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Topic: Coming Out (Read 6017 times) previous topic - next topic

Coming Out

Zunächst einmal Hallo an alle

So kurz zu mir..
Ich bin neu hier und habe mich im Forum angemeldet um Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen und um mir Tips und Hilfestellungen zu holen.
Ich lebe seit knapp 3 Jahren meine Transsexualität im verborgenen bzw an den kälteren Tagen des Jahres auch öffentlich aus.
Nun da ich an einem Punkt bin wo ich mir sage: " Es ist Schluß mit dem Verstecken", möchte ich mich schon gerne outen. Nur wie soll ich es anstellen? Hier in meiner Partnerschaft habe ich von vorn herein gesagt und trotzdem werde ich von meinem Partner akzeptiert. Nur halt gegenüber der Öffentlichkeit und den Bekannten habe ich mich noch nicht geoutet.

Wie stelle mache ich den Leuten am besten meine Situation klar?

Gruß
Maja

Re: Coming Out

Reply #1
Quote
Ich lebe seit knapp 3 Jahren meine Transsexualität im verborgenen bzw an den kälteren Tagen des Jahres auch öffentlich aus.


Mal als grundsätzliche Frage, bevor Du Dir und Deinem Umfeld diese Last aufbürdest -- wie sicher bist Du Dir in dieser Diagnose der Transsexualität... hast Du schon professionelle Hilfe gesucht?

Re: Coming Out

Reply #2

Quote
Ich lebe seit knapp 3 Jahren meine Transsexualität im verborgenen


bevor Du Dir und Deinem Umfeld diese Last aufbürdest --




Was veranlasst Dich zu glauben es sei für Sie bzw. Ihrem Umfeld ne "Bürde" ??


Sonora

Re: Coming Out

Reply #3
ich würde mal grob sagen, dass da ein Unterschied ist, ob man sich als TS oder TV sieht.

Re: Coming Out

Reply #4

ich würde mal grob sagen, dass da ein Unterschied ist, ob man sich als TS oder TV sieht.



Find ich nicht, das einzige was entscheidend ist, sind die Lebensumstände eines/r jeden einzelnen !!!


+++Nora+++

Re: Coming Out

Reply #5
Hallo Mascha


wie sicher bist Du Dir in dieser Diagnose der Transsexualität... hast Du schon professionelle Hilfe gesucht?
[/quote]

Die Diagnose meiner Hausärztin besagt den Verdacht auf Transsexualität, so steht es auch auf der Überweisung zur Psychatrie.
Diese Diagnose wurde aber auch schon in meiner frühesten Jugend gestellt.

Also kann ich feststellen, ich habe bereits professionelle Hilfe (Arzt) in Anspruch genommen.

Meine "Zwickmühle" besteht auch darin, stelle ich vor dem Besuch bei einem Psychater mein Umfeld vor die Tatsachen oder sollte ich erst den Termin abwarten?
Und wie mach ich es meinem Umfeld klar?

Gruß
Maja

Re: Coming Out

Reply #6
ich wollte ja mehr darauf hinweisen, dass TS doch andere Konsequenzen hat als TV. Da doch öfters Definitionen durcheinander gewürfelt werden, war es doch mehr als Hinweis zu sehen, die verschiedenen (Spiel-)Arten des Gender-Queers (ich finde gerade kein passendes deutsches Wort (hmm vielleicht Geschlechts-Chaos?, aber andere Diskussion)) zu berücksichtigen.

Aber ich würde für mich gesprochen erst professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, bevor ich meinem privaten Umfeld alles auf die Nase binden würde. Zunächst muss man selbst wissen wo man hin will, das Umfeld ist zwar ein wichtiger Punkt in der Entscheidungsfindung, aber nicht der wichtigste.

Falls du Zugang zu einigen medizinischen Fachmagazinen hast, würde ich dir die Lektüre (oder Suche nach) einigen Artikeln empfehlen. Mir half durchaus Artikel über die Quantifizierung der TS/TV (ich kann Morgen dir den Link zu entsprechenden Artikeln schicken). Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ich warne vor überstürzten Reaktionen.

Lieben Gruß


Re: Coming Out

Reply #7


Quote
Ich lebe seit knapp 3 Jahren meine Transsexualität im verborgenen


bevor Du Dir und Deinem Umfeld diese Last aufbürdest --




Was veranlasst Dich zu glauben es sei für Sie bzw. Ihrem Umfeld ne "Bürde" ??


