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Topic: Lyrik und Gedichte (Read 5946 times) previous topic - next topic

Lyrik und Gedichte

Der Schnitter


Der Schnitter hat knöcherne Füße
Und doch hört ihn oft Keiner kommen
So hat er in grausiger Stille
Schon manch jungen Spund mitgenommen

Er fährt einen alten Leiterwagen
Mit schnaubenden fauligen Rößern
Er urteilt nicht, wählt nicht, er nimmt sie All
Er kommt zu Barracken und Schlößern

Gestern sah ich ihn, ging grade zur Arbeit
Da sah ich in fahle Gesichter
Sirenen heulten durch Winterluft
Durch blitzende grellblaue Lichter

Ich konnte nicht hinsehen ich wollte es nicht
Als ich hörte wer da niederlag
Er war ein Bekannter, ja will sagen ein Freund
Nun wartet vielleicht schon

Der Schnitter er grinst nicht, es hat nur den Schein
Der Knochenkopf macht keine Scherze
Er schwingt seine Sense, ein eisiger Hauch
Und hinterläßt Kummer und Schmerzen

Nun sitze ich hier, ein Glas Wein in der Hand
Warum hat es Dich nur getroffen
Wie oft standen wir wie selbstverständlich beisammen
Und haben so Vieles besprochen

Du hast nicht gefehlt, Deine Pflicht stets getan
Du hast nicht gehurt, nicht gesoffen
Warst freundlich und duldsam und grad' vierzig Jahr
Und nun können wir nur noch hoffen

Dass er's nochmal sein läßt und weiterzieht
Der Mann in dem schwarzen Gewande
Fahr' anderswo hin! Er hat's nicht verdient!
Er hört's, doch steht reglos am Rande

Er kennt keine Gnade doch auch keinen Groll
Die Sense im Mondlicht, sie gleißt
Fahr' weiter, fahr' weiter so bete ich still
Und hoff' dass der Faden nicht reißt


-Gewidmet Andi, einem lieben Bekannten und Kollegen, der vorgestern im Betrieb mit abruptem Herzstillstand zusammengebrochen ist. Er hat mich immer mit Respekt behandelt. Auch nach dem Outing. Immer die Besten trifft es am Härtesten. - Halt durch, mein Freund... Und werd' gesund...-

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #1
Hallo Natascha,

hast du das Gedicht geschrieben?
Finde ich gut.


liebe grüße
triona


Re: Lyrik und Gedichte

Reply #3
Ach Süsse *knuddel*

Leider bin ich was Gedichte betrifft selber leider völlig untalentiert,... ich finde dein Gedicht sehr schön,.. und drücke deinem guten Bekannten feste die Daumen.

Alles Liebe

Bastienne

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #4
sehr schön!und sehr traurig, zum nachdenken.
ich hab auch eins....

                        innere schönheit!
du kannst nichts ändern an deiner gestalt,
durch deine sorgen wirst du nur schneller alt.
drum lass das grübeln und verzagen, versuch, deinen " makel " zu ertragen.


du bestehst doch noch aus aus wesen und verhalten,
die dich zu einem menschen gestalten.
strahlt dein inneres , dann wirst du sehn,
du wirkst jetzt auch nach aussen schön.

halte dir dieses immer vor augen, versucht unzufriedenheit dich auszulaugen.

lg lukas

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #5
G e d a n k e n   a m   M o r g e n

So weit noch zu gehn,
so viel noch zu tun,
kann niemanden sehn,
will auch nicht ruhn.

Der weg ist noch lang,
und lang wart ich nicht,
ich geh meinen Gang,
und ich gehe für mich.

Es ist leichter zu zweit,
die Lasten zu tragen.
Doch es kommt auch die Zeit,
nach dem Ziel sich zu fragen.

   Sind die Ziele denn gleich?
Oder sind wir nur faul?
Und rollen halt nach,
wie der Wagen dem Gaul?

Geh'n wir gemeinsam,
oder nur miteinander?
Sind wir denn zweisam,
oder nur beieinander?

Die route nach achtern
ist manchmal versperrt,
d'rum wähl' mit bedacht man,
welch' abzweig man fährt.

   Nur nicht allein sein,
das ist nicht der Sinn,
es muss immer die Frag' sein,
wo will ich denn hin?

So mancher am Ziel,
hat mit Schrecken erkannt,
das ist mir zuviel,
ich hab' mich verrannt.

Ein falscher Abzweig,
ein falscher Schritt,
ich gehe nicht abseits,
ich geh lieber mit?



Nein, lieber selbst gehn,
und lieber allein,
als dann am end' seh'n,
hier will ich nicht sein.

