Skip to main content
Topic: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim? (Read 16187 times) previous topic - next topic

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #15

Man sollte mal drüber nachdenken. Hätte es nicht vor Jahren die gegeben, die sich die blauen Flecken geholt haben, dann könnten wir heute noch nirgends auf die Straße gehen

Das ist schon richtig. Aber es ist immer noch ein Unterschied, für sich selbst blaue Flecken zu riskieren als anderen diese zu verschaffen. Das zu riskieren oder nicht muss schon noch jeder oder jede für sich selbst entscheiden dürfen.

Von daher habe ich beispielspielsweise vor Volker Beck großen Respekt, der sich in Moskau bei Demonstrationen erhebliche blaue Flecken geholt hat. Genauso wie ich vor all denen Respekt habe, die sich auch im  Job als Transvestit oder als Transsexuell offenbaren (im Job mach ich das übrigens nicht, auch wenn ich nicht zwanghaft versuche, mein so sein zu verstecken ... da ist mir die Normalität als Frau wichtiger).


Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #16

Genauso wie ich vor all denen Respekt habe, die sich auch im  Job als Transvestit oder als Transsexuell offenbaren...


als TS wirst du dich aber irgendwann mal outen müssen, wenn du den sozialen Rollenwechsel machst, als TV brauchst du es bis an dein Lebensende nicht zu tun...

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #17

Günter Beckstein hätte wohl vor zwanzig Jahren, durch seinen Karnevalsauftritt, einen Karriereknick hinnehmen müssen.


O.k., aber mehr als eine putzige Randnotiz zum Thema "Neue Kostüme für den mutigen Herren" war es dann doch nicht.
Gebracht hat es nix, lediglich gängige Klischees bedient ("als Kostüm, na ja. Aber ansonsten ...) und manifestiert.
Ich sehe solche Aktionen also eher Kontraproduktiv.

Es ist wie der altbekannte Wunsch nach dem Aufwachen im Wunschgeschlecht.
"Unfreiwillig" ja, "Selber" nein.
Es würde schon irgendwie weiter gehen. Und zur Not hab ich ja  noch Fön und Badewanne.

Ich bin dazu zu feige (zum freiwilligen, öffentlichen Coming Out), auch wenn die Erkenntnis ja sagt; weil wir nur so vom Rand in die Mitte der Gesellschaft kommen.

lg

ps: Nur, um dem guten Rosa Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen:

Später hat er bewusste Aktion aufrichtig bedauert, auch ob der Folgen für die Einzelnen.
Er sagte, das er sowas nie wieder machen würde.
Aber angesichts des damaligen Umganges mit der AIDS-Problematik hatte er sich nicht mehr anders zu helfen gewusst.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #18

als TS wirst du dich aber irgendwann mal outen müssen, wenn du den sozialen Rollenwechsel machst

Als Selbständige aber nicht - zumindest nicht in neuen Projekten.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #19

Das ist schon richtig. Aber es ist immer noch ein Unterschied, für sich selbst blaue Flecken zu riskieren als anderen diese zu verschaffen. Das zu riskieren oder nicht muss schon noch jeder oder jede für sich selbst entscheiden dürfen.


Nimms bitte nicht persöhnlich, aber es gibt immer irgendeinen Grund sich nicht engagieren zu müssen.
Ich bins einfach Leid das es vielen offenbar möglich ist (spätabends oder in fremden Städten) gedresst auszugehen ,heimlich zu irgendwelchen Treffen zu fahren, sich in den entsprechenden Internetlokalitäten zu tummeln oder in irgendwelchen Szenelokalen/ Darkrooms etc ihr Sexleben aufzufrischen, aber es nicht dazu reicht Position zu beziehen.



Von daher habe ich beispielspielsweise vor Volker Beck großen Respekt, der sich in Moskau bei Demonstrationen erhebliche blaue Flecken geholt hat.


Ja aber nur (stiller) Respekt vor dem was andere leisten bringts nicht.
Ich habe mich mal mit Volker Beck unterhalten und zum Thema Engagent meinte er: "Ich kann nicht alles alleine machen. Ich brauche Menschen die mit mir kämpfen.Wir brauchen die Mithilfe eines jeden Einzelnen."


