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Topic: Neugier (I): Was hörst du gerade? (Read 611945 times) previous topic - next topic

Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3390

Greta van Fleet.

Wer sie nicht kennt: blutjung, sie klingen wie die Reinkarnation von Led Zep

https://www.youtube.com/watch?v=NMLrVKZXdvE


Unfassbar gut, die Jungs!!!
Bei "blutjung" dachte ich, das sie sich eben erst gegründet haben. Die sind aber im wörtlichen Sinne echt jung. Sie sind gerade erst um die 18 Jahre!!! :o 8) Angefangen haben sie schon mit 12.

Sie haben wirklich was von Led Zeppelin, wahrscheinlich auch, weil das unter Anderem ihre Vorbilder sind. Ein bisschen fehlt mir aber noch der Spirit. Der wird aber kommen. Ich bin auf deren zukünftige Werke gespannt. Ich hoffe nur, das sie sich nicht das Schicksal von anderen jungen Hoffnungen teilt und wieder in Vergessenheit geraten.

Danke Beate, für diesen wirklich tollen Tipp!!!!





 




Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3399
Anläßlich des heutigen St. Patrick's Tages ein kleines Blasorchester von 3 Mädels rund um den Erdball:

https://www.youtube.com/watch?v=HXm8JdC4k4c

Hat mich sehr begeistert. 


liebe grüße
triona

Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3400
Habs gerade auf Bassic geliked.

Spielst Du das auch auf der Mundharmonika?

Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3401

Habs gerade auf Bassic geliked.


Danke.



Spielst Du das auch auf der Mundharmonika?



Noch nicht.
Von der Melodie und vom Rhythmus her wärs kein Problem. Ich spiele ja meistens recht ähnliche Sachen, d.h. was die Volksmusik mit den Sackpfeifen o.a. Blasinstrumenten betrifft, weniger was Schwermetall betrifft. Daher allerdings nicht direkt in meinem Standardrepertoire enthalten.

Der für solche Musik stilbildende Bordun der Sackpfeifen hingegen stellt für eine Mundharmonika eine spieltechnisch nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Daran beiße ich mir schon seit vielen Jahren die Zähne aus. (Vlt hab ich deswegen nur noch so wenige im Mund. :o) Ich forsche da sowohl auf der instrumentenbautechnischen Seite, als auch auf der spieltechnischen mit mehr oder weniger herkömmlichen Instrumenten.


Mit Spieltechnik läßt sich da auf verschiedenen Bauarten oktavierter MuHas schon einiges simulieren. (Bereits erfolgreich praktisch erprobt.) Ist aber schwer, ein ganzes Stück damit durchzuhalten, ohne daß dabei die Melodie- und Rhythmusstimme leidet. Zumindest gilt das für das mehrstimmige Spiel mit nur einer MuHa durch eine einzige Person, so wie ich es seit jeher pflege. Mit einer kleinen Kapelle, wo 2 bis 3 Leute chörisch den Bordun spielen, wäre es kein großes Problem. Aber finde mal heutzutage so viele Leute, die überhaupt noch Lust haben, in einer MuHa-Kapelle Volksmusik zu spielen.

Zirkularatmung wäre ein weiterer spieltechnischer Ansatz. Das versuche ich sowieso schon zu erlernen. Da es aber den Widerspruch in den spieltechnischen Anforderungen von Bordun- Melodie- und Rhythmusspiel durch eine Person auch nicht löst, habe ich es bisher noch nicht so intensiv verfolgt, um damit hinreichende Erfolge zu erzielen. Und meine Didgeridoos spiele ich in der letzten Zeit eher seltener, und Trompete o.ä. gar nicht. Und bei den Flöten nutzt es nicht so viel.


Bei der Instrumentenbautechnik habe ich Druckluft aus der Taucherflasche mittlerweile verworfen, noch bevor ich dazu gekommen bin, es auch praktisch auszuprobieren. Daß es gehen würde, hat mir mal ein Kunde bestätigt, der Hobbytaucher ist. Kompressor habe ich noch nie in Erwägung gezogen, da der zu viel Krach machen würde und ohne Strom nicht funktionieren würde. Ist aber alles zu aufwendig.

Die Idee habe ich vollständig ersetzt durch die, eine Ellenbogenpumpe wie bei einem Irischen (Uillean Pipes) oder Böhmischen (Bock) Dudelsack. Die Stimmzungen bzw mittlerweile die vollständigen außenliegenden Stimmplatten für den Bordun sind dabei von dem Instrument vor dem Mund an ein getrenntes 2. Instrument gerückt, das mit einem Band am Handgelenk befestigt wird. Das vereinfacht die Handhabung und die Führung der Luftleitungen für den Bordun erheblich. Und es ersetzt den Bordunchor in der Kapelle vollständig.