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #6
Ich habe eben eine Lyrik verfasst im Stile des Poetry Slam. Es ist auch so zu lesen.
Vielleicht findet sich die Ein oder Andere darin wieder!?




Lügen ohne was zu sagen


Ich erzähle nichts über mich, und doch lüge ich.
Ich trage kein Kostüm, und doch fühle ich mich verkleidet.
Man sieht mich, und doch bin ich es nicht den man sieht. Ja, man sieht mich und doch verstecke ich mich. Ich bins, und doch wieder nicht

Ich habe keine Angst vor der Wahrheit, doch ich habe Angst vor Anderen, die die Wahrheit nicht vertragen, Angst die Liebe zu verlieren, die ich so sehr brauche.
Es tut weh. Es tut weh mich selbst zu verleugnen und dadurch das Gefühl zu haben, Menschen die ich achte, Menschen die ich liebe, bösartig zu belügen.
Ich sage nichts, um mich zu schützen, ich sage nichts, um meine Lieben zu schützen, ich sage nichts, um mich vor der Abwendung meiner Lieben zu schützen.
Dafür zahle ich mit meinem Leben, ich zahle mit meinem halben Leben. Gibt es halbe Leben? Es ich doch nur eines, was ich habe!!! Es gibt nur dieses eine Leben das ich habe und es ist begrenzt, es ist kurz, zu kurz.
Ich will nicht mehr lügen, Ich will nicht nur flüstern, ich will die Wahrheit in die Welt hinausschreien. Ich will nicht mehr lügen, ich kann nicht mehr lügen. Ich kann nicht mehr...

Die Wahrheit baut neue Welten. Doch ist diese neue Welt besser? Und kann eine Welt, die auf Lügen fußt denn überhaupt gut sein? Ich will die Welt bereichern, ich will sie bereichern mit meinem GANZEN Ich.

Am Ende ist mir klar: Freiheit bedeutet die Wahrheit sagen zu dürfen. Ich schreie die Wahrheit. Ich schreie die halbe Wahrheit durch meine vergitterten Fenster. Es sind die Fenster meines selbstgebauten Kerkers in der eine Tür ist, die ich nicht wage zu öffnen, denn die Trümmer einer zerstörten Welt könnten hereinbrechen und mich erschlagen. Also Lüge ich und ruhe mich aus, in meinem gemütlichen Kerker der viel zu klein ist für ein ganzes Leben.


Kerstin Sonsbeck, Mai 2015

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #7
Huhu Ihr Lieben!

Es gab bisher keine Reaktion auf mein obiges Machwerk. Mich würde insbesondere bei dem interessieren, wie es sich liest. Wirkt es konfus oder eingehend?
Ich würde lügen, wenn ich nicht empfänglich wäre für Lobhuddelei ::) Es interessiert mich aber Eure ehrliche Meinung. Mich interessiert auch, wenns nicht gefällt! Habt keine Angst etwas kritisches zu schreiben!


Liebe Grüße,
dat Kerstin

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #8
 :) Huhu Kerstin, Schatz  :-*

...lyrisch gefällt es mir sehr gut.
Ich denke die "mangelnden" Reaktionen begründen sich auf den in deinem individuellen Fall "brisanten" Content.

Ich meine,...man braucht dich nichtmal nur ansatzweise hier zu kennen, um dein Leid und die dauerhaft nicht tragbare Situation herauszulesen. Da werden die meisten vorsichtig, meine Liebe  ;)

..und ich denke, dieses Gefühl lässt dich auch nicht los....

Kuss, Alles Liebe dieser Welt, _@_y <3


Re: Lyrik und Gedichte

Reply #9
Ich denke, Bastienne hat es getroffen.
Das ist nicht nur einfach ein Stück "Dichtung".

liebe grüße
triona

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #10
Liebe Kerstin,

in dem Text finde ich mich durchaus wieder.
Ohne Dich und Deine Lebenssituation zu kennen, sag ich einfach mal ich wünsche uns,
das die Tür, die wir selber zu machen, irgendwann nur noch dann zu ist, wenn wir das so wollen.

Liebe Grüße
Lizzy


Re: Lyrik und Gedichte

Reply #11
Hi Bastienne, Triona und Lizzy,

danke Euch vielmals!
Ich bin selbst überrascht, wie intensiv es sich liest. Meistens ist es nicht ganz so schlimm, meistens. Im Grunde genommen triffts auch recht gut, nur das ich mich als Mann nicht verkleidet vorkomme. Ich weiß aber, das es vielen anderen so geht.

So! Jetzt bin ich gespannt auf die nächsten Werke!


Liebe Grüße!!!

