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Topic: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen (Read 2617 times) previous topic - next topic

MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Hallo,
würde gerne wissen, ob hier jemand ist, die wie ich im sozialen Bereich oder ähnlichem arbeitet, also im Job über längere Zeiträume mit ein und derselben "Kundschaft" bzw. Klientel zu tun hat und momentan ihr Äußeres auf weiblich umstellt oder dies schon länger vollzogen hat? Bei mir wird's früher oder später anstehen....das wird wohl etwas knifflig  ::)
Ich lechze nach Erfahrungen anderer  :D
Danke


Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #1
Im Nachbarforum gibt es eine Frau, die deshalb gerade ihren Job verloren hat.
Im Einzugsgebiet der Karlsruher SHG hat ein Mann den Wechsel als Kindergärtner ganz gut bewältigt.

Generell vielleicht, dass man den sozialen Wechsel im Job am besten erst dann stattfinden lassen sollte, wenn man ihn nach außen hin stimmig leben kann.

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #2
Ich arbeite selbst in einem sozialen Beruf und würde den Umstieg im Beruf erst dann machen, wenn mehr als die Hälfte der mir Fremden Personen mit männlich wahrnehmen würde.
Ich habe zwar nicht länger mit der gleichen Kundschaft zu tun, aber mit "Kundschaft" in Ausnahmesituationen - dort hielte ich es für eine Zumutung denen auch noch meine Uneindeutigkeit zuzumuten.

Ich kenne einen Erzieher (Kindergarten) der weiterhin in seinem Beruf arbeitet - kenne ihn aber nicht gut und wir haben nicht über den Umstieg gesprochen und wie er es gemacht hat.

Ich weiß über ein anderes Forum von jemandem , der auch mit Kindern arbeitet und gezielt zunächst die Eltern, danach die Kinder nach Altersstufen gestaffelt informiert hat. Dort scheint es ganz gut geklappt zu haben.
Auf jeden Fall denke ich man sollte ein solches Coming OUt gut planen. Ggf. sich an den/die Gleichstellungsbeauftragte/n - falls vorhanden - des Arbeitgebers oder des Trägers wenden, vielleicht gibt es Vorerfahrungen von denen man gar nichts weiß.

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #3
Ich arbeite derzeit noch in der Jugendarbeit (streetworking, und betreuung von problem kids)
ich hab mich dazu entschlossen meinen wechsel nicht in diesem Job durch zuziehen da ich auf ein reibungsloses
vertraunsverhältniss aufbaun muss. und auch privat ist dadurch der Wechsel nicht drin, bis meine Kids in trockenen Tüchern sind. ichhab einfach keine lust jahre von arbeit und hilfe in den wind zu schreiben nur weil irgendwer meint mich schlecht zumachen und die kids dann drunter leiden. (wobei zu erwähnen ist dass ich wirklich in einem ultra intolleranten ort wohne - wo die ganze region drüber sagt dass man dort nur was wird wen man eine/r von dennen ist)
aber einige von den Kids wissen es das ich TS bin und kommen super klar damit.
aber wie gesagt ichhab dummerweise den falschen wohnort und bin leider dann auch in der Öffentlichkeits arbeit bei uns und jeder der gelegentlich mal zeitung liest kennt irgendwie mein Foto von irgendeiner Veranstalltung wo ich dann wieder neben dem ollen Landrat stehen muss. Und von daher ist es bei mir eben ziehmlich schwer reibungslos zuarbeiten und meinen Wechsel zu begehen. Aber ich kenn auch Fälle wo der Wechsel kein grosses Problem dagestellt hat.




LG LESlie 

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #4
Hi,

der Unterschied zwischen Öko, langhaarigem Bombenleger und Frau ist doch nur die Selbstdefinition. Wenn ich manch androgynen Langhaarigen sehe, denke ich mir, ob der eine gute Frau abgeben würde und sich am Wochenende als Frau verkleidet oder in 5 Jahren transitioniert.

LG CJ

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #5

Hi,

der Unterschied zwischen Öko, langhaarigem Bombenleger und Frau ist doch nur die Selbstdefinition. Wenn ich manch androgynen Langhaarigen sehe, denke ich mir, ob der eine gute Frau abgeben würde und sich am Wochenende als Frau verkleidet oder in 5 Jahren transitioniert.

LG CJ



die langhaarigen Bombenleger sind nur ein Gerücht, die gibt es zumindest nicht bei mir in der Jugendarbeit.
upps ne doch eine/n gibtes doch, ich ^^


LG LESlie

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #6
Also ich bin nebenberufliche "Freiberuflerin" (inoffiziell) und meine Kunden kamen top mit dem Wechsel klar, was natürlich pure Glückssache ist. Zudem werde ich bald ein 4-wöchiges Praktikum im journalistischen Bereich machen -Die Kollegen dort war auch super kulant (wussten das leider nur, wegen meinem alten Abgangszeugnis...). Wie das hinterher bei Interviews und Recherche läuft die direkt mit anderen Personen zu tun hat (also face-to-face) weiß ich nicht, glaube aber das da kein Aufstand von gemacht wird, da ich sonst wahrscheinlich nicht angenommen wäre.

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #7
hi,
ich hätte gar nicht gedacht, dass hier soviel los ist in diesem Forum und so viele Leute was beisteuern. Vielen Dank!

