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Topic: Bewerben (Read 2811 times) previous topic - next topic

Bewerben

Da ich bald mit meinem Studium fertig bin muss ich bald über Bewerbungen nachdenken und weiß nicht wie ich es machen soll.

VA/PÄ ist noch nicht in Sicht und auch meine Stimme noch nicht so weit dass ich wirklich überzeugend als Frau auftreten könnte. Als Mann ist aber auch schwierig wegen Haaren und Brustansatz.

Ich hab da irgendwie furchtbare Angst davor und weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Mit welchem Namen bewerbe ich mich? (auf meinen Zeugnissen und Referenzen steht natürlich mein männlicher Name) und soll ich es überhaupt erwahnen? (Allerdings ließen sich damit die Lücken im Lebenslauf erklären)

Danach muss ich mir noch eine WG suchen und da wird man ja auch gecastet.

Re: Bewerben

Reply #1
Gegenfrage aus Antwortvorschlag:
Was ist die aus deiner Sicht beste/kraftvollste/authentischste Version von dir?

Die solltest du ins Rennen schicken (egal, ob es ein Job ist oder ein WG-Zimmer)
Widersprüche (so oder so) kann man immer aufklären, aber den Eindruck von Kraft und Potential, den man braucht um andere für sich einzunehmen, den kriegt man nur hin, wenn man von sich die (nach eigenem Fühlen!) bestmögliche Version in solche Situationen schickt.
Das rummurksen, um möglichst die Erwartungen von anderen treffgenau zu bedienen oder nicht anzuecken, hat noch niemandem einen Job oder ein Zimmer gebracht.

Re: Bewerben

Reply #2


VA/PÄ ist noch nicht in Sicht und auch meine Stimme noch nicht so weit dass ich wirklich überzeugend als Frau auftreten könnte. Als Mann ist aber auch schwierig wegen Haaren und Brustansatz.



VA/PÄ sollte so früh wie möglöich beantragt werden, nicht erst mit Beginn HRT wie in Münster üblich.

WG eventuell mit anderen T* Menschen suchen.

Re: Bewerben

Reply #3
Ja das ist bei mir etwas durcheinander weil mir die Hormone von einer Allgemeinmedizinerin verschrieben wurden weil sie rausfand dass ich welche aus dem Internet genommen hatte. Darüber ist meine Therapeutin nicht glücklich die auf den Alltagstest besteht obwohl ich jetzt schon seit gut einem Jahr in der Öffentlichkeit als Frau unterwegs bin. Und ein Gutachten will sie jetzt nicht machen weil ich zu depressiv bin.


Gegenfrage aus Antwortvorschlag:
Was ist die aus deiner Sicht beste/kraftvollste/authentischste Version von dir?

Die solltest du ins Rennen schicken (egal, ob es ein Job ist oder ein WG-Zimmer)
Widersprüche (so oder so) kann man immer aufklären, aber den Eindruck von Kraft und Potential, den man braucht um andere für sich einzunehmen, den kriegt man nur hin, wenn man von sich die (nach eigenem Fühlen!) bestmögliche Version in solche Situationen schickt.
Das rummurksen, um möglichst die Erwartungen von anderen treffgenau zu bedienen oder nicht anzuecken, hat noch niemandem einen Job oder ein Zimmer gebracht.


Boah das ist echt schwer zu sagen da ich eine total schlechte Selbstwahrnehmung habe und deshalb aktuell in beiden Geschlechterrollen unsicher bin. Aber natürlich bietet mir die männliche momentan mehr Sicherheit weil ich die besser kenne und es die Norm darstellt. Allerdings gibt es da auch schon Brüche weil zwei Leute schon ohne Outing und entsprechende Kleidung rausgefunden haben dass ich Hormone nehmen und als Mann werde ich jetzt immer 10 Jahre jünger geschätzt als ich in Wirklichkeit bin wohl auch wegen den Hormonen.

Das Einfachste wird wohl sein ich bewerb mich schriftlich als Mann weil das zu den  Unterlagen passt und oute mich dann bei der WG beim Vorstellungsgespräch und beim Job dann vielleicht erst hinterher wenn ich mich eingearbeitet habe.

Re: Bewerben

Reply #4

Ja das ist bei mir etwas durcheinander weil mir die Hormone von einer Allgemeinmedizinerin verschrieben wurden weil sie rausfand dass ich welche aus dem Internet genommen hatte. Darüber ist meine Therapeutin nicht glücklich die auf den Alltagstest besteht obwohl ich jetzt schon seit gut einem Jahr in der Öffentlichkeit als Frau unterwegs bin. Und ein Gutachten will sie jetzt nicht machen weil ich zu depressiv bin.

