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Topic: Psychologe und Transsexualität (Read 29128 times) previous topic - next topic

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #15
Mit dem Unterschied, dass es ganz offenbar Dein Ding ist, so zu leben.

Wenn man andernorts Bemerkungen liest wie "bald darf ich endlich Hormone nehmen", fragt man sich aber schon, inwieweit Menschen, die so empfinden, überhaupt noch in der Lage sind, sich selbst kritisch zu hinterfragen - was ja der einzige Sinn einer derartigen Veranstaltung sein kann. Und man sollte sich ernstlich fragen, inwieweit Menschen in einer derartigen Situation überhaupt in der Lage sein können, ein einigermaßen normales Leben zu leben.

Ich hatte das von mir aus übrigens einen Monat lang gemacht, und *dann* war für mich klar, dass *jetzt* der nächste Schritt fällig war. Wieso noch 12 Monate unter psychotherapeutischer Aufsicht zuwarten?

(und bei mir drängte die Zeit - deutlich einsetzende Glatzenbildung einerseits, die Notwendigkeit einer Rasur 3x täglich hätten das für mich wirklich zu einer Tortur werden lassen, und es hätte gut sein können, dass ich dann nicht mehr ohne Perücke hätte auskommen können)

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #16
Klar kann man 10 Jahre Alltagstest machen aber dann wirds irgendwann schwer mit dem Passing.  ;)

 

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #17
Bei Bastienne ist das eben gerade kein Alltagstest, sondern sie ist bereits so im Alltag angekommen, wenn ich sie richtig verstanden habe. Das zeigt, wie unterschiedlich die jeweiligen Bedürfnisse sein können.

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #18

Ich behaupte mal jeder Mensch der ganz klar diesen Weg als Willen zeigt (und das geht sehr sehr leicht) wird auch Transsexualität diagnostiziert bekommen. Wir müssen also selber uns diese Diagnose geben. ;)


Dann darf man aber auch keine Zweifel oder sowas äussern. Meine Therapeuting besteht z.b. auf dem Alltagstes. Weil ich jetzt Hormone an ihr vorbei verschrieben bekommen hab und halt nicht das ganze Jahr Spießrutenlauf gemacht habe und mich Stück für Stück geoutet habe ist sie jetzt sauer und will mir kein Gutachten schreiben. Das ist sicher nicht bei allen Therapeuten so aber es gibt schon Betonköpfe.


Von Bremsern weg wechseln, gibt später noch mehr Probleme, wenn gaOP gewünscht wird.

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #19
Huhu Beate,

danke für deine vorgenommene Differenzierung. Ich möchte aber nocheinmal auf einige deine Punkte kurz eingehen um sie einfach meinerseits kurz darzustellen:
@"mein Ding so zu leben" ...ja,... ich hatte irgendwie recht früh wie du weisst diese letztlich pragmatische Lösung für mich erfühlt und fühle mich einfach durch mein erlebtes Angekommen sein auch glücklich damit,... ich möchte aber hinzufügen, dass ich durch mein ganz individuelles Leben eine leidgeprüfte Kreatur bin welche Bescheidenheit und bis zu einem gewissen Punkt auch Genügsamkeit zu ihren Tugenden zählen darf.

@"Zurechnungsfähigkeit/Hormone" einzelner Akutfälle: ich denke letztlich sehen wir die vorhandene, widersprüchliche Problemstellung ähnlich gelagert, letztlich halte ich es aber dann eben in solchen Fällen für eine zwangsläufig medizinisch/ärztliche Entscheidungsfindung nach bestem Wissen und Gewissen, wozu auch die psychologische Akut-Betreuung gehört, welche in meinen Augen Priorität besitzt,.... die Gabe von Hormonpräperaten halte ich dagegen für sekundär relevant,... aus gleichen Gründen, aus denen auch immer öfter wieder in der Praxis davon Abstand genommen wird, Psychopharmaka zu verschreiben, da sie die sehr grosse Gefahr der "Übertünchung" beinhalten und der deutlichen Erschwerung einer konstruktiven, psychologischen Problemfindung und Bearbeitung durch alle Beteiligten.
(ich nehme hier ausdrücklich den temporären, notfallmedizinischen Einsatz durch geschultes Personal aus, wenn diese geeignet sind, im Akut-Notfall Leib und Leben der/des  Patienten zu schützen!)

Als Differenzierung meinerseits möchte ich auch hinzufügen, dass ich eine HRT weder verteufel noch generell ablehne,.. ich halte mich für mich nur an den Leitsatz: "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig, um glücklich werden zu können."