Und das ist die Wahrheit. Es ist bequem zu sagen: Toll, Volker. Hast du super gemacht. Und dann die Füße hochzulegen, weils irgendwer schon richten wird.

Missversteh mich nicht. Ich will dich nicht beleidigen. Das liegt mir völlig fern. Aber ich finde das sollte schon in aller Deutlichkeit gesagt werden.




Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #20
Lassen wir doch mal Rosa von Praunheim selber zu Wort kommen.
Anlass war die Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Schwulen und Lesben im Jahr 2008.

[youtube=425,350]<object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Tr0UsgHel_U&hl=de&fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Tr0UsgHel_U&hl=de&fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object>[/youtube]

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #21


Nimms bitte nicht persöhnlich, aber es gibt immer irgendeinen Grund sich nicht engagieren zu müssen.
Ich bins einfach Leid das es vielen offenbar möglich ist (spätabends oder in fremden Städten) gedresst auszugehen ,heimlich zu irgendwelchen Treffen zu fahren, sich in den entsprechenden Internetlokalitäten zu tummeln oder in irgendwelchen Szenelokalen/ Darkrooms etc ihr Sexleben aufzufrischen, aber es nicht dazu reicht Position zu beziehen.


Und jeder Grund ist zu akzeptieren.

Die eigene Position durch ein sinnloses Outing zu schwächen, bringt nichts. Das ist wie ein heroischer Auftritt vor Gericht...eine Runde Szenenapplaus und die andere Seite siegt.

Selbstschutz ist zwar nicht so hoch angesehen, aber nur jemand der einen festen Stand hat, kann anderen Menschen helfen.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #22
Die eigene Position durch ein sinnloses Outing zu schwächen, bringt nichts. Das ist wie ein heroischer Auftritt vor Gericht...


Öhm, das wäre ja auch kein Praunheimismus... Der läge ja gerade darin, wenn das Volk bei Gottschalk von etwa Georg Preuße erführe, daß er mit dem Bundespräsidenten und gerne auch mit dem Chef der dDeutschen Bank aufgetranst in London schoppen war...

Diese Sendung würde ich dann doch zu gerne sehen...

M:E.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #23

... Und dann die Füße hochzulegen, weils irgendwer schon richten wird.

Missversteh mich nicht. Ich will dich nicht beleidigen. Das liegt mir völlig fern. Aber ich finde das sollte schon in aller Deutlichkeit gesagt werden.

Beleidigen tust Du mich sicher nicht. Aber ich muss schon ganz klar sagen, dass es sehr unterschiedliche Wege gibt, sich zu engagieren. Und dass ich durchaus meine Wege erkenne und sie auch gehe.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #24


Öhm, das wäre ja auch kein Praunheimismus...
[...]
Diese Sendung würde ich dann doch zu gerne sehen...


Ach, ich tauge nicht dazu irgendeinem -Ismus zu folgen, aber da bin ich immerhin konsequent untauglich.

Und bei der Sendung setze ich mich mit einer Packung Erdnüsse vor den Fernseher und schaue zu. Im Idealfall noch ein Bier in einer grünen Flasche dabei, welches vom Namen her einem User in diesem Forum sehr, sehr ähnelt.


Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #25

Und jeder Grund ist zu akzeptieren.


JEDER Grund ist zu akzeptieren? Nein, ganz sicher nicht.
Tut mir Leid, das ist mir zu bequem gedacht. Es mag extreme Härtefälle geben, zb wenn jemand in einer Familie lebt in der nach einem Outing eine konkrete Lebensgefahr besteht, aber bei vielen ist es ja nur eine Abneigung dagegen einen steinigeren Weg zu gehen.



Die eigene Position durch ein sinnloses Outing zu schwächen, bringt nichts. Das ist wie ein heroischer Auftritt vor Gericht...eine Runde Szenenapplaus und die andere Seite siegt.

Auch da stimme ich nicht zu. Wenn die Leute erkennen würden, das wir viele sind, dann wäre das der erste Schritt um was zu ändern.
Da kann mir auch niemand etwas anderes erzählen. Je größer die sichtbare Gruppe von Menschen , je mehr Engagement , desto mehr Einfluß ist da.
Wenn man eines aus der Lesben und Schwulen Bewegung ableiten kann, dann das.


