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Topic: Genderqueer am Arbeitsplatz (Read 21313 times) previous topic - next topic

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #30
... dass wirkliche Akzeptanz und Offenheit erst erreicht ist, wenn Menschen wie Jula frei entscheiden können, in welcher sozialen Rolle sie auf der Arbeit erscheinen können - vorausgesetzt sie halten sich an die für die jeweilige Position und die jeweilige soziale Rolle geltenden Spielregeln für einen professionellen Auftritt.


Auch das wäre in letzter Konsequenz ein Aufrechterhalten des strikt bipolaren Geschlechtermodels. Das Vermischen von Weiblichem und Männlichem bleibt tabu, denn wir müssten uns nach wie vor entscheiden. Zwar nicht dauerhaft doch zumindest für den Moment. Es bleibt damit beim entweder-oder.

Nein, bei dem was Jacob (dieser junge Mensch - mit welchem Recht nennst Du ihn Mann?) einfordert, geht es ein großes Stück weiter. Es geht um die Akzeptanz von Weiblichem und Männlichem gleichzeitig, nebeneinander, in einer Person. Kein verzweifelter Kampf gegen den Bartschatten mehr, nur um Lippenstift tragen zu dürfen. Kine Genital-OP als Voraussetzung um allseits anerkannt vollwertig Frau sein zu können. Weibliches und Männliches nicht mehr als unvereinbare Gegensätze, sondern als ergänzende Pole.

Dabei sehe ich die Scheere in unseren eigenen Köpfen (entweder Mann oder Frau) als fast wichtiger an, als die gesellschaftlichen Tabus. Auch wenn das eine vom anderen abhängig ist.

Ich glaube, die Frage bzw. das Tabu gegen das Vermischen der Geschlechter in einer Preson, gleichzeitig, ist unser zentrales Thema, denn im Grunde unseres Seins sind wir genau das, egal um wieviel Eindeutigkeit wir uns auch bemühen. Sicher ist es wichtig unsere Weiblichkeit zeigen und leben zu können. Eine fast noch größere Wichtigkeit hat es für mich meine Uneindeutigkeit zeigen und leben zu können. Aber das ist nach meiner Erfahrung und auch nach den Reaktionen hier noch weitaus schwerer, als "nur" meine Weiblichkeit anzuerkennen: Ja, ich bin eine Frau - aber ich werde wohl immer auch ein Mnn bleiben - ob mir das gefällt oder nicxht. Gerade deshalb empfinde ich es inzwischen immer mehr als Zumutung geschlechtliche Eindeutigkeit vortäuschen zu müssen.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #31



Nein, bei dem was Jacob (dieser junge Mensch - mit welchem Recht nennst Du ihn Mann?) einfordert, geht es ein großes Stück weiter. Es geht um die Akzeptanz von Weiblichem und Männlichem gleichzeitig, nebeneinander, in einer Person. Kein verzweifelter Kampf gegen den Bartschatten mehr, nur um Lippenstift tragen zu dürfen. Kine Genital-OP als Voraussetzung um allseits anerkannt vollwertig Frau sein zu können. Weibliches und Männliches nicht mehr als unvereinbare Gegensätze, sondern als ergänzende Pole.




Genau deswegen erfahre ich so viel Ablehnung, auch aus der "Szene", ich bin mittlerweile gerne Mann, frau und Kind gleichzeitig und immer. Wäre ich es nicht gleichzeit, wäre ich krank, weil ich wieder dissoziere.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #32

Ja, ich bin eine Frau - aber ich werde wohl immer auch ein Mnn bleiben - ob mir das gefällt oder nicxht. Gerade deshalb empfinde ich es inzwischen immer mehr als Zumutung geschlechtliche Eindeutigkeit vortäuschen zu müssen.

Ich wurde gestern mal wieder gemustert und ich hörte die Frage was ich nun sei - Mann oder Frau. Gerade diese Spannung fand ich interessant. Es war so eine Art halbes Passing. Kein eindeutiges Zuordnen als Mann, kein eindeutiges als Frau. Zurück blieb die Tatsache für sie, dass sie mich nicht einordnen konnten. Auch wenn man kurz danach hörte, dass deren Zuordnung am Ende eher über das Genital passiert.
Ich finde es gut und richtig, wenn Leute die Zweigeschlechtlichkeit aufbrechen. Dazwischen leben. Weitaus eher dazwischen als ich. Obwohl auch ich bewusst Widersprüche erzeuge, dennoch aber in der Gesamtheit kommuniziere dass die Frau der dominierendere Part bei mir ist.

