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Topic: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet: (Read 6814 times) previous topic - next topic

Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #15

Nun ja,

es hilft halt schon etwas am Pasing  zu arbeiten, ich hatte damals noch mit männlichen Papieren, bei einer Polizeikontrolle überhaupt keine Probleme, die sprachen mich höflich und korrekt mit Frau an.
Und auch sonst kann ich wirklich nicht klagen, ich hatte bis jetzt keine Auseinandersetzung die in Richtung Gewalt ging.
Ob das nun nur Glück, das Leben in einer Kleinstadt, ordentliches  Pasing, oder eine gute Portion Selbstbewusstsein ist, ich denke da kommen viele Dinge zusammen.
So hoffe ich nun, dass ihr in Zukunft auch nichts negatives berichten könnt, und ich auch nicht.
Denn wir sind keine Opfer!

Mit liebem Gruß   Tilly


Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich! In meiner Zeit des Geschlechswechsels hatte ich mit einer Mitarbeiterin des Arbeitsamtes in Lübeck mal ein lustiges Erlebnis:

Ich hatte einen Termin, ging, weil im Alltagstest, als Frau hin. Meine Sachbearbeiterin sagte, ich solle "meinen Mann" schicken. Erst, als ich ihr einen Schrieb meines Gutachters (damals war das Dr. Arenthewicz) zeigte, der alles erklärte, wurde mein Vorname nicht mehr benutzt, sondern abgekürzt. Da der männliche und der wibliche Vornamen dieselben Initialen haben.

Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #16
Glücklicherweise kann ich mich den Vorschreiberinnen anschließen, und hatte keine Gewalterfahrungen. Einiges könnte aber tatsächlich am Umfeld liegen, im Nachtleben von Metropolen bin ich halt normalerweise nicht unterwegs. Außerdem vermute ich, auf offener Straße nur in den ersten Monaten als Trans* aufgefallen zu sein.

Liebe Grüße,
Michi

Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #17
es hilft halt schon etwas am Pasing  zu arbeiten,

Aber genau da beginnt die Krux! Wenn ich mich in meiner Erscheinung als authentisch wahrnehme und ich damit dennoch kein Passing habe in dem Sinne, dass ich nicht dem entspreche, was die Gesellschaft als weiblich bezeichnet, habe ich mit Repressalien zu rechnen. Schließlich provoziere ich mit meinem unangepassten Dasein die Leute.

Das ist im Grunde das gleiche Argument, was Mädels die vergewaltigt werden gerne angedichtet wird. Zu aufreizend angezogen, selbst Schuld wenn die Männer so reagieren.

Zudem wird damit im Grunde erzwungen, dass wir bitte komplett im jeweils anderen Geschlecht einzutauchen haben. Damit man uns am besten gar nicht erst wahrnimmt.

Wo ist die Sichtbarkeit? Warum muss man optisch den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen, statt so auftreten zu können, wie man ist?

Genau aus solchen Gründen haben es teilweise noch Leute schwer, bspw. schwimmen zu gehen. Weil mit ablegen der Schutzmechanismen wie im Falle MzF Perücke, Schminke und die Behaarung verdeckende Kleidung das Bild nicht mehr dem entspricht was die Gesellschaft von einer Frau erwartet. Es wird mit Repressalien gerechnet und die Person zieht sich zurück. Oder raus zu gehen, wenn die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um einen Passing-Stand zu erreichen, mit dem man sich schützen kann.

Wir setzen uns damit einem immensen Druck aus, erwägen u.U. aus dieser Motivation heraus FFS, Stimmbandverkürzungen, gehen in die Logopädie usw. usf., nur damit wir bloß auch in das Schema passen, was man uns aufdrückt.

Natürlich, ich habe auch Passing angestrebt. Insoweit, dass man mich nicht bei einem flüchtigen Blick sofort erkennt. Aber man sieht es - und ich habe da auch nichts gegen. Provoziere es sogar mit der Stimme. Weil ich damit auch sichtbar machen will, dass es uns gibt - und weil ich mich nicht verbiegen will, da ich mir gerade so wie ich bin eigentlich sehr gut gefalle.

Disclaimer: Wer gerne 100% passen will und das auch für sich tut und nicht für andere, der darf und soll das auch gerne tun. Das ist nur legitim. Aber auf der anderen Seite zu sagen, dass nicht passende deswegen Opfer wurden, weil sie nicht gepassed haben, ist eben wieder Victim Blaming. Ein Nicht-Passing sollte nicht bedeuten, dass man nicht dennoch respektvoll und gewaltfrei behandelt werden sollte.

Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #18
es hilft halt schon etwas am Pasing  zu arbeiten,


Magst du gern mal Passing mit zwei s schreiben? Pasing ist ein Stadtteil von München.

Danke.

Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #19
Natürlich, ich habe auch Passing angestrebt. Insoweit, dass man mich nicht bei einem flüchtigen Blick sofort erkennt. Aber man sieht es - und ich habe da auch nichts gegen. Provoziere es sogar mit der Stimme. Weil ich damit auch sichtbar machen will, dass es uns gibt - und weil ich mich nicht verbiegen will, da ich mir gerade so wie ich bin eigentlich sehr gut gefalle.


Damit gehe ich d'accord.


Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #21
Ups´

Da habe ich mich zu sehr auf die Autokorrektur verlassen, ich hatte passing erst mit zwei ss, aber das Wort kennt die wohl nicht und unterstreicht rot.

Doch zur Sache, ich hatte nun auch schon die Ehre eine ganze Menge Mädels zu treffen. Da fällt eben schon auf, dass die die sich wenig um ihr passing scheren mehr Probleme haben.
Das heißt aber nicht, dass ich einer fast unerfüllbaren Körpernorm hinterherlaufen muss um ja nicht anzuecken.
Realistisch betrachtet werde ich auch nie ein 100% passing erreichen und stelth leben will ich nicht, da müsste ich viel zu viele Kontakte abbrechen.
Was aber wirklich hilft ist ein gesundes Selbstbewusstsein.
(Ja, das kann eine Menge Arbeit sein, aber die lohnt sich!) 

Mit liebem Gruß   Tilly

Re: Transsexuelles Paar mit heißem Kaffee überschüttet:

Reply #22
Ich finde es kleingeistig, in Foren auf die Rechtschreibung anderer aufmerksam zu machen. Wichtig ist, was gesagt wird, nicht, wie viele Fehler drin sind.