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Topic: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen (Read 7329 times) previous topic - next topic

Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Hi zusammen,

mein Vorgesetzter und meine Chefin haben mir nahegelegt, mich auf Asperger untersuchen zu lassen. Für mich überraschend hat sich gezeigt, das es unerwartet schwierig ist, einen Termin zu bekommen und sogar überhaupt einen telefonischen Kontakt zu etablieren. Einzige Aussage, die ich bisher bekommen habe ist, das ich mich mitte Mai nochmal melden solle und wenn, dann frühestens ein Termin im August möglich wäre.

- Gibt es eine Möglichkeit der Beschleunigung, z.B. die Angabe das der Arbeitgeber eine weitere Anstellung vom Ergebnis abhängig macht oder Anderes? Ein wirklicher Notfall ist es nicht, ich bin ja nicht suizidal.

Es ist wirklich so, das ich im Job Probleme habe und das tatsächlich eine Aspergerdiagnose von Vorteil wäre. Das hat man mir zumindest so angedeutet. Die Zeit spielt gegen mich.
Ich hätte nie gedacht, das ich mal vor dieser Frage stehen würde, aber es würde vieles erklären. Die Frage beschäftigt mich intensiv.

Viele liebe Grüße,
dat Kerstin


Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #2
Hi Kerstin,
Versuche es doch mal auf dem konventionellen Weg.
Sprich: berede das Thema mit dem Arzt/Hausarzt seines Vertrauens. Der ist zwar nur eine Zwischenstation, aber mindestens kennt er oder sie jemanden, der jemanden kennt, sowie die lokalen Angebote bei euch. Und mit der Überweisung geht es dann weiter. Das kann insgesamt 6-8 Wochen dauern, weil Neurologen  ziemlich knapp sind, aber länger nicht. Sonst  wendest du dich deine Kasse und beschwerst dich ( Recht auf zeitnahe Behandlung)

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #3
Danke Laura! Ich setze mich mit denen in Verbindung.

@Jula

Bei meinem Hausarzt habe ich angerufen, wegen eines Termines. Man hat mir dort aber gesagt, das ich mich direkt an einen Neurologen wenden solle. Wenn ich einen Termin habe, bekomme ich die Überweisung.

Mir sagte auch schon jemand, ich könne auch bei der Krankenkasse anrufen, das die für mich einen Termin besorgen. Das probiere ich Montag mal.

Liebe Grüße,
Kerstin

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #4
Wenn man gewisse Eigenarten in der sozialen Kommunikation hat, die manchmal an Asperger erinnern, muss das noch lange nicht bedeuten, dass man auch Autist ist.
Das kann ohne weiteres auch "erlernt", also Folge der Bedingungen sein, unter denen man aufgewachsen ist (und ggf. auch der Transidentität, die ja durchaus gerne auch mal durchschimmern und bei anderen assoziieren kann, dass man nicht ganz bei sich selbst stünde).

Auch mir wurde schon mal Asperger angedichtet, aber ich bin ganz sicher nicht autistisch (ich habe mich damit auseinandergesetzt), und ich habe ganz sicher Defizite wie die oben angedeuteten.

Jetzt frage ich mich allerdings doch, warum die Diagnose einer (Geistes-) Krankheit Dir beruflich weiterhelfen könnte. Und welche Folgen Deine Transidentität in dem Zusammenhang haben könnte, so zwischen F64.1 und F64.0 ...

(wieder ein Beispiel, wo die Pathologisierung von Transidentität mehr schadet als nutzt?)

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #5
Hallo Beate,


Wenn man gewisse Eigenarten in der sozialen Kommunikation hat, die manchmal an Asperger erinnern, muss das noch lange nicht bedeuten, dass man auch Autist ist.
Das kann ohne weiteres auch "erlernt", also Folge der Bedingungen sein, unter denen man aufgewachsen ist (und ggf. auch der Transidentität, die ja durchaus gerne auch mal durchschimmern und bei anderen assoziieren kann, dass man nicht ganz bei sich selbst stünde).