In meinem Fall funktioniert das, sicherlich auch mit auf Grund einer, mir selbst gegenüber schonungslosen Offenheit/Ehrlichkeit, welche es mir in einem längerwierigen Selbst-erkennungs- und -findungs-Prozess ermöglicht hat. es einerseits zu verstehen, anzunehmen... und andererseits einen gangbaren Einstiegsweg aufgezeigt hat,... meine Erdung(Bauchgefühl) wiederzufinden.
Es ist eine Mischung aus Pragmatik und ganz viel Bauchgefühl welche mich diesen Weg gehen lässt,...
Auch ist es mir wichtig zu sagen, dass mich "Passing" nicht interessiert, sondern ausschliesslich Authentizität, da ich gute Erfahrungen als Mensch damit, vorallem als Transfrau gemacht habe,... sowohl mit Männern so wie mit Frauen und Transen aller Coleur.
Ausserdem suche ich ja auch nach Lebenspartnern, die Interesse an mir A) als Mensch und B) als "Schwanzmädchen" haben(ich greife mal auf diesen drastischen Ausdruck zurück damit sich niemand unabsichtlich in einen Topf geschmissen fühlt).

Last but not least zu diesem Punkt: ich bitte nicht zu übersehen, dass ich täglich viel Mühe, Zeit, Geduld und Disziplin aufbringe, um mich vorzeigbar zu erhalten,... und da bin ich auch ehrlich: wir sprechen hier über kontinuierlich 2-3 Stunden jeden Tag an 365 Tagen im Jahr, seit mehr als vier Jahren,.. jaahhaaa,.. okeeee,.. vielleicht ist es auch nur an 359,87 Tagen im Jahr so,... but I hope u know what I mean  ;)

Was deinen ganz persönlichen Fall betrifft bin ich mir ganz sicher, dass du richtig für dich gehandelt hast, sonst wärst du jetzt nicht so geerdet, Beate und du weisst, wie viel mir das bei dir bedeutet.

Ich glaube es ist einfach extrem wichtig, dass Psychologen/Ärzte weiter mehr, sensibilisiert sind/bleiben/werden, für die akutmedizinische/psychologische Diagnose in all ihrer Breitbandigkeit, um eine verantwortungsvolle Differenzierung der jeweiligen Einzelfälle vornehmen zu können und damit dem Wohl des Patienten dienen zu können.

Abschliessend zu unterschiedlichen Bedürfnissen: Richtig,.. und gleichzeitig wage ich es leicht zu relativieren, denn was meine Bedürfnisse betrifft bin ich nicht befriedigt,... aber mir schien dass grösste aller Bedürfnisse das "Angekommensein",.... dies hat sich für mich bis jetzt voll bestätigt und viele andere, neue und produktive Sichtweisen auf andere, unerfüllte Bedürfnisse, Wünsche, Träume und Hoffnungen eröffnet,...
...ich bin genügsam, auch kleines Glück ist unschätzbar wertvoll,.. was ist schon klein oder gross?! Ich würde heute nicht mehr sein, ohne gelernt zu haben, mich als unperfektes Weib zu lieben,... da will ich nicht zu viele erfüllte Bedürfnisse auf einmal anmelden,...


Alles Liebe _@_y <3

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #20

Ich behaupte mal jeder Mensch der ganz klar diesen Weg als Willen zeigt (und das geht sehr sehr leicht) wird auch Transsexualität diagnostiziert bekommen. Wir müssen also selber uns diese Diagnose geben. ;)


Dann darf man aber auch keine Zweifel oder sowas äussern. Meine Therapeuting besteht z.b. auf dem Alltagstes. Weil ich jetzt Hormone an ihr vorbei verschrieben bekommen hab und halt nicht das ganze Jahr Spießrutenlauf gemacht habe und mich Stück für Stück geoutet habe ist sie jetzt sauer und will mir kein Gutachten schreiben. Das ist sicher nicht bei allen Therapeuten so aber es gibt schon Betonköpfe.


Das tut mir echt leid für dich.
Finde ein guter Psychologe verbaut einen nicht den Weg, genauso wie er einen auch nicht bedrängt. Es ist dein Leben nicht das deiner Therapeutin. Würde mich in deinen Fall nach jemanden anders Ausschau halten. Nichts ist schlimmer als ein Therapeut der einen blockiert und das Leben versaut.  ::)

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #21

hm den Alltagstest finde ich aber auch sinnvoll :) Man sollte nicht mehr zweifeln ob man immer als Frau rumlaufen mag, wenn man sich körperlich verändern will.
Es ist natürlich etwas anders ob man dann nach Hormoneinnahme auch äusserlich (z.b. gesicht) mehr wie Frau aussieht als vorher. Wahrscheinlich muss man da einfach durch.


