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Topic: Genderqueer am Arbeitsplatz (Read 20607 times) previous topic - next topic

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #45

Cveta, es geht hier zunächst mal nicht ums Nicht-Auffallen, sondern um ziemlich harten Rollendruck für beide Geschlechter in bestimmten beruflichen Feldern: Mann im Anzug, Frau im Business-Kostüm und Heels. Wobei Frauen durchaus größere Freiheiten haben, diesen Rahmen auszufüllen.





Hallo Beate,

das wird auch bei Berufen mit Bezahlung auf Hartz IV Niveau verlangt, dazu noch wie man/frau nach der Arbeit seine/ihre Freizeit verbringt, wenn in Familenbetrieb.

Bei höherwertigen Qualifikationen wird eher drüber weg gesehen.

LG Cveta

LG Cveta

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #46


Quote from: Jula
Wäre es nicht ein Fortschritt, wenn Professionalität nicht an geschlechtliche Eindeutigkeit gebunden wäre?


Klar wäre es das. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und ich weiß nicht, ob Jacobs Ansatz zielführend ist. Es erscheint mir eher als Sackgasse, sich mit provokantem Auftreten in eine geschützte Nische zu flüchten, in der geschlechtliche Uneindeutigkeit zumindest toleriert wird. Da wäre er nicht mal der erste. Bei weitem nicht.

Welche Schritte wären denn realistischer, um ein derartiges Ziel zu erreichen?


Was genau empfindet ihr eigentlich als so provokant an Jacoby Auftreten? Nach meinem Empfinden ist keines der Gender-Symbole, dessen Jacob sich bedient, isoliert betrachtet provotativ: Der Lippenstift nicht zu grell, der Drei-Tage-Bart bepflegt, der Rock nicht zu kurz, die Frisur sehr ordentlich. Die Provokation entsteht nach meinem Empfinden erst aus der Kombination von männlichen mit weilbichen Symbolen. Rote Lippen mit Drei-Tage-Bart wird als völlig unpassend, unästhetisch und damit provokativ empfunden, genauso wie Männerhaarschnitt und Rock...  Aber wieviel von der empfundenen Unstimmigkeit ist unverrückbar in der Sache begründet und wieviel ist Gewohnheit?

Und wo flüchtet sich Jacob in eine Niesche? Es stimmt, im beruflichen Umfeld befindet sie sich in einer Sonderposition und vermutlich kann sie es sich nur deshalb erlauben so aufzutreten. Aber sie beschränkt diese Auftritte ja nicht nur auf den Beruf, sondern geht so auf die Straße, zur Kultur, ... Nach meinem Empfinden verändert jeder sichtbare Auftritt außerhalb der Gedergrenzen die Sehgewohnheiten und macht deutlich, dass es viel Raum außerhalb der Geschlechterpole gibt. Zuerst wird es als Provotation empfunden, aber je häufiger es zu sehen ist, desto mehr wird es zur existierenden Realität und verändert durch die Kraft des Faktischen die eingeschliffenen Normen. 

Quote
Ich frage mich aber, was passieren würde, wenn jemand in einer gewissen Position so sorgfältig gestylt wie Roxanne (die diese Rollenmodelle ja offenbar gerne mal mit Perfektion bedient), im Büro aufkreuzen würde. Vielleicht mit der gleichen sorgsamen Vorbereitung, wie wir als Transsexuelle unseren sozialen Wechsel bei der Arbeit einleiten (müssen, wenn er erfolgreich sein soll).
Ich kenne Roxanne nicht persönlich und muss Dein Beispiel daher rein theoretisch betrachten: Aber wenn sie mit einem solchen Auftreten ein nahezu perfektes Passing hinlegt, dann ist eigentlich für das Aufbrechen der Rollenklischees nicht viel erreicht, denn das Streben nach gute Passing bedeutet doch nichts anderes als das Bedienen oder anders ausgedrückt das Unterwerfen unter die Rollenklischees. Solange ich aber bestrebt bin etwas zu bedienen, ist es nur schwer möglich es aufzubrechten und in Frage zu stellen.

