Transgender-Forum

Rat & Tat => Für TV-Anfänger und Jungtransen => Topic started by: Oona on 26. December 2011, 08:52:19 am

Title: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 26. December 2011, 08:52:19 am
Liebes Tagebuch,

gestern war unsere gute Freundin bei uns. Wir haben zusammen Sushi gemacht. Tonnenweise davon. Also streng genommen haben die beiden Sushi gemacht, während ich vorgab wichtigere Dinge erledigen zu müssen. Ich bekam aber trotzdem was ab.

Und danach haben wir geredet, liebes Tagebuch. Und worüber? Natürlich darüber, dass ich meiner Freundin vor nicht ganz einer Woche gesteckt habe, dass ich transsexuell bin.

Tadaaaaa!

Auf mich prasselte eine Kanonade von Fragen ein, die zum Teil so intim waren, dass es mir jetzt die Schamesröte ins Gesicht treibt. Als die Fragen wie in einem Gerichtssaal bei der Befragung des Zeugen auf mich einprasselten, hat sich mein männliches Selbst schützend (ganz Gentleman) nach vorne geschoben und in gelernter Art für Schweigen gesorgt: laute, tiefe Stimme, resolute, kompromisslose Erscheinung. Ganzer Kerl eben.

Der ganze Kerl wurde auch von den beiden Mädels entdeckt. Das wurde unter anderem daran festgemacht, dass ich meinen linken Arm besitzergreifend über die halbe Couch legte, während meine Beine souverän übereinandergeschlagen waren. Ein "typisch männliches Verhalten" wurde mir entsprechend attestiert.

"Du brauchst einen Kurs in weiblichem Verhalten, oder?" (Ja.)

Hm.  

Hinterher war mein eigenes Verhalten  mir selbst gegenüber peinlich, ist es doch genau das, was ich beiseite legen will, um mal später zu schauen, wie mein Kerl zu meinem neuen weiblichen Anzug passt. Das Weib in mir ist noch nicht besonders durchsetzungsfähig. Ist aber kein Wunder, hatte meine aufgesetzte Seite doch 47 Jahre Zeit, sich zu etablieren, während das Weibchen in Vergessenheit geriet und kurz vor der Pubertät steht. Das arme Ding hat nur wenig Chancen, gegen den mit allen Wassern gewaschenen Mann, den es immer noch gibt.

Aber nun ist sie da. Und weg geht sie auch nicht.

Wir haben auf jeden Fall zu Dritt festgestellt, dass ich einen neuen Namen brauche. "Babsi" geht auf Dauer nicht. Es sind ein paar Namen in der Diskussion, liebes Tagebuch, Du erfährst das Ergebnis als erstes.

Hier mal ein paar Fragen von gefühlten 100.000 mit denen ich mich gestern konfrontiert sah:

"Wie willst Du Dich denn kleiden als Frau?" (Weiß ich nicht.)

"Willst Du wirklich Hormone nehmen?" (Weiß ich nicht.)

"Kannst Du denn noch einen hoch kriegen, wenn Du die Dinger nimmst?" (Äh …)

"Willst Du lieber langes oder kurzes Haar tragen?" (Kurz. Vielleicht aber auch lang. Weiß nicht.)

"Was denkst Du, wenn Du mit mir schläfst?" (Ob ich mir einen Schmetterling tätowieren lassen sollte.)

"Kann man da nicht androgyn sein?" (Könnte man, ja, muss man aber nicht.)

"Warum willst Du jetzt und hier und sofort nicht mal alle meine Schuhe anprobieren?" (Weil wir gerade reden.)

"Wann willst Du es Deinem Sohn sagen?" (Später.)

"Holst Du uns noch etwas Prosecco?" (Ja.)

"Willst Du denn auch eine Vagina haben?" (Nein. Ja. Weiß ich nicht. Nein.)

Wenn die beiden über mich sprachen (um beispielsweise den Wegfall meiner aktuellen Koteletten aus meiner Frisur zu bereden), taten sie dies vor mir in der 3. Person Singular als "er". Liebes Tagebuch, das fand ich doof. Ich bin "sie",  nicht "er". Hätten sie über mich als Frau gesprochen, wäre der Kerl gar nicht zum Vorschein gekommen. Selber schuld, die beiden! Auf meinen dahingehenden Hinweis änderten sie die Ansprache und ich war nahezu handzahm. Geht doch.

Ich glaube, ich bin schizophren. Aber das sind wir ja irgendwie alle. Und wieso müssen echte Frauen eigentlich alles drei mal in anderen Worten wiederholen, nur weil man nicht EXAKT UND WORTWÖRTLICH die Antwort gegeben hat, die die Fragestellerin als Antwort erwartet?

Weiber … ich werde sie nie verstehen. ;-)

Meine Güte, liebes Tagebuch, Du glaubst gar nicht, wie glücklich ich bin, dass ich eine Freundin und Lebensgefährtin habe, die sich mit mir zusammen doofe Fragen stellt und gemeinsame Antworten sucht!

Meine weibliche Seite ist wie eine Person im Nebel. Ich weiß, dass sie da ist und ich bekenne mich langsam zu ihr. Wie sie aussieht, was sie tun wird, wie sich mein Kerl dazu verhält und wie sie mein Leben auf den Kopf stellen wird und ob überhaupt, dass kann ich erst sagen, wenn der Nebel sich lichtet, die Person näher zu mir kommt und wir uns über den Grad der Verschmelzung einig geworden sind.

Ist das passiert, können wir uns auch darüber unterhalten, ob es ein Kurzhaarbob oder ein mittellanger Bob mit Schwung werden wird. Vielleicht lasse ich mir aber aus purem Protest vor klischeehafter Weiblichkeit eine Glatze schneiden.


Danke für Deine Aufmerksamkeit, liebes Tagebuch.

Babsi,
am viel zu frühen 2. Weihnachtsfeiertag

PS
Ich ziehe mich jetzt an, gehe mit dem Hund raus und dann lege ich wieder hin.
Ich finde, Du solltest das wissen, liebes Tagebuch.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Jula on 26. December 2011, 13:47:39 pm
Wow!
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: con_moto on 26. December 2011, 14:14:31 pm
Quote
Der ganze Kerl wurde auch von den beiden Mädels entdeckt. Das wurde unter anderem daran festgemacht, dass ich meinen linken Arm besitzergreifend über die halbe Couch legte, während meine Beine souverän übereinandergeschlagen waren. Ein "typisch männliches Verhalten" wurde mir entsprechend attestiert.

"Du brauchst einen Kurs in weiblichem Verhalten, oder?" (Ja.)


Quatsch!!! So sitze ich auch gelegentlich - zuletzt gestern abend bei meinen Eltern, im kurzen Rock mit schicken Stiefeln. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, das als männlich zu interpretieren.
Ein Kurs in "weiblichem" Verhalten könnte dazu führen, dass das nachher genauso aufgesetzt wirkt, wie du jetzt das männliche empfindest.

Schön, dass du mit den beiden Mädels reden kannst, aber lass dir nix einreden, was deinem eigenen Gefühl nicht entspricht!

Liebe Grüße und einen beschaulichen zweiten Feiertag

Christine (die Klischeepolizei  ;D)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Daphne on 26. December 2011, 16:02:56 pm
Meine weibliche Seite ist wie eine Person im Nebel. Ich weiß, dass sie da ist und ich bekenne mich langsam zu ihr. Wie sie aussieht, was sie tun wird, wie sich mein Kerl dazu verhält und wie sie mein Leben auf den Kopf stellen wird und ob überhaupt, dass kann ich erst sagen, wenn der Nebel sich lichtet, die Person näher zu mir kommt und wir uns über den Grad der Verschmelzung einig geworden sind.


Laß ihr Zeit! Auch wenn du gerne vorwärts stürmen wolltest (typisch männliches Verhalten ;D) gib ihr Zeit und Raum sich zu entwickeln. Und mit der Zeit kommen dann auch ganz von selbst die Antworten auf die diversen Fragen.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 27. December 2011, 08:39:36 am
Na ,kräftig pusten,der Nebel wird sich verziehen und alles klar werden....
Liebe Grüße Dani :-*
Title: Re: Liebes Tagebuch (27.12) …
Post by: Oona on 27. December 2011, 09:55:01 am
LIEBES TAGEBUCH (27.12.11)

Heute nacht war doof, liebes Tagebuch. ich habe geträumt, dass ich meinen Freunde und Bekannten auf der nächsten Gesellschaftsjagd mitteile, dass ihr Jagdfreund tatsächlich eine zu groß geratene und etwas dicke Jagdfreundin ist. Im Traum sah ich klasse aus in meinem Camouflage-Anzug. Die D-Cup-Brüste unterstrichen das Tarnmuster noch mal besonders gut und hoben die Konturen entsprechend auf. Der Nagellack in knallrot spielt jagdlich keine Rolle, weil das Wild ja farbenblind ist.

Du ahnst schon, was kommt, nicht wahr?

Natürlich wurde es ein Fiasko, liebes Tagebuch! Zuerst fiel mir eine Silikonbrust raus, die dann von einem der Jagdhunde als Beute angesehen und entsprechend gebeutelt wurde.

Toll. Ganz toll.

Ich erzählte dann den Jungens mit ein wenig ungeübter Kopfstimme, um meine Sexiest-Male-Voice-Alive-Stimme zu überspielen, was so los ist. Muss ich jetzt nicht alles resümieren, liebes Tagebuch, Du kennst die Geschichte ja.

Wie auch immer: Die Jungs drucksten rum, nahmen etwas Abstand und eigentlich waren sie vor allem sauer, weil sie sich nun mit einem ernsthafterem Thema als die perfekte Methode zum Ansetzen eines Weinbrandes unterhalten mussten.

Und ich stand da rum wie bestellt und nicht abgeholt (in rosa ohne rechte Brust).

Es war schlimm. Ausserdem hatte ich meine Waffen vergessen und hätte sowieso nicht jagen können, es sei denn, ich würfe mit Steinen nach dem Wild (wobei bekannt sein dürfte, dass Frauen nicht werfen können).

Ich bin dann quasi stumm schreiend wach geworden. Es war vier Uhr heute früh. Habe dann eine Zigarette geraucht und mich wieder hingelegt.  

Mein Fazit, liebes Tagebuch:

A) Ich werde auf ein jagdliches Outing vorerst verzichten und mir einen Vermerk in den Kalender schreiben, dass ich zur Jagd das Gewehr mitnehmen muss.

B) Mich ärgert, dass ich wohl doch nicht so selbstsicher bin, wie ich es gerne vorgebe zu sein.

C) Ich muss die Brüste besser fixieren, wenn ich unterwegs bin.


Übrigens, liebes Tagebuch: Heute gehe ich zu meinem besten Freund, der auch mein Hausarzt ist (der beste in Hamburg, wenn Du mich fragst). Er wird auch ein paar Neuigkeiten erfahren. Das wird auf jeden Fall interessant …

Morgen Abend bin ich dann bei Laderma, um meine Haarentfernung zu besprechen. Darauf freue ich mich.

Title: Re: Liebes Tagebuch (28.12.) …
Post by: Oona on 28. December 2011, 08:26:37 am
Liebes Tagebuch 28.12.2011,

heute schon wieder so früh wach geworden. Ich hasse es. Der Mann in mir will der frühen Morgenstunde am liebsten kräftig in den Arsch treten. Die Frau in mir schaut jedoch, wo die kühlende Gel-Maske ist, um den Augenringen den Kampf anzusagen.

Wir halten fest: Der frühe Vogel ist ein Arschloch.

Gestern Abend war ich mit meinem Freund, dem Herrn Doktor, zusammen und wir haben Wein und exzellenten Cognac genossen und über mein kleines Problem zwischen den Beinen schwadroniert. Nächste Woche wird mir Blut abgenommen und wir schauen uns mal die Werte an. Festgestellt haben wir schon mal, dass meine Testosteron-Werte wohl gegen Null gehen, wenn man meinen 3-Tage-Bart betrachtet, der kaum als Flaum durchgeht. Und da gibt es noch ein paar andere Punkte, die für einen viel zu niedrigen Testosteron-Spiegel sprechen.

Das ist es doch, liebes Tagebuch! Ich nehme einfach mal eine ordentliche Portion Testosteron und schon habe ich wieder Gefallen daran, mir den Sack zu kratzen, werfe voller Ekel meine feminine Unterwäsche weg und strebe ganz männlich die Weltherrschaft an!

So einfach kann das sein …

Am Ende bin ich gar nicht transsexuell, sondern nur ein Mann mit zu wenig Testosteron und einem leichten Knacks in Bezug auf sein weibliches Ich? Ja, das wird’s sein! Die Diagnose wird alle um mich herum freuen. Das sind alles nur Fetische. Der Wunsch nach Brüsten, einer Vagina, die Kleidung, das Make-up, meine weibliche Seele: alles nur Fetische. So was kriegt man ja in den Griff und kann darüber hinweg sehen. Dafür wurde ja Karneval erfunden, da kann man sich austoben und mit dem Hintern wackeln. Transsexuell? Ich? Blödsinn!

Ich habe die letzte Stunde damit verbracht, einen Thread durchzulesen, indem sich die Teilnehmerinnen fürchterlich darüber gezankt haben, ob man A) krank ist oder B) als Transsexuelle geboren wird. Hui, war das spannend, liebes Tagebuch. Mein persönliches Fazit: Versuche später aufzustehen, dann musst Du so was nicht lesen.

Übrigens habe ich mich entschlossen, den völlig doofen Namen "Babsi" abzulegen. Meine Freundin und ich finden "Una" gut. Leitet sich ab vom englischen Vornamen "Oona", was "die Einzigartige" bedeutet. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand bin ich tatsächlich einzigartig. Allerdings gilt das auch für alle anderen. Meinen männlichen Vornamen finde ich auch doof. Vielleicht mache ich einen Doppelnamen daraus, das würde der Schizophrenie der Angelegenheit Rechnung tragen.

Wenn mich heute jemand nach meinem Hobby fragt, werde ich "Selbstfindung unter erschwerten Bedingungen" angeben.

So. Muss mit dem Hund raus. Dann lege ich mich noch mal hin. Ein Hoch auf die Selbständigkeit!

Bis später, liebes Tagebuch.

Babsi. Nein, Una. (Oder Gertrud?)

;D

Title: Re: Liebes Tagebuch (28.12./Nachtrag) …
Post by: Oona on 28. December 2011, 09:06:06 am
PS (Nachtrag 28.12.)

Ach, Mensch, liebes Tagebuch, da habe ich doch glatt vergessen, Dir etwas zu erzählen. Gestern hat meine Freundin Rotz und Wasser geheult, weil eine Frau als Partnerin in ihrer Lebensplanung für uns beide nicht vorkommt. Das ging mir echt ans Gemüt. Ich kann sie nicht weinen sehen. Schämen tue ich mich dafür, dass ich genau darauf geachtet habe, wie sie das Papiertaschentuch benutzte, um sich die Tränen wegzuwischen ohne das Make-up zu verschmieren.

Man lernt ja immer dazu.

Sie ist die Beste! So viel ist sicher. Sie hat mir gestern einfach so Wimpernfarbe gekauft und meine Wimpern gefärbt. Eine Strumpfhose kaufte sie mir auch. 40 Den. Schwarz. Auf der Packung steht: "Hält die Beine fit bei langem Stehen und Sitzen". Sind das jetzt Gesundheits-Strumpffhosen?

Ich will sie nicht verlieren. Auf gar keinen Fall. Eher lebe ich mich in einem Kellerloch aus, als unser gemeinsames Leben zu zerstören, nur weil ich weiblich bin. Oder ist das andere wichtiger? Muss man Kompromisse eingehen oder zählt nur das eigene Bedürfnis und ist es am Ende nicht sie, die egoistisch ist?