Ich habe auch erstmal heftigst abgewunken. Ich habe und hatte schon immer Probleme hier auf diesem fremden Planeten, aber ich bin doch kein Autist und geistig behindert! Vor kurzem hatte ich mir selbst die Diagnose  "Hypersensitiv" gestellt, weil das alles so gut passte und vieles erklärte. Seit ich aber auf der Arbeit durch meine Vorgesetzten damit konfrontiert wurde, habe ich mich eingehend damit beschäftigt. Ich habe mich eingelesen und Tests gemacht, die mehr als deutlich in Richtung Asperger deuten. Inzwischen zweifele ich, sollte es doch sein?!?? So oder so, jetzt will ich es wissen!
Quote


...
Jetzt frage ich mich allerdings doch, warum die Diagnose einer (Geistes-) Krankheit
:-\ :-[
Quote
Dir beruflich weiterhelfen könnte. Und welche Folgen Deine Transidentität in dem Zusammenhang haben könnte, so zwischen F64.1 und F64.0 ...
(wieder ein Beispiel, wo die Pathologisierung von Transidentität mehr schadet als nutzt?)


Man hat mir angedeutet, das es wohl eine Behindertenquote gibt und der Betrieb auch wohl andere Vorteile hätte,- ich denke Förderung o.ä.. Außerdem würden meine Leistungen dann auch anders bewertet und mir würde vieles nachgesehen. Von meiner Transidentität weiß dort niemand etwas. Ed: bis jetzt!


Liebe Grüße,
dat Kerstin

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #6

... aber ich bin doch kein Autist und geistig behindert!...


Das war in keinster Weise wertend gemeint!!! Ich wollte lediglich damit sagen, das ich mich selbst nicht behindert sehe, egal was später irgendein Arzt dazu sagt.
Ich möchte mich für diese ungeschickte Ausdrucksweise entschuldigen!

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #7


... aber ich bin doch kein Autist und geistig behindert!...


Das war in keinster Weise wertend gemeint!!! Ich wollte lediglich damit sagen, das ich mich selbst nicht behindert sehe, egal was später irgendein Arzt dazu sagt.
Ich möchte mich für diese ungeschickte Ausdrucksweise entschuldigen!


Das musst Du keineswegs.
Und mal ganz ehrlich, Du hattest formuliert, was Du spontan empfunden hattest? So aus dem Bauch heraus...

Vollkommen zu Recht. Ging mir auch so - vor allem weil ich ja einen Begriff habe, wo meine Ecken und Defizite herkommen.

Nein, die Geschichte ist zweischneidig, mindestens: auf der einen Seite ist es natürlich gut und wichtig zu wissen, was nun wirklich los ist. 
Auf der anderen Seite könnte es schwierig werden, mit dem Transthema hinterm Berg zu halten, und das könnte es für dich schwierig machen. Auch F64.1 gilt ja als Persönlichkeitsstörung.

Du solltest zumindest versuchen, Dir die Freiheit zu erhalten, dass DU bestimmst, ob und wann und wie Dein Arbeitgeber von der TI erfährt (m.E. geht es ihn nichts an, solange Du nur privat Crossdressing betreibst und keinen dauerhaften sozialen Wechsel anstrebst), und daher vor allem unabhängig von dem Autismus-Thema.

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #8
Hei Kerstin

Ich freue mich für dich, denn du hast nun die Change genauer herauszufinden was wirklich in dir steckt und wie deine Zukunft aussehen wird.
Tja. und nach welchen F... so und so du "geistesgestört" bist ist doch egal, Hauptsache dir geht es gut!
Ich bin ja auch F64-0, unheilbar!   
Aber so gut wie jetzt ging es mir noch nie.

Mit liebem Gruß  Tilly

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #9
@Kerstin

Vorausgeschickt, dass ich mir den Test ausführlich angesehen habe (bin "branchennahe" ausgebildet) und einschränke, dass online-Tests vor allem das Risiko des Sich-selbst-etwas-vormachens beeinhalten, kann ich Dir als sozusagen "Orientierung" diesen Test empfehlen -

http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_asperger.phtml

Das Ergebnis nimm' unbedingt nicht zu ernst (mit einem "Körnchen Salz"), es hat aber durchaus das Zeug dazu, Trends aufzuzeigen.

Liebe Grüße,
Elli

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #10
Bei Asperger musst Du wie bei ADHS viel über Deine Kinderheit erzählen, weil die Diagnosen rückwirkend gestellt werden. ASHS und Arsperger können, müssen aber nicht gleichzeitig vorliegen.