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #12
Wenn ich draußen bin

Wenn ich nach draußen, durch meine Wohnungstür ins Freie gehe, und die wonnige Sonne mein geschundenes Gemüt streicheln lasse. Wenn ich unterwegs bin, von einem Buchstaben zum anderen, von A nach B, dann nehme ich mir immer einen Spaten mit. So ein Spaten macht was her. Er ist vollendet in Form und Design. Der Griff ist in zeitloser Holzoptik gehalten. Das obere Ende hat eine T-förmige Erweiterung für die Ergonomie. Am unteren Ende ist ein flaches, metallendes Teil angebracht - . Wunderbar zum Ansehen und als Deko im Schlafzimmer geeignet. In seiner Gänze ist das Gebilde wie gemacht zum Graben. - Zum Graben oder um gigantische Schlitzschrauben hinein oder herauszudrehen. Obwohl ich eher selten in die Situation komme, gigantische Schlitzschrauben drehen zu müssen, habe ich immer meinen wunderschönen Spaten dabei wenn ich draußen bin, denn auch wenn es wenig naheliegend ist, ich brauche ihn zum graben. Zu oft möchte ich ein Loch graben um mich darin zu verstecken und zu warten, bis alles vorbei ist, an wunderschönen Sonnentagen und bei jedem anderen Wetter.


Kerstin Sonsbeck, 2015

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #13
Die Gier

von Wilfried Schmickler

Was ist das für ein Tier, die Gier?
Es frisst an mir,
Es frisst in dir,
Will mehr und mehr
Und frisst uns leer.

Wo kommt das her,
Das Tier, und wer
Erschuf sie nur,
Die Kreatur?

Wo ist das finstre Höllenloch,
Aus dem die Teufelsbestie kroch,
Die sich allein dadurch vermehrt,
In dem sie dich und mich verzehrt?

Und wann fängt dieses Elend an,
Dass man genug nicht kriegen kann
Und plötzlich einfach so vergisst,
Dass man doch längst gesättigt ist
Und weiter frisst und frisst und frisst?

Und trifft dann so ein Nimmersatt
Auf jemanden, der etwas hat,
Was er nicht hat und gar nicht braucht,

Dann will er’s auch.

Wie? Das soll’s schon gewesen sein?
Nein, einer geht bestimmt noch rein!
Und überhaupt – da ist doch wer,
Der frisst tatsächlich noch viel mehr.
Und plötzlich sind sie dann zu zweit:
Die Gier und ihre Brut der Neid.

Das bringt mich noch einmal ins Grab,
Dass der was hat, das ich nicht hab,
Dass der wo ist, wo ich nicht bin,
Das will ich auch, da muss ich hin!

Warum denn der?
Warum nicht ich?
Was der für sich,
Will ich für mich!
Der lebt in Saus
Und lebt in Braus
Mit Frau und Hund und Geld und Haus
Und hängt den coolen Großkotz raus.

Wahrscheinlich alles auf Kredit,
Und unsereiner kommt nicht mit.
Der protzt und prahlt
Und strotzt und strahlt.
Wie der schon geht.
Wie der schon steht.
Wie der sich um sich selber dreht.

Und wie der aus dem Auto steigt
Und aller Welt den Hintern zeigt.

Blasierte Sau!
Und seine Frau
Ist ganz genau
So arrogant
Und degoutant!

Und diese Blagen,
Die es wagen
Die Nasen so unendlich hoch zu tragen!

Dann hört er aber auf, der Spaß! –
So kommt zu Neid und Gier der Hass

Und sind die erst einmal zu dritt,
Fehlt nur noch ein ganz kleiner Schritt,
Bis dass der Mensch komplett verroht
Und schlägt den anderen halbtot.

Und wenn ihr fragt:

Wer hat ihn bloß so weit gebracht?
Das hat allein die Gier gemacht!


(Entnommen aus Wilfried Schmickler, „Es war nicht alles schlecht“. Erschienen bei WortArt. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

Re: Lyrik und Gedichte

Reply #14
Schön ist auch etwas Angelsächsisches, aus den 30-seitigen Prosa von George Habichhorst:


YOU NEVER REALLY LOVED ME


When I met you on a sunny afternoon, you were so lovely and so nice

but some months later you have changed so much

you were so heartless and so cruel


I didn't ever know the reasons, you let me standing in the dark


(Ref.)


YOU DIDN'T NEVER REALLY LOVE ME

YOU'VE NEVER LOVED SOMEONE IN LIFE

YOU'RE SEARCHING VICTIMS FOR YOU PLEASURE

YOU ARE LIVING A DOUBLE LIFE


(Bridge)

You always seemed to be a good one

you disappointed me so much