Ich weiß es nicht, liebes Tagebuch. Aber sie ist nicht lesbisch. Das macht die Sache nicht einfacher. Vielleicht gibt’s ja eine Spritze, um sie lesbisch zu machen oder zumindest ein bisschen bisexuell? Muss ich mal googlen …

Wenn Du Dich nicht verändern kannst, verändere die Umwelt. Ha, ha.

PS
Ich habe Leidensdruck. Jedenfalls in Bezug auf meine Schlupflider. Die KK wird die OP bezahlen. Finde ich gut, dann sieht man die "Smokey Eyes" besser.

PPS
In einem Jahr drucke ich Dich aus, liebes Tagebuch und werde Dich als Buch verkaufen. Davon bezahle ich dann die Fettabsaugung und die Einlagerung des Eigenfetts in meinen knöchernen Hintern. Vielleicht sehe ich dann zumindest von hinten aus wie Jennifer Lopez (Fett genug wäre da).
Title: Re: Liebes Tagebuch (28.12./Nachtrag) …
Post by: Triona on 28. December 2011, 10:26:40 am

... Sind das jetzt Gesundheits-Strumpffhosen? ...



Bei Venenschwäche sind straffe Strumpfhosen immer gesund.  ;)
(Auch vorbeugend bei häufiger stehender oder sitzender Arbeit.
Bei heftiger Venenschwäche solltest du allerdings die aus dem Sanitätsfachhandel anziehen bzw verschreiben lassen.)

Ich habe da vor vielen Jahren mal einen Transvestiten kennengelernt, der hat in seinem Umfeld immer die Geschichte verbreitet (sozusagen "vorbeugend"  ;D), daß er "aus gesundheitlichen Gründen" Stützstrumpfhosen oder Stützstrümpfe tragen müßte.


Deine Freundin scheint dem ganzen ja irgendwie auch wohlwollend gegenüber zu stehen.
Ihre möglichen Bedenken, daß sie durch ihre Liebe zu dir aber irgendwie als "lesbisch" angesehen werden könnte, sind aber auch nicht zu unterschätzen.
Alles in allem als schon einigermaßen widersprüchlich.
Das ist aber nicht so außergewöhnlich.


liebe grüße
triona
Title: Re: Liebes Tagebuch (28.12./Nachtrag) …
Post by: Rejana on 28. December 2011, 12:33:08 pm

In einem Jahr drucke ich Dich aus, liebes Tagebuch und werde Dich als Buch verkaufen. Davon bezahle ich dann die Fettabsaugung und die Einlagerung des Eigenfetts in meinen knöchernen Hintern.


glaube, mir bitte, die Welt ist voll mit büchern, Blogs und Internetgeschichten ohne Ende von TS's und TV's die sich selbst betrachten......das Geld was de' das verdienen kannst reicht wenn es gut geht, für einmal Haare färben  ;)


Am Ende bin ich gar nicht transsexuell, sondern nur ein Mann mit zu wenig Testosteron und einem leichten Knacks in Bezug auf sein weibliches Ich? Ja, das wird’s sein! Die Diagnose wird alle um mich herum freuen. Das sind alles nur Fetische. Der Wunsch nach Brüsten, einer Vagina, die Kleidung, das Make-up, meine weibliche Seele: alles nur Fetische. So was kriegt man ja in den Griff und kann darüber hinweg sehen. Dafür wurde ja Karneval erfunden, da kann man sich austoben und mit dem Hintern wackeln. Transsexuell? Ich? Blödsinn!


...das musst Du selber wissen/ rauskriegen......micht stört in der Textpassage "nur" das Wort "nur".  

Title: Re: Liebes Tagebuch (28.12./Nachtrag) …
Post by: Oona on 28. December 2011, 12:55:35 pm

glaube, mir bitte, die Welt ist voll mit büchern, Blogs und Internetgeschichten (…) das Geld was de' das verdienen kannst reicht wenn es gut geht, für einmal Haare färben


Quote
(…) mich stört in der Textpassage "nur" das Wort "nur".


Na, Wahnsinn. Noch nicht mal einen Verleger gefunden und schon eine Lektorin an der Hand! ;)

Was die Vermarktung angehen würde: Es gibt auch 1000 von Liebesgeschichten und trotzdem verkaufen sich diese. Am Ende ist’s nur eine Frage des Marketings (und da kenne ich mich aus, wie kaum eine zweite).  8)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 28. December 2011, 14:27:46 pm
Hallo Babsi,meine Scheu in fremden Tagebüchern zu lesen mal ablegend...kann es sein daß du da was durcheinanderbringst??Ich meine vonwegen öffentliches Forum...in dem ja sonst immer reger Meinungsaustausch,Diskusion und Frage -Antwortspiel vorherrschen,die Monologform zu wählen ist für mich etwas befremdlich,oder ist das nur die Vorabform deines Buches?

Zitat:
Ich weiß es nicht, liebes Tagebuch. Aber sie ist nicht lesbisch. Das macht die Sache nicht einfacher. Vielleicht gibt’s ja eine Spritze, um sie lesbisch zu machen oder zumindest ein bisschen bisexuell? Muss ich mal googlen …

Das mit der Spritze ist wohl deine Art von Humor,oder lacht deine Freundin da mit???

Zitat:
Wenn Du Dich nicht verändern kannst, verändere die Umwelt. Ha, ha.  ........... Na da hast du ja ne Menge zu tun.

Zitat:
Ich habe Leidensdruck. Jedenfalls in Bezug auf meine Schlupflider.     ...........Falls er sich nur darauf beschränkt kannst du dich ja glücklich schätzen....

Ganz liebe Grüße Dani, und ich weiß ,Humor ist wenn man trotzdem lacht!

Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 28. December 2011, 15:23:25 pm
Ich find’s unmöglich, dass Du in fremden Tagebüchern liest.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 28. December 2011, 15:27:38 pm
Du solltest sie halt nicht so aufgeschlagen rumliegen lassen.... ;D
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 28. December 2011, 15:41:54 pm
Da war ein kleines Schloss dran.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 28. December 2011, 15:48:08 pm
Ach das,ja das ....hab ich wohl geknackt....Tschuldigung......aber die Neugier war immer schon das Größte an mir......habe ich durch sie doch vieles Verstecktes gefunden.... :-*
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Triona on 28. December 2011, 17:26:22 pm

Da war ein kleines Schloss dran.



Das war die ganze Zeit schon offen.
Du hast es wohl vergessen abzuschließen.

liebe grüße
triona
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Jula on 28. December 2011, 19:13:20 pm

Du hast es wohl vergessen abzuschließen.

Zum Glück!
Ich mag es nämlich sehr und hoffe, dass ich noch eine Weile mitlesen darf!
Title: Re: Liebes Tagebuch (29.11) …
Post by: Oona on 29. December 2011, 09:44:41 am
Liebes Tagebuch (29.11.11),

gestern Abend war ich mit meiner Freundin bei Laderma, um mich über die Bartentfernung beraten zu lassen. Der Spaß soll knapp über 1.000 Euro kosten, wenn ich die Flatrate nutze und vermutlich 20 Sitzungen brauchen mit etwa 8 Wochen Pause zwischen denselben.

Und weh tut’s auch. Und doof sieht’s auch nach jeder Sitzung aus. Bis zu einer Woche danach kann man aussehen, wie eine Rotampel auf Koks.

Ich hab’s jetzt erst mal bei der Beratung gelassen und kaufe mir noch bessere Klingen.

Irgendwann fragte mich die Beraterin, warum ich das überhaupt machen wolle. Ich antwortete charmant lächelnd, dass mich der Bartschatten unterm Make-up nervt.

"Ah ja", sagte sie.

Sag mal, liebes Tagebuch, habe ich Dir eigentlich erzählt, dass mein Sohn bei mir Zuhause ist? Ist er nämlich. Der schläft jetzt noch so bis 13 Uhr. Streng genommen, schläft er immer. Wenn er nicht schläft, hat er einen Rechner auf dem Schoß. Armer Kerl. Alle Freunde in Hamburg sind weg und er lebt ja bei seiner Mutter (möge sie die Krätze an unzugänglichen Stellen kriegen) auf’m Dorf.

Ein bisschen schäme ich mich dafür, dass ich mich darauf freue, wenn er wieder weg ist. Die Frau in mir hat Bedürfnisse, die gerade sehr kurz kommen. Ich bin egoistisch. Ich sollte froh sein, dass er da ist. Bin ich ja auch. Aber die Wohnung ist klein und man tritt sich auf die Füße, zumal ich ja auch hier arbeite.

Ach, liebes Tagebuch, man hat’s eben nicht einfach.

Seit es bei mir KLICK! gemacht hat, liebes Tagebuch, und ich die absolut wackelige Selbstdiagnose "Transsexualismus" für mich diagnostiziert habe, habe ich mich nicht mehr gegen mich selbst versündigt. Und das, obwohl ich ein großer Verfechter des Woody Allen Zitats bin, dass Masturbation Sex ist mit einem Menschen, den ich sehr liebe.

Die Libido ist im Keller. Die Nagelpflege jedoch nicht. Seit über einer Woche trage ich nun Klarlack und keinem Menschen fällt es auf – zumindest sagt keiner was. Die Dinger wachsen wie verrückt und meine Feile hat gut zu tun. Kriegen ein schöne runde Form, nach vorne hin spitz zulaufend. Ich übe noch. Der Umgang mit der Nagelfeile hat für mich was Zen-Buddhistisches. Ich muss aufpassen, dass es kein Fetisch wird. Habe schon genug davon. Aber ich glaube tatsächlich, dass es schon zu spät ist. Eine Nagelfeile habe ich immer dabei. Eine Taschenlampe allerdings auch, aber zu der habe ich keinerlei emotionale Bindung.

Meine Freundin ist völlig verwirrt, weil ich kein Modebewußtsein habe. In ihrer kleinen Welt muss nämlich jemand, der zu einem guten Teil Frau ist: a) Schuhe lieben, b) ständig Shoppen gehen und c) männliche Wäsche ablehnen. Ausserdem flucht so jemand nicht und entwickelt eine Neigung dazu, die Wohnung zu putzen. Letzteres halte ich jedoch für einen rhetorischen Trick, auf den ich selbstverständlich nicht reinfallen werde.

Hm.

Bei mir, liebes Tagebuch, ist es natürlich ganz anders.

Ich konzentriere mich derweil nur auf meinen Körper. Ich will abnehmen. Richtig abnehmen. Als Mann habe ich Übergewicht, als Frau gestatte ich mir das nicht. Also nehme ich ab. In einer Woche waren es jetzt trotz Weihnachten vier Kilogramm, die Vergangenheit sind. Ich will auf 75 runter, das sind also nur noch lächerliche 15 Kilogramm, die weg müssen.

Ich pflege meinen Körper und brauche seit dem KLICK! gute 15 Minuten länger im Bad. Meine Freundin hasst es. Ich werde versuchen müssen, die Wasserrechnung über die Krankenkasse abrechnen zu lassen. Das Stichwort: "Leidensdruck"! Damit kriege ich sie ran. Kann ich nicht lange duschen, leide ich. Sollte ich das durchkriegen, dann werde ich auch Pflegeprodukte geltend machen. ;)

Ich rasiere mich mittlerweile überall. Das braucht eben Zeit. Auch wenn ich gottseidank nur schmal behaart bin. Aber sehe ich beispielsweise die doofen Härchen rund um meine Brustwarze, dann rücke ich denen zu Leibe. Ein Schnitt und sie fliessen den Abfluss des Vergessens hinab. Die Haare in der Hinternfalte sind jedoch hartnäckig und es muss völlig beknackt aussehen, wie ich denen in der zu engen Dusche den Garaus mache.

Schuhe liebe ich auch nicht. Ich finde sie schön. Hin und wieder. Aber ich kann problemlos an Schaufenstern vorbeigehen, ohne mir die Treter anzugucken. In tagelangen, aufrichtigen Selbstanalysen bin ich zu dem Schluß gekommen, dass es vor allem damit zu tun hat, dass ich mich nicht zum Affen machen will. Laufe ich auf hochhackigen Schuhen, dann wackle ich rum wie ein Pudding. Das steht im klaren Widerspruch zu meinem perfektionistischen Selbstempfinden.

Ich bin zurzeit nach aussen lieber ein gut aussehender Kerl, als eine Transe, deren Gang an "Shoppen beim Erdbeben" erinnert.

Aufgefallen ist mir, liebes Tagebuch, dass Schminken für mich sehr, sehr schwer ist. Ich bin nämlich farbenblind. Erwähnte ich das? Das kann zu irrwitzigen Farbkombinationen führen. Erschreckend.

Alles in allem, bin ich entweder der Ausnahme-Transsexuelle oder vielleicht bin ich’s auch gar nicht. Dem Lehrbuch bin ich jedenfalls nicht entsprungen. Ich muss nicht in den Kleidern einer Klischee-Frau rumlaufen, um meiner Frau in mir genüge zu tun. Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass sich mein Damenwäscheträger-Fetisch mit dem KLICK! verabschiedet hat. Statt Erotik ist mir nun Bequemlichkeit wichtiger. Und da haben Unterhosen mit Eingriff einfach die Nase vorn.

Den Eingriff brauche ich allerdings nicht. Ich setzte mich artig hin.

Ich habe gerade in den Spiegel geschaut. Die Schlupflider nerven und trüben mein Körperbefinden. Ich bin froh, wenn die bald weg sind (Leidensdruck!). Mal schauen, wann ich da einen Termin kriege. Das Doppelkinn lasse ich auch gleich wegmachen. Kostet gar nicht so viel, bringt aber viel.

Heute morgen um drei Uhr musste ich mit dem Hund raus. Er fiepte. Normalerweise ein klares Indiz dafür, dass sein Blase gleich platzen wird. Es stellte sich aber heraus, dass er es tat, weil in der Nachbarwohnung ständig jemand die Haustür zum Klingeln brachte.

So ein Mist. Dafür bin ich auf Automatik in meine Klamotten gesprungen …

Der kleine Spaziergang wurde aber ausgenutzt, um den weiblichen Gang zu trainieren. Ich glaube, es sah ganz schön tuckig aus. Ich muss daran arbeiten, liebes Tagebuch.

Lernen muss ich auch, dass ich nicht so schnell sprechen darf. Ich erinnere hier an eine durchgeknallte Kalaschnikow. Das muss anders werden. Auf gar keinen Fall werde ich mit Kopfstimme reden. Ich hab’s ausprobiert, klingt auch gut (meine Hund verwirrt es allerdings, wenn ich so rede), aber die langfristigen Konsequenzen sind eine chronische Heiserkeit, wie mir mein Kumpel der Doktor (er ist nämlich auch HNO-Arzt) bestätigte. Das muss ich nicht haben.

Ich werde mich also mal nach einer Logopädin umschauen. Wird auf jeden Fall den Vorteil haben, dass ich das Nuscheln hoffentlich verlerne. Nuscheln ist doof.

Eine irre Zeit ist das gerade, liebes Tagebuch. Meine Phantasie hat eine Dauerkarte für die Geisterachterbahn. Mal freue ich mich darauf, dass meine andere Seite Oberhand gewinnt und mal wäre ich froh, wenn alles mit einer Testosteron-Spritze abgeklärt würde. Ich lasse sie mir spritzen und danach würden wir dann alle herzlich lachen und ich würde meine Freundin eine Woche lang in einem guten Hotel in Italien vögeln. Ganzer Kerl dank Testosteron.

Die Alternative ist ein Testosteron-Blocker, ein schlaffer Schwanz, eine zu Grabe getragene Libido und ein Haufen Scherereien beruflicher und privater Natur und eine durch Östrogene ausgelöste, wunderschöne Gynäkomastie.

Frage: Muss ich mir das wirklich geben?

Nicht, dass ich die Hormoneinnahme als zwingend erforderlich ansehe. Aber um den Mr. Hyde in mir im Zaum zu halten, muss Frau Dr. Jekyll wohl zur Chemie greifen.

Frau Hyde. Ha,ha.

Na, warten wir mal ab. Ich habe demnächst diverse Gesprächstermine in Selbsthilfekursen und dem Psychologen wollen wir ja auch noch Gehör schenken.