Gutachter für VÄ/PÄ kannst du selbst bestimmen bzw. werden sonst von Gericht ausgewählt. Die eigene Therapeutin zu nehmen, würde ich da auch keinesfalls empfehlen.

Und zum Job, bewerben in der Rolle wie die Papiere sind, sofern das noch möglich ist. Und ggf. bei der Uni schon anfragen, inwieweit Papiere ggf. auf deine neue Identität ausgestellt werden können, sofern z.B. deine Therapeutin ein Schreiben aufsetzt, dass du transident bist.

Re: Bewerben

Reply #5
Hallo,
ich würde mich bei der Jobsuche als Mann bewerben, und dann kurz vor Ende der Probezeit ein Gespräch mit dem Chef/der Chefin suchen und sie über dich Aufklären. Ich finde das am gerechtesten und habe es auch so gemacht, und obwohl bisher in dieser Firma nur Männliche Monteure beschäftigt worden sind, bin ich auch immer noch da. Wenn du dich vorher gut " Verkauft" hast dann werden sie dich auch behalten denn meiner Meinung nach ist eine gewisse Ehrlichkeit das beste. Leider muss man nur manchmal halt einen kleinen Umweg machen  ;D . Warum vor Ende der Probezeit? ganz einfach wenn er es nicht will kann er dir Kündigen ohne Probleme ( dieses Risiko würde ich aber eingehen). Da meine Erfahrungen aber sind das man mit Ehrlichkeit weiter kommt , gehe ich davon aus das diese Ehrlichkeit auch von der anderen Seite Belohnt wird. Notfalls kann man dann auch noch individuelle absprachen treffen die beide Seiten glücklich macht. Bei mir ist es so, das ich z.B. nur noch 4 Tage die Woche Arbeite, da ich so viele Termine habe ( Arzt, Psychologe, Endo, Haarenfernung) . So kann ich alle Termine immer auf meinen Freien Tag legen und mein Chef weiß wann ich da bin. Also einfach mal ein wenig Positiv denken, und dann rann an die Sache.

Bei der WG-Suche würde ich schon als Frau hingehen, und mich Vorstellen, den ich meine das es bestimmt auch für dich ein Zimmer gibt. Vielleicht hast du sogar ein kleinen Bonus. Wichtig ist dabei ein festes Auftreten, und wenn ein Paar Sprüche kommen, über diese zu lachen. Man sollte nicht alles so ernst sehen und oft ist es einfach nur eine Unsicherheit deines Gegenübers und wenn man dich dann besser kennenlernt wirst du auch versanden.

LG Alexandra



Re: Bewerben

Reply #8

Gutachter für VÄ/PÄ kannst du selbst bestimmen

Vorschlagen.

Quote
bzw. werden sonst von Gericht ausgewählt.

Sie werden immer vom Gericht ausgewählt. Die meisten Richter folgen allerdings gerne dem Vorschlag.

Wichtiger:
@in4thekill: wenn Deine Therapeutin Deine Namensänderung noch nicht befürwortet und Du eh schon Hormone verschrieben bekommst, Du selbst Dir aber sicher bist (!!!), dass Du dauerhaft als Frau leben willst, könntest Du die Begutachtung von der therapeutischen Begleitung trennen. Das ist ein üblicher Weg, auch wenn es mehrheitlich anders praktiziert wird. Und das kann man dann auch positiv kommunizieren - einfach, dass man das Therapieverhältnis nicht durch die andere Zielsetzung der Begutachtung belastet haben möchte.

Klar ist dann allerdings, dass Du auch für die Indikationen (Epi, in Zukunft ggf. GaOP) jemand anderen benötigst.

Aber noch klarer ist: Es ist DEIN Leben. DU trägst die Verantwortung, und dazu gehört, dass DU erkennen und entscheiden musst, was gut oder schlecht für Dich ist. Deine Therapeutin kann Dir dabei zwar helfen - mehr aber auch nicht. Wenn Du Dich falsch entscheidest, kann sie tausend Gutachten über Dich geschrieben haben - die Verantwortung wird IMMER bei Dir liegen. Und mit den Folgen leben musst Du sowieso, im Guten wie im weniger Guten.