Gerade die Geheimnisstrategie haut da bei der Diagnose nicht hin, man/fraumuss sich da öffnen, so gibt es weder Diagnose noch ev. Medikamente.

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #11
Auf die Asperger-Onlinetests kann man nicht so viel geben was auch daran liegt dass es viele Störungen gibt die sich ähnlich ausprägen wie Asperger. Das Problem ist auch dass Asperger zur Modediagnose geworden ist, genauso wie ADHS. Mitunter kommt es sogar vor dass sich Leute die Störungen wie Borderline, schizoide oder Narzisstische Persönlichkeitsstörung haben selbst mit Asperger diagnostizieren weil Asperger einen besseren Ruf hat als Persönlichkeitsstörungen. Da wird sich dann darauf berufen dass das ja angeboren sei und man so nichts ändern könne - als fatale Entschuldigung dafür nichts ändern zu wollen um ja nicht an der eigenen Persönlichkeits zu arbeiten. Das sind dann die sogenannten Möchtegernautisten die mit ihrer falschen Autismus-Diagnose nicht glücklich werden weil ihr durch die Persönlichkeitsstörung bedingtes Leid ja nicht gemindert wird.

Kerstin dir möchte ich empfehlen dir eine seriöse Diagnostik zu suchen. Um Asperger zu diagnostizieren reicht nicht ein einzelnes Gespräch, da sollte es schon eine aufwändige Testung sein. In deiner Gegend wäre Köln die nächste Anlaufstelle. Leider sind die Wartezeiten dort recht lang.

http://neurologie-psychiatrie.uk-koeln.de/psychiatrie-und-psychotherapie/aerzte/stoerungsspezifische-ambulanzen/spezialambulanz-autismus-im-erwachsenenalter

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #12
Warum ich auf diesen Test hinwies, hat den Hintergrund, dass ich es erst mal zumindest unprofessionell, wenn nicht sogar ungeheuerlich finde, wenn Vorgesetzte gegenüber zwangsläufig unter Druck (mindestens durch die Arbeitnehmersituation, wahrscheinlich auch durch die entstandenen Probleme) stehende ArbeitnehmerInnen mit einer medizinischen Vermutung auffahren ("haben mir nahegelegt, mich auf Asperger untersuchen zu lassen" -> hallo?? Lauter Psychiater als Vorgesetzte oder doch eher eine Frechheit gegenüber der Angestellten?).

Zu Problemen im Berufsumfeld gehören grundsätzlich neben der Hauptperson auch alle anderen mit ihr in Beziehung stehenden Faktoren (Kollegen, Umfeld, Unternehmenskultur und und und). Hier das Problem in erster Linie der Arbeitnehmerin zuzuschreiben, ist gelinde gesagt eine Anmaßung (man könnte auch Mobbing daraus ableiten oder konstruieren).

Weil ich grundsätzlich vorsichtig damit wäre, das berufliche Umfeld mit medizinischen Daten aus Untersuchungen etc. zu füttern, da das durchaus auch "nach hinten losgehen" kann, würde ich zur eigenen Verortung diesen durchaus seriösen Online-Test (eines sehr umsichtig praktizierenden Psychotherapeuten) machen, da er - sofern wirklich ehrlich beantwortet - mit einiger Wahrscheinlichkeit ergeben kann, dass vielleicht die eine oder andere Problematik in einem selbst besteht (nobody is perfect), jedoch das eigentliche Problem eher auf der Unternehmensebene liegen könnte, wovon mit einer Schuldzuweisung elegant abgelenkt würde. ("Es ist wirklich so, das ich im Job Probleme habe und das tatsächlich eine Aspergerdiagnose von Vorteil wäre. Das hat man mir zumindest so angedeutet. Die Zeit spielt gegen mich.")

Ich wäre - bei aller Liebe zur Medizin - sehr vorsichtig mit einer offiziellen Annäherung an die Rädchen der Therapiemaschinerie, wenn diese vom Arbeitgeber und sicher nicht aus Philantropie in Bewegung gesetzt werden. Lass Dich nicht unter Druck setzen.