Das KLICK! kommt aber auch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Ich müsste mich viel mehr um den Job kümmern. Wir sind in der Endphase des Projektes, das mich ekelhaft reich machen wird. Also werde ich meine Freundin bitten, spitze Damenschuhe anzuziehen, und mir in den Hintern zu treten.

Wenn alles so klappt, wie ich es geplant habe, dann muss ich mir zumindest bald über Geld keine Sorgen mehr machen.

Toi, toi, toi, liebes Tagebuch.

Es hat sich übrigens herausgestellt, dass andere Menschen in Dir lesen. Ich war entsetzt! Mir völlig rätselhaft, wie das passieren konnte. Heute verstecke ich Dich mal. ich bin sicher, dass man Dich nicht finden wird.

Ich glaube, das war’s für heute, liebes Tagebuch.

Unterschreiben werde ich Dich heute mit
Oona statt Babsi, der Name gefällt mir immer besser.

Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Sonnenblume on 29. December 2011, 11:12:58 am
Hallo liebe Oona,

sehe es mir nach, dass (nach langem Suchen... :D) ich dein Tagebuch gefunden habe, und ich muss sagen, was ich da lesen durfte ist sehr, sehr gut geschrieben und ich kann mich sehr gut in deine Gefühlslage hineinversetzten.
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Ich kann nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen, aber nur so viel: Du kannst dich glücklich schätzen, dass deine Freundin trotzdem noch weiter zu dir steht, zumindest dich nicht verlassen hat.

Auch dass du durchaus noch Zweifel hast, was deine Transsexualität (falls du es bist) betrifft ist klar. Denn solltest du es sein, und du "den Weg" (der kein leichter ist) gehen wollen/müssen, dann muss das sehr gut überlegt sein. Du darfst dann zwar viele schöne Erfahrungen sammeln, aber es werden auch tw. "tiefe Täler" durchschritten werden müssen.

Vielleicht kann dir da dein befreundeter Arzt weiterhelfen, in dem er der einen Psychotherapeuten (nicht erschrecken!!!) nennt, der schon (am besten mehrjährige) Erfahrung mit dieser Thematik hat. Nur mal so, ganz unverbindlich, 1 oder 2 Termine ausmachen und dem das Schildern wie du es dem Tagebuch hier gemacht hast. Kann sein, dass das dein Gefühlschaos dann ein wenig in Ordnung bringt. Und wenn dir dein befreundeter Hausarzt eine Überweisung ausstellt, kostet es dich noch nicht mal was.

So, das ist das wichtigste was ich dir mitteilen wollte, denn deine Beiträge haben mich doch sehr berührt - vor allem weil sie mir sehr bekannt vorkommen...

Jetzt lege ich das Tagebuch wieder in das Versteck, und hoffe, dass du mir nicht beleidigt bist, dass ich nicht nur darin gelesen, sondern auch meine Zeilen hinterlassen habe.

Mit lieben Grüßen

Yvonne
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 29. December 2011, 11:44:25 am
Hallo, Yvonne,

danke für Deine netten Worte! Die Nummer mit dem Psychotherapeuten ist auf jeden Fall schon eingeläutet, genauso wie eben die Kontaktaufnahme zu einer Hamburger Selbsthilfegruppe im Magnus-Hirschfeld-Centrum.


Lieben Gruß
Oona aka Babsi

PS
Mein Sohn ist aufgestanden. Um 10 Uhr. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Notiz ans Tagebuch
Ich stelle fest: Nirgendwo bin ich mehr Frau, als im Badezimmer. Meine Freundin hasst mich, weil ich ihr sündhaft teures Parfüm benutze, aber nach BOSS mag ich nun wirklich nicht mehr riechen …
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Monika Donner on 29. December 2011, 12:04:59 pm
Und wer ist bei euch jetzt der BOSS bzw. die BOSSIN im Haus?

:)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 29. December 2011, 12:12:08 pm
Der Hund.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Monika Donner on 29. December 2011, 12:50:38 pm
Bei uns auch :-)
Title: Re: Liebes Tagebuch (29.11) …
Post by: mihi on 29. December 2011, 21:16:30 pm

gestern Abend war ich mit meiner Freundin bei Laderma, um mich über die Bartentfernung beraten zu lassen. Der Spaß soll knapp über 1.000 Euro kosten, wenn ich die Flatrate nutze und vermutlich 20 Sitzungen brauchen mit etwa 8 Wochen Pause zwischen denselben.


Das ist realistisch.


Und weh tut’s auch. Und doof sieht’s auch nach jeder Sitzung aus. Bis zu einer Woche danach kann man aussehen, wie eine Rotampel auf Koks.


So schlimm ist es nicht. Ich war bei dieser Firma. Es hat sich einen halben Tag wie Sonnenbrand angefühlt. Gesehen hat man nichts.

Mihi
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Daphne on 29. December 2011, 22:41:09 pm
Da würde ich dann nochmal zur Sicherheit noch die Meinung eines Dermatologen einholen. Viele bieten ebenfalls Haarentfernung an, da allerdings mit Laser, was die Anzahl der Sitzungen doch erheblich reduziert und billiger war's bei mir letzendlich auch, als im Kosmetikstudio.
Title: Liebes Tagebuch … (30.12.)
Post by: Oona on 30. December 2011, 08:56:06 am
Liebes Tagebuch,

gestern ist nicht viel passiert. Oder doch. Eins. Ich hatte einen Rückfall in mein altes Leben vor dem KLICK! Und das kam so (jetzt darf ich nicht zu viel verraten, denn die suchen dich wie verrückt hier im Forum und lesen Dich dann gegen alle Anstandsregeln).

Also, Du weißt ja, dass wir einen neuen Designer engagiert haben, der unser Portal beautifyen sollte. Was macht der Bursche? Der geht nicht wie besprochen mal hier an einen Button oder mal dort an eine Tabelle ran. Nein, nein. Der präsentiert uns eine völlig neue Startseite. Mit "völlig neu" meine ich "völlig neu".

Hat der sie noch alle? In gut 14 Tagen wollen wir online sein und der schmeisst das ganze Gestaltungskonzept übern Haufen?

Ich wurde laut. Ich wurde bissig. Ich wurde böse. Weiter entfernt von Oona konnte ich kaum sein. Aber vielleicht war’s doch Oona und die Braut ist eine knallharter Geschäftsbraut. Ein Mäuschen ist sie sicher nicht.

Ich bin gespannt, wie’s weitergeht mit der Site.  Wieso hören die Leute nicht zu und tun einfach, was man ihnen sagt? Keinen müden Cent sieht der dafür. So viel ist sicher.

Ach ja, liebes Tagebuch, dann habe ich gestern noch meinen Stil gefunden. Na ja, so ein bisschen jedenfalls. Und der hat vor allem was mit Hosenanzügen zu tun. Einen solchen habe ich meiner Freundin gestern geklaut. Leider ist die Natur gemein zu mir und schenkte mir keinen dicken Hintern, den ich in der Hose gut hätte gebrauchen können. Ich überlege, ob ich mir diese Polsterhosen mit Silikonkissen zulegen soll. Einen Versuch wäre es wert.

Dazu hatte ich ein hübsches schmales blauweiß gestreiftes T-Shirt mit wunderbarem Dekolleté an. Ein bisschen Schmuck gab’s auch. Sah gut aus (der Bauch muss weg. Und zwar fix.) Jawohl! Vielleicht auch, weil der Sprung zur männlichen Kleidung nicht so eklatant ist.

Nennen wir es die "feige Eichhörnchen-Taktik".

Ich habe festgestellt, dass mir mein Kurzhaarschnitt auch als Oona steht.

Das hat alles Potential, liebes Tagebuch! Ich muss noch mit meiner Freundin reden, weil ich das gerne zu Silvester tragen möchte. Ich habe mich darin wohl gefühlt. Sie wird begeistert sein …  ::)

Nach wie vor lehne ich die bunten Klamotten ab. Farbenblind ist eben farbenblind und Schwarz ist das neue Bunt.

Mal sehen, was der heutige Tag bringt. Geplant ist nichts. Rein theoretisch habe ich ja noch Urlaub.

Tschüs, liebes Tagebuch, ich melde mich.

Oona.


Nachtrag
Ich habe festgestellt, dass das Badezimmer der Ort ist, an dem ich mich am weiblichsten fühle. Die Zeit für die Körperpflege geniesse ich sehr. Zupfe hier, zupfe da. Ich creme mich ein, ich rieche gut.

Habe ich das schon an anderer Stelle geschrieben? Egal, man kann es nicht häufig genug betonen.

Bis dato jedenfalls identifiziere ich Oona nicht über die Kleidung, sondern über das Wesen und das ist eben am letzten Ort der Welt, der einem Privatsphäre gönnt, am ehesten möglich.  
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 30. December 2011, 10:00:55 am
Hallo Oona,
Etwas atemlos von der verzweifelten Suche nach deinem Tagebuch,letztlich doch gefunden ,möchte ich dir mein Kompliment dalassen ,nach zugegebenermaßen anfänglicher Skepsis (du weisst ja ...langjährige Lebenserfahrung und so) steigt das Maß meiner Begeisterung mit der Menge deiner Seiten.
Und was dein Wesen,am letzten privaten Ort der Welt ,betrifft,.....verlass dich drauf den finden wir auch noch... ;D

Rutsch gut rüber ins  Neue ,wünscht Danièlle
Title: Re: Liebes Tagebuch (30.12.)
Post by: Oona on 30. December 2011, 10:14:22 am
Dankeschön, Danièlle. *Knicks*1

Mein Tagebuch hilft mir. Völlig unabhängig davon, ob ich eine Rückmeldung bekomme oder auch nicht. Es tut gut, sich auch jenseits des Badezimmerspiegels zu reflektieren.

Es sind so viele Informationen, so viele Veränderungen und es ist so viel Kraft, die man braucht. Und auch andere Stellen wollen etwas von der Kraft haben. Mein Sohn, meine geliebte Freundin, mein Beruf und dann auch der doofe Hund. Die Zahl ist Legion.

Und irgendwo da drin muss und möchte ich mich als Oona entwickeln. Ich habe schlicht keine Lust mehr, meinem mir selbst auferlegten Rollenverhalten Rechnung zu tragen, bin aber schlau genug, dies langsam und mit Bedacht anzugehen. Es treibt mich nichts, ausser ich mich selbst.

Ich finde es schön, immer neue Seiten an mir zu entdecken und meinen Körper in Einklang mit mir zu bringen. Ich bekämpfe nun, was ich als Mann selten bis nie getan habe: Fettpolster, unreine Haut, Ringe unter den Augen, Bartwuchs und Haarwuchs im Allgemeinen. Ich achte auf die Art, wie ich rede, die Art wie ich mich bewege.

Ich entwickle ein Modebewußtsein, wo vorher schwarzes Hemd und Jeans genügten.

Es ist toll. Ich liebe es. Und ich habe Angst davor. Aber die Angst gehört dazu. Jedes mal, wenn ich sie ein bisschen überwinde, dann fühle ich mich stärker und kann dieses Stärkerwerden all jenen zuteil werden lassen, die meine Kraft brauchen. Nicht zuletzt auch Oona.

Lieben Gruß aus Hamburg und natürlich auch Dir einen guten Rutsch!
Oona

PS
Ich trage gerade eine kühlende Gelmaske. Ich sehe völlig bekloppt aus. :)




1 Muss ich noch üben …
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 30. December 2011, 10:32:22 am
Hi ,du mit Gelmaske ich mit Lockenwickler,wäre sicher ein tolles Bild. ;D
Für mich war die Reise meiner Transition auch das spannendste und schönste in meinem Leben wenn auch nicht immer ganz leicht,große Veränderungen sind das ja nie,sodoch sehr befreiend was meinen innersten Wesenskern ausmacht.
Freue mich auf ein näheres Kennenlernen durch unser "Geschreibsel"...bis demnächst.....muß jetzt mit dem föhnen weitermachen.... ;D
Title: Liebes Tagebuch (31.12.)
Post by: Oona on 31. December 2011, 06:48:13 am
Liebes Tagebuch,

es ist fünf Uhr. Der Hund fiept. Und warum tut er das? Weil mein Sohn durch die Wohnung schleicht. Um fünf Uhr. Sind die alle verrückt geworden? Ich dachte, ich hätte da ein Exklusivrecht drauf und auf ein mal sind’s alle …

Kurzes Intermezzo.

Es ist 5 Uhr und 30. Mein verrückter Sohn ist mit meinem verrückten Hund draussen. So muss ich das wenigstens nicht machen.

Viel zu erzählen gibt es heute nicht. Na gut, es ist der letzte Tag des Jahres. Silvester. Das bedingt natürlich, dass man sich Gedanken über die Kleidung für die Party machen muss.

Die beste Freundin möchte mir ihre schwarze Hose und dazu passendes Top nicht leihen, bittet mich, auf Silikonbrüste zu verzichten. Sie will heute mit "ihrem Mann" feiern und keine Diskussionen über Transsexualität führen.

Und überhaupt: Ich versuche ihr klar zu machen, dass ich immer noch "ihr Mann" bin. Nur, weil ich darüber rede was mich umtreibt, hat sich im Grunde ja nichts an meiner Person geändert. Aber natürlich gestehe ich ihr ihren Wunsch nach männlicher Begleitung zu. Sie hat mir schon so viel Verständnis  entgegengebracht, jetzt muss ich hier nicht die Holzfäller-Methode durchziehen.

Aber beim Schminken will sie mir helfen … Ah ja. Alle verrückt. Nur ich scheinbar nicht.  

Meine aktuelle Entscheidung – während ich jetzt vor meinem Rechner in meinem Missoni-Bademantel rumsitze, einen Kaffee trinke und die erste Zigarette rauche – fällt auf meinen feinen, schwarzen Anzug, dazu ein blütenweißes Hemd und schwarze Lackschuhe vom Feinsten. Darunter trage ich ein wunderschönes Korselett mit Strumpfhaltern. Und ich denke, ich werde meine Nägel in fröhlichem Rot lackieren.

Verdammt. Das Korselett geht ja nicht. Das Bauchnabelpiercing ist noch nicht gänzlich verheilt und Druck auszuüben, wäre wohl kontraproduktiv. Also was anderes. Wird sich schon was finden.

Wir gehen in das kleine SM-Café auf’m Kiez, wo ich sie vor Jahren kennen lernen durfte. Da gibt’s bei weitem exotischere Vögel als mich. Eine unserer besten Freundinnen ist auch dabei. Sie wird von ihrem Freund begleitet, der ein Transvestit ist. Beide wirklich klasse Personen.

Es wird sicher lustig, liebes Tagebuch.

Auf den Kauf von Böller verzichte ich dieses Jahr erstmalig. Ein klares Indiz, dass ich meine Frauenrolle ernst nehme. Ich hoffe, ich erleide nicht kurz vor Mitternacht einen Rückfall und fange an, andere Menschen nach Böllern anzubetteln.

Vielleicht kaufe ich ein paar Wunderkerzen.

Mal schauen, liebes Tagebuch, nachher kommt bestimmt noch ein Nachtrag.
Ich spür’s.

Lieben Gruß
Oona
Title: Liebes Tagebuch (1.1.2012)
Post by: Oona on 01. January 2012, 11:11:45 am
Liebes Tagebuch,

zuerst ein mal: gutes, neues Jahr! Zehn Stunden ist es alt, fünf davon habe ich verpennt.

Kommen wir zur Sache. Kommen wir zu Deinem Daseinszweck. Ich kotze mir die Seele aus und Du nimmst es stillschweigend hin, wie es sich für ein gutes Tagebuch gehört.

Gestern, kurz bevor wir losgingen, hat es beinahe zwischen mir und meiner Freundin geknallt. Und zwar richtig. Auslöser war der rote Nagellack.