Ich glaube, ohne den Mut zu einer gewissen Provokation wird es kaum möglich sein den hohen gesellschaftlichen Druck zur geschlechtlichen Eindeutigkeit aufzuweichen. Das kann und muss nicht jede machen. Was ich aber erscheckend finde ist, wie abwertend gerade aus unseren Reihen immer wieder auf solch mutige Menschen reagiert wird.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #47

Wäre es nicht ein Fortschritt, wenn Professionalität nicht an geschlechtliche Eindeutigkeit gebunden wäre?


Die Sache ist einfach, dass es Geschlechter nunmal gibt und die Mehrheit auch damit ganz zufrieden ist. Glaubst du für unter 1% der Menschen macht man sich besondere Mühe?

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #48
Quote
Und wo flüchtet sich Jacob in eine Niesche? Es stimmt, im beruflichen Umfeld befindet sie sich in einer Sonderposition und vermutlich kann sie es sich nur deshalb erlauben so aufzutreten.


Und genau darin besteht doch die Nische, auf der Straße ist grundsätzlich alles erlaubt (naja fast...), man kann höchstens Pech haben und zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und irgendwelchen aggressiven Kerlen über den Weg laufen.

Aber es geht ausdrücklich um den beruflichen Alltag. Und genau da gibt es sehr deutlich Grenzen, von denen ich nicht glaube, dass man sie aus künstlerischen oder wie hier im LBGTQ-Umfeld aktivistisch arbeitet, ändern kann. Das geht erst, wenn jemand Schritte aus diesen Nischen wagt, und zwar jemand, die oder die nicht transsexuell ist und daher einen kompletten Wechsel der sozialen Rolle anstrebt.

Was mich viel mehr überrascht ist, dass Jacob auch bei (anspruchsvollen!) Jobs im LBGTQ-Umfeld Sorgen hatte, ob sein Auftreten akzeptiert werden würde. Da hätte ich bereits jetzt eine größere Offenheit und Unbefangenheit erwartet - wo sonst wenn nicht da?

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #49

.. auf der Straße ist grundsätzlich alles erlaubt (naja fast...), ...

Auch im Beruf ist rein juristisch betrachtet das Gleiche erlaubt.
Aber erlaubt und im sozialen Kontext umsetzbar, das sind zwei paar Stiefel. Auch das gilt für die Straße und den Beruf gleichermaßen.

Ich stimme Dir voll und ganz zu, dass es zunächst erstaunlich erscheint, dass Jacob selbst in seinem LBGTQ-Umfeld offensichtlich Sorgen hat. Aber meine eigenen Erfahrugnen bestätigen dies: Sobald ich anfange die Geschlechterklischees offensichtlich zu vermischen, kommen besonders aus manchen Trans-Kreisen massive Ablehnung und Distanzierung - von den Anfeindungen durch "bestimmte Kerle" ganz zu schweigen.

Wenn ich versuche ehrlich zu dem zu stehen was ich bin: Eine Frau, die in einem männlichen Körper geboren ist, ernte ich dafür exponential mehr Ablehnung und Anfeindung als bei meinen Versuchen ganz als Frau zu erscheinen. Völlig egal ob im beruflichen Umfeld, auf der Straße oder sonstwo. Die einzige relevante Ausnahme bilden nach meiner Erfahrung künstlerische Events, bei denen es chick ist einfach anders zu sein.

Nach meinem Empfinden geht es in dem Artekel eben nicht ausschließlich um androgynes Auftreten im beruflichen Umfeld, sondern darum, inweiweit wir noch ernst, für voll, nicht als pervers, als professionell ... angesehen werden, sobald Zwischengeschlechtlichkeit offensichtlich wird. Und das ist eben nicht nur ein Problem im beruflichen Umfeld, sondern sogar innerhalb der LBGTQ-Szene, wie das berufliche Umfeld von Jacob zeigt.

Ich glaube deshalb, das wir als Transgender als erstes damit anfangen müssen unsere Zwischengeschlechtlichkeit zu akzeptieren und leben zu lassen. Erst dann gibt es Hoffnung auf Akzeptanz zum Beispiel im Beruf. Solange wir glauben, wir müssten z.B. ein möglichst perfektes Passing haben um unsere Weiblichkeit zulassen zu können oder unseren Körper dem Seelengeschlecht anpassen um leben zu können, solange brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Zwischengeschlechtlichkeit von Nicht-Betroffenen tabiisiert wird und in der Folge gerade Transgender schräg angesehen werden.

