wird - und diese Unterstützung wird dir auf deinem Weg sehr viel helfen.

Ich habe zur Zeit auch eine ganz liebe an der Hand, die viel Unterstützung, vor allem In Form von Gesprächen, benötigt. Sie ist zwar schon einen Schritt weiter als du, benötigt aber immer wieder mal noch Hilfe.

Ich will dir damit sagen, das auch Mädels, die geoutet sind, immer wieder mal eine "starke Schulter" zum anlehnen und reden brauchen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Glück auf deinem langen Weg - und lass dir Zeit

Thüringische Grüße von

Tante Rafaela

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #79
Das Tagebuch endet (?) wie es begann: offen, erstaunlich, furios, mutig, verblüffend.
Der Weg den du dir vorgenommen hast ist mutig, wird Kraft brauchen. Ich finde ihn toll, weil etwas wichtiges betont: ich mag ja Frau sein, aber das macht mich nicht frei von Verantwortung!
Vielleicht ist es ja auch etwas zutiefst weibliches, die Verantwortung für andere nicht auf dem Altar der Selbstverwirklichung um jeden Preis zu opfern.

Re: Liebes Tagebuch (das war’s erst mal)

Reply #80



Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage


Eure Oona,

die jetzt das Tagebuch zumacht, abschliesst, versteckt und irgendwann wieder aus der Versenkung holen wird.



Bis dahin, viel Glück und Erfolg liebe Oona!  :-*

Liebe Grüsse

Bastienne

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #81
Danke für die kurzweiligen, schönen und sehr interessanten Einblicke Oona :)

Und auch von mir erstmal alles alles Gute für Euren weiteren Weg. Ich hoffe sehr dass Du einen Weg findest.

LG Selena

Re: Liebes Tagebuch (das war’s erst mal)

Reply #82

Lasst es mich abschliessend mit Bugs Bunny Paulchen Panther sagen:

Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage


Bugs Bunny … so ein Blödsinn. Mieses Gedächtnis.  

:) Danke Mädels.

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #83
Hallo liebe Oona,

deine Worte machen mich ein wenig traurig (wie schon mal erwähnt, ich habe IM Wasser gebaut), denn ich kann mich sehr, sehr gut in dich und deine Situation reinversetzen. Daher weiß ich auch, wie das ist, wenn man/frau sich entscheiden muss, zwischen dem Weg (etwas) schneller gehen und dafür wichtige (tw. sehr wichtige) Menschen/Freunde zu verlieren, oder diese Menschen dafür behalten zu können, aber auf Kosten des Tempos. Ich habe mich für die 2. Variante entschieden.

In div. Foren habe ich auch "Freundinnen" verloren, weil sie kein Verständnis für die langsamere, aber für die Zukunft gesehen, vernünftigere Variante, entschieden habe.

Deshalb kann ich sehr, sehr, sehr gut nachvollziehen, dass die Oona für's erste mal hintenanstehen muss - auch wenn sie noch so sehr nach außen drängt. Ich kenne dich (leider) nicht persönlich, auch nur aus deinen Beiträgen hier in deinem TB, aber so weit ich das beurteilen kann, hast du die richtige Enstscheidung getroffen - noch dazu wo deine Freundin sich nicht von der abgewendet hat.

Und was die Tränen auf Grund deiner Gefühlsachterbahn betrifft: Nenne mir eine/n Transsexuellen (egal welche "Richtung" gehend) die/der das ganze ohne Tränen geschafft hat. Ich selbst habe am Anfang auch ganze Seeen vollgeheult - wenn das Trinkwasser gewesen wäre, hätte eine Kleinstadt eine Woche sicher ganz gut Leben können davon...

Langer Rede, kurzer Sinn: Liebste Oona, da du mir, auch auf Grund deiner offenen und ehrlichen Beiträge hier, sehr an's Herz gewachsen bist, wünsche ich dir von ganzem Herzen alles, alles Gute!!!