Ich wollte ihn, sie aber nicht. Sie wollte mit "ihrem Mann" feiern. Und der trägt nun mal keinen roten Nagellack oder feminine Kleidung, ja auch trägt er keine Silikonbrüste egal welchen Buchstaben des Alphabets diese darstellen (in meinem Fall: "D").

Auf der Party selbst wäre es gar nicht aufgefallen. In der Unschlagbar waren so viele bunte Vögel (die übrigens alle Schwarz tragen), dass ich gar nicht rausgestochen hätte. Aber sie wollte wohl jede Diskussion über "Transsexualität im Jahreswechsel" vermeiden.

Ich verstehen sie ja. Und ich habe mich selbstverständlich nicht durchgesetzt. Mir ist es wichtiger, dass sie glücklich ist, als Oona (die muss warten). Aber dieser kleine Disput lässt erkennen, dass es nun in 2012, in dem ich viel geplant habe, auch zu vielen Schwierigkeiten kommen wird.  Das Outing unter vier Augen ist für sie okay. Aber wehe, ich lass das Weibchen im größeren Kreis raus …

Oh, Gott, ich will das alles nicht. Ich brauche diese verdammte Transsexualität so sehr wie ein Eichhörnchen Blei an den Pfoten. Aber sie ist nun mal da. Völlig gleichgültig, wie sehr man es totschweigt.

Liebes Tagebuch, mir ist zum Heulen zumute.

Nun, meine Freundin weiß ja erst seit ein paar Tagen davon (Verdammt ICH weiß ja erst seit ein paar Tagen davon!) Wäre es "nur" ein bisschen Travestie, würde sie den Spaß ja mitmachen. Transsexualität ist hingegen etwas ganz anders. Das berührt die Grundfeste jeder Beziehung, die auf das Frau-Mann-Konzept aufbaut.  

Nun, das Ende vom Lied und der Anfang des neuen Jahres ist also, dass ich den Kerl in mir weiterhin kultivieren muss und die Frau in mir sehen muss, wo sie bleibt. Vorerst.

Ich verlange vielleicht zu viel? Es ist so was wie ein "bisschen Krieg". Kann man Transsexualität leben, ohne dass es Verletzte und Tote gibt? Wohl eher nicht. Ich will aber nicht, dass unsere Beziehung auf der Strecke bleibt.

Ich will’s nicht, ich will’s nicht, ich will’s nicht.

Diese Frau, meine Partnerin, ist mein Ein und Alles. Welchen Wert hätte es, wenn ich zwar Oona leben dürfte, aber die Frau an meiner Seite verlieren würde?

Du siehst, liebes Tagebuch, auch 2012 wird nicht einfach. Aber wenn’s einfach wäre, könnte es ja jeder. In diesem Sinne, werde ich mich zusammenreissen und es langsam angehen lassen.

Es wird sich eine Lösung finden.

Oder?

Bis später, liebes Tagebuch.
Deine Oona.

PS
Ich stelle gerade fest, dass man auch ganz ohne Hormontherapie nahe am Wasser gebaut haben kann.

PPS
Ich habe einen Kater. Ich sehe grauenhaft aus.

PPPS
Ich gehe jetzt mit dem Hund raus.

Nachtrag
Gerade beim Gassigehen zehn Euro gefunden. Das Geld liegt auf der Straße.
Title: Re: Liebes Tagebuch (1.1.2012)
Post by: Linny_87 on 01. January 2012, 23:19:21 pm

PS
Ich stelle gerade fest, dass man auch ganz ohne Hormontherapie nahe am Wasser gebaut haben kann.


:'( entspricht der Wahrheit, Hinter jedem lachen versteht sich eine weinende Seele.



Wünsche dir viel erfolg im neuen Jahr!Auf das sich alles zum Guten wendet!
Title: Liebes Tagebuch (2.1.2012)
Post by: Oona on 02. January 2012, 07:09:04 am
Liebes Tagebuch,

Tag Zwei des neuen Jahres. Ich weiß gar nicht, warum ich mir so einen Kopf mache; bekanntermassen ist ja sowieso am 21. Dezember alles vorbei. Weltuntergang, Armaggeddon, Tag des jüngsten Gerichts und so. Countdown läuft. Die Mayas sind blöd.

Ab heute muss meine Freundin wieder arbeiten und ich werde alleine im Büro sein. Das heisst, ich kann hier rumlaufen, wie es mir gefällt. So eine Art "Alltagstest light". Wenn’s klingelt, macht eben Oona auf und wird so Sorge dafür tragen, dass der Postbote Abends schlecht träumen wird.

Mein Passing ist unter aller Sau, befürchte ich.

Vielleicht muss ich aber auch einfach mal damit aufhören, überhaupt darüber nachzudenken. Habe ich ja jahrelang geschafft und fühlte mich auch nicht besonders schlecht – glaube ich zumindest.

Je mehr ich mich damit beschäftige, dass ich TS bin, umso mehr erwarte ich von der Zukunft und umso enttäuschender ist die Gegenwart. Ich darf es nicht übers Knie brechen, es steht einfach zu viel auf dem Spiel.

Ich habe so lange in Unsicherheit über meine wahres Ich gelebt, da werde ich das auch noch eine ganze Weile länger aushalten. Ich bin stark.

In zwei Tagen wird mir Blut abgenommen und dieses unter dem Aspekt der Diagnose F 64.0 analysiert. Frau darf gespannt sein, liebes Tagebuch. Ich werde auch weiterhin versuchen, diese Selbsthilfegruppe zu  kontaktieren. Mache ich gleich nachher. Bisher ging da nur der Anrufbeantworter dran.

Aus irgendeinem Grund brauche ich die Bestätigung Dritter für mich. Es wäre doch irgendwie schön, wenn ich mich einfach nur vertan hätte, meine Selbstdiagnose falsch ist und meine vermeintliche Transsexualität sich nur als Spielart eines Erkältungsviruses mit eigenwilligem Humor herausstellt.

Ha, ha.
Title: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Oona on 02. January 2012, 08:12:49 am
Moin, Tagebuch, ich noch mal.

Ich stelle mir gerade die Frage, was denn wohl mit der eigenen Einschätzung der Transsexualität wäre, wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, der es völlig egal wäre, was Du anziehst, wie Du Dich verhältst und was Du glaubst, zu sein.

Ich kann für mich sagen, dass mir meine Transsexualität als solches überhaupt keine Probleme bereitet. Diese entstehen erst durch die Meinung anderer. Ob’s der Lebenspartner ist, das eigene Kind, der Arbeitgeber oder der Unbekannte auf der Straße: Durch deren Verhalten wird meines fremdbestimmt. Erst dadurch entsteht das schlechte Gefühl.

Was spräche denn dagegen, heute unrasiert zu sein und morgen einen Rock anzuziehen? Wieso darf ich keinen Lippenstift benutzen, wenn ich meine Brusthaare nicht rasiere? Ich will gar kein 100% Passing erreichen. Für mich wäre das ein in die Knie gehen vor der Gesellschaft, die meinen Lebensstil nicht anerkennen will.

Wenn Du transsexuell bist, dann benimm Dich gefälligst wie eine Frau!

Aber was bitte, ist denn eine "Frau"? Beginnt man sich anzupassen, sitzt man plötzlich nur noch mit geschlossenen Knien auf einem Stuhl? Ich ertappe mich dabei, dass ich Gesten und Verhalten adaptiere, die von der Allgemeinheit als weiblich klassifiziert werden. Ich fühle mich durchaus wohl, wenn ich mich weiblich gebe. Aber was zum Henker ist denn nun "weiblich"?

Beobachtet man die Bio-Frauen auf der Straße, sind die meisten nur graue Mäuse, die nicht halb so gut auf hochhackigen Schuhen durch die Welt gehen, wie die meisten Teilnehmer dieses Forums hier. Ihr Make-up ist entweder überzogen oder nicht typgerecht oder erst gar nicht vorhanden. Sie tragen Jeans und Baumfällerhemden; sind schlecht frisiert und bohren in der Nase.

Welches sind also die Kriterien, die einen "Alltagstest" ausmachen? Am Ende sind's doch nur Klischees.

Darf ich mich erst als Frau fühlen, wenn ich in den Augen anderer als Frau durchgehe?  

Ich habe es hier wie anderswo so häufig gelesen, dass man stolz darauf war, dass man an der Kasse des Supermarktes als Frau durchging, dass man nicht als "Herr", sondern als "Frau" angesprochen wurde. Wenn man eine Gruppe Jungtürken kreuzt und diese einen nicht sofort als Transe anpöbeln, ist das dann das erstrebenswerte Ziel?

Warum darf ich nicht einfach nur ich sein?

Unser Wunsch, möglichst nicht aufzufallen, steht einem gemeinsamen Aufbegehren gegen diese gesellschaftlichen Zwänge entgegen. Unsere Depressionen kommen nicht von innen, sondern werden uns aufgezwungen.

Lustigerweise verschreibt man uns Pillen gegen Depressionen, statt allen anderen Pillen zu geben, die sie davon frei machen würden, über uns zu richten.

Ach, liebes Tagebuch, wir haben es nicht einfach … ;-)
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Rejana on 02. January 2012, 11:07:36 am

Ich stelle mir gerade die Frage, was denn wohl mit der eigenen Einschätzung der Transsexualität wäre, wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, der es völlig egal wäre, was Du anziehst, wie Du Dich verhältst und was Du glaubst, zu sein.


".....und was wäre denn, wenn wir alle nackt rumlaufen könnten, wann wir wollten, Kleidung ist doch eh nur Gesellschaftlicher Zwang und außerdem ist mein Nacktlaufen ein Protest gegen die Machenschaften der Bekleidungsindustrie. Ach wenn doch nur alle Menschen Ihre Seelische Mitte in der Nacktheit erkennen könnten so wie ich..." (sagt der Exhibitionist der dringend eine Begründung für seine eigenes Tun sucht und sich deshalb in komische Gesellschaftsmodelle versteigt...)
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Oona on 02. January 2012, 11:20:57 am
Freue mich für Dich, Jana, wenn Du Dich mit den Gegebenheiten arrangiert hast und den gesellschaftlichen Zwang nicht als enervierend, sondern als Gottgegeben hinnimmst. Gratulation!

Im übrigen ist Exhibitionismus eine Krankheit; Transsexualismus hingegen nicht.  Ich kann keinen Makel daran entdecken, als normaler Mensch sich eine Gesellschaft zu wünschen, die ihre Bürger unabhängig von Geschlecht, Rasse etc. gleich behandelt.

Ach. Stimmt ja. Steht ja im Grundgesetz. Aber ist ja nur Papier.

Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Michi on 02. January 2012, 11:52:06 am
Hallo Oona,

ohne das jetzt auch nur annähernd so literarisch zu verpacken, sind mir zwei Aspekte aufgefallen:

Erstens: Du monierst eine Gesellschaft, die wechselhaftes Geschlecht bei der selben Person oder androgyne "Zwischenwesen" nicht als normal ansieht. Das ist Dein gutes Recht, aber alltagspraktisch hilft das nicht weiter. Die Bevölkerung dieser Welt ist eingeteilt in Männer und Frauen, wie bei den Tieren. Wenn Du erkennen lässt, dass Du ernsthaft beanspruchst eine Frau zu sein, dann wird die Mehrheit dies akzeptieren und Dich auch in der Rolle sehen. Aber wie sollen unbedarfte Personen Dich anreden, nach welchem Geschlecht Dich behandeln, wenn Du als Frau mit Bart oder Mann mit Frauenklamotten daherkommst? Es verunsichert die meisten Leute, denn die üblichen Konventionen greifen nicht: Frauen an Türen vorlassen, die Anrede, Toiletten, alle unsere "Kleinigkeiten" gesellschaftlicher Konventionen.
Das soll nicht heißen, dass es unmöglich ist, den androgynen Mittelweg zu gehen. Einige haben Spaß daran. Nur musst Du Dir klar drüber sein, dass Du dann als Paradiesvogel im Mittelpunkt stehst. Unauffällig in der Menge mitschwimmen ist dann nicht.

Zweitens: Du suchst Bestätigung von Außen, ob Du TS seist. Das kenne ich gut, geht vermutlich fast allen Transgendern so. Leider kann dies niemand liefern, da es keinerlei Diagnosemöglichkeit gibt. Auch die Psychodocs klären "nur" ab, ob Du eventuell wegen einer anderen Erkrankung vorübergehend diese Gefühle hast. Wenn sie nichts finden, steht es Dir frei, für Dich selber aus Deinem Innersten heraus zu entscheiden, wie weit Du gehen musst.

Liebe Grüße,
Michi
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 12:00:46 pm
Hallo, Michi,

danke für Deinen Beitrag. Hast ja Recht (und Jana auch). Sind alles nur ein paar Gedankenfetzen, die ich niederschreibe ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Mir ist durchaus bewusst, dass die Aufteilung unserer Gesellschaft in der von Dir geschilderten Form existiert und es mir kaum möglich sein wird, dies zu ändern.

Aber wünschen darf ich es mir.

"Mit dem Strom" bin ich nur selten geschwommen und es reizt mich nicht, irgendwo in einer Masse unauffällig unterzugehen. Ein "Paradiesvogel" will ich auch nicht sein. Also muss es noch etwas dazwischen geben, das aber dann nur für mich gilt. Jede muss ihren eigenen  Weg finden. Ich suche noch.

Dein "Zweitens" finde ich gut und wichtig. Ich bin ja gerade dabei, über negative Selektion die "wahre" Diagnose für mich selbst zu bekommen. Ich stehe in dieser und in vielerlei anderer Hinsicht noch absolut am Anfang.
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Rejana on 02. January 2012, 13:08:34 pm

Im übrigen ist Exhibitionismus eine Krankheit; Transsexualismus hingegen nicht. 


....na das begründe mal.....tät' mich interessieren.

im Übrigen zitiere ich immer gerne .....

[i]"Wenn es aber uns Transsexuellen erlaubt sein soll, das – entgegen herkömmlichen Ansichten – so zu sehen, dann gehören konsequenterweise auch all die anderen herkömmlichen Ansichten über menschliche Sexualität und Geschlechtlichkeit auf den Prüfstand. Teilweise ist unsere Gesellschaft da schon sehr viel progressiver als wir selber und hat auch ehemals geächtete Aspekte der menschlichen Sexualität integriert. So erscheint unsere (Autor meint hier die Transsexuellen) verschämte Art, hinter vorgehaltener Hand über sadomasochistische Impulse bei Transsexuellen zu flüstern, mittlerweile arg unzeitgemäß – in einer Zeit, in der schon ganz normale Großversandhäuser zwischen Bettwäsche und Hygieneartikeln auch Utensilien zu sexuellen Fesselungen im Katalog führen. Andererseits sind z. B. gewisse Parallelen zwischen Exhibitionismus und Transsexualität – wie ich später noch ausführen werde – zu deutlich, um uns da einfach nur mit einem kalten »Das geht uns nichts an« abzugrenzen"[/i]

Walter H Greiner.....hier der ganze Text: wobei ich aber anmerken muss, dass der Text von Greiner eine etwas andere Intention hat als meine Argumentation

hier der gesamt Text http://www.genderwunderland.de/standpunkte/es/greiner1999.html
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Oona on 02. January 2012, 13:26:52 pm


Im übrigen ist Exhibitionismus eine Krankheit; Transsexualismus hingegen nicht. 


....na das begründe mal.....tät' mich interessieren.


ich bin kein Sexualforscher. Aber nach meinem Kenntnisstand ist der Exhibitionismus als "Neigung" das Resultat einer falschen Sozialisierung (knapp gesprochen) und rein sexuell orientiert, wohingegen uns die Transsexualität (also das gegengeschlechtliche Wesen) einfach mit auf die Reise gegeben wurde. Vielleicht ist auch beides krank oder beides gesund. Ich weiß es nicht. Andere wissen es auch nicht. Man kann also nur mutmaßen.