Warum ist ein Drei-Tage-Bart ein Zeichen von Ungepflegt sein? Ich sehe gestandene Geschäftsmänner im Anzug, denen der Drei-Tage-Bart definitiv nicht die Professionalität abspricht und der auch zu ihnen passt. Aber genau letzteres ist auch immer eine Frage des eigenen Empfindens. Wer sagt denn dass Lippenstift und Drei-Tage-Bart nicht passen muss? Ein gewisses eingetrichtertes Modeempfinden, was durchaus auch durch das binäre Modell gekennzeichnet ist.

Gerade das versucht Jacob damit aufzubrechen - und das finde ich mutig und stark. Es muss einem nicht gefallen. Das heisst aber nicht dass die Person dadurch weniger professionell ist.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #33

... dass wirkliche Akzeptanz und Offenheit erst erreicht ist, wenn Menschen wie Jula frei entscheiden können, in welcher sozialen Rolle sie auf der Arbeit erscheinen können - vorausgesetzt sie halten sich an die für die jeweilige Position und die jeweilige soziale Rolle geltenden Spielregeln für einen professionellen Auftritt.


Auch das wäre in letzter Konsequenz ein Aufrechterhalten des strikt bipolaren Geschlechtermodels. Das Vermischen von Weiblichem und Männlichem bleibt tabu, denn wir müssten uns nach wie vor entscheiden.


wir müssen uns entscheiden ob wir ein Menschen-Leben leben wollen, oder ein Aktivisten-Leben. Ob ich mich als "ich bin queer, danach kommt lange nix" definieren will.

Tatsache, ch bin queer. Das werd ich auch immer bleiben. Erstens muss ich das aber nicht jedem auf 30 Meter Distanz mitteilen. Zweitens macht es mir das Leben leichter wenn ich einem erwarteten Schema entspreche. Ich zupf mir die Augenbrauen, nicht wegen erstens, um den Mann zu verstecken, sondern wegen zweitens weil das nicht jede, aber 95% der Frauen in meiner Position machen. Und jede die so einen Job haben und auf Dauer behalten will. Weil sie keine Aktivistin für "Natürlichkeit" sein will, sondern schlicht und einfach ihren Job machen. Und somit die Energie aufs Wesentliche richtet.


Nein, bei dem was Jacob (dieser junge Mensch - mit welchem Recht nennst Du ihn Mann?) einfordert, geht es ein großes Stück weiter. Es geht um die Akzeptanz von Weiblichem und Männlichem gleichzeitig, nebeneinander, in einer Person. [...] Weibliches und Männliches nicht mehr als unvereinbare Gegensätze, sondern als ergänzende Pole.


(Auch) ich nenne ihn Mann, weil ich an seinen Texten und an seinem Auftreten nichts sehe, was dagegenspricht. Er will leben "wie er ist", beansprucht aber zu keiner Zeit irgendeine Form von Identitätsstörung oder Weiblichkeit. Er kämpft nicht mal für das Recht, als Mann Frauenkleidung zu tragen (er tuts ja), sondern dafür,  Nachteile nachweisen zu können, die sich eindeutig als mit seiner Kleidung verbunden belegen lassen. Er beschwert sich, dass ihm keiner (ausser seinem Vater) sagt er solle es lassen, dass er aber das Totschlagargument "Professionalität" hört.

Das Ganze  hängt er recht hoch auf. Damit er das tun kann, sich auf die Menschenrechte berufen kann, bleibt er vage in seiner Selbstdefinition, ich empfinde ihn als Trittbrettfahrer des Kampfs von Menschen die wirklich eine Identitäts-Störung haben, und niemals auch nur in die Nähe einer Situation kommen könnten, in denen ihnen mangelnde Professionalität vorgeworfen werden könnte.