Mal ganz davon abgesehen das ich in meinem Leben noch niemanden geoutet habe und es dafür auch keine konkreten Pläne gibt. Ich kann bloß ganz einfach nicht ausschliessen das es nicht irgendwann mal passiert. Vielleicht dann wenn die Doppelmoral noch mehr zunimmt.





Beleidigen tust Du mich sicher nicht. Aber ich muss schon ganz klar sagen, dass es sehr unterschiedliche Wege gibt, sich zu engagieren. Und dass ich durchaus meine Wege erkenne und sie auch gehe.


Natürlich gibt es unterschiedliche Wege. Und ich habe auch deshalb geschrieben das du das nicht persöhnlich nehmen sollst, weil ich deine spezielle Lebenssituation nicht beurteilen kann. Wir kennen uns schliesslich nicht.
Das war ganz allgemein zu diesem Thema gemeint.



Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #26


Nimms bitte nicht persöhnlich, aber es gibt immer irgendeinen Grund sich nicht engagieren zu müssen.
Ich bins einfach Leid das es vielen offenbar möglich ist (spätabends oder in fremden Städten) gedresst auszugehen ,heimlich zu irgendwelchen Treffen zu fahren, sich in den entsprechenden Internetlokalitäten zu tummeln oder in irgendwelchen Szenelokalen/ Darkrooms etc ihr Sexleben aufzufrischen, aber es nicht dazu reicht Position zu beziehen.



Sorry, aber da geh ich nicht mit.
Warum muss ich mich engagieren? Klar, diese Gesellschaft erlaubt es, sich im Rahmen der Gesetze zu engagieren, sei es gegen Armut, gegen den Klimawandel oder gegen Arbeitsplatzabbau etc.
Es ist sicherlich auch gut, wenn sich viele Leute engagieren.
Aber:
Wenn ich mit meinem Leben, mit meiner Erde, mit meinem Klima, mit meiner finanziellen Situation etc., so wie es/sie/er ist, ganz zufrieden bin (oder zumindest nicht so unzufrieden, dass ich unbedingt etwas ändern muss), warum muss ich mich dann engagieren?
Ich würde mal schätzen, dass sich 90% der Deutschen nirgends (politisch) engagieren. Ist zwar nicht sonderlich begrüßenswert aber ist eben so.
Jeder Mensch engagiert sich erst dann (nicht nur politisch gesehen), wenn der Leidensdruck entsprechend hoch ist. Bei manchen ist diese Reizschwelle extrem niedrig (Berufsaktivisten), bei anderen (Couch Potatos?) eben extrem hoch. Aber selbst der trägste Biertrinker wird sich irgendwann mal engagieren, wenn z.B. seine Frau ihm nicht mehr das Bier zum Fernsehsessel bringt.

Was ich damit sagen will: Es sollte jedem selbst überlassen sein, ob und wie er sich engagiert.
Oder wie in unserem konkreten Fall, ob er sich eben in Darkrooms oder internen T*-Parties vor der Öffentlichkeit verstecken will oder ob er die Ungerechtigkeit in die Welt hinausschreien will, dass diese Welt ihn als T* nicht akzeptiert.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #27
Vielleicht sollte man da doch ein paar Situationen unterscheiden:

a) das eigene öffentliche Coming Out <> das Outen anderer.
Ablehnen tue ich letzteres. Und ich erwarte, dass mein Wunsch, mein so sein zu leben respektiert wird, egal wie öffenltich ich es mache. Das Outen anderer ist schlicht ein Persönlichkeitsrecht. Auch Volker Beck und Guido Westerwelle haben sich selbst offenbart, Westerwelle, wie ich durch Zufall weiß, nur nach langem Zögern. Und so ganz ohne ist das nicht; beispielsweise erlebte Ralf Fücks durch sein Zwangsouting einen Karriereknick. Im übrigen gab es trotz Par. 175 StGb immer Leute, um deren Homosexualität man wußte (ohne dass das an der großen Glocke hing). Der Schritt war also nicht so groß.