Vielen Dank übrigens für den Link. Ein wirklich interessanter Artikel, den ich noch nicht kannte.
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Rejana on 02. January 2012, 13:34:31 pm

. Ich weiß es nicht.


ah..."wissen tust Es nicht", aber behaupten tust Du es (in Deinem vorigen Beitrag) , und übrigens auch bewerten.   ...........ist das nicht genau das, was Du anderen Menschen (blumig gern umschrieben mit "Die Gesellschaft")  vorhältst.  Ach stimmt ja, da gings ja nicht um Exhibitionisten, da gings ja um dich....wenn es Dich betrifft, ist gleich das Grundgesetz in Gefahr  ;)
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Oona on 02. January 2012, 13:41:09 pm


. Ich weiß es nicht.


ah..."wissen tust Es nicht", aber behaupten tust Du es (in Deinem vorigen Beitrag) , und übrigens auch bewerten.   ...........ist das nicht genau das, was Du anderen Menschen (blumig gern umschrieben mit "Die Gesellschaft")  vorhältst.  Ach stimmt ja, da gings ja nicht um Exhibitionisten, da gings ja um dich....wenn es Dich betrifft, ist gleich das Grundgesetz in Gefahr  ;)


Dreh mir doch bitte nicht die Worte im Mund herum.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Andrea_K on 02. January 2012, 13:53:10 pm
ah..."wissen tust Es nicht", aber behaupten tust Du es (in Deinem vorigen Beitrag) , und übrigens auch bewerten.   ...........ist das nicht genau das, was Du anderen Menschen (blumig gern umschrieben mit "Die Gesellschaft")  vorhältst.  Ach stimmt ja, da gings ja nicht um Exhibitionisten, da gings ja um dich....wenn es Dich betrifft, ist gleich das Grundgesetz in Gefahr  ;)

Man kann Leute zum Nachdenken anregen oder provozieren. Beides geht selten, da die Provokation gerne das Thema überdeckt. Es benötigt keine Tiefschläge um ggf. auf Denkfehler aufmerksam zu machen, die jeder macht und von denen sich keiner frei sprechen kann, oder?
Title: Re: Liebes Tagebuch (2.1.2012 / Teil zwei)
Post by: Daphne on 02. January 2012, 14:03:56 pm
Ich kann für mich sagen, dass mir meine Transsexualität als solches überhaupt keine Probleme bereitet. Diese entstehen erst durch die Meinung anderer. Ob’s der Lebenspartner ist, das eigene Kind, der Arbeitgeber oder der Unbekannte auf der Straße: Durch deren Verhalten wird meines fremdbestimmt. Erst dadurch entsteht das schlechte Gefühl.


Ist mir inzwischen völlig schnurz. Nicht ich hab ein Problem mit den Leuten, sondern die mit mir.

Aber was bitte, ist denn eine "Frau"? Beginnt man sich anzupassen, sitzt man plötzlich nur noch mit geschlossenen Knien auf einem Stuhl? Ich ertappe mich dabei, dass ich Gesten und Verhalten adaptiere, die von der Allgemeinheit als weiblich klassifiziert werden. Ich fühle mich durchaus wohl, wenn ich mich weiblich gebe. Aber was zum Henker ist denn nun "weiblich"?


Naja, man könnte deine primären Geschlechtsmerkmale sehen. Nicht, daß da was zu sehen wäre, dafür ist es unterm Rock, auch wenn er noch zu kurz ist, schlichtweg zu dunkel. Aber den Bio-Mädels wird es halt von klein auf eingetrichtert, ihre pyxis (das ist griechisch) zu bedecken.

Beobachtet man die Bio-Frauen auf der Straße, sind die meisten nur graue Mäuse, die nicht halb so gut auf hochhackigen Schuhen durch die Welt gehen, wie die meisten Teilnehmer dieses Forums hier. Ihr Make-up ist entweder überzogen oder nicht typgerecht oder erst gar nicht vorhanden. Sie tragen Jeans und Baumfällerhemden; sind schlecht frisiert und bohren in der Nase.


Wie wahr, wie wahr...
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Rejana on 02. January 2012, 14:15:08 pm

ah..."wissen tust Es nicht", aber behaupten tust Du es (in Deinem vorigen Beitrag) , und übrigens auch bewerten.   ...........ist das nicht genau das, was Du anderen Menschen (blumig gern umschrieben mit "Die Gesellschaft")  vorhältst.  Ach stimmt ja, da gings ja nicht um Exhibitionisten, da gings ja um dich....wenn es Dich betrifft, ist gleich das Grundgesetz in Gefahr  ;)

Man kann Leute zum Nachdenken anregen oder provozieren. Beides geht selten, da die Provokation gerne das Thema überdeckt. Es benötigt keine Tiefschläge um ggf. auf Denkfehler aufmerksam zu machen, die jeder macht und von denen sich keiner frei sprechen kann, oder?


ich will Dir nicht unrecht geben.....ich habe dieses Threadthema mit der Tatsache verbunden, dass mir dieses andauernde GottWieIstDieGesellschaftSchlimmGeschwurbel auf'n Keks geht und ich es nie erkennen kann, dass TS und TV in einem durchschnittlich höheren Maße als andere tolerant sind, sie fordern es nur hartnäckiger als andere für sich ein.



Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 02. January 2012, 14:25:13 pm
Hierzu könnte man anmerken daß Transsexualismus ,Exibitionismus,Voyeurismus,sowie alle ismen generell eher als menschliche Verhaltensweisen zu verstehen sind ,und nur in zwanghafter obsessiver Weise betrieben als Störungen oder krankhaft zu bewerten sind.Aber dazu könnte man wohl alles zählen,Genußsucht,Konsumverhalten,Bigotterie Introvertiertheit usw.
Daß verschiedene dieser Verhaltensweisen gesellschaftlich anerkannt,ja sogar gefördert werden (Konsumverhalten),andere noch tabuisiert sind steht auf einem anderen Blatt und ist halt vom Wertekatalog und Moralindex der jeweiligen Zeit abhängig.
Homosexualität galt vor nicht langer Zeit auch noch als Krankheit,und ist heute gesellschaftlich toleriert.So hat eben jede Zeitepoche auch mit den Veränderungen die in ihr stattfinden zu tun.
Ein öst.Politiker sagte einmal auf die Frage nach seinen politischen Visionen:
Wenn ich Visionen habe gehe ich zum Arzt.....auch ein Standpunkt....
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Andrea_K on 02. January 2012, 14:29:22 pm

ich will Dir nicht unrecht geben.....ich habe dieses Threadthema mit der Tatsache verbunden, dass mir dieses andauernde GottWieIstDieGesellschaftSchlimmGeschwurbel auf'n Keks geht und ich es nie erkennen kann, dass TS und TV in einem durchschnittlich höheren Maße als andere tolerant sind, sie fordern es nur hartnäckiger als andere für sich ein.

Ich weiss was Dich störte und um die Thematik, die Du ansprachst. Es ist auch nicht so, dass ich Dir nicht zustimmen würde. Mir ging es nur um die Art, wie Du es anbrachtest. ;)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 14:37:45 pm
Also, hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht.
Ich mag die Gesellschaft und die mag mich in aller Regel auch.

Und was die Exhibitionisten angeht ist meine Toleranz unermesslich. Aber ich sehe durchaus einen Unterschied darin, ob jemand seinen Mantel auf einem Spielplatz lüftet oder ob jemand das Gefühl hat,im falschen Körper durch die Weltgeschichte zu geistern.

Mir aufgrund einiger weniger Zeilen "Weltschmerz" und mangelnde Toleranzfähigkeit zu unterstellen, zeugt wohl eher von einem vorschnellen Urteil als von echter Reflektion.

Es sind nur ein paar Gedanken, hingetippt im Morgengrauen unter Einfluss von Koffein und Nikotin ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Es sträubt sich in mir auch alles, bei jeder kleinen Verallgemeinerung hinschreiben zu müssen, dass ich natürlich nicht Verallgemeinern will. Das ist albern und kostet Speicherplatz.


Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: con_moto on 02. January 2012, 14:43:40 pm
Quote
Aber den Bio-Mädels wird es halt von klein auf eingetrichtert, ihre pyxis (das ist griechisch) zu bedecken.


Auch nicht verallgemeinerbar - bei uns zu Hause lief alles Weibliche, meine Schwestern, ich, meine Mutter, öfter mal nackig durch die Wohnung, z.B. um mal eben ein Handtuch zum Duschen zu holen. Mein Bruder und mein Vater dagegen waren da eher schamhaft.

Ha, wieder ein Klischee gekillt!  ;D ;D ;D

Und wer sagt eigentlich, dass Frauen immer hübsch gestylt graziös durch die Gegend trippeln und Weibchencharme verströmen müssen? Wie anstrengend! 
Das ist ein feuchter Männertraum, sonst nix. Offensichtlich haben mehr Transen als Frauen das Bedürfnis, ein solcher zu sein. Könnte einem zu denken geben...

Sonst noch jemand mit abgenutzten Klischeevorstellungen? Hab gerade die Fliegenklatsche zur Hand  :o
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 02. January 2012, 14:46:12 pm
Ich habe Exibitionismus nicht in seinen perversen Auswüchsen wie Mäntel am Spielplatz lüften verstanden,sondern durchaus im ursprünglichen Wortsinn ,nämlich "Selbstdarstellung"und die Freude sich zu präsentieren,was ja von Mode und Kosmetik nicht weit weg ist und die ist nicht nur bei Schauspielern oder generell bei Menschen die sich gerne in den Mittelpunkt stellen zu finden,sondern auch bei uns in nicht unerheblichem Maße.

Hallo Christine,tut echt Gut ne Frau in unserer Mitte zu haben die diese Klischees mal heunterbricht! ;D
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Andrea_K on 02. January 2012, 14:51:49 pm
@Oona
Oh, es ging mir in dem Fall der Zustimmung nicht um Dich, sondern um das Thema an sich. Keine Sorge. :)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 14:55:10 pm
@Andrea

Weiß ich, weiß ich …  :-*

Foren sind verwirrend. Ich mache jetzt Siesta.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: con_moto on 02. January 2012, 15:07:23 pm
Quote
Hallo Christine,tut echt Gut ne Frau in unserer Mitte zu haben die diese Klischees mal heunterbricht! ;D


Genau - macht Spaaaaß!

Hier noch was erbaulich Literarisches zum Thema:

Ich lese gerade "Gösta Berling" von Selma Lagerlöf. (Wer´s nicht kennt, es geht um einen wegen Trunkenheit abgesetzten Pfarrer, der im "Kavaliershaus" des Gutes Ekeby unterkommt. Das ist so eine Art luxuriöses Männerwohnheim für Nichtsnutze. Das Ganze spielt in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts.)

Aus der Beschreibung der derzeitigen Bewohner:

Quote
... Dann muss der alte Fähnrich Örneclou genannt werden, der Herzensbrecher mit hoher Halsbinde, Jabot, Perücke, und geschminkt wie eine Frau. Er war einer der hervorragendsten Kavaliere...


Ich lass das mal so stehen und für sich sprechen  :)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Dani on 02. January 2012, 15:13:19 pm
Danke für deinen Tip
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 15:55:28 pm
Auf jeden Fall verblüffend weiblich hier. Vom Tagebucheintrag, den eigentlich ja keiner lesen soll, über einen kurzen Ausflug in die Welt Exhibitionismus’ mit damit einhergehenden Vorwurf der Intoleranz der Transe im Allgemeinen hin zur Buchempfehlung in weniger als 10 Beitragen.  ;D

*Knicks*
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Rejana on 02. January 2012, 17:08:10 pm

Es sträubt sich in mir auch alles, bei jeder kleinen Verallgemeinerung hinschreiben zu müssen, dass ich natürlich nicht Verallgemeinern will. Das ist albern und kostet Speicherplatz.


Transen sind alle schwul und wollen alle und jede nur mal kräftig nur in den A* gef* werden.

Das ist jetzt zwar sehr von einigen wenigen Beipielen auf die große Masse geschlossen, aber es kostet mich zuviel speicherplatz, klar zu machen, dass ich eigentlich nicht verallgemeinern will. Also hab' dich nicht so und sei nicht so albern

@Andrea...bevor Du wieder einhakst...ich bin ganz bestimmt schuldig im Sinne (Deiner) Anklage  ;)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 20:13:52 pm

Transen sind alle schwul und wollen alle und jede nur mal kräftig nur in den A* gef* werden.


VERDAMMT! Ich wusste, dass ich mit meiner Selbstdiagnose falsch lag. Ich bin gar nicht schwul.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: con_moto on 02. January 2012, 20:45:35 pm
Und ich sitze nicht dauernd mit geschlossenen Knien auf dem Stuhl, mag nicht gerne shoppen, kann einparken, fürchte mich nicht vor Krabbeltieren und wenn ich nein sage, meine ich nicht vielleicht....

Verdammt! Ich bin gar keine Frau!!!!
:D
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 20:48:55 pm

Verdammt! Ich bin gar keine Frau!!!!
:D


So haben wir alle unser Päckchen zu tragen. Aber das mit dem Einparken redest Du Dir sicher nur schön. Wir sind ja häufig Opfer von Autosuggestion.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Sonnenblume on 02. January 2012, 21:11:47 pm
Hallo liebe Oona,

ich habe mir jetzt alle Beiträge durchgelesen, die sich seit meinem letzten Eintrag hier am letzten Donnerstag (29.12.11) geschrieben wurden - und das sind einige, dabei ist heute doch erst der Montag darauf (02.01.12). Übrigens bevor ich es vergesse: Ich wünsche allen ein wunderschönes 2012

Da ich in den aus zeitlichen Gründen nicht dazu gekommen bin, muss ich auch ein paar Tage zurückgreifen, weil mir das als wichtig erscheint.

Zunächst einmal freut es mich, dass du meinen Tipp mit dem Psychotherapeuten zumindest in Erwägung ziehst.

Jetzt greife ich die Punkte einfach auf, wie ich sie in der Reihenfolge gelesen habe:

....Lernen muss ich auch, dass ich nicht so schnell sprechen darf.....
Wenn du mal manche Bio-Frau reden hören würdest die ich persönlich kenne (z. B. meine Nichte), da kommst du mit dem Denken gar nicht mit.

....Alles in allem, bin ich entweder der Ausnahme-Transsexuelle oder vielleicht bin ich’s auch gar nicht. Dem Lehrbuch bin ich jedenfalls nicht entsprungen....

Würde mich mal interessieren, wie so eine "Lehrbuch-Transe" ausschauen soll.... ???

...Ich wurde laut. Ich wurde bissig. Ich wurde böse. Weiter entfernt von Oona konnte ich kaum sein. Aber vielleicht war’s doch Oona und die Braut ist eine knallharter Geschäftsbraut. Ein Mäuschen ist sie sicher nicht....

Warun darfst du als "Geschäftsbraut" nich auch laut und böse werden dürfen? ???

...Ich verstehen sie ja. Und ich habe mich selbstverständlich nicht durchgesetzt. Mir ist es wichtiger, dass sie glücklich ist, als Oona (die muss warten).
.....
Es ist so was wie ein "bisschen Krieg". Kann man Transsexualität leben, ohne dass es Verletzte und Tote gibt? Wohl eher nicht. Ich will aber nicht, dass unsere Beziehung auf der Strecke bleibt.

Ich will’s nicht, ich will’s nicht, ich will’s nicht.

Diese Frau, meine Partnerin, ist mein Ein und Alles. Welchen Wert hätte es, wenn ich zwar Oona leben dürfte, aber die Frau an meiner Seite verlieren würde?
.....

Du siehst, liebes Tagebuch, auch 2012 wird nicht einfach. Aber wenn’s einfach wäre, könnte es ja jeder. In diesem Sinne, werde ich mich zusammenreissen und es langsam angehen lassen.
....


Da gibt es für die allermeisten von uns leider nur 2 Möglichkeiten: Entweder unserm inneren Drang nachgeben und das ganze so schnell wie möglich durchziehen, dann müssen wir uns aber ganz sicher von uns lieb gewonnen Menschen verabschieden weil sie sich von uns distanzieren. Oder aber wir gehen die Sache langsamer und mit Vernunft an. Dann kann sogar der Fall eintreten, dass wir neue Freunde dazu gewinnen.