Er spielt mit den Gegensätzen, Auffälligkeiten, Modelposen und provokanten Kamerawinkeln. Sucht als echter Aktivist den Widerspruch, die Diskriminierung, den er aber nicht so eindeutig kriegt, dass er sie bekämpfen könnte. Ich lese seinen Text als Beschwerde darüber, dass er das Gefühl hat, mit dem Argument "Professionalität" wird er ausgeschlossen von Positionen, in der seine Provokationen mehr Wirkung hätten. Denn er belegt nirgends dass er tatsächlich Nachteile gehabt hätte.  Dazu müsste er sich in einem anderen Umfeld aufhalten. Nicht als Blogger, Aktivist und "part time fashion icon". Sondern als Bewerber bei einer Anwaltskanzlei, oder in der Rechtabteilung einer großen Bank, oder als Kindergärtner auf dem platten Land.



Kein verzweifelter Kampf gegen den Bartschatten mehr, nur um Lippenstift tragen zu dürfen. Kine Genital-OP als Voraussetzung um allseits anerkannt vollwertig Frau sein zu können.
[...]
Eine fast noch größere Wichtigkeit hat es für mich meine Uneindeutigkeit zeigen und leben zu können. Aber das ist nach meiner Erfahrung und auch nach den Reaktionen hier noch weitaus schwerer, als "nur" meine Weiblichkeit anzuerkennen: Ja, ich bin eine Frau - aber ich werde wohl immer auch ein Mnn bleiben - ob mir das gefällt oder nicxht. Gerade deshalb empfinde ich es inzwischen immer mehr als Zumutung geschlechtliche Eindeutigkeit vortäuschen zu müssen.


Verzeih wenn ich hier umgestellt habe. Aber ich sehe beide Textstellen als zusammenhängend. Ja, ich stimme zu, es ist anstrengend, geschlechtliche Eindeutigkeit vorzutäuschen, und sehr traumatisch wenn man merkt, dass es mißlungen ist.

Ein Auftritt als eindeutig verkleideter Mann ist aber nicht uneindeutig. Fördert auch nicht die Akzeptanz der Uneindeutigkeit. Sondern lebt von und unterstreicht genau die Unterschiede zwischen den akzeptierten Verhaltensweisen der Geschlechter. Er kombiniert nicht beide Geschlechter in ein harmnisches Ganzes, sondern lebt davon, die Unterschiede zu unterstreichen. Die Kernaussage ist nicht, ein X oder Y kann als XY leben. Sondern, es gibt deutliche Unterschiede zwischen X und Y, jeder Versuch eines XY endet immer in einem queeren... also seltsamen ... Gesamtbild. Leider manchmal sogar grotestk.

Ich will im Folgenden nicht uns schreiben, ich will niemanden vereinnahmen, und gramatikalisch und politisch korrekte Konstruktionen wie Betroffene und so weiter, sind anstrengend zu lesen, also...

Nochmal der Grundgedanke, Die Eindeutigkeit, Stealth ist anstrengend. Es ist aber für mich, und jene, die mir begegnen, einfacher unverkrampfter und weniger anstrengend wenn ich eine eindeutige oberflächliche Indikation gebe, als was ich gesehen werden will, und die gröbsten Schnitzer vermeide, die in die falsche Richtung weisen. Danach kommen dann die Gepflogenheiten des Umfelds, die sogenannte Professionalität. Es fällt den anderen leichter, mir ein Schema überzustülpen, und ich werde als Geschäftsparterin wahrgenommen, wenn ich mich wie eine solche nach professionellem Schema kleide und verhalte. Dann kann mein Gegenüber auf mich auch so reagieren wie er es mit Frauen gewohnt ist, und meine queerness ist für niemand anstrengend, verhindert und behindert die Abläufe nicht, selbst wenn jeder weiß, und in Details jederzeit erkennen wird, was Sache ist.