Mit liebsten Grüßen

Yvonne

PS: Falls du dieses TB und den Schlüssel doch wieder irgendwann finden solltes (weil nicht zu gut versteckt), teile uns bitte mit, wie's dir weiterergangen ist - mich würde es jedenfalls sehr interessieren.

Liebes Tagebuch 8.1.2012

Reply #84
Liebes Tagebuch,

ich weiß, ich weiß: Eigentlich wollte ich Dich in Ruhe lassen. Aber wer, wenn nicht Du, kann mir helfen, meine Welt zu sortieren? Gestern Abend saßen meine Freundin und ich nett zusammen und sie fasste sich ein Herz. Sie wollte sehen, wie ich in Teilen ihrer Garderobe aussehe. Was als nettes Happening geplant war, endete im mentalen Desaster, liebes Tagebuch.

Natürlich konnte sie sich ein Schmunzeln nicht sparen und irgendwann fiel dann auch der Kommentar, dass ich "albern" aussähe.

Wie Recht sie hat.

Mit meinen Silikon-Dingern, im Rock, mit lackierten Nägeln. Das bin alles nicht ich. Nie in meinem Leben fühlte ich mich so zwangsverkleidet. Ich wollte nur noch raus den Klamotten, den Lack abwischen und heulen.

Und in der Reihenfolge geschah es denn auch.

Ich habe geheult, weil ich nicht weiß, wer ich bin. Ich behaupte, transsexuell zu sein, fühle mich aber nicht wohl, wenn ich "en femme" bin. Als Frau bin ich wirklich hässlich. Und ich werde auch nie eine Frau sein.

Meine Freundin tröstete mich, streichelte mich, gab mir ein Tempo und entschuldigte sich, für ihr Lachen. Brauchte sie aber nicht, weil sie ja Recht hatte.

Ich wünsche mir Brüste, eine Taille, die man so nennen kann und einen süßen, knackigen Hintern. Ich wünsche mir, dass mein Körper so hübsch ist, wie mein Geist sich fühlt. Ich möchte ein Idealbild erfüllen und Logenplätze in meinem Kopfkino haben. Aber …

Pustekuchen.

Werde ich alles nicht haben, werde ich alles nicht sein. Ich werde immer ein Mann bleiben. Und das Verrückte: Als Mann fühle ich mich gar nicht schlecht. Vielleicht, weil es mir Sicherheit gibt, weil ich die Rolle kenne und sie perfekt ausfülle.

Ich habe eine tiefe Stimme.
Ich habe ein markantes Gesicht.
Ich bin groß und stark.
Ich sehe klasse aus. Als Mann.

Liebes Tagebuch, machen wir uns nichts vor, ich bin ein Mann, ein ganzer Kerl.

Aussen.

Innen sieht’s anders aus.

Es ist zum Heulen.

Ich bin nicht transsexuell. Ich bin irgendwas anderes. Aber auf jeden Fall werde ich verrückt.
Vielleicht geht das ja Hand in Hand? Immer?

Der Hund will raus. Ich muss aufhören zu tippen.

Liebes Tagebuch, was soll ich bloss tun? Was soll ich bloss tun?

Danke fürs Zuhören.

Lieben Gruß

Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012

Reply #85


....... Ich wollte nur noch raus den Klamotten, den Lack abwischen und heulen.
Ich wünsche mir Brüste, eine Taille, die man so nennen kann und einen süßen, knackigen Hintern. Ich wünsche mir, dass mein Körper so hübsch ist, wie mein Geist sich fühlt. Ich möchte ein Idealbild erfüllen und Logenplätze in meinem Kopfkino haben. .........