Aber das werden sie ja garnicht, denn bei einem perfekten Passing sind wir alle ja unsichtbar.  ;)
Eine Gruppe, die unsichtbar bleibt, die nicht existiert, wird nie gesellschaftliche Akzeptanz erreichen. Und eine Gruppe die permanent darum bemüht ist, sich zu verstecken auch nicht.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #50

Schön, dass du dich einklinkt, statt in SL zu zocken, Michi.
Verstehe ich dich richtig, wenn ich dich so lese, dass möglichst perfekte Weiblichkeit für dich eher Pflicht als Bedürfnis ist?


die perfekte Weiblichkeit ist eine Chimäre. Wir wissen beide, dass es niemanden gibt der nicht irgendeine der Unterscheidungen männlich-weiblich sprengt, jedes Kriterium für Weiblichkeit hat seine Ausnahme. Nimm Gebärfähigkeit, Bartlosigkeit, Körpergröße, Interessen...   Es wird immer ein Kriterium geben bei dem eine CIS-Frau durchfällt. Jede Frau die mir was bedeutete (Mutter, Ehefrau, Tochter) hat(te) da eindeutige Defizite, wenn's ums Erfüllen der Klischees ging. Reale Perfektion gibt es nicht.

Daher verweigere ich mich dem Streben nach Perfektion. Dolly Parton ist nicht so meins. Ganz speziell werde ich für jeden Eingriff über die HRT hinaus noch ziemlichen Leidensdruck brauchen , um überhaupt daran zu denken. Ich bin auch beim Thema Tucking wieder einen Schritt hinter unserem Gespräch vom letzten November zurück. So sehr wie unter dem Leukoplast leide ich dann doch nicht unter dem Beulchen.

ABER, es ist im Job auch meine Aufgabe, Irritationen die nicht zielführend sind, möglichst  zu minimieren. Und wenn es irgendwas gibt, die mein Gegenüber veranlasst bei der Sache zu bleiben, statt über meinen Auftritt nachzudenken,  dann werde ich das im Rahmen meiner Möglichkeiten tun. Das ist dann auch die Pflicht, sogar im Ausdruck meiner Weiblichkeit hinter dem Möglichen zurückbleiben müssen.

Bedürfnis sind mir ganz andere Aspekte, für den gesunden Körper einer 16jährigen würd ich mein Seelenheil verkaufen.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #51


Das gilt aber für 95% der Merkel-Generation, bloß nicht aufmucken, schon gar nicht auffallen.


Cveta, ich weiß nicht wo Du Mitte der siebziger Jahre gelebt hast. Der Aufbruch der 68 Generation wurde recht schnell durch Regelanfragen und Berufsverbote eingedämmt. Von Disziplinarverfahren gegen Schüler ganz zu schweigen, denen als Konsequenz der Ausschluss von allen staatlichen Gymnasien, und damit der Zugang zum Studium drohte. Man lernte schnell die Grenzen auszuloten.

Mancher lernte auch vor 1968 durch mehr mittelbare Erziehungsmethoden sehr schnell, nicht aufzufallen. Soll ich Dir mal schildern, wie es sich anfühlt, mit einer Hand am Ohr festgehalten zu werden, während die andere Hand auf die Wange einschlägt? Nicht der Schmerz, sondern die Ohnmacht? Die nackte, körperliche Angst eines Kaninchens im Blick der Schlange? Nicht bewegen sonst bist Du tot? Wenn der Lehrer auffordert, die Brille abzunehmen, damit er gefahrlos ins Gesicht schlagen kann?

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #52

Ich kenne Roxanne nicht persönlich und muss Dein Beispiel daher rein theoretisch betrachten: Aber wenn sie mit einem solchen Auftreten ein nahezu perfektes Passing hinlegt, dann ist eigentlich für das Aufbrechen der Rollenklischees nicht viel erreicht, denn das Streben nach gute Passing bedeutet doch nichts anderes als das Bedienen oder anders ausgedrückt das Unterwerfen unter die Rollenklischees.