b) die Situation homosexueller Menschen ist eine durchaus andere als die Situation transgeschlechtlicher Menschen. Bei letzteren spiegelt sich das Innere sehr viel stärker im äußerlich sichtbaren. Damit sind auch die persönlichen Konsequenzen gravierender, weitreichender. Weil viele T*-Menschen zudem Partner und Kinder haben, würde Öffentlichkeit sofort auch die mit treffen, u.U. stärker als die Transfrau oder den Transmann. Gerade weil ich als Transfrau ja überall dort geoutet *bin*, wo man meine Vergangenheit kennt, weiss ich aus eigener Erfahrung, wovon ich rede; denn ich lebe mit den Kollateralschäden meiner Transition und vor allem meine Kinder müssen es auch.
Daher ist es ganz besonders wichtig, das Persönlichkeitsrecht des Einzelnen zu achten. Mut machen zur Öffentlichkeit ist etwas ganz anderes.

Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #28

JEDER Grund ist zu akzeptieren? Nein, ganz sicher nicht.
Tut mir Leid, das ist mir zu bequem gedacht. Es mag extreme Härtefälle geben, zb wenn jemand in einer Familie lebt in der nach einem Outing eine konkrete Lebensgefahr besteht, aber bei vielen ist es ja nur eine Abneigung dagegen einen steinigeren Weg zu gehen.


Und wer entscheidet, welcher Grund akzeptabel ist? Doch nur der betroffene Mensch selber, oder bestimmt ein anderer das Lebensrisiko? Konkrete Lebensgefahr? Sorry, das hier ist RL, nicht Kino. Markige Sprüche kommen da nicht so gut an. Schon die Gefahr seine berufliche Existenz zu verlieren, Mobbing, Lebensqualität einzubüssen, sollte einen Menschen nachdenklich machen.

Ich hatte in meinem Leben schon mehr als eine Situation, in der ich wegen meiner TS bedroht wurde. Das ist für das subjektive Sicherheitsempfinden ziemlich schlecht, wenn man nicht weiss, ob man in paar Sekunden noch alle Zähne hat oder nicht. Das Risiko zu tragen, kann ich von keinem anderem Menschen verlangen. Witzigerweise hatte ich auch schon Situationen, in denen meine Frau und ich als „Scheisslesben!“ angemacht wurden. Perfektes Passing ist auch nicht immer das Wahre.




Die eigene Position durch ein sinnloses Outing zu schwächen, bringt nichts. Das ist wie ein heroischer Auftritt vor Gericht...eine Runde Szenenapplaus und die andere Seite siegt.

Auch da stimme ich nicht zu.


Erzähl das mal einer TS, die durch ihr Coming out ihre Freunde, ihre Familie und ihren Job verloren hat, wenn sie alleine Weihnachten unter ihrem Bäumchen sitzt. So eine kenne ich nämlich auch. Ihr coming out war freiwillig, aber soll ein Zwangsouting nun alle so einem Risiko aussetzen?


Wenn die Leute erkennen würden, das wir viele sind, dann wäre das der erste Schritt um was zu ändern.


Da wiederum stimme ich dir absolut zu. Nur mehr als fragen, ob jemand mitmacht kann man nicht. Und wenn jemand nicht möchte, dann möchte man eben nicht.
Will man eine Schlacht gewinnen, entscheidet der weise Feldherr selbst über das Schlachtfeld.



Mal ganz davon abgesehen das ich in meinem Leben noch niemanden geoutet habe und es dafür auch keine konkreten Pläne gibt. Ich kann bloß ganz einfach nicht ausschliessen das es nicht irgendwann mal passiert. Vielleicht dann wenn die Doppelmoral noch mehr zunimmt.


Dann lass dir von mir sagen, dass der Weg sehr steinig sein kann. Ich hatte mich vor meiner Namensänderung auch bei Behörden und Arbeitgebern geoutet, bin schon als Frau vor mein Epi arbeiten gegangen und habe manchmal deswegen viel einstecken müssen. Für meine Frau war das auch nicht gerade leicht gewesen. Und in dieser Phase haben mich eine Menge Freunde gefragt, wie man denn so die Blicke, ständige Fragen und das Ganze erträgt, und das Einzige, was ich darauf erwidern konnte, war, dass ich anders einfach nicht mehr leben kann.
Ganz sicher habe ich das nicht gemacht, weil ich mutiger oder tapferer war. Nur verzweifelter.