Praktische Durchführung zwar als nächstes geplant, aber noch nicht zur Durchführung gekommen. Ein Hersteller für Stimmplatten - auch in bezahlbarer Einzelanfertigung - ist mir mittlerweile bekannt. Notfalls könnte man das auch mit ein Bisserl mehr fertigungstechnischem Aufwand selber machen mit handelsüblichen Stimmzungen und evtl sogar mit fertigen Stimmplatten (handelsüblich oder aus alten Instrumenten ausgeschlachtet), die neu und anders mit handelsüblichen Stimmzungen bestückt werden.


Ein weiteres Feld mit recht guten Erfolgsaussichten sind hier MuHas in herkömmlicher Bauart mit Sonderstimmungen. Dies wäre sozusagen ein Zwischenweg zwischen spieltechnischen und instrumentenbautechnischen Ansätzen. In diesem Fall wären das mindestens ein bis mehrere Paare von gleichtönigen Stimmzungen in beiden Richtungen (Blas- und Ziehton), idealerweise unmittelbar nebeneinander . Dabei bleibt allerdings spieltechnisch der Widerspruch in den Anforderungen an Bordun-, Melodie- und Rhythmusspiel. Das ist rein atemtechnisch bedingt.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich auch praktisch verstärkt mit Sonderstimmungen herkömmlicher Instrumente  und einer Verfeinerung meiner allgemeinen Spieltechniken unter diesem Gesichtspunkt. Das ist auch das Einzige, womit sich bisher ein paar wenige andere beschäftigt haben. Ich stehe hier in der Fachwelt einigermaßen allein auf weiter Flur. Ich kenne bislang nur einen einzigen irisch-amerikanischen MuHa-Spieler der sich praktisch damit beschäftigt hat und erste erfolge erzielt (James Conway). Und Christelle Berthon, eine hervorragende französische MuHa-Virtuosin hat das mal versucht nachzuspielen - allerdings nur mit bescheidenem Erfolg, gemessen an dem, was sie sonst so alles kann.

Im deutschen MuHa-Forum sind praktisch nur Blues-Leute. Daher finden meine Ideen dort praktisch keinerlei Beachtung und erst recht keine Unterstützung. Selbst in dem Spezialforum von Brendan Power (UK, MuHa-Virtuos und MuHa-Bauer) gab es bisher nur ein paar wenige bewundernde Kommentare, aber kaum praktisches Interesse dafür. Allerdings habe ich dort neulich noch einen Mann in Niedersachsen gefunden, der bisweilen am Rande und unter anderem damit herumexperimentiert.


So. Jetzt weißt du da auch den neuesten Stand. Einen Haifischschwanz braucht es dabei allerdings nicht ;).  Passender wäre vlt so ein Bock, wie er auch zu sehen ist an dem Dudelsack von Archy Jay (alias The Snake Charmer, der indischen Sackpfeiferin) in dem St.-Patricks- Video.


Als Vorbild sehe ich allerdings die Methode, mit Hilfe neuzeitlicher Nachrichtenübermittlungstechnik (Skype ?) ein gelungenes Video herzustellen, wo 3 (mit dem Begleitmusikanten an Baß und Tasten sogar 4) Leute aus 3 Kontinenten zusammen musizieren.
Das muß man auch erst einmal richtig drauf haben und ist noch einen weiteren Daumen wert.



liebe grüße
triona

Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3402
Uppps, und ich dachte, das Böckchen ist ein Drache ....

Ist es denn nicht ziemlich schwer das ständige Legato einzuhalten?

Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3403
Mit dem Dudelsack nicht. Der ist dafür gebaut und seit Jahrhunderten bewährt.

Warum es mit der Mundharmonika einigermaßen schwer ist, habe ich ja oben ausführlich erklärt. Aber vlt ist das ja nur wirklich verständlich, wenn man weiß, wie eine Mundharmonika oder ein Dudelsack funktioniert und wie sie jeweils gespielt werden. Und dann ist es nochmal ein großer Unterschied, ob man nur den Bordun spielt (z.B. in einer Kapelle mit mehreren Leuten), oder ob man dabei alleine noch gleichzeitig Rhythmusstimme und Melodiestimme spielt. Das ist dann noch mal um ein bis 2 Nummern größer und entsprechend schwieriger zu beherrschen.