Ich frage mich, warum ein Streben nach einem ganze normalen Rollenleben mit (gutem) Passing immer negativ (z.B. Unterwerfung) besetzt wird.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #53

Mancher lernte auch vor 1968 durch mehr mittelbare Erziehungsmethoden sehr schnell, nicht aufzufallen. Soll ich Dir mal schildern, wie es sich anfühlt, mit einer Hand am Ohr festgehalten zu werden, während die andere Hand auf die Wange einschlägt? Nicht der Schmerz, sondern die Ohnmacht? Die nackte, körperliche Angst eines Kaninchens im Blick der Schlange? Nicht bewegen sonst bist Du tot? Wenn der Lehrer auffordert, die Brille abzunehmen, damit er gefahrlos ins Gesicht schlagen kann?



Kenne ich auch noch.
Kann mich da sogar noch sehr gut dran erinnern.

Und die Psychiaterin vom Namensänderungsgutachten wollte mir ein "Vaterproblem" und Psychoanalyse dagegen einreden. Ich denk mal, daß ich das irgendwann mal auch gut ohne hingekriegt hab: Einfach machen. Danach war ein für alle mal Ruhe. Hat auf einmal gemerkt, daß der Terror eh nix nützte. Und gegen prügelnde oder psychoterrorisierende Lehrer gabs andere Mittel. Brauchte nur bisserl länger und ein besseres Verständnis von den Zusammenhängen, bis man sich da durchgesetzt hatte.

Und von Arbeitgebern habe ich mich dann schon nicht mehr beeindrucken lassen, von Polizisten, Richtern und sonstigen Amtspersonen erst recht nicht. Und von unfähigen Ärzten aller Art und schwadronierenden Psychos schon mal gleich gar nicht.


liebe grüße
triona


Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #55


Ich kenne Roxanne nicht persönlich und muss Dein Beispiel daher rein theoretisch betrachten: Aber wenn sie mit einem solchen Auftreten ein nahezu perfektes Passing hinlegt, dann ist eigentlich für das Aufbrechen der Rollenklischees nicht viel erreicht, denn das Streben nach gute Passing bedeutet doch nichts anderes als das Bedienen oder anders ausgedrückt das Unterwerfen unter die Rollenklischees.

Ich frage mich, warum ein Streben nach einem ganze normalen Rollenleben mit (gutem) Passing immer negativ (z.B. Unterwerfung) besetzt wird.


Frage ich mich genauso, besonders wenn man sich selber richtig wohl bei fühlt... Vielleicht muss man da auch einfach differenzieren, dass es eben auch Menschen gibt die anders als ich sind, die diese Rollenbilder nicht so mögen.
Finde es dagegen viel zu oft amüsant, wie dass mein Vorgesetzter Kollege mir nun ständig die Tür aufhält. Heute viel mir dass wirklich radikal auf gegenüber sonst und irgendwie fühlt sich es einfach gut an. :D

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #56
ABER, es ist im Job auch meine Aufgabe, Irritationen die nicht zielführend sind, möglichst  zu minimieren. Und wenn es irgendwas gibt, die mein Gegenüber veranlasst bei der Sache zu bleiben, statt über meinen Auftritt nachzudenken,  dann werde ich das im Rahmen meiner Möglichkeiten tun. Das ist dann auch die Pflicht, sogar im Ausdruck meiner Weiblichkeit hinter dem Möglichen zurückbleiben müssen.

Ich irritiere. Vielleicht nicht so krass wie Jacob(y), eher unterschwelliger durch Stimme, Uneindeutigkeit beim Gesicht, Größe....

Aber ich irritiere. Jedoch tue ich das vielleicht 1-2 Minuten. Wie eine Person, die im ersten Moment nicht zu passen scheint. Eine tatöwierte Frau am Bankschalter. Ein Mann mit Irokese im Geschäftsmeeting. Danach weicht die Irritation dem fachlichen. Konzentriert man sich auf das Thema, weswegen man zusammen sitzt. Tritt die Erscheinung ein Stückweit in den Hintergrund.

Ich irritiere, weil ich nicht 100%ig den Konventionen entspreche. Es löst sich aber auf, weil es stimmig ist und zu mir passt. Es ist im Grunde das, was Jula mit der Kugel beschreibt, die irgendwann in eine der zwei Richtungen läuft.