Bei mir war es jedenfalls so, als ich meinen Eltern Ende Oktober 2009 von meiner TS erzählte hatte, dachte ich auch, jetzt wo es raus ist, kann ich "mit erhöhtem Tempo" vorwärts gehen - auch weil ich mich von einer riesen Last befreit gefühlt hatte. Aus bestimmten Gründen, die ich hier, und da bitte ich um Verständnis das ich sie hier nicht erwähnen kann, wohne ich noch im gleichen Haus wie meine Eltern.

Sie hatten natürlich sehr zu kappern dran und mussten etwas verdauen, was ich schon über 40 Jahre wusste. Es war sogar soweit, dass es fast zu einem nicht wieder kittbaren Streit gekommen wäre. Bis ich, auch auf Rat meine Therapeuten, das Tempo wieder heruntergefahren habe. Es dauert zwar jetzt natürlich etwas länger, aber ich bin deshalb glücklicher, weil ich den "Weg" auch weitergehen kann, ohne dass Angst haben muss, deshalb meine Eltern zu verlieren.

...Ich stelle gerade fest, dass man auch ganz ohne Hormontherapie nahe am Wasser gebaut haben kann.


Was soll ich da erst sagen: Ich habe nicht am, sondern IM Wasser gebaut - auch ganz ohne HT!!!

Gerade beim Gassigehen zehn Euro gefunden. Das Geld liegt auf der Straße.


SO schlecht hat das Jahr dann für dich doch gar nicht begonnen, oder?!

So, das wollte ich jetzt noch nachtragen, weil es mir als wichtig erschien, dass du, liebe Oona siehst, mit deinen, TS-typischen Problemen nicht alleine bist.

Liebe Grüße
Yvonne
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: con_moto on 02. January 2012, 21:19:36 pm
Quote
Aber das mit dem Einparken redest Du Dir sicher nur schön. Wir sind ja häufig Opfer von Autosuggestion.

Nein, ich muss mir kein Auto suggerieren, ich hab eins!  ;D

Und wenn das in eine Lücke passt, egal wie knapp, dann krieg ich es auch rein. Übrigens nicht nur mein eigenes.
Ewig um den Block fahren und einen Riesenstellplatz suchen war mir nämlich irgendwann zu doof. Da lernt frau dann Dinge, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätte.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 02. January 2012, 21:34:35 pm

Quote
Aber das mit dem Einparken redest Du Dir sicher nur schön. Wir sind ja häufig Opfer von Autosuggestion.

Nein, ich muss mir kein Auto suggerieren, ich hab eins!  ;D

Und wenn das in eine Lücke passt, egal wie knapp, dann krieg ich es auch rein. Übrigens nicht nur mein eigenes.
Ewig um den Block fahren und einen Riesenstellplatz suchen war mir nämlich irgendwann zu doof. Da lernt frau dann Dinge, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätte.


Dann wirst Du lernen müssen mit Deiner Männlickeit zu leben. Es gibt Schlimmeres. Du könntest zum Beispiel Fussball-Fan sein.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Sonnenblume on 03. January 2012, 10:24:12 am
....Es gibt Schlimmeres. Du könntest zum Beispiel Fussball-Fan sein.


Was ist da SO schlimm dran? Ich bin z. B. bekennender Fan des (kommenden Champions-League-Siegers? ;)) FC Bayern München (nur für die die sich nicht SO auskennen: Das Endspiel findet in unserem Stadion statt...)

Liebe Grüße

Yvonne
Title: Liebes Tagebuch (4.1.2012)
Post by: Oona on 04. January 2012, 08:30:03 am
Liebes Tagebuch,

ich sehe, Dir fehlen ein paar Seiten Fremdkritzeleien. Macht nichts. Ich leide auch ständig unter Gedächtnisverlust und habe mich damit arrangiert. Hat auch seine Vorteile. Glaube ich.

Heute wird mir Blut abgenommen und mit dem Vermerk "Verdacht auf Transsexualität" ins Labor gesendet. Was auch immer die da für einen Wert feststellen, der Koffeinwert wird recht hoch sein. So viel ist sicher. Ich bin müde und werde mir das Zeug jetzt per Infusion setzen lassen.

Bin tatsächlich mal gespannt, was mein Freund der Doktor aus den Werten herausliest.

Insgesamt bin ich wieder etwas ruhiger geworden nach dem KLICK! Das geht wohl so in Wellenphasen. Da ich jetzt tagsüber wieder alleine im Büro bin, wird die Bekleidungsfrage auch nur von mir gestellt und ich gehe meiner Freundin damit vorerst nicht auf die Nerven.

Ich habe auf jeden Fall erst mal auf eigene Zurückhaltung gedrängt, um sie nicht weiter zu verunsichern. Es wird Gespräche und Diagnosen geben und wenn dann alles auf dem Tisch liegt, dann wird man sehen, welche Konsequenzen das tatsächlich hat.

Was ich auf jeden Fall getan habe, ist das Jagdwochenende abzusagen. Weiß Du warum, liebes Tagebuch? Weil ich lange, klarlackierte Fingernägel habe und nicht gewillt bin, diese für die Jagdburschen zu kürzen, nur um deren Männlichkeitsbild zu entsprechen. :)

Nein, tatsächlich widerstrebt mir der Gedanke aktuell, drei Tage mit zehn Jägern auf engstem Raum eingepfercht zu sein. Da wird nur gegessen und getrunken und das wäre meiner aktuellen Diät in Richtung Wunschgewicht abträglich. Ich bin schwach. Ich kann frischem Brot und frisch geschnittenem Schinken nicht widerstehen. Und dann all die männlichen Gesprächsthemen und die Kratzen am Sack unter seinesgleichen … Ich könnte das jetzt kaum ertragen.

Ausserdem hätte ich sowieso nichts geschossen. Auf Gesellschaftsjagden liegt bei mir nie was. Keine Ahnung warum.

Wie auch immer: Das Wochenende gehört damit mir und meiner Freundin. Darauf freue ich mich. Abhängen im Pyjama, ein bisschen Beauty und Verwöhnen. Das wird schön. Ich muss mich um sie kümmern. Meine Selbstdiagnose, liebes Tagebuch, hat sie ganz schön aus der Bahn geworfen, glaube ich.

Oona hat das Rauchen übrigens nicht aufgegeben.

Mist.

Heute wird der Arbeitstag recht ruhig. Das heisst: genügend Zeit, um eine Siesta und einen ausgiebigen Spaziergang mit dem doofen Hund zu machen. Der hat übrigens kein Testosteron-Problem. Ich glaube, als Welpe hat der in der Kiste auf einem Hustler-Magazin für Hunde gepennt. Der will alles besteigen, was vier Beine und ein Fell hat und keine Katze ist. Und er will ständig mit anderen Rüden prügeln, wenn die ihn schief angucken.

Ich glaube, ich lasse ihn kastrieren. Wie das Herrchen so der Hund. Hehe.  8)

Bis später,
Deine Oona.
Title: Re: Liebes Tagebuch (4.1.2012)
Post by: Jula on 04. January 2012, 19:41:15 pm


Heute wird mir Blut abgenommen und mit dem Vermerk "Verdacht auf Transsexualität" ins Labor gesendet. Was auch immer die da für einen Wert feststellen, der Koffeinwert wird recht hoch sein. So viel ist sicher. Ich bin müde und werde mir das Zeug jetzt per Infusion setzen lassen.

Bin tatsächlich mal gespannt, was mein Freund der Doktor aus den Werten herausliest.

Und ich erst! Wenn es den Ärzten tatsächlich gelingt, anhand von Blutwerten Transidentität zu diagnostizieren, könnte ihnen das den Medizin-Nobelpreis verschaffen.
Endlich wäre ein physiologisch nachweisbares Merkmal gefunden!
Fall sie doch nix finden, liebe Oona, sei nicht traurig, denn bisher war das noch nie der Fall.
Title: Re: Liebes Tagebuch (4.1.2012)
Post by: Oona on 04. January 2012, 19:47:49 pm


… Bin tatsächlich mal gespannt, was mein Freund der Doktor aus den Werten herausliest.

Und ich erst! Wenn es den Ärzten tatsächlich gelingt, anhand von Blutwerten Transidentität zu diagnostizieren, könnte ihnen das den Medizin-Nobelpreis verschaffen. Endlich wäre ein physiologisch nachweisbares Merkmal gefunden!


Hehe.  ;D Hierbei geht es ja nicht um die Diagnose F 64.irgendwas nach Sichtung der Zahlen, sondern darum, eine Hormon-Therapie vorzubereiten und meinen allgemeinen Gesundheitszustand festzustellen.
Title: Liebes Tagebuch (5.1.2012)
Post by: Oona on 05. January 2012, 07:42:26 am
Liebes Tagebuch.

Ich würde ja gerne schreiben "ein neuer Morgen, ein neuer Tag", aber es ist noch so verdammt früh, dass sich die Dunkelheit da draussen kaum als "früher Morgen" bezeichnen darf, ohne dabei voller Scham rumzulügen.

Also, guten Abend, liebes Tagebuch.

Nicht viel passiert in den letzten Stunden. Das übliche halt. Ich habe mich im Job über Menschen aufgeregt, die den Spruch "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing’" noch nicht verinnerlicht haben.

Das ist das eine Leben.

Im anderen Leben wundere ich mich über Transen und solche, die es mal werden wollen. Da wird im lockerflockigen Plauderton – als ob man nach Tipps für die Nagelpflege Ausschau halten würde – danach gefragt, wie man seine Stimme verändern kann und ob es lange dauert, bis man angeglichen ist. Hallo?

War mir vorher noch nicht klar, dass ich zu einer anderen Generation gehöre, aber spätestens doch dann als ich diese Zeilen las, liebes Tagebuch.

Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich diese Naivität bewundern, ablehnen oder links liegen lassen soll. Und wenn ich meine eigenen offen und insgeheim gestellten Fragen Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass ich selber wie die Urmutter der Naivität rüberkomme.

Was ich auf jeden Fall klasse finde ist, dass junge Menschen durch das Internet in die Lage versetzt werden, in ihrer Orientierungslosigkeit einen Kompass zu finden und an den Erfahrungen anderer in einer Form partizipieren können, die mir nicht vergönnt war.

Hut ab, liebes Internet. Du bist klasse.

Meine Freundin hat sich diese Nacht beim Ankuscheln darüber beschwert, dass ich Ganzkörper rasiert bin und sie das Gefühl meiner Haare an ihrem Körper vermisst. Sie hat eine Haut wie Milch. Meine erinnert mehr an Sandkuchen.

Ihre Frage lässt aber den Verdacht zu, dass sie immer noch nicht realisiert hat, mit wem sie da eigentlich seit Jahr und Tag das Bett teilt. Und das trotz Outing. Ob "Verdrängung" ein typisch weibliches Merkmal ist?

Hm.

Ich kann das ja auch ganz gut, liebes Tagebuch. Also Verdrängen meine ich. Ergo muss ich weiblich sein.

Ha, ha.

Ach, eins fand ich gestern noch ganz wahnsinnig, liebes Tagebuch. Ich habe feststellen dürfen, dass  Transsexualität vor allem eine Glaubensfrage ist. So viele die es betrifft, glauben im Besitz der einen Wahrheit zu sein in Bezug auf Herkunft und Umgang mit dieser Spielart eines Gottes mit Humor unter Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen. Da zieht die eine Seite über die andere Seite her, als ob man den Begriff "Furie" mit neuem Leben füllen möchte.

Da werden dogmatische Regeln aufgestellt, die mich an die Rassegesetze dunkler Tage erinnern: Wenn Dieses und Jenes zusammenkommt, dann darf man sich "Transsexuell" nennen, ansonsten ist man nur ein "Straps-Papst".

Hu. Erschreckend ist das. Der Begriff "Straps-Papst" ist aber toll. Da kann man sich aber schlussendlich einen Hoden drauf backen.

Ich brauche einen Kaffee. Jetzt.

Bis später.
Oona
Title: Re: Liebes Tagebuch (5.1.2012 / Nachtrag)
Post by: Oona on 05. January 2012, 17:31:47 pm
Mein bester Freund, der Herr Doktor, hat mich gerade auf Facebook angeschrieben, liebes Tagebuch.

Quote
Moin! Deine Laborwerte sind da: außer einem erhöhten Cholesterinspiegel, der hier nichts zur Sache tut,
hast Du äußerst respektable Werte hingelegt - insbesondere beim Testosteron!


Also, was soll man denn jetzt von so einer Information halten, bitteschön?! Und hohe Testosteronwerte finde ich nicht "respektabel", sondern doof. :) Ich werde mal ein ernstes Wort mit dem Herrn Doktor sprechen müssen beim nächsten Bier. Oder Wasser. Ich bin ja auf Diät. Und er soll ein Rezept mitbringen. Bringt er keins, muss er selber zahlen. Jawoll.




Mir fällt die Decke auf den Kopf. Und dem Hund auch. Aber draussen ist’s finster – im doppelten Sinne – und ich kann meine Gummistiefel nicht mehr sehen, geschweige denn anziehen. Ich habe also jetzt zwei Möglichkeiten:

A) Ich ziehe die Gummistiefel an und gehe mit dem Hund durch den Matsch an der Alster oder
B) Ich gehe in die Drogerie und kaufe ein bisschen Kosmetika ein (insbesondere Mittelchen für ein Handbad).

Ah, es gibt noch …

C) Ich gehe ins Bett und schlafe bis zum Frühling. Den Hund packe ich so lange ins Eisfach.

Ich glaube jedoch, es wird eine Kombination aus "A" und "B".

Sollte ich mich nicht mehr melden, alarmier bitte die Feuerwehr in Hamburg, liebes Tagebuch. Denn in dem Fall hänge ich mit meinen Gummistiefeln in einer zähen Matschpfütze fest und bedarf Hilfe.

Bis später
Oona

PS
Vorhin hatte ich eine kleine Beinaheheulattacke. Es beginnt mit diesem bekloppten Gefühl im Bauch und arbeitet sich dann zu den Tränendrüsen vor. Übel ist das. So viele Sorgen auf ein mal. Da muss man seinen Mann stehen, obwohl man es nicht ist.

Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Andrea_K on 05. January 2012, 17:35:04 pm

Sollte ich mich nicht mehr melden, alarmier bitte die Feuerwehr in Hamburg, liebes Tagebuch. Denn in dem Fall hänge ich mit meinen Gummistiefeln in einer zähen Matschpfütze fest und bedarf Hilfe.

Aber das liest doch keiner! Das ist schließlich Dein mit einem Schlösschen versehenes Tagebuch. ;)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 05. January 2012, 17:39:31 pm
VERDAMMT! Danke für den Hinweis, Andrea.
Der Schlüssel fürs Schloss hängt am Geweih neben den Kettchen.

Morgen suche ich ein neues Versteck.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 05. January 2012, 18:25:59 pm
Es gibt noch …

D) "Gehe mit dem Hund in den Hundefutterladen, kaufe tonnenweise Leckerlis und dann setze Dich ins Auto und hole Deine Freundin ab."

Es ist "D" geworden. Ich fahr’ dann mal …
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Hanseatin on 05. January 2012, 23:05:07 pm
Hi Regengenervte, auch wenn ich inzwischen im Exil gelandet bin gilt für mich immer noch 'es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung'. Hast Du eigentlich mal gesehen, daß es auch richtig kleidsame und damenhaften Gummistiefel gibt? Die gibt es nämlich in auch in chick. Genau.
Also, nicht immer Hundefutter kaufen sondern Shuheshoppen. Das macht nebenbei auch noch glücklich (wenn Frau denn die richtigen findet).
Wir sind im Süden heute auch abgesoffen. Mittags war es draussen plötzlich dungel und dann kam der Regen.....
Hol' di stiff min Deern.
:-) Sarah
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Nadine68 on 05. January 2012, 23:49:19 pm
Ich will auch ein Leckerli.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 05. January 2012, 23:57:57 pm
Quote
Ich will auch ein Leckerli.


