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Topic: Fortschritte (Read 326 times) previous topic - next topic

Fortschritte

Wenn ich einen meiner Vorstellungsthreads wiederfinden würde, könnte ich das abschließend dranhängen. Find ich nicht, kann ich nicht. Es ist es aber wert zu posten.

Für die die mich nicht kennen, ich bin 60 Jahre alt, und hatte mit 55 beschlossen, den 10 Jahren Alltagstest als Crossdresser endlich echtes Glück anzufügen. Namens- und Personsstandsänderung sind lange durch. Ich hab es zum einen den gesellschaftlichen Fortschritten, zum anderen meiner zielorientierten Persönlichkeit zu verdanken, dass die Transition ohne großen Schaden durchgelaufen ist. Bis auf ein paar "Freunde", Kollegen und Vorgesetzte, denen ich sagen musste dass ich ihr sexistisches und kotzkonservatives Gehabe nicht mehr aushalten möchte, gab es keine Verluste.

In dem Unternehmen, in dem ich arbeitete, war ich faktisch unkündbar , mochte aber den Job und die transphoben Kollegen einfach nicht mehr, und suchte was neues. Das ist in meinem Alter nicht ganz einfach, Objektiv nachvollziehbare Ablehnungen kamen nur von Menschen die mich überhaupt nicht kannten. Langsam aber sicher machte ich das an dem einen Thema fest, wer meine Vergangenheit kannte - 3/4 der Branche - würde mich niemals einstellen. Ziemlich öde Perspektive.

Nun gibt es ein Unternehmen, das aufgrund einiger strategisch guten Entscheidungen tatsächlich wächst und einstellt. Mit dem hatte ich auch bisher gar nichts zu tun. Menschen mit meiner Qualifikation sind dann doch selten genug, ich bekam ein interessantes Angebot. YAY! Ich hatte aber immer im Hinterkopf, was wäre wenn sich in der neuen Firma rumspräche, dass die Michaela einen großen Teil ihrer Berufserfahrung als Michael gemacht hatte? In der Probezeit gibt es keine Gründe für eine Kündigung. Sollte ich tatsächlich die Sicherheit meines alten Jobs aufgeben, nur weil der neue potentiell mehr Freude versprach? Aber ich nahm das Angebot trotzdem an.

Kurz danach kam ein Anruf von Herrn S. der mit mir das Einstellungsgespräch geführt hatte, meinem zukünftigen Chef. Wir besprachen die neuen Einsatzgebiete, die neuen Kunden, mein Chef erwähnte dass ein ehemaliger Kollege von mir sogar eine alte email von mir gefunden hätte. HMMM. Um auf den Busch zu klopfen, begann ich dann ein wenig Namedropping, erwähnte alte Kollegen, die jetzt auch in dem Unternehmen sind, bis er schließlich sagte, da gäbe es noch jemanden der mich kennt, und der für ihn arbeitet  Ich hätte den vor 15 Jahren mal eingestellt. Ich wusste gleich wer es war, und ich sagte zu meinem Chef, er hätte wohl dann ein paar Fragen. Und er sagte nein, der Kollege hätte zwar gesagt, ich hätte ihn damals eingestellt, und ich sei da noch Michael gewesen. Es mache aber sowohl für ihn als auch die Personalabteilung keinen Unterschied. 

Natürlich weiß ich nicht ob es einen gemacht hätte. Aber so kanns auch laufen. Wenn es will.