Das war auch so ausführlich und speziell in die Tiefe gehend, weil Beate ausdrücklich danach gefragt hat. Und da sie selber mehrere Instrumente spielt und auch selber Instrumente baut, und mich außerdem schon spielen gehört hat und daher weiß, was da im Einzelnen gemeint ist, wird sie wohl kaum Verständnisschwierigkeiten damit haben.

Wenn du dich aber wirklich umfassender und tiefer gehend dafür interessierst, kann ich dir gerne fachliche Fragen beantworten, wenn nach dem Aufsatz oben noch was unklar geblieben ist. Da müßten die Rückfragen dann aber genauer ausgedrückt werden als  "Ist es denn nicht ziemlich schwer ..."

Wobei das vlt besser an anderer Stelle geschieht als hier. Hier stört es zwar auch nicht wirklich. Aber richtig dazupassen tut es auch nicht mehr. Und ob es für allzu viele interessant ist, wenn das hier noch weiter vertieft wird, ist auch fraglich. Kannst mir ja eine PN schicken. Spielst du auch ein Blasinstrument?


Ach ja, noch als Ergänzung zu den Ausführungen von oben: Shrutibox hab ich natürlich als Notlösung schon länger auch in Erwägung gezogen. Eine chromatische wäre auch für alle Tonarten einsetzbar. Das wäre sogar noch leichter nebenbei zu spielen als ein Einhandharmonium, und auch wesentlich billiger als ein solches. Es wäre natürlich die einfachste akustische Simulation - sozusagen eine Mogelpackung. :D

Das mache ich dann, wenn sich bei meinen Versuchen herausstellen sollte, daß das alles zu aufwendig ist und viel zu lange dauert, bis ich mal fertig habe, was mir da vorschwebt.

Und Versuche mit einer Mundharmonika montiert auf eine kleine Handharmonika hab ich auch schon gemacht. Da ist aber der Unterschied in der Lautstärke selbst bei der allerkleinsten Handharmonika noch zu groß. Und wenn ich elektrische Verstärkung nutzen will, dann kann ich gleich einen elektronischen Bordun nehmen, wie es teilweise schon in Indien recht häufig gemacht wird. Für mich ein echtes Geht-nicht.


liebe grüße
triona

Re: Neugier (I): Was hörst du gerade?

Reply #3404
Hallo Tarja,


Ich liebe dieses Lied: https://www.youtube.com/watch?v=ojRj2JK5oCI


Du liebst anscheinend A-capella-Vokalmusik?
Singst du selber in einem Chor?

Dann magst du sicher auch das:
"Balkanes" - ein Bulgarisches A-capella-Quartett.
Ich finde diese Gruppe auf jeden Fall absolute Spitze.

https://www.youtube.com/watch?v=-fB_r-WFDTk

2 der Sängerinnen sind Bulgarinnen, 2 sind Französinnen. Bei einem abendlichen musikalischen Zusammensein vieler der beteiligten Musiker eines Jodel-Festivals in der Schweiz haben die mal ein Lied vorgetragen, von dem mir allerdings keine Tonaufzeichnung bekannt ist. Da hat die erste Sopranistin Milena Jeliazkova alleine ihren hohen Bordunton über das ganze Lied von mehr als 2 Minuten durchgehalten - ohne jedes Stocken oder Schwanken und überaus kräftig und gut hörbar über den 3 anderen Stimmen - also praktisch in einem Atemzug. Da gehört ein guter Atemlufthaushalt dazu. Und ich vermute mal, auch eine gut geübte Technik der Erregung der entsprechenden Stimmbänder mit geringstmöglichem Luftstrom. Ich habe nicht feststellen können, daß sie auch Zirkularatmung genutzt hätte. (Ein Beispiel für ein Lied mit einigen Bordun-Passagen in verschiedenen Lagen hörst du ab 7:55 in dem französischen Video oben. Allerdings ist es da nicht so lang und auch nicht nur 1 Ton.)

Alle Anwesenden - darunter zahlreiche JodellehrerINNEN und Profi-JodlerINNEN haben sich nicht mehr eingekriegt vor Beifall, Bewunderung und Lob. Ingrid Hammer (eine österreichische Jodellehrerin) meinte nur: "Das ist Gradhäben auf Bulgarisch."