Wie ähnlich wir uns sind. Ist´s unser Spiegel? Genauso geht es mir auch. Da sind Wochen gar Monate in dem die Frau in mir nach ihr schreit. Die Wünsche werden erfüllt. Und plötzlich ist er da der Moment, als ob ein Schlüssel umgedreht wurde. "Wieder raus aus den Klamotten,..........". Nur verringert sich der Zustand immer mehr. Und schon nach kurzer Zeit schreit - ja wer wohl nach Erfüllung.
Ich kann dich so gut verstehen liebe Oona und doch nicht helfen. Schnief.
Karin

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #86
Hallo liebe Oona,

ich kann dich sehr, sehr gut vestehen, dass du in diesem Moment nur eines wolltest, nur raus aus den Klamotten und runter mit dem Lack von den Fingern.

Denn uns (wirklichen) TS geht es um das körperliche (sprich bei MzF) darum "oben mehr und dafür unten nichts - du verstehst sicher was ich meine).

Eines muss uns klar sein: Solange wir noch keine Hormone bekommen, werden wir immer "Männer im Frauenkleidern" bleiben. Das ändert sich auch erst nach einer gewissen Zeit, wann die HT halt "anschlägt". Bei dem/der einen früher, bei dem/der anderen später. Und es hat auch durchaus seine sinnvollen Gründe, warum wir "wahren" TS diese "Medikamente" auch erst nach einer gewissen Zeit bekommen (dürfen), und warum wir uns (richtigermassen) vorher in Ärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung befinden müssen.

Und was du nun bist, da können wir dir hier sicher nicht 100%ig weiterhelfen, denn soweit ich weiß, kennen wir dich hier nur von deinen Eintragungen hier im Forum (hauptsächlich hier in diesem TB). Ich zumindest für meinen Teil, traue mir kein Urteil zu, ob du nun nur eine "Phase" durchgemacht hast, in der du glaubtest eine Frau zu sein, oder ob du nun CD, TV (ich hoffe dir sagen diese Abkürzungen was) bist -  das musst du selbst herausfinden. Deshalb finde ich es immer richtiger, dass du mal mit deinem Freund (dem Arzt) und einem Psychotherapeuten das ganze besprichst. Wenn es sich um wirklich gute Leute handelt, dann werden sie dir weder was einreden noch was ausreden, sondern ganz einfach ihre Diagnose stellen.

Vielleicht war die Bemerkung deiner Freundin ja so etwas wie das 2. KLICK! Das mit den Tränen nachher, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, kann ich sowas von gut nachvollziehen. Und ob du nun Mann oder Frau bist - lass sie raus...Schäme dich derer nicht, denn es hat schon seinen Sinn, dass auch Männer weinen können.

Mit ganz lieben Grüßen

Yvonne ==> kann sich ungefähr vorstellen wie du dich jetzt fühlst.

Re: Liebes Tagebuch …

Reply #87
Ach Oona, komm, ich drück Dich jetzt mal ganz fest! Alles wird gut, lebe einfach, so wie es Dir gefällt und guttut. Brauchst Du denn unbedingt eine Bezeichnung oder Namen für Dein innerstes Wesen,Deine Lebensweise ??? Wenn Deine liebe Freundin doch so nimmt wie Du bist, Dich Dein Hund so liebt wie Du bist, ist doch alles in Ordnung.Mach Dich nicht selber fertig mit Gedanken die Dich momentan nirgendwo hinführen.Alles alles Liebe, Clara

Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012

Reply #88
Hallo Oona,

ich hab bisher ja nur schweigend deinen Thread mitgelesen, aber dein Tagebuch hat mir durchaus so einiges zum Mitdenken und Mitfühlen aufgegeben.

Jetzt hast du aber einen Punkt angesprochen, an dem ich nun auch mal einhaken möchte.


Ich werde immer ein Mann bleiben. Und das Verrückte: Als Mann fühle ich mich gar nicht schlecht. Vielleicht, weil es mir Sicherheit gibt, weil ich die Rolle kenne und sie perfekt ausfülle.

Ich habe eine tiefe Stimme.
Ich habe ein markantes Gesicht.
Ich bin groß und stark.
Ich sehe klasse aus. Als Mann.

...
Innen sieht’s anders aus. Es ist zum Heulen.