Mach Männchen.

SCNR  ;D
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Nadine68 on 06. January 2012, 00:24:50 am

Quote
Ich will auch ein Leckerli.


Mach Männchen.

SCNR  ;D

Ich kann gut Pfötchen geben.
Schwanz jagen muss ich noch üben. Ich erwisch ihn nie.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 06. January 2012, 00:42:18 am
Quote
Schwanz jagen muss ich noch üben. Ich erwisch ihn nie.


Eintrag ins Ausbildungsbuch: "Sie hat sich stets bemüht."

Gute Nacht!  8)
Title: Liebes Tagebuch (das war’s erst mal)
Post by: Oona on 06. January 2012, 07:21:51 am
Liebes Tagebuch,

wenn das Leben Wellen schlägt, dann war das gestern "Tsunami trifft Wüste Gobi".

Ich bin so aufgewühlt, alles ist seit meinem KLICK! in einem irrsinnigen Tempo von mir vorangetrieben worden und ich glaube, ich habe mich verrannt. Fakt ist, liebes Tagebuch, dass ich vieles in meinem früheren Leben nun besser einordnen kann. All meine Fetischphantasien, meine kleinen, versauten Kopfkinoeskapaden, meine Traurigkeit, mein Gefühl der Unvollständigkeit: die Puzzlestücke fügen sich zusammen.

Ja, in mir wohnt eine Frau, die raus will. Sie ist ein wichtiger Teil von mir.
Aber ich kann ihr das nicht erlauben, sie ist nicht alles.

Oona ist in mein Leben gedrungen wie eine unerzogene Göre, die glaubt, dass sie alles dürfte. Darf sie aber nicht.

Meine Weiblichkeit ist nicht der Dreh- und Angelpunkt der Welt und ich trage Verantwortung meinem männlichen Part, meinem Kind, meiner Quasifrau, meinen Firmen und anderen Menschen gegenüber, dass ich nicht einfach tun und lassen kann, was Oona gerne möchte. Sie muss warten. Und Hormone zum Naschen gibt’s auch erst mal nicht.

Damit mein Herz und meine Seele nicht zerreisst, habe ich gestern erneut ein Gespräch mit meiner Freundin gesucht und gefunden. Viele Tränen sind geflossen. Meine Güte, habe ich sie vor dem Kopf gestossen; ich war selber ein unsensibler Tsunami, der beinahe über Leichen gegangen wäre. Mich schaudert’s bei dem Gedanken.

Apropos Gedanke: Ich denke, ich kann mich mit mir selber arrangieren, Öl auf den Wellengang giessen. Wir – also meine Freundin und ich – sind übereingekommen, dass wir in unseren vier Wänden Oona aus dem Käfig lassen. Hin und wieder. Langsam. Zum Angewöhnen. Sie wird mich unterstützen, diesen Teil von mir besser kennen zu lernen. Ob Mode, Schminktipps oder Gespräche unter Frauen: Oona darf raus, sich ihre Silikonbrüste umschnallen und halbwegs sein, wie sie ist. Transsexualität auf dem Crossdressing-Level lautet die Devise.

Ansonsten gilt: Kneif’ die Arschbacken zusammen und bring die Firmen nach vorne! Wenn das alles so läuft, wie wir es seit gut einem Jahr planen, dann gewinnen wir die finanzielle Sicherheit, die andere gerne hätten. Die monetäre Freiheit ermöglicht auch ganz andere Lebensmodelle. Man kann in Armut frei sein oder in Reichtum. Ich bevorzuge Letzteres (Schuhe kosten Geld).

Ooana, das dumme Ding, hat sich auch mit der Wahl des Zeitpunkts ihres Outings rund um die Weihnachtszeit echt einen Klopfer geleistet, liebes Tagebuch. So viel ist mal sicher! Insgesamt schalte ich in Bezug auf sie mal reichlich Gänge zurück, das muss sein. Und es beinhaltet auch, die erhebliche Reduzierung meiner Internetreisen und damit eben auch eine gewisse Abkehr von diesem Forum.

Der Zeitpunkt ist einfach scheisse. Wenn Oona Schuhe will, muss ich Erfolg haben. So sieht’s aus. Und Erfolg werde ich haben.

Ich bin glücklich, dass ich meiner Partnerin wieder Mut machen konnte, die alles wegschwimmen sah, was ihr Lieb und Teuer ist, die mich – ihre große Liebe – nicht mehr berühren konnte, weil sie mit meinem Outing völlig überfordert war. Manchmal bin ich ein egozentrisches Arschloch.

Ich schalte also ein paar Gänge zurück, lass die Transsexualität ausrollen und parke sie in meiner Nähe.

Nach wie vor suche ich therapeutische Begleitung, nach wie vor werde ich mich selbst beobachten und Oona kennen lernen. Schliesslich sind wir jetzt zu Dritt in der Wohnung. Abgekehrt habe ich mich von dem unbedingten Verlangen eine Frau zu sein in aller Konsequenz, weil ich fest daran glaube, dass es noch andere Wege gibt; mein TS-Wesen ist naturgemäß vielschichtig und viele Wege führen nach Rom. Um diese Wege zu gehen, muss man aber nicht alles Plattwalzen, was einem bis dahin begleitet hat.

Der Mann in mir atmet auf.
Die Frau in mir muss warten.

Ich danke auf jedem Fall diesem Forum! Hier habe ich – wie viele andere Mädels vor mir – viele Antworten auf Fragen gefunden, die ich mir stellte und auch auf Fragen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gab. Ihr Mädels, die Ihr hier heimlich mitlest und dieses Forum gestaltet, Euch danke ich auch, Ihr seid Spitze. Ihr habt mir Kraft gegeben und Spaß gemacht. Und ich wünsche mir für Euch, dass Ihr Euren Weg gehen könnt, ihr Euch selbst entdeckt und Eurem Leben den Inhalt gebt, den ihr für richtig erachtet. Ich drücke uns allen die lackierten Daumen!

Und ich danke meiner Freundin, die dieses Tagebuch nicht kennt. Ich liebe sie, ich liebe sie, ich liebe sie.

Lasst es mich abschliessend mit Bugs Bunny sagen:

Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage


Eure Oona,

die jetzt das Tagebuch zumacht, abschliesst, versteckt und irgendwann wieder aus der Versenkung holen wird.

PS
Ob mein Tagebuch anderen hilft? Es würde mich freuen …!
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: rafaela on 06. January 2012, 09:51:10 am
Hallo Oona!

Dein langer Beitrag zeugt davon, das du dir (noch) nicht sicher bist, wohin dein Weg gehen wird. Ich kenne, auch aus unserer Gruppe, einige, die sich den Weg für sich sehr einfach vorgestellt haben, und dann plötzlich auf den Boden zurückkamen.

Die Gründe waren ähnlich, wie deine:

- es kann nicht schnell genug gehen
- der Weg braucht sehr viel Zeit
- das Umfeld, vor allem das familieäre und berufliche, muss mit dir und deiner Wandlung zurechtkommen
- man soll immer  erst mit sich selbst im reinen sein, dazu zähle ich auch - und diese Empfehling gebe ich auch immer wieder mal in solchen Situationen - gehe den langsameren Weg über den Transvestieten - prüfe dich damit selbst - gehe eventuell, wenn du dir noch nicht sicher bist, nicht zu schell nach draussen. Gib deinem Umfeld Zeit, sich an dein neues "ich" zu gewöhnen.

Ich entnehme deinem Beitrag, das dir dabei deine Freundin sehr unterstützen wird - und diese Unterstützung wird dir auf deinem Weg sehr viel helfen.

Ich habe zur Zeit auch eine ganz liebe an der Hand, die viel Unterstützung, vor allem In Form von Gesprächen, benötigt. Sie ist zwar schon einen Schritt weiter als du, benötigt aber immer wieder mal noch Hilfe.

Ich will dir damit sagen, das auch Mädels, die geoutet sind, immer wieder mal eine "starke Schulter" zum anlehnen und reden brauchen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Glück auf deinem langen Weg - und lass dir Zeit

Thüringische Grüße von

Tante Rafaela
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Jula on 06. January 2012, 10:23:29 am
Das Tagebuch endet (?) wie es begann: offen, erstaunlich, furios, mutig, verblüffend.
Der Weg den du dir vorgenommen hast ist mutig, wird Kraft brauchen. Ich finde ihn toll, weil etwas wichtiges betont: ich mag ja Frau sein, aber das macht mich nicht frei von Verantwortung!
Vielleicht ist es ja auch etwas zutiefst weibliches, die Verantwortung für andere nicht auf dem Altar der Selbstverwirklichung um jeden Preis zu opfern.
Title: Re: Liebes Tagebuch (das war’s erst mal)
Post by: bastienne on 06. January 2012, 11:25:58 am



Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage


Eure Oona,

die jetzt das Tagebuch zumacht, abschliesst, versteckt und irgendwann wieder aus der Versenkung holen wird.



Bis dahin, viel Glück und Erfolg liebe Oona!  :-*

Liebe Grüsse

Bastienne
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Selena_79 on 06. January 2012, 11:59:06 am
Danke für die kurzweiligen, schönen und sehr interessanten Einblicke Oona :)

Und auch von mir erstmal alles alles Gute für Euren weiteren Weg. Ich hoffe sehr dass Du einen Weg findest.

LG Selena
Title: Re: Liebes Tagebuch (das war’s erst mal)
Post by: Oona on 06. January 2012, 11:59:13 am

Lasst es mich abschliessend mit Bugs Bunny Paulchen Panther sagen:

Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage


Bugs Bunny … so ein Blödsinn. Mieses Gedächtnis.  

:) Danke Mädels.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Sonnenblume on 06. January 2012, 18:09:53 pm
Hallo liebe Oona,

deine Worte machen mich ein wenig traurig (wie schon mal erwähnt, ich habe IM Wasser gebaut), denn ich kann mich sehr, sehr gut in dich und deine Situation reinversetzen. Daher weiß ich auch, wie das ist, wenn man/frau sich entscheiden muss, zwischen dem Weg (etwas) schneller gehen und dafür wichtige (tw. sehr wichtige) Menschen/Freunde zu verlieren, oder diese Menschen dafür behalten zu können, aber auf Kosten des Tempos. Ich habe mich für die 2. Variante entschieden.

In div. Foren habe ich auch "Freundinnen" verloren, weil sie kein Verständnis für die langsamere, aber für die Zukunft gesehen, vernünftigere Variante, entschieden habe.

Deshalb kann ich sehr, sehr, sehr gut nachvollziehen, dass die Oona für's erste mal hintenanstehen muss - auch wenn sie noch so sehr nach außen drängt. Ich kenne dich (leider) nicht persönlich, auch nur aus deinen Beiträgen hier in deinem TB, aber so weit ich das beurteilen kann, hast du die richtige Enstscheidung getroffen - noch dazu wo deine Freundin sich nicht von der abgewendet hat.

Und was die Tränen auf Grund deiner Gefühlsachterbahn betrifft: Nenne mir eine/n Transsexuellen (egal welche "Richtung" gehend) die/der das ganze ohne Tränen geschafft hat. Ich selbst habe am Anfang auch ganze Seeen vollgeheult - wenn das Trinkwasser gewesen wäre, hätte eine Kleinstadt eine Woche sicher ganz gut Leben können davon...

Langer Rede, kurzer Sinn: Liebste Oona, da du mir, auch auf Grund deiner offenen und ehrlichen Beiträge hier, sehr an's Herz gewachsen bist, wünsche ich dir von ganzem Herzen alles, alles Gute!!!

Mit liebsten Grüßen

Yvonne

PS: Falls du dieses TB und den Schlüssel doch wieder irgendwann finden solltes (weil nicht zu gut versteckt), teile uns bitte mit, wie's dir weiterergangen ist - mich würde es jedenfalls sehr interessieren.
Title: Liebes Tagebuch 8.1.2012
Post by: Oona on 08. January 2012, 09:58:13 am
Liebes Tagebuch,

ich weiß, ich weiß: Eigentlich wollte ich Dich in Ruhe lassen. Aber wer, wenn nicht Du, kann mir helfen, meine Welt zu sortieren? Gestern Abend saßen meine Freundin und ich nett zusammen und sie fasste sich ein Herz. Sie wollte sehen, wie ich in Teilen ihrer Garderobe aussehe. Was als nettes Happening geplant war, endete im mentalen Desaster, liebes Tagebuch.

Natürlich konnte sie sich ein Schmunzeln nicht sparen und irgendwann fiel dann auch der Kommentar, dass ich "albern" aussähe.

Wie Recht sie hat.

Mit meinen Silikon-Dingern, im Rock, mit lackierten Nägeln. Das bin alles nicht ich. Nie in meinem Leben fühlte ich mich so zwangsverkleidet. Ich wollte nur noch raus den Klamotten, den Lack abwischen und heulen.

Und in der Reihenfolge geschah es denn auch.

Ich habe geheult, weil ich nicht weiß, wer ich bin. Ich behaupte, transsexuell zu sein, fühle mich aber nicht wohl, wenn ich "en femme" bin. Als Frau bin ich wirklich hässlich. Und ich werde auch nie eine Frau sein.

Meine Freundin tröstete mich, streichelte mich, gab mir ein Tempo und entschuldigte sich, für ihr Lachen. Brauchte sie aber nicht, weil sie ja Recht hatte.

Ich wünsche mir Brüste, eine Taille, die man so nennen kann und einen süßen, knackigen Hintern. Ich wünsche mir, dass mein Körper so hübsch ist, wie mein Geist sich fühlt. Ich möchte ein Idealbild erfüllen und Logenplätze in meinem Kopfkino haben. Aber …

Pustekuchen.

Werde ich alles nicht haben, werde ich alles nicht sein. Ich werde immer ein Mann bleiben. Und das Verrückte: Als Mann fühle ich mich gar nicht schlecht. Vielleicht, weil es mir Sicherheit gibt, weil ich die Rolle kenne und sie perfekt ausfülle.

Ich habe eine tiefe Stimme.
Ich habe ein markantes Gesicht.
Ich bin groß und stark.
Ich sehe klasse aus. Als Mann.

Liebes Tagebuch, machen wir uns nichts vor, ich bin ein Mann, ein ganzer Kerl.

Aussen.

Innen sieht’s anders aus.

Es ist zum Heulen.

Ich bin nicht transsexuell. Ich bin irgendwas anderes. Aber auf jeden Fall werde ich verrückt.
Vielleicht geht das ja Hand in Hand? Immer?

Der Hund will raus. Ich muss aufhören zu tippen.

Liebes Tagebuch, was soll ich bloss tun? Was soll ich bloss tun?

Danke fürs Zuhören.

Lieben Gruß
Title: Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012
Post by: Karinmaus on 08. January 2012, 10:39:09 am


....... Ich wollte nur noch raus den Klamotten, den Lack abwischen und heulen.
Ich wünsche mir Brüste, eine Taille, die man so nennen kann und einen süßen, knackigen Hintern. Ich wünsche mir, dass mein Körper so hübsch ist, wie mein Geist sich fühlt. Ich möchte ein Idealbild erfüllen und Logenplätze in meinem Kopfkino haben. .........



Wie ähnlich wir uns sind. Ist´s unser Spiegel? Genauso geht es mir auch. Da sind Wochen gar Monate in dem die Frau in mir nach ihr schreit. Die Wünsche werden erfüllt. Und plötzlich ist er da der Moment, als ob ein Schlüssel umgedreht wurde. "Wieder raus aus den Klamotten,..........". Nur verringert sich der Zustand immer mehr. Und schon nach kurzer Zeit schreit - ja wer wohl nach Erfüllung.
Ich kann dich so gut verstehen liebe Oona und doch nicht helfen. Schnief.
Karin
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Sonnenblume on 08. January 2012, 11:52:18 am
Hallo liebe Oona,

ich kann dich sehr, sehr gut vestehen, dass du in diesem Moment nur eines wolltest, nur raus aus den Klamotten und runter mit dem Lack von den Fingern.