Sonora

Was veranlasst Dich zu der Annahme, dass es keine sei? Offensichtlich sieht sie es selbst ja nicht anders... man KANN sich natürlich einreden, dass TS, besonders wenn ein vertrauter mensch davon betroffen ist, gesellschaftlich total akzeptiert und für jedermann spielend zu verarbeiten ist... ob das allerdings die Realität trifft, ist wieder eine andere Frage.

@Maja:
Die Frage nach der professionellen Hilfe bzw. Diagnose habe ich deshalb gestellt, weil es ja doch einige gibt, die sowas in vermeintlich eindeutiger (oder eben auch nicht) Eigendiagnose feststellen.

Ich vermute, zuerst den Psychologen aufzusuchen, ist die bessere Wahl, denn er wird Dir sicher auch Hilfestellung geben können, wie Du Deine Situation Deinem Umfeld am besten vermitteln kannst. Allerdings dürften die TS und Frauen in diesem Forum Dir diesbezüglich bessere Ratschläge erteilen dürfen.

Re: Coming Out

Reply #8
           



Was veranlasst Dich zu der Annahme, dass es keine sei?

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Die Antwort findest Du 3 Beiträge weiter oben  ;)


+++Nora+++

Re: Coming Out

Reply #9
Ich habe auch Probleme mit dem coming out. Ich muss dazu sagen, dass ich in vielen Dingen weiblich denke und auch eher eine androgyne Optik habe (keine sehr markane Nase, volle Lippen, weiche Gesichtszüge, Becken breiter als Brustkorb).

Schon als kleines Kind wollte ich beim Spielen immer etwas weiblicher sein als alle anwesenden Mädchen (Schwester, Nachbarskinder oder Kinder von Mutters Freundinnen), was meinen Eltern nicht so recht passte. Ich hätte auch gar nichts dagegen gehabt, ein "richtiges" (biologisches) Mädchen zu sein. Gegen Ende des ersten Lebensjahrzehnts hatte ich dann ein Alter erreicht, in dem man definierte Hobbies hat und ihnen jahrelang treu bleibt. Die weibliche Seite meiner Persönlichkeit trat nun in den Hintergrund.

Gegen Ende meiner Teeniezeit brach sie aber wieder hervor und verlangte ihr Recht. Ich ging als Frau verkleidet zur Fastnacht, später auch zu einem Disco-Abend in der Turnhalle. Ich strebte von nun an klar die geschlechtsangleichende Operation an und suchte einen Psychologen auf. Nachdem ich erwähnte, dass ich eindeutig heterosexuell bin, stand er einem Dasein als Frau aber sehr reserviert gegenüber.

Später lebte ich in einer Großstadt war ich jahrelang bei einem Psychiater. Wunschgemäß erschien ich auch einmal en femme in seiner Praxis. Mein Styling als Frau sah damals immer so oder ähnlich aus: schwarze Netzstrumpfhose, extrem kurze hot pants drüber, Nagellack und Lippenstift in kräftigen Farben, Augen-Makeup und Rouge etc. überhaupt nicht. In dieser Zeit schaffte ich es nicht, die Hormonbehandlung anzuleiern und auch tagsüber als Frau rumzulaufen. Deshalb und wegen meines in seinen Augen nicht überzeugenden Kleidungs- und Schminkstils sagte mir der Psychiater auch, er würde eine OP nicht befürworten.

Nachts ging ich aber nun öfters en femme aus, vor allem, nachdem ich meinen Alkoholkonsum nicht mehr in den Griff bekam und mir Mut antrinken konnte. Heute bin ich clean, aber übergewichtig und im Dorf lebend. Meine Familie weiß über meine Situation bescheid. Einer meiner Elternteile wohnt in derselben Straße wie ich, ist gesundheitlich labil und möchte möglichst nicht mit Dingen konfrontiert werden, die meine Familie ins Gerede bringen.

Ich bin nun (erfolgreich) auf Diät und treibe viel Sport. Vor kurzem bin ich mit 2 weiblichen Bekannten shoppen gegangen, und wir haben mich als Frau gestylt. Inzwischen überlege ich mir auch, wie ich im Alltag etwas femininere Klamotten tragen kann. Ich trage z. B. gern sehr enge Strings, die alles platt drücken, und darüber enge Hosen, die recht hüftig sitzen (25-30 cm Leibhöhe) oder gewagte Details aufweisen, z. B. Gucklöcher an der Hüfte, die von meinen Oberteilen gerade noch verdeckt werden. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass Spaghettiträgerhemdchen "für Ihn" ein Muss sind. Dann verläuft die Trennungslinie zwischen brauner und weißer Haut gerade und nicht in 3 Kreisbögen, und man kann während des Solariumbesuchs einfach ein Handtuch über Kopf und Schultern legen, um den Rest gleichmäßig nachzudunkeln.