Diese Sache wird aber dann nicht zu einem Problem. Nicht so lang es einen professionellen Zweck gibt, warum diese Interaktion stattfindet. Ich werde nie wieder so zwanglos mit einem Geschäftspartner was trinken, ins Fußballstadion gehen, über die Welt reden können, mich buddy-vernetzen können wie vor der Transition. Es wird immer einen unpersönlichen Zweck für diese Treffen geben müssen. Und eben deshalb ist die "Professionalität" bei aller Oberflächlichkeit so wichtig. Man wird mir eher glauben dass ich weiß von was ich rede, wenn ich gleichzeitig zeige dass ich weiß was sich gehört. So einfach ist das.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #34




ach ich hab den ganzen vormittag da verplempert mit dem text, wäre gscheiter gewesen ich hätt es bleiben lassen, entweder meine Arbeit gemacht oder second life gespielt. Soll mir eine Lehre sein. In der Ukraine jagt man Schwule, in Uganda steinigt man Lesben, und sonstwo in Afrika sterben die Leut, ganz egal wie sie orientiert sind, ob an Ebola, an Hunger oder sonstiger Armut...

Ich könnt kotzen über meine Selbstgerechtheit, Blasiertheit und die ganze Weisheit die ich mi'm Löffl g'fressn hob.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #35





ach ich hab den ganzen vormittag da verplempert mit dem text, wäre gscheiter gewesen ich hätt es bleiben lassen, entweder meine Arbeit gemacht oder second life gespielt. Soll mir eine Lehre sein. In der Ukraine jagt man Schwule, in Uganda steinigt man Lesben, und sonstwo in Afrika sterben die Leut, ganz egal wie sie orientiert sind, ob an Ebola, an Hunger oder sonstiger Armut...

Ich könnt kotzen über meine Selbstgerechtheit, Blasiertheit und die ganze Weisheit die ich mi'm Löffl g'fressn hob.
Du pubertierendes Weibchen solltest dich in Geduld üben, weil Deine Selbstreflektion ziemlich meiner entspricht, und sicher auch noch anderer Menschen.

Diese Ambivalenz, zwischen Weisheit und Neugier, wirkt auf mich ja schon mal sehr süß.
Und hier geht so schnell nichts mehr verloren, da vertraue ich der Administration.

Genießt euer Wochenende und fahrt Fahrrad oder so.

Dany

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #36

Ich könnt kotzen über meine Selbstgerechtheit, Blasiertheit und die ganze Weisheit die ich mi'm Löffl g'fressn hob.


Liebe Michelangela,

so hatte ich Deinen Beitrag nun ganz und gar nicht empfunden. Ich fand ihn eher sachlich engagiert, durchdacht und nachvollziehbar. Ich habe viele Anregugnen daraus gewonnen und dafür danke ich Dir.

Trotzdem oder vielleicht eher deshalb möchte ich an ein paar Stellen nocheinmal nachfragen bzw. eine Gegenposition einnehmen. 

Quote
(Auch) ich nenne ihn Mann, weil ich an seinen Texten und an seinem Auftreten nichts sehe, was dagegenspricht.
Weist Du mehr über ihn bzw. sie, als auf Julas homepage bzw. in dem von ihr übersetzten Artikel steht? Beides sind keine Texte von ihr sondern lediglich ein Zeitungsartikel über sie. Und was das Auftreten bzw. die Fotos anbelangt, so sind dort neben dem Drei-Tage-Bart auch Lippenstift und Rock zu sehen - beides bewußt gewählte und nach meinem Empfinden eindeutig weiblich Attribute. Und auf Twitter findet sich als Zitat von ihr: "I'm a London girl now".

Mir geht es jetzt in keiner Form darum, mit Dir zu streiten, wer denn nun Recht hat, ob Jacob nun auch Frau ist oder nicht. Spannend finde ich Deine Aussage, dass Du nichts siehst, was gegen eine eindeutige Einordnung als Mann spricht. Nichs, das heist null, garnichts, nicht einmal eine Spur... Warum, so frage ich mich, werden selbst von einem Transmenschen wie Dir die von Jacob eingesetzten, weiblichen Aspekte, die nach meiner Wahrnehmung unzweifelhaft existieren, so gering bewertet?