Ich bin nicht transsexuell. Ich bin irgendwas anderes. Aber auf jeden Fall werde ich verrückt.
Vielleicht geht das ja Hand in Hand? Immer?


Nach dem, was ich bislang so von Transsexualität mitbekommen habe, ist es gerade der Unterschied zwischen innen und außen, der das Wesen dieser Veranlagung ausmacht: Der Körper mit seinen Hormonen machen den Mann (aus), die Gehirnstrukturen mit ihren spezifischen Denkschemata und vielleicht einem Mangel an Testo-Rezeptoren das (opponierende) Weib.

Diese Kluft wird auch bei mir wohl immer bleiben, wenn ich es auch vielleicht noch relativ günstig angetroffen habe: Ich habe akzeptable Kleider- und Schuhgrößen und kann mein Äußeres ohne allzu viel Aufwand zumindest so trimmen, dass ich in der breiten Öffentlichkeit als eher Mauerblümchen-Frau (nicht: als Model) wahrgenommen werde - und das reicht mir (erst mal) aus, mich gelegentlich, wenn auch häufiger werdend, mental durch entsprechendes öffentliches Ausleben abzureagieren und in meinem So-Sein zu bestätigen. Ob das auf Dauer so gut gehen wird und mir das für alle Zukunft, die mir noch bleibt, langen wird, wage ich noch nicht zu sagen.

Fragt sich, ob du mit deinen beiden Teilpersönlichkeiten, die natürlich beide ein Existenzrecht haben, nicht auch zumindest für eine absehbare Zeit mit einem solchen Arrangement leben kannst, ohne dabei diesen Status zu zementieren. Du musst dich nicht hier und heute für den Rest deines Lebens festlegen. Das Leben ist (verhältnismäßig) lang, variantenreich und voller Überraschungen.

Auch ich weiß noch nicht, wie ich in 5 Jahren rumlaufen werde. Und ich weiß andersrum auch: Wenn ich beruflich die Möglichkeit bekäme, als Frau in einem passend qualifizierten Job zu arbeiten - ich würde den Schritt wohl wagen und sogar öffentlich wechseln wollen. Aber auch hier ginge die Liebe zur Weiblichkeit nicht so weit, dass ich mich nur deshalb als Raumkosmetikerin verdingen würde.  :P

Also: Entspann dich und sieh diese deine Veranlagung nicht nur als Last, sondern als Gabe, die Welt aus anderen Blickwinkeln als die Meisten zu sehen und zu erleben. Alles kann, aber nichts muss, wenn du nicht meinst zu müssen. Und selbst dann gibt es viele Wege, in Richtung eines erwünschten Ziels voranzukommen, auch wenn es nur einen Direkten, besonders Effizienten gibt. Im Verkehr ist dies meist die Autobahn. Aber die Nebenstraßen sind meist viel abwechslungsreicher, bunter und erfüllender, auch wenn es etwas länger dauert anzukommen.

Der Weg ist das Ziel!  :)

Lieben Gruß,

Petra

Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012

Reply #89
Danke für den Zuspruch. Kommt gerade gut.

Sonnenblume schrieb:

Quote
ich kann dich sehr, sehr gut vestehen, dass du in diesem Moment nur eines wolltest, nur raus aus den Klamotten und runter mit dem Lack von den Fingern.Denn uns (wirklichen) TS geht es um das körperliche (sprich bei MzF) darum "oben mehr und dafür unten nichts - du verstehst sicher was ich meine).


Ähm, vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt, aber darum geht es mir ja im Wesentlichen auch. Wenn ich schreibe "ich bin nicht transsexuell", dann beschreibt das eher einen Wunsch als die Wirklichkeit. Ich bin auch ein "wahrer" Transsexueller, wenn möglicherweise auch kein klassischer.

Vielleicht wäre es klarer, wenn ich schreibe, dass ich kein Transvestit bin. Es sind eben nicht die Kleidungsstücke, die mich ausmachen, sondern mein Wesen.

LG
Oona (aus dem Off)