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #13
Hallo Beate,

Du auch?
Natürlich geht es den Arbeitgeber es nichts an, was ich in meiner Freizeit mache. Den Begriff Crossdressing finde ich nebenbei zu klein für mich.
Ich denke nur immer daran, wenn Kollegen mich en Femme irgendwo erkennen. Mein direkter Kollege geht immer in der Ecke einkaufen, wo "Kerstin" unterwegs ist. Sollte es passieren, dann wäre es wohl besser, wenn er es vorher wüsste. Er hat(te) auf jeden Fall einen Verdacht, den er mir gegenüber geäußert hat und er meinte das wäre in Ordnung. Wäre da nicht dieses Schwein-Hund hybride Tier ::) :D Meinem Arzt gegenüber werde ich es auf keinen Fall verschweigen. Ich habe irgendwo gelesen, das angeblich Transgenderismus bei Aspergern häufiger auftritt.

Hi Tilly,

ich bin so wie ich bin, und das ist gut so!
Allerdings ist der Gedanke schon etwas befremdlich ärztlich bescheinigt zu bekommen Defizite zu haben.

Freut mich sehr, das es Dir gut geht!!!!


Hallo Ella,

ich bin mir darüber im Klaren.
Bei dem Test habe ich 34 Punkte -
Quote
Sie zeigen auffallend viele Verhaltenscharakteristika, die an Asperger-Patienten beobachtet werden.


@ C-J,
Ich werde alles erzählen, was man wissen will. Was muß, das muss!


@Henriette
Ich verlasse mich natürlich nicht auf einen online Test. Der kann nur als Anstoß herhalten, darüber bin ich mir klar.


Hallo nochmal Ella,

niemand setzt mich unter Druck. Von offizieller Seite wurde ich auch noch nicht angesprochen. Vielmehr ist es so, das ich teilweise große Probleme habe. Meinen beiden Vorgesetzten, von denen eine aus dem medizinischen Bereich kommt, und meinem Kollegen sind an meinem Verhalten Eigenarten aufgefallen, die ihrer Meinung nach auf eine autistische Störung hinweisen könnten. Meinem Kollegen liegt viel daran, das ich bleiben kann, weswegen er in Absprache mit der Chefin mir empfohlen hat, der Sache mal nachzugehen. Niemand hat mir gesagt oder auch nur angedeutet, das eine Diagnose Vorraussetzung für eine Weiterbeschäftigung ist. Eine Aspergerdiagnose wird man nicht gegen mich verwenden, weil es furchtbar einfach wäre, mich loszuwerden. Erstmal läuft mein (vorerst) befristeter Vertrag bald aus und es genügt ein Wort von meinem Kollegen, das ich ganz schnell (nach der Kündigungsfrist) weg wäre. In Wirklichkeit setzt er sich aber sehr für mich ein und hat schon so einiges, was ich verbockt habe, auf seine Kappe genommen! 


Ich habe mich übrigens mit der Selbsthilfegruppe, die Laura mir herausgesucht hat, in Verbindung gesetzt und gestern schon Antwort bekommen. Man hat mir bestätigt, das ich von einer Behindertenquote profitieren würde und auch, das meine Leistungen anders wahrgenommen würden. Man hat mir auch noch einiges anderes geschrieben.


Ein liebes Dankeschön an alle!!! :-*

Re: Termin bekommen beim Neuro/Psychologen

Reply #14

Hallo Beate,

Du auch?


Nein, ganz sicher nicht. Hin und wieder habe ich ja  schon mal über ein paar meiner Altlasten geschrieben, dazu noch Besonderheiten im familiären Umfeld, die ich hier nicht ausbreiten möchte, dann nocht die Transidentität, die zumindest soweit durchschimmerte, dass man bereits in der Jugend m erkte, dass ich nicht stimmig mit mir selbst war und darauf reagierte - Ruck, Zuck hat man das eine oder andere Defizit erworben oder Strategien im Umgang mit (Ausgrenzungs-) Situationen entwickelt, die entfernt an Asperger erinnern können.

Aber seis drum, sobal von Arbeitgeber- und auch Kollegenseite der Verdacht aufkommt, auch von wohlmeinenden (die ja nicht die einzigen sind), ist das ein Zeichen für eine brenzlige Situation. Sieh Dich bitte auf jeden Fall vor!