Quote
Ein Auftritt als eindeutig verkleideter Mann ist aber nicht uneindeutig.
Genau das nehme ich selber auch immer wieder als Problem wahr: Ich kann beinahe tun was ich will, sobald ich aus der Eindeutigkeit herausfalle, werde ich als seltsamer Mann und eigentlich nie als seltsame Frau kategorisiert. Damit werde ich trotz aller meiner Uneindeutigkeits-Signale permanent in die scheinbare Eindeutigkeit zurückgeworfen. Für wirkliche Uneindeutigkeit scheint nach meiner Wahrnehmung nirgends Raum zu sein. Sie wird damit in die Nicht-Existenz abgedrängt. Rein von der materiellen Basis her bin ich ja auch nichts anderes als ein verkleideter Mann und selbst eine PostOP-TS ist rein materiell betrachtet nichts als ein operierter Mann. Unsere Weilbichkeit hat eigentlich keine materielle Basis und dennoch existiert sie. Wie ist es möglich, von dieser materiellen Basis aus Uneindeutigkeit wahrnehmbar und damit lebbar zu machen? Ich glaube, das geht nur über Gewohnheit und dazu leistet Jacob in meinen Augen einen sehr wertvollen Beitrag unter hohem persönlichen Einsatz.

Quote
Die Eindeutigkeit, Stealth ist anstrengend. Es ist aber für mich, und jene, die mir begegnen, einfacher unverkrampfter und weniger anstrengend wenn ich eine eindeutige oberflächliche Indikation gebe, als was ich gesehen werden will, und die gröbsten Schnitzer vermeide, die in die falsche Richtung weisen.
Ja, das empfinde ich genauso: Das Streben nach Eindeutigkeit ist oft anstrengend und das Leben in der Uneindeutigkeit ist meist noch anstrengender. Inzwischen beginne ich aber zumindest einen großen Vorteil der Uneindeutigkeit zu erahnen: Und das ist Authentizität. Aber das ist bislang vor allem im sozialen Kontakt lediglich eine Hoffnung, die jedoch immer wieder zu nichte gemacht wird, wenn meine Darstellung von Uneindeutigkeit permanent als seltsame Erscheinungsform von Eindeutigkeit uminterpretiert wird. So wie Du es mit Jacob auch machst: "Ihm" und mir wird dadurch nicht nur das Frau-Sein abgesprochen sondern sogar die Uneindeutigkeit und damit jede kleine Spur von Weiblichkeit.

Liebe Grüße
Nicola

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #37


Genießt euer Wochenende ...



hab am Campingbus Winterreifen montiert, die Beulen vom letzten Urlaub rausgeklopft, und im Treppenhaus die Glübirnen ausgewechselt. Abends Guiness gekauft, und zwei Flascherl getrunken. Dabei den ganzen Tag keinen BH getragen. richtig weiblich also. :D

Dafür war ich heut wandern, an der oberen Isar die Sonne genossen. Aber ned so doll, weil ich immer noch die Grippe verschleppt hab.


Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #39



Genießt euer Wochenende ...



p.s. und hab jetzt eben noch meinem Sohn mit der 500Watt Leuchte Licht gemacht, beim VM Bus mit Rostschutzfarbe anpinseln. Aber mit BH unterm Shirt.
Aha, je länger der Tag desto einleuchtender wirst Du also. Hihi

Ich könnte langfristig keine Verantwortung tragen, ob mit HB oder BH in petto, noch nicht.

Aber ich find dich cool - I know, I could always count on you, you are reliable and genuine.

Halt dich munter BHarte Sklaventreiberin. ;)

Dany

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #40
Schön, dass du dich einklinkt, statt in SL zu zocken, Michi.
Verstehe ich dich richtig, wenn ich dich so lese, dass möglichst perfekte Weiblichkeit für dich eher Pflicht als Bedürfnis ist?
Wenn du schreibst:
Quote
Es ist aber für mich, und jene, die mir begegnen, einfacher unverkrampfter und weniger anstrengend wenn ich eine eindeutige oberflächliche Indikation gebe, als was ich gesehen werden will, und die gröbsten Schnitzer vermeide, die in die falsche Richtung weisen. Danach kommen dann die Gepflogenheiten des Umfelds, die sogenannte Professionalität. Es fällt den anderen leichter, mir ein Schema überzustülpen, und ich werde als Geschäftsparterin wahrgenommen, wenn ich mich wie eine solche nach professionellem Schema kleide und verhalte. Dann kann mein Gegenüber auf mich auch so reagieren wie er es mit Frauen gewohnt ist, und meine queerness ist für niemand anstrengend, verhindert und behindert die Abläufe nicht, selbst wenn jeder weiß, und in Details jederzeit erkennen wird, was Sache ist.