Denn uns (wirklichen) TS geht es um das körperliche (sprich bei MzF) darum "oben mehr und dafür unten nichts - du verstehst sicher was ich meine).

Eines muss uns klar sein: Solange wir noch keine Hormone bekommen, werden wir immer "Männer im Frauenkleidern" bleiben. Das ändert sich auch erst nach einer gewissen Zeit, wann die HT halt "anschlägt". Bei dem/der einen früher, bei dem/der anderen später. Und es hat auch durchaus seine sinnvollen Gründe, warum wir "wahren" TS diese "Medikamente" auch erst nach einer gewissen Zeit bekommen (dürfen), und warum wir uns (richtigermassen) vorher in Ärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung befinden müssen.

Und was du nun bist, da können wir dir hier sicher nicht 100%ig weiterhelfen, denn soweit ich weiß, kennen wir dich hier nur von deinen Eintragungen hier im Forum (hauptsächlich hier in diesem TB). Ich zumindest für meinen Teil, traue mir kein Urteil zu, ob du nun nur eine "Phase" durchgemacht hast, in der du glaubtest eine Frau zu sein, oder ob du nun CD, TV (ich hoffe dir sagen diese Abkürzungen was) bist -  das musst du selbst herausfinden. Deshalb finde ich es immer richtiger, dass du mal mit deinem Freund (dem Arzt) und einem Psychotherapeuten das ganze besprichst. Wenn es sich um wirklich gute Leute handelt, dann werden sie dir weder was einreden noch was ausreden, sondern ganz einfach ihre Diagnose stellen.

Vielleicht war die Bemerkung deiner Freundin ja so etwas wie das 2. KLICK! Das mit den Tränen nachher, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, kann ich sowas von gut nachvollziehen. Und ob du nun Mann oder Frau bist - lass sie raus...Schäme dich derer nicht, denn es hat schon seinen Sinn, dass auch Männer weinen können.

Mit ganz lieben Grüßen

Yvonne ==> kann sich ungefähr vorstellen wie du dich jetzt fühlst.
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Clara 3 on 08. January 2012, 12:01:53 pm
Ach Oona, komm, ich drück Dich jetzt mal ganz fest! Alles wird gut, lebe einfach, so wie es Dir gefällt und guttut. Brauchst Du denn unbedingt eine Bezeichnung oder Namen für Dein innerstes Wesen,Deine Lebensweise ??? Wenn Deine liebe Freundin doch so nimmt wie Du bist, Dich Dein Hund so liebt wie Du bist, ist doch alles in Ordnung.Mach Dich nicht selber fertig mit Gedanken die Dich momentan nirgendwo hinführen.Alles alles Liebe, Clara
Title: Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012
Post by: Petra-Katharina on 08. January 2012, 12:05:37 pm
Hallo Oona,

ich hab bisher ja nur schweigend deinen Thread mitgelesen, aber dein Tagebuch hat mir durchaus so einiges zum Mitdenken und Mitfühlen aufgegeben.

Jetzt hast du aber einen Punkt angesprochen, an dem ich nun auch mal einhaken möchte.


Ich werde immer ein Mann bleiben. Und das Verrückte: Als Mann fühle ich mich gar nicht schlecht. Vielleicht, weil es mir Sicherheit gibt, weil ich die Rolle kenne und sie perfekt ausfülle.

Ich habe eine tiefe Stimme.
Ich habe ein markantes Gesicht.
Ich bin groß und stark.
Ich sehe klasse aus. Als Mann.

...
Innen sieht’s anders aus. Es ist zum Heulen.

Ich bin nicht transsexuell. Ich bin irgendwas anderes. Aber auf jeden Fall werde ich verrückt.
Vielleicht geht das ja Hand in Hand? Immer?


Nach dem, was ich bislang so von Transsexualität mitbekommen habe, ist es gerade der Unterschied zwischen innen und außen, der das Wesen dieser Veranlagung ausmacht: Der Körper mit seinen Hormonen machen den Mann (aus), die Gehirnstrukturen mit ihren spezifischen Denkschemata und vielleicht einem Mangel an Testo-Rezeptoren das (opponierende) Weib.

Diese Kluft wird auch bei mir wohl immer bleiben, wenn ich es auch vielleicht noch relativ günstig angetroffen habe: Ich habe akzeptable Kleider- und Schuhgrößen und kann mein Äußeres ohne allzu viel Aufwand zumindest so trimmen, dass ich in der breiten Öffentlichkeit als eher Mauerblümchen-Frau (nicht: als Model) wahrgenommen werde - und das reicht mir (erst mal) aus, mich gelegentlich, wenn auch häufiger werdend, mental durch entsprechendes öffentliches Ausleben abzureagieren und in meinem So-Sein zu bestätigen. Ob das auf Dauer so gut gehen wird und mir das für alle Zukunft, die mir noch bleibt, langen wird, wage ich noch nicht zu sagen.

Fragt sich, ob du mit deinen beiden Teilpersönlichkeiten, die natürlich beide ein Existenzrecht haben, nicht auch zumindest für eine absehbare Zeit mit einem solchen Arrangement leben kannst, ohne dabei diesen Status zu zementieren. Du musst dich nicht hier und heute für den Rest deines Lebens festlegen. Das Leben ist (verhältnismäßig) lang, variantenreich und voller Überraschungen.

Auch ich weiß noch nicht, wie ich in 5 Jahren rumlaufen werde. Und ich weiß andersrum auch: Wenn ich beruflich die Möglichkeit bekäme, als Frau in einem passend qualifizierten Job zu arbeiten - ich würde den Schritt wohl wagen und sogar öffentlich wechseln wollen. Aber auch hier ginge die Liebe zur Weiblichkeit nicht so weit, dass ich mich nur deshalb als Raumkosmetikerin verdingen würde.  :P

Also: Entspann dich und sieh diese deine Veranlagung nicht nur als Last, sondern als Gabe, die Welt aus anderen Blickwinkeln als die Meisten zu sehen und zu erleben. Alles kann, aber nichts muss, wenn du nicht meinst zu müssen. Und selbst dann gibt es viele Wege, in Richtung eines erwünschten Ziels voranzukommen, auch wenn es nur einen Direkten, besonders Effizienten gibt. Im Verkehr ist dies meist die Autobahn. Aber die Nebenstraßen sind meist viel abwechslungsreicher, bunter und erfüllender, auch wenn es etwas länger dauert anzukommen.

Der Weg ist das Ziel!  :)

Lieben Gruß,

Petra
Title: Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012
Post by: Oona on 08. January 2012, 13:35:54 pm
Danke für den Zuspruch. Kommt gerade gut.

Sonnenblume schrieb:

Quote
ich kann dich sehr, sehr gut vestehen, dass du in diesem Moment nur eines wolltest, nur raus aus den Klamotten und runter mit dem Lack von den Fingern.Denn uns (wirklichen) TS geht es um das körperliche (sprich bei MzF) darum "oben mehr und dafür unten nichts - du verstehst sicher was ich meine).


Ähm, vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt, aber darum geht es mir ja im Wesentlichen auch. Wenn ich schreibe "ich bin nicht transsexuell", dann beschreibt das eher einen Wunsch als die Wirklichkeit. Ich bin auch ein "wahrer" Transsexueller, wenn möglicherweise auch kein klassischer.

Vielleicht wäre es klarer, wenn ich schreibe, dass ich kein Transvestit bin. Es sind eben nicht die Kleidungsstücke, die mich ausmachen, sondern mein Wesen.

LG
Oona (aus dem Off)
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: bastienne on 08. January 2012, 19:13:37 pm

Hallo liebe Oona,

ich kann dich sehr, sehr gut vestehen, dass du in diesem Moment nur eines wolltest, nur raus aus den Klamotten und runter mit dem Lack von den Fingern.

Denn uns (wirklichen) TS geht es um das körperliche (sprich bei MzF) darum "oben mehr und dafür unten nichts - du verstehst sicher was ich meine).

Eines muss uns klar sein: Solange wir noch keine Hormone bekommen, werden wir immer "Männer im Frauenkleidern" bleiben. Das ändert sich auch erst nach einer gewissen Zeit, wann die HT halt "anschlägt". Bei dem/der einen früher, bei dem/der anderen später. Und es hat auch durchaus seine sinnvollen Gründe, warum wir "wahren" TS diese "Medikamente" auch erst nach einer gewissen Zeit bekommen (dürfen), und warum wir uns (richtigermassen) vorher in Ärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung befinden müssen.
...


Hi Yvonne,... gehts noch?

Ich weiss ja nicht wie du dir das vorstellst,.. aber du hast sicherlich NICHT den geistigen Horizont um anderen das TS abzusprechen.


Kein Gruß

Bastienne
Title: Re: Liebes Tagebuch 8.1.2012
Post by: bastienne on 08. January 2012, 19:16:47 pm

-... Es sind eben nicht die Kleidungsstücke, die mich ausmachen, sondern mein Wesen.

..


:) Wahre Worte meine Liebe.

*knutschi*

Bastienne
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Triona on 08. January 2012, 21:13:41 pm

Eines muss uns klar sein: Solange wir noch keine Hormone bekommen, werden wir immer "Männer im Frauenkleidern" bleiben. Das ändert sich auch erst nach einer gewissen Zeit, wann die HT halt "anschlägt". Bei dem/der einen früher, bei dem/der anderen später. Und es hat auch durchaus seine sinnvollen Gründe, warum wir "wahren" TS diese "Medikamente" auch erst nach einer gewissen Zeit bekommen (dürfen), und warum wir uns (richtigermassen) vorher in Ärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung befinden müssen.


Ich habe selten so viel groben Unfug in einem einzigen kurzen Abschnitt gelesen.
Deine Erfahrungen - die sich vlt mit denen von Oona teilweise decken mögen, oder auch nicht - kannst du auf keinen Fall so Verallgemeinern und als allein gültige "Wahrheit" hinstellen.
Dies kann nämlich zu einigen Irrtümern führen mit zum Teil folgenschweren Konsequenzen für viele, bei denen das nicht oder nicht alles zutrifft.

Um nicht wieder Oonas Tagebuch zu sprengen mit einer länglichen Erörterung und einer möglicherweise folgenden Diskussion über alles und jedes, eine ausführlichere Begründung für diese Behauptung für die, die es vlt interessiert, hier:

http://www.transgender-forum.com/transsexuelle_transition/wahre_ts_und_maenner_in_frauenkleidern-t6719.0.html;new#new

liebe grüße
triona
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Suse Marie on 09. January 2012, 00:48:29 am
Hallo Oona,

ich habe in deinem Tagebuch gelesen als dein Name noch Babsi war. Seit diesem Tag hatte ich auch nichts mehr im Forum gelesen und heute dann festgestellt, welche erschreckenden Ausmaße dein Thread angenommen hat.  ;D

Mal ganz abgesehen von deinen Problemen, die ich im übrigen sehr gut nachvollziehen kann, auch wenn ich selbst es ein wenig anders mache/getan habe und auch anders darauf reagiert wurde.... du solltest tatsächlich ein Buch schreiben!

Eigentlich wollte ich nämlich schon vor einer Stunde ins Bett, da sich bei mir nicht der fiepende Hund sondern der sich ähnlich anhörende Wecker (naja, ehrlich gesagt höre ich den gar nicht und meine Parterin wird wahrscheinlich mit dem Kaffee am Bett erscheinen, falls ich nicht vor dem Wecker wach werde und den Kaffee für uns beide koche) um 5 Uhr meldet, aber wie du siehst bin ich immer noch hier und habe mich dazu animieren lassen, Dinge zu tun, die einem der Anstand eigentlich verbietet, nämlich, Sachen in fremder Leute Tagebücher zu schreiben...  8)

Ich finde, du schreibst einfach toll! Ich habe keine Ahnung was du selbständigerweise in deinen Firmen so treibst, aber Schreiben wäre eine Sache, die sich durchaus für dich lohnen könnte, auch wenn jemand meinte, dass es schon genug Literatur über das Thema gäbe. Dein Schreibstil genügt aber wahrscheinlich jedem Thema, wobei das Thema Trans* vorher vermutlich noch nie so humorvoll beleuchtet wurde. OK, vielleicht ist es auch nur eine Art Galgenhumor, der deine Probleme in einer Form darstellt, die andere mehr reizt, sich mit ihnen zu befassen als wenn man vor lauter Heulerei deinerseits die verwischten Buchstaben auf dem Monitor nicht mehr lesen könnte.

Trotzdem, oder gerade deswegen, finde ich gut, dass du dich entschlossen hast, weiter hier zu schreiben und somit auch deinen Entschluss in deinem "letzten" Beitrag wieder in Frage zu stellen.

Der einzige Tipp, den ich dir geben werde ist folgender: Deine Frau/Freundin oder was auch immer sollte sich mit Partnerinnen anderer Trans*menschen unterhalten und/oder auch mal Julas Homepage (http://julaonline.de/) besuchen und den Artikel über Partnerinteressen (http://julaonline.de/partnerinteressen.htm) zu lesen, was du im übrigen auch tun solltest. Vielleicht wird euch beiden da einiges klarer, wie der/die jeweils andere tickt und ihr findet gemeinsam Lösungen!

LG

Suse
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Oona on 09. January 2012, 11:04:46 am
Vielen Dank, Suse *Knicks*,

auch wenn es unverschämt ist, in fremde Tagebücher reinzuschreiben, freue ich mich natürlich riesig, wenn es positives Feedback gibt (negatives Feedback hasse ich, ich bin eitel). :)

Julias Seite kenne ich natürlich und konnte für mich schon viel rausziehen. Meine Freundin verweigert sich noch, mehr Informationen als unbedingt nötig zu inhalieren. Ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, wie ich Gas gegeben habe.

Also, bleib mir gewogen, ich bleibe dran.

Lieben Gruß
Oona
Title: Re: Liebes Tagebuch …
Post by: Sonnenblume on 09. January 2012, 15:17:11 pm
Hallo liebe Oona,

ich will mich jetzt nicht mit fremden Fendern schmücken (sprich mit denen von der Suse), aber den Gedanken mit dem "ganz öffentlichen Buch" hatte ich auch schon ganz zu Beginn, als ich deine ersten Beiträge gelesen habe. Denn die Art WIE du schreibt ist höchst faszinierend. Auch mir geht es immer so, dass ich erst aufhören kann in deinem TB zu lesen, wenn ich wieder einmal durchbin. Du schreibst wirklich so, dass man (frau) sich alles sehr bildhaft vorstellen kann (auch das mit deinem Hund usw.). Auch deine Gefühle bringst du sehr, sehr gut rüber.

Warum ich dir dann diesen Vorschlag nicht gemacht habe (sondern erst "gewartet" habe bis es jemand anders tut), ist der: Ich wusste nicht wie du darauf reagierst, in dem Gefühlsducheinander, in dem du dich jetzt befindest, und ich wollte auch keinen "Druck" aufbauen, aber denke ruhig mal darüber nach. Auch auf den Hinweis von jemandem hier, dass es eh schon genug Bücher darüer gibt, da kann ich nur sagen: Was habe ich vor ein paar Jahren Geld in div. Lektüre investiert (und das obwohl ich nur Harzt 4 bekomme). Jedes Buch, das ich irgendwie bekommen konnte (egal ob im Laden oder übers Internet) habe ich mir besorgt, und jedes einzelne Buch hat mir weitergeholfen, und da insbesondere die "Lebensgeschichten". Die Sachliteratur waren zwar auch gut, aber dienten halt nur zur Erklärung div. Begriffe, Vorgänge etc. So richtig gut waren nur die "Lebensgeschichten", denn da war jede einzelne so Individuel. Also. liebe Oona, lass dir das mal durch den Kopf gehen.

Liebe Grüße

Yvonne