Du fragst dich wahrscheinlich, was Gradhäben ist. Das ist nichts anderes als Bordungesang. Da wird 1 Ton - oder bei größeren Chören auch 1 Akkord oder auch oktaviert - als Begleitung über ein ganzes Lied gesungen. Das geht selbstverständlich nur chörisch - müssen als immer mindestens 2 oder 3 Sänger sein für den gleichen Ton. Insbesondere die Atmung geschieht chörisch - also nie alle zusammen, so daß der konstante Bordun keine unerwünschten Schwankungen oder gar Lücken bekommt. Das ist insbesondere eine Spezialität der Toggenburger Jodelchöre (aus der Ostschweiz). Es wird aber auch in der Innerschweiz gepflegt - und selbstverständlich auch in zahlreichen anderen Ländern und Kulturen weltweit.
Hörbeispiel: https://www.youtube.com/watch?v=a2j08s2rvrU
Und hier die Frauen: https://www.youtube.com/watch?v=ncPozC-iqcE

Ich hab da bei dem erwähnten Festival einen Kurs belegt. Eine Woche lang Gradhäben gelernt. Für Solo-Jodelstimme reichen meine Fertigkeiten noch nicht. Das ist nochmal ein Zacken verschärft. Das siehst du schon an der Zahl der Sänger im Chor. Ein oder höchstens 2 oder 3 Solisten bzw LeitsängerINNEN. Der Rest singt den Bordun bzw die Harmoniebegleitung. :)

Es ist schon beeindruckend, wenn da 30 Leute in einer Kirche (Akustik!) üben, einen einzigen Ton oder einen Akkord gemeinsam zu singen. Alle im Kreis mit dem Rücken zueinander stehend und die Augen geschlossen. Wenn alle den richtigen Ton / die richtigen Töne singen, dann schwingt der ganze Körper in der entsprechenden Frequenz im Raum. Das ist wahrhaftig schon meditativ. Eine Art alpenländisches OM (ॐ).


Nebenbei bemerkt: Meine besondere Bewunderung unter den Sängerinnen von Balkanes hat Milena Roudeva, Contra-Alt. Das ist nämlich auch meine Lage.
Besonders gut herauszuhören beim Duett ab 0:30 und beim Solo ab 1:30
https://www.youtube.com/watch?v=WOikjuKpbhY
Ich komm sogar noch ein klein bisserl tiefer runter als Milena.  8)

Ihre Sprechstimme ist ungefähr in meiner Lage. Trotzdem ist meine Stimme immer noch mein größter Schwachpunkt bei der Passung als Frau. ::) Gesangsübungen sind da zwar sehr nützlich und hilfreich, aber anscheinend bei weitem nicht alles. Allerdings komme ich  beim Singen auch besser rüber, als beim normalen Sprechen. Das wird wohl der Tatsache geschuldet sein, daß man beim Singen meist mehr oder weniger gut geübte Lieder vorträgt, während man beim Sprechen immer anders auf den inhaltlichen Fortgang eines Gesprächs achten und eingehen muß, normalerweise ohne daß man dabei besondere Aufmerksamkeit auf die stimmliche Artikulation verwenden kann.

Ich habe mich da auch mit Milena eine längere Unterhaltung gehabt. Wir haben gesprochen über einen längeren Liedvortrag (es war "Unsre LPG hat hundert Gänse" von Renft), den ich am Abend zuvor in ihrem und der 3 anderen Beisein durchgängig in Kopfstimme singend zum Besten gegeben habe. Dies hat sie kritisiert. Ich müßte grundsätzlich (vorwiegend) in der Bruststimme singen. Das haben auch andere GesangslehrerINNEN so vertreten, dort und anderswo. Seither mache ich das auch so. Und es klappt mittlerweile tatsächlich. (Das war vor 6 Jahren.) 

Sie hat mein Problem damals irgendwie einfach nicht verstanden. Und ich glaube nicht, daß das an meinen für solche Erörterungen doch recht bescheidenen Französischkenntnissen und meinen nur minimal vorhandenen Bulgarischkenntnissen gelegen hat. (Deutsch oder englisch konnte sie nicht.) Sie sagte nur recht verständnislos. "Ecouter a moi. Je suis tout femme." ("Hör doch mich. Ich bin ganz Frau.") Daß das bei ihr auch niemals jemand bezweifelt, bei mir hingegen aber schon, das hat sie irgendwie nicht wirklich wahrgenommen. Wie auch immer ich es ihr zu erklären versucht habe.


Wenn du solche Sachen wirklich gerne hörst: Ich habe da noch zahlreiche Tonbeispiele gesammelt und besitze Dutzende CDs und LPs, nicht nur aus der Schweiz und Bulgarien, sondern auch aus Sardinien, Finnland, Estland, Russland, Deutschland, Irland, USA, Südafrika, Zimbabwe, und allen Teilen der Welt.


liebe grüße
triona