Hört sich das sehr nach Pflicht an. Du tust es, um nicht anstrengend zu sein.

Wäre es nicht ein Fortschritt, wenn Professionalität nicht an geschlechtliche Eindeutigkeit gebunden wäre?

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #41
Michis Beitrag lese ich so, dass es zuallererst einmal die die Bedeutung geht, im professionellen Umfeld den Rollenklischees zu entsprechen, die von Frauen in ihren Positionen erwartet werden. Dieser Druck ist tatsächlich sehr ausgeprägt - erinnert Euch doch nur daran, wie über unsere Damals-noch-nicht-Bundeskanzlerin gelästert wurde, als sie das noch weniger ernst nahm als in den letzten Jahren.

Und sie spricht die "Kehrseite der Medaille" an:

Quote
Ich werde nie wieder so zwanglos mit einem Geschäftspartner was trinken, ins Fußballstadion gehen, über die Welt reden können, mich buddy-vernetzen können wie vor der Transition. Es wird immer einen unpersönlichen Zweck für diese Treffen geben müssen.


Genau. Männer tun das unter Männern. Frauen sind bei derartigen Netzwerken außen vor. Du wirst Dir neue Kreise suchen müssen, versuchen, Dich mit Frauen zu vernetzen (was Frauen schwerer zu fallen scheint als Männern). Das wird nicht plötzlich dadurch anders, wenn man nach wie vor bei den Männern "mitmischen" könnte - man hat durch die Transition diesen Raum verlassen und darf sich neu orientieren.

Quote from: Jula
Wäre es nicht ein Fortschritt, wenn Professionalität nicht an geschlechtliche Eindeutigkeit gebunden wäre?


Klar wäre es das. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und ich weiß nicht, ob Jacobs Ansatz zielführend ist. Es erscheint mir eher als Sackgasse, sich mit provokantem Auftreten in eine geschützte Nische zu flüchten, in der geschlechtliche Uneindeutigkeit zumindest toleriert wird. Da wäre er nicht mal der erste. Bei weitem nicht.

Welche Schritte wären denn realistischer, um ein derartiges Ziel zu erreichen?

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #42


Tatsache, ch bin queer. Das werd ich auch immer bleiben. Erstens muss ich das aber nicht jedem auf 30 Meter Distanz mitteilen. Zweitens macht es mir das Leben leichter wenn ich einem erwarteten Schema entspreche. Ich zupf mir die Augenbrauen, nicht wegen erstens, um den Mann zu verstecken, sondern wegen zweitens weil das nicht jede, aber 95% der Frauen in meiner Position machen. Und jede die so einen Job haben und auf Dauer behalten will. Weil sie keine Aktivistin für "Natürlichkeit" sein will, sondern schlicht und einfach ihren Job machen. Und somit die Energie aufs Wesentliche richtet.



Das gilt aber für 95% der Merkel-Generation, bloß nicht aufmucken, schon gar nicht auffallen.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #43

ach ich hab den ganzen vormittag da verplempert mit dem text, wäre gscheiter gewesen ich hätt es bleiben lassen, entweder meine Arbeit gemacht oder second life gespielt.


Ich kenne jemanden, der zu seinem weiblichen Avatar geworden ist, es seinem Therapeuten aber verschwieg. Ich traf diesen Menschen sogar, brach aber den Kontakt ab.

Re: Genderqueer am Arbeitsplatz

Reply #44
Cveta, es geht hier zunächst mal nicht ums Nicht-Auffallen, sondern um ziemlich harten Rollendruck für beide Geschlechter in bestimmten beruflichen Feldern: Mann im Anzug, Frau im Business-Kostüm und Heels. Wobei Frauen durchaus größere Freiheiten haben, diesen Rahmen auszufüllen.

Ich frage mich aber, was passieren würde, wenn jemand in einer gewissen Position so sorgfältig gestylt wie Roxanne (die diese Rollenmodelle ja offenbar gerne mal mit Perfektion bedient), im Büro aufkreuzen würde. Vielleicht mit der gleichen sorgsamen Vorbereitung, wie wir als Transsexuelle unseren sozialen Wechsel bei der Arbeit einleiten (müssen, wenn er erfolgreich sein soll).