Ich strebe nach wie vor die OP an und wüsste jetzt gern, wie ich den Einstieg in ein Alltagsleben als Frau finde. Hat jemand Tips? Ich lebe von Hartz IV. Die Permanent-Enthaarung ist so teuer, vor allem, wenn sie wirklich permanent sein soll. Es gibt 2 Laserarten und 20 Bezeichnungen, wer blickt da noch durch? Und kein Mediziner weiß, ob sie dauerhaft wirken oder nicht. Und wann soll ich mit der Hormonbehandlung beginnen? Ich will Fett verlieren und am Po Muskeln aufbauen, wird das nicht durch Östrogengaben erschwert? Wenn ich bedenke, dass man kaum 1 kg pro Woche abnimmt, habe ich noch viel vor mir.


Re: Coming Out

Reply #11
Ja, auch da steht was dazu drin. Ich wollte aber was zum Thema coming out schreiben, und da gehört das dazu. Keiner da, der mir einen Tip geben kann?


Re: Coming Out

Reply #13
Hmm,
liebend gerne würde ich etwas richtig Kluges zum Thema Coming Out (mit "Outing" verbinde ich seit den 80ern die ungewollte Bekanntmachung eines Themas wie zB Homosexualität durch Dritte, während Coming Out vom Betroffenen selbst ausgeht) bei Transsexualität sagen, doch die Ausgangsfragestellung von Maja
Quote
Wie stelle mache ich den Leuten am besten meine Situation klar?

ist so umfassend, dass mir nur die pauschale Antwort
"angemessen"
einfällt.
Es gibt Eltern, Kinder, sonstige Verwandte, Freunde, Kollegen, Kunden Geschäftspartner, Behörden usw usf und ich jeder Gruppe gib es wieder ganz verschiedene Leute.
Einige geht es nix an, anderen muss man es sagen, braucht aber nichts zu erklären und wieder andere verdienen eine Erläuterung.
Und auch der Zeitpunkt kann ganz verschieden sein.
Coming Out also, aber wem gegenüber, in welcher persönlichen Situation und mit welchem Ziel?

Ach ja, wenn Sama darf, dann darf ich auch!
Meine Sicht der Dinge zum Thema "Reden oder doch lieber die Klappe halten?" habe ich
ausführlicher unter
http://freenet-homepage.de/Jula.Me/wem_sag_ichs.htm
dargestellt.

Re: Coming Out

Reply #14
Ja ich könnte es auch als ein Coming Out bezeichnen, was ich zur Zeit erlebe. Viele meiner Freunde, bzw sagen wir mal eigentlich fast alle, wissen wie ich fühle, und was ich denke, nur in der Familie ist es überhaupt noch kein Thema gewesen. Und erhrlich gesagt, ist dies mir auch so ziemlich egal. Das meißte Problem, habe ich bei meinem Mann, er weis etwas, ich habe es ihm öfters schon gesagt, nur richtig darüber geredet haben wir noch nicht, und vielleicht werden wir das auch nie, da ich einfach zu viel Angst habe. Ich liebe ihn, und möchte mit ihm zusammenbleiben, doch er sagte mal das er nicht mit einem Mann zusammen leben kann. Er sagte kann, nicht will, ok, ich weis nicht, ob es für ihn einen Unterschied macht, nur habe ich das Gefühle, das er wegen der Gesellschaft und seiner Familie so reagiert. Im August sind wir zehn Jahre zusammen, glücklich, wir haben unsere Höhren und Tiefen erlebt, doch dies schient das schwierigste meinen Lebens zu sein. ich war bisher noch nicht bei einem Psychologen, aus Angst, ich traue mich einfach nicht. ich stehe zu meiner Männllichkeit, trage auch nur noch Herrenmode, etwas anderes kommt gar nicht mehr in Frage. Ich fühle mich als Homosexueller Mann, also in dem Sinne, zwei Dinge auf einmal die mein Mann verarbeiten muss, und ich auch gut verstehen kann, das es nicht leicht ist.
Ich möchte mich einfach nicht mehr verstecken, ich habe ein recht so zu leben, wie ich mich innerlich fühle, die Gitter die um mich herum sind, ängen mich immer mehr ein, ich fühle mich wie in einem Gefängnis, aus das ich nie heraus kommen werde. Ist das bei euch auch so gewesen?
Ich könnte Stundenlang heulen, mich in irgendeiner Ecke verkriechen, wo mich keiner findet, wo mal ich das Leben eigentlich liebe, und genießen möchte.
Na ja, ich hoffe, einer von euch, weis weiter, kann mir Tips geben.

Danke und liebe Grüße euer Andrej