Was ist denn das bitte für ein "Test"? Ich finde es bekloppt ganz ehrlich. Ich würde das lieber mal Alltagsumstellung nennen, den niemand der innerlich überzeugt ist stellt sein Leben nicht um und wird sich nicht überwinden. Genau darum geht die Person doch zu einen Therapeuten und auch nur dann macht die HRT überhaupt einen Sinn.

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #22

....hm,... ich finde den sogenannten "Alltagstest" gut.


Solange er nur eine Umstellung bedeutet klar, aber nicht wenn er extra bekloppt als Test ausgelegt wird und man der betroffenen Person wer weiß nicht was auferlegt. Das macht keinen Sinn und ist obenrein eine unverschämte Fremdbestimmung.

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #23


....hm,... ich finde den sogenannten "Alltagstest" gut.


Solange er nur eine Umstellung bedeutet klar, aber nicht wenn er extra bekloppt als Test ausgelegt wird und man der betroffenen Person wer weiß nicht was auferlegt. Das macht keinen Sinn und ist obenrein eine unverschämte Fremdbestimmung.


huhu kaylee,

...naja,.. also es bedeutet in erster Linie eine Form der Prüfung, ob der/die Patient(in) dem Alltag im gewünschten "Zielgeschlecht" gewachsen ist und ob es eine Verbesserung des "Krankheitsbildes" signifikant erhöht.
Wie sonst sollte der verantwortliche Arzt eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle des Schutzbefohlenen treffen können? Dies ist doch der eigentlich essentielle Teil.
HRT kann unterstützen aber doch nicht Probleme lösen! Sie wird nichts daran ändern, dass man im Alltag als "schwaches" Geschlecht wahrgenommen werden wird, Sexismus und Diskriminierungen ausgesetzt ist.

alles liebe _@_y <3

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #24

HRT kann unterstützen aber doch nicht Probleme lösen! Sie wird nichts daran ändern, dass man im Alltag als "schwaches" Geschlecht wahrgenommen werden wird, Sexismus und Diskriminierungen ausgesetzt ist.

alles liebe _@_y <3

Das sehe ich genau so. Frau muss schon manchmal ganz gut kämpfen und sich Gehör verschaffen und als T* Frau erst recht.
:-) Sarah

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #25



....hm,... ich finde den sogenannten "Alltagstest" gut.


Solange er nur eine Umstellung bedeutet klar, aber nicht wenn er extra bekloppt als Test ausgelegt wird und man der betroffenen Person wer weiß nicht was auferlegt. Das macht keinen Sinn und ist obenrein eine unverschämte Fremdbestimmung.


huhu kaylee,

...naja,.. also es bedeutet in erster Linie eine Form der Prüfung, ob der/die Patient(in) dem Alltag im gewünschten "Zielgeschlecht" gewachsen ist und ob es eine Verbesserung des "Krankheitsbildes" signifikant erhöht.
Wie sonst sollte der verantwortliche Arzt eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle des Schutzbefohlenen treffen können? Dies ist doch der eigentlich essentielle Teil.
HRT kann unterstützen aber doch nicht Probleme lösen! Sie wird nichts daran ändern, dass man im Alltag als "schwaches" Geschlecht wahrgenommen werden wird, Sexismus und Diskriminierungen ausgesetzt ist.

alles liebe _@_y <3


Ich will nur wissen dass wir uns richtig verstehen, denn ich finde ganz ehrlich einen extra Test bekloppt bei Personen die ganz klar sagen und auch zeigen wohin sie wollen. Wer nach einen halben Jahr noch beim Therapeuten als Mann erscheint sollte sich schon Gedanken machen, da hilft dann auch kein extra "Test" bei, denn da würde sie doch nichts ändern an sich sondern sich nur verstellen und den Psycho eins vorgaukeln. Lebensumstellung muss von einen selbst kommen und da hat niemand einen einzureden wie und wann dies geschieht. Natürlich sollte die Frage im Raum stehen ob eine Person bereit für eine HRT ist und ich bin auch nicht der Meinung dass dies sofort geschehen darf, sondern erst dann wenn sich die Person sicher fühlt diesen Schritt zu gehen, was aber auch völlig individuell sein kann.
Eine HRT bringt jedenfalls eine verbesserte Gefühlswelt mit sich und einen näher zu sich selbst. Außerdem macht es optisch schon einiges. Mir hat sie geholfen und ich bereue keinen Schritt.