Es ist einfach zu behaupten, dass man eine gewisse Professionalität in seinem Auftreten haben sollte. Das stimmt auch in einem gewissen Umfang. Man sollte zumindest gepflegt wirken. Alles darüber hinaus jedoch, obliegt einer gewissen Individualität. So wie eine lieber im Kostüm kommt, während die andere Hosenanzüge bevorzugt und die dritte eher in schicker Jeans mit Bluse daher kommt, kann man auch seinen Stil einfliessen lassen. Inwieweit man damit irritiert kann man durchaus auch selber steuern. Nämlich indem man neben dem rein optischen, modischen, eine Professionalität und Kompetenz ausstrahlt, die durchaus auch in einem Gespräch vermittelt werden kann. Die unterschwellig Nachricht ist dann durchaus: "Ich seh vielleicht irritierend aus für Dich, aber ich weiss wovon ich rede, man kann gut mit mir arbeiten - und wer weiss, vielleicht kannst Du ja auch sogar etwas von mir lernen."

Irritationen entstehen nicht wegen mir, sondern wegen den Bildern in den Köpfen anderer. Ich habe nun zwei Möglichkeiten: Mich den Bildern anzupassen oder zu versuchen die Bilder in den Köpfen zu verändern.

Zugegebenermaßen, die Situation hängt immer von den Privilegien ab, die man hat. Wenn man in einem Dienstverhältnis ist, in dem solche Vorstöße schnell abgestraft werden, sieht man eher davon ab als in einem Betrieb in dem es durchaus geduldet wird. Ebenso hängt es mit dem eigenen Selbstbewusstsein zusammen und der Wirkung die man auf Leute entweder hat oder nicht hat.

Was ich damit aber sagen will ist, dass eine Irritation nicht zwingend eine fehlende Professionalität bedeutet. Eher bedeutet Professionalität, mit dieser Irritation so umzugehen, dass sie nicht Kern des Geschäftes wird. Zumal man bedenken muss, dass Kleidung noch eine Wahlfreiheit beinhaltet, es aber Personen gibt die per se irritieren und dies auch nicht verdecken können - und dennoch professionell und kompetent auftreten können.
Letztens habe ich erst jemanden kennengelernt, der praktisch keine Arme und Beine hat und entsprechend irritiert, sobald er mit dem elektrischen Rollstuhl den Raum betritt. Es spricht ihm jedoch keiner die Kompetenzen ab und im Gespräch ist ein Thema das Thema - und nicht er und seine körperliche Verfassung.

Ich frage mich, warum ein Streben nach einem ganze normalen Rollenleben mit (gutem) Passing immer negativ (z.B. Unterwerfung) besetzt wird.

Weil die Mühen, den gesellschaftlichen Zwängen so gut wie möglich zu entsprechen, der Suche nach dem individuellen Selbst behindern.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #57


Was ich damit aber sagen will ist, dass eine Irritation nicht zwingend eine fehlende Professionalität bedeutet. Eher bedeutet Professionalität, mit dieser Irritation so umzugehen, dass sie nicht Kern des Geschäftes wird. Zumal man bedenken muss, dass Kleidung noch eine Wahlfreiheit beinhaltet, es aber Personen gibt die per se irritieren und dies auch nicht verdecken können - und dennoch professionell und kompetent auftreten können.



Auf Messen hat so ein Mensch aber auch einen Wiedererkennungswert. An die grauen Mäuse erinnert sich keiner.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #58
Auf Messen hat so ein Mensch aber auch einen Wiedererkennungswert. An die grauen Mäuse erinnert sich keiner.

Warum "aber"? Exakt das. Man kann die Irritation dafür nutzen, in den Köpfen der Leute zu bleiben. Es ist eben die Frage, inwieweit man damit umgeht. Als negatives Manko oder als positives Merkmal.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #59

Auf Messen hat so ein Mensch aber auch einen Wiedererkennungswert. An die grauen Mäuse erinnert sich keiner.

Warum "aber"? Exakt das. Man kann die Irritation dafür nutzen, in den Köpfen der Leute zu bleiben. Es ist eben die Frage, inwieweit man damit umgeht. Als negatives Manko oder als positives Merkmal.


Mich erkennen in west undOst Görlitz und Nordböhmen viele wieder, dadurch ergeben sich auch private Gespräche und Kontakte.