Man kann nicht erwarten, dass jede TG das auf sich nimmt.
Denn wenn man alles riskiert, kann man auch alles verlieren. Ohne reset und quicksave.

Wer anders leben kann, hat auch alles Recht das so zu machen.

Im Nachhinein betrachtet, glaube ich das ich in vielen Situationen schlicht sehr, sehr viel Glück hatte.

Ups...habe es mir noch einmal durchgelesen, falls es vielleicht etwas hart klingen sollte, so ist es nicht gemeint. Entschuldigung im voraus.
Ich befürworte absolut ein gemeinsames Vorgehen, nur scheinbar herrscht keine Einigkeit über den Weg, aber dafür über das Ziel.


Re: Braucht die TG-Szene eine Rosa von Praunheim?

Reply #29


Mal ganz davon abgesehen das ich in meinem Leben noch niemanden geoutet habe und es dafür auch keine konkreten Pläne gibt. Ich kann bloß ganz einfach nicht ausschliessen das es nicht irgendwann mal passiert. Vielleicht dann wenn die Doppelmoral noch mehr zunimmt.


Dann lass dir von mir sagen, dass der Weg sehr steinig sein kann. Ich hatte mich vor meiner Namensänderung auch bei Behörden und Arbeitgebern geoutet, bin schon als Frau vor mein Epi arbeiten gegangen und habe manchmal deswegen viel einstecken müssen. Für meine Frau war das auch nicht gerade leicht gewesen.


Ich kann dir an diesem Punkt nicht folgen. Wie meinst du das? Vielleicht hast du mich missverstanden.
ICH SELBER bin geoutet und lebe völlig offen. Ich meinte das ich bis jetzt niemanden zwangsgeoutet habe und es dafür auch keine konkreten Pläne gibt.
Das war mein Punkt.

Und was man alles mitmacht wenn man offen lebt das weiss ich selber am besten.
Schau dir mal mein Avatarbilchen an. Wenn man so jeden Tag durch Berlin läuft(und das in nem kleinen Harz-Dorf auch schon getan hat), wenn man so lebt, dann kennt man die GESAMTE Palette an negativen Reaktionen. Dauerndes Gestaare, Leute die heimlich Fotos machen, Beschimpfungen und auch körperliche Angriffe.
Nicht nur du hattest Situationen in denen du nicht mehr wusstest ob gleich noch alle Zähne im Mund sind.
Weisst du wie oft ich schon nen Messer am Hals hatte?

Ich spreche also wahrlich nicht aus der Position eines Naivchens das nicht weiss wie grausam die Menschen sein können(nicht müssen!).
Ich hab seit Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern weil sie nie damit klar gekommen sind.
Meine Oma hat mir als ich mit 16 mein Leben komplett umgestellt habe gesagt das sie mich SO nie wiedersehen will.
Und und und und....
Mir ist da also nichts fremd.

Und ums nochmal zu betonen. Ich geh nicht durch die Welt und reisse nacheinander Leute mit zwangsoutings ins Verderben.
Ich sage bloß das ich nicht aussliessen kann das ich irgendwann mal wen oute wenn ich glaube das es etwas bringt. Das kann passieren, muss aber nicht.
Der Punkt ist doch wenn nicht so immens viel im Dunklen stattfinden würde, dann müsste man über sowas gar nicht nachdenken.
Wie ich schon oben schrieb es ist die extreme Doppelmoral die solche Gedanken aufkommen lässt.

Das ganze ist halt ein Kreislauf: Weil die Welt manchmal grausam ist, outen sich viele nicht. Und weil sich viele nicht outen kann sich auch kaum was verändern.

Alles was ich zu diesem Thema geschrieben habe ist meine Sicht der Dinge. Das ist alles unpopulär und anstrengend das ist mir klar, aber ich denke um die Leute aus ihrem Wachkoma zu reissen muss man manchmal krass werden.