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #26
Quote
Wie sonst sollte der verantwortliche Arzt eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle des Schutzbefohlenen treffen können? Dies ist doch der eigentlich essentielle Teil.


Bei mir war der entscheidende Teil eigentlich nur die "Geschlechtsdysphorie". Die Soziale Rolle ist und war mir eigentlich immer relativ egal. Dafür ist aber anscheinend der Alltagstest da. Wo ich mich dann doch irgendwie fragen muss was das soll, wenn es im Grunde keine Rolle spielt. Vielleicht hab ich es auch leichter weil ich groß genug bin das ich mir nicht alles gefallen lassen muss und sich nicht jeder depp traut mir blöde zu kommen.

Soziale Klischee-erfüllung als Auflage? Ich kenne vielleicht einfach zu viele Bio Frauen die den "Alltagstest" nicht bestehen würden aber trotzdem keine Männer sind.

Wohl nur um belastbarkeit und willen zu testen? Weil mehr tut es im endeffekt nicht.

lg
Mia

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #27
Hallo

Vielleicht sollten wir das ganze auch mal von einer anderen Seite betrachten.
Für einen Psychologen ist sicher auch wichtig wie stabil ein Patient ist.
Damit meine ich, wie hoch ist die Selbstmord Gefährdung, wie gut ist er in sich gefestigt, wie ist er sozial verwurzelt, wie kann er sich durchsetzen, ist er sich bewusst, dass da einiges schief gehen kann?
Tja, und ich denke erfahrene Psychologen haben da schon einiges miterlebt.

Ja, und Mia hat ein Thema angesprochen das im allgemeinen leicht unter den Tisch fällt.
So wie es einigen reicht zeitweise oder komplett die Rolle zu wechseln oder mit den Rollen zu spielen, so mag es auch Menschen geben, die mehr Probleme mit der Geschlechtsdysphorie haben, die im Extremfall keinen Rollenwechsel bräuchten aber eben das richtige Geschlechtsteil.

Mal so zum Nachdenken  Tilly

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #28

Wie sonst sollte der verantwortliche Arzt eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle des Schutzbefohlenen treffen können? Dies ist doch der eigentlich essentielle Teil.


Dieser paternalistische Ansatz ist aber bei Transsexualität fehl am Platz. Was soll es helfen, über mehr oder weniger den gesamten Transitionszeitraum immer und immer wieder nach einer Bestätigung der Diagnose zu suchen (mehr soll ach den Vorstellung in den diversen SOCs ja nicht passieren)? WIR selbst müssen doch erkennen, was wann auf unserem Weg gut für uns ist.

Wieso bestimmt daher ein Arzt, wann welcher Teilschritt einer eventuellen Angleichung für den oder die Betroffene richtig ist?  Jetzt stell Dir doch nur mal vor, ein Arzt wollte Dich zu einer HRT drängen, weil er meint, dass das nach 4 Jahren doch wirklich dazugehören würde...


Nochmal: Transsexualität ist keine Krankheit, sondern eine Normabweichung. Daher sind wir als Betroffene auch in der Verantwortung, zu erkennen, was für uns jeweils richtig ist, und wir müssen das formulieren. Externe können uns nur dabei helfen. Aber genau das ist nicht vorgesehen.

ICD hin oder her wurde dass schon immer so gesehen, wenn es den ärztlichen Standpunkt stützte.

Re: Psychologe und Transsexualität

Reply #29
@kaylee: wir verstehen uns richtig, ich teile deinen standpunkt. Deshalb plädiere ich immer für eine ganz individuelle Diagnostizierung mit ausreichend ausbildung der ärzte.

@beate: Sorry,.... aber solange eine Krankenkasse, die von der Allgemeinheit letztlich getragen wird involviert ist, handelt es sich aber um eine "Krankheit",... denn sonst würde eine KK ja auch Bodymodifications bezahlen. Wer von der Begrifflichkeit der "Krankheit" weg will,.. sollte zumindest dann auch mal darüber nachdenken, das damit dann auch eine Kostenübernahme nicht mehr erklärbar wird. Der Arzt ist also einerseits dem Wohle des Patienten verpflichtet und andererseits auch Rechenschaft einer Gemeinschaft gegenüber schuldig bezüglich finanzieller Mittel... und zwar ggf. auch vor Gericht.

alles liebe _@_y <3