Ich glaube natürlich auch nicht, dass es den Königsweg oder die Super - Strategie beim outcoming (ja, bescheuerter Anglizismus, ich weiss  ;) ) gibt, die bei jeder und jedem funktioniert. Zudem ist mir die Angleichung an mein eigentliches Geschlecht zwar enorm wichtig, aber es gibt eben auch andere Dinge, die erhaltenswert sind, so zum Beispiel ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, gute Freunde, Einkommen, Familie. Wem erzähl ich das?  :D

Was die Einbeziehung von Chefetage und Kollegen anbelangt, sieht das ganze Procedere vor meinem geistigen Auge und aufgrund einer großen Portion Optimismus eigentlich auch gar nicht so düster aus (zumal ich gar nicht so schlecht reputiert bin bei den lieben KollegInnen und der AL): Kooperativ und dennoch offensiv. (Ja, ok Sozigelaber, setzt schon mal den Tee auf. Du, das macht mich jetzt echt betroffen, ey  ;D ;D ;D )
Also im Sinne von:
"Ja, ich bin transident bzw. transsexuell und sehe es als Bereicherung in meinem Leben an. (Sollte nachts die besagte Fee zum meinem Bettchen eilen und mir anbieten, dass ich mittels ihres Zauberzepters umgehend ein Mann werde, würde ich dies harsch zurückweisen und sie zum Teufel schicken). Insbesondere bei meiner Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien bringe ich eine spezielle Kompetenz und Lebenserfahrung mit, die heute und zukünftig wichtig ist und immer wichtiger werden wird. (Immer mehr junge Menschen nehmen ja heutzutage das Phänomen Transidentität bei sich wahr und wollen / brauchen evt. Unterstützung, Beratung und Verständnis, um damit gut zu leben.)
Ich möchte als Mensch kongruent erscheinen und bin mir bewusst, dass beispielsweise eine Veränderung meines Äußeren hin zum Weiblichen bei anderen Menschen auch für Verstörung; Mißfallen, Ablehnung etc. sorgen kann.
Daher bin ich sehr daran interessiert, dass mein Weg der Angleichung nicht nur mich näher zu mir bringen soll, sondern auch für andere (Kollegen, Kunden) nachvollziehbar bleibt. Mein Interesse ist es nicht, zu provozieren brüskieren, verletzen...Ich bin auf meinem Weg nicht 100% souverän und bedarf ehrlicher Rückmeldungen. Warum also nicht gemeinsam überlegen, was gut und im Sinne aller Beteiligten ist?"

Oh Gott, das Wort zum Sonntag. Amen!  ;D

Vielleich etwas A.K., aber in meinem Fall würde und werde ich hoffentlich damit erreichen, dass Chef und Kollegen, sollten diese vorhaben, mich abzuschießen, verdammt viel überlegen müssten, um nicht als Verräter des eigenen Leitbildes der sozialen Einrichtung dazustehen...

Die Idee mit dem Gleichstellungsbeauftragten kontaktieren finde ich auch sehr gut.

Alles schön und gut...so rein theoretisch. Im "sozialpädagogischen Nestchen" (meine damit unter Kollegen) kann man mit wohlfeilen Ergüssen wohl gut Land gewinnen. Ich habe Bange vor jenem Augenblick, in dem ich als Familiencoach in die verstörten Augen eines Vaters (womöglich mit "südländischem Migrationshintergrund") blicke. Jener, der schon eine immense Hemmschwelle überwinden musste, um überhaupt die Karten auf den Tisch zu legen und Hilfe für sich und seine Familie in Anspruch zu nehmen. Und dann sitzt ihm da eine Transe gegenüber  und will ihn beraten  ;D ;D ;D ;D ;D
Nun ja, alles wird gut.


Danke nochmals für Eure Beiträge, vielleicht gibz ka noch mehr davon???

lg hanne



Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #8

........ verdammt viel überlegen müssten, um nicht als Verräter des eigenen Leitbildes der sozialen Einrichtung dazustehen...



mmm, ich weiß wie Du`s meinst. Aber so untypisch ist das nicht, dass Behinderteneinrichtungen Personal wegen psychischen Beeinträchtigungen entlassen, Krankenhäuser sich von chronisch kranken Krankenschwestern trennen usw.   Diesbezüglich wird da seitens der GF`s eine gepflegte Schizophrenie gelebt mit der Folge, dass die in der Firma angestellten Mitarbeiter nicht unter das "wir helfen doch allen weil wir immer so tolerant sind"Leitbild der eigenen Firma fallen.

Muss aber bei Dir nicht so sein,

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #9
Hallo Jana,
das stimmt schon, leider. Und auf's Recht sollte man sich besser nicht verlassen. Auch Gleichstellungsgesetze helfen nix, wenn man unliebsame Betriebsangehörige los haben möchte... und...hui...gibts die 3. Abmahnung wegen Falschparken, Mundgeruch am Arbeitsplatz oder weiss der Geier...
Nun, ich werd's behutsam angehen, bald im Mitarbeitergespräch mit dem direkten Herrn Vorjesetzten. (der im übrigen schwul ist und von daher hoffentlich ein Herz für gequälte Minderheiten und Aussätzige hat  ;D)

ach ja, ich bin neu hier. Vergebt mir bitte, wenn ich hier Weisheiten vom Stapel lasse, wie sie vermutlich schon 1245mal hier in diesem netten Forum in den verschiedensten Threads stehen. Ihr wisst ja, das Mitteilungsbedürfnis...  ;)

Re: MzF im Alltagstest in sozialen Berufen

Reply #10

ach ja, ich bin neu hier. ... Ihr wisst ja, das Mitteilungsbedürfnis...  ;)


ach DU bist die Neue

is doch gut direkt gleich ins Gespräch einzusteigen - solang Du uns nicht zwingst mit Dir nen Kirschtee zu trinken und Monatsbinden aus Moos zu klöppeln während unserer anregenden Diskussionen  ;D

btw... willkommen hier  :D