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Messages - nicola f

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Politik & Weltgeschehen / Re: Die Jagd beginnt... Drag Dreck im Fernsehen
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Deswegen ziehe ich diesen Strich, denn drags wollen ja nicht Frau sein, es ist für sie wie es fuer Andere ist, sich zu Karneval zu verkleiden.  Kinder verkleiden sich ja auch gerne zu Indianern, und träumen davon es zu sein, sie können aber so viel träumen wie sie wollen, sie werden nie Indianer werden.  Ähnlich sehe ich Drag Queens, und daher geht mir jeglicher Gedanke zur Solidarität ab, Denn sie sind entweder Schauspieler (wie in den oben gelisteten Videos, die ich sehr ansprechend finde). Oder sie machen die meisten Frauen lächerlich, mit ihrer oft recht ordinären und primitiven Schaustellung.

Das ist meine Meinung!
Liebe Dietlind,

selbstverständlich hast Du wie jede andere auch ein Recht auf Deine Meinung.

Dennoch finde ich es kritisch zu lesen, wie genau Du zu wissen scheinst wie Drags sind, worum es ihnen geht und wie sie sich fühlen. Ich selber kenne einige, bei denen meines Erachtens die Grenze zwischen Trans* und Drag alles andere als klar ist. Auch ich habe mich schon zu Fasching als Mädchen "verkleidet", auch bei mir gab es Zeiten in denen ich eher wie eine Karikatur einer Frau aussah ...

Was uns bewußt sein sollte ist, dass Toleranz und Akzeptanz keine Einbahnstraßen sind. Wenn wir uns anmaßen den Drags pauschal jegliches Trans*sein abzuspprechen, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn mit der gleichen Berechtigung unser Frau-Sein in Zweifel gezogen wird. "Drags haben mit Trans* nichts zu tun" ist meines Erachtens das gleiche intolerante Schubladendenken wie "Transfrauen sind eigentlich keine richtigen Frauen".

Liebe Grüße
Nicola
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Politik & Weltgeschehen / Re: Die Jagd beginnt... Drag Dreck im Fernsehen
Für meine Person möchte ich so wenig wie möglich Parallelen zwischen mir und Drag Queens sehen.  Und ich bemühe mich auch nicht dem weiblichen Geschlecht so aehnlich wie möglich zu sein, ich gehöre zum weiblichen Geschlecht!  Ich sehe absolut keine Gemeinsamkeit zwischen mir und einer Drag Queen.  Ich bin eine Frau, während so eine Drag Person das Frau-Sein eher ins lächerliche zieht! 
....
Liebe Dietlind,

insbesondere eine Karrikatur kann ganz schön weh tun. Auch wenn sie kein identsches Abbild ist, zeigt so eine Karrikatur aber meist doch ein Stück Wahrheit und es gehört Mut dazu unangenehmen Wahrheiten ins Gesicht zu schauen.

Du als Trans*- und zugleich Inter-Mensch bist in einer anderen Situation als ich. Egal was ich mache, mein Körper wird sich immer recht weitgehend von dem von Cis-Frauen unterscheiden, Deiner ist einem "normalen" Frauenkörper vermutlich ein ganzes Stück ähnlicher.. Ich kann trotzdem so wie Du den Anspruch erheben eine Frau zu sein, aber ich muss wohl oder übel auch zur Kenntnis nehmen, dass es Menschen gibt, die einen deutlichen Trennstrich zwischen Menschen wie mir und Cis-Frauen ziehen. Objektiv betrachtet halte ich einen solchen Trennstrich für mindestens so berechtigt und nachvollziehbar, wie den Trennstrich den Du und andere hier zwischen Drags und Trans* ziehen.

Ich für meinen Teil bin davon überzeugt, dass uns Solidarität viel weiter bringt als das Ziehen von solchen Trennstrichen. Aber für eine Solidarisierung mit Randgruppen braucht es Mut. Vor allem Mut zu den eigenen Schattenseiten zu stehen. Dass das mitunter schwerfällt kann ich gut verstehen.

Liebe Grüße
Nicola
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Politik & Weltgeschehen / Re: Die Jagd beginnt... Drag Dreck im Fernsehen
Hallo Ihr Lieben,

wer sich traut auch nur einigermaßen die Augen auf zu machen, der wird schwerlich die Parallelen zwischen Trans* und Darg übersehen können: Geboren, aufgewachsen und erzogen in dem einen Geschlecht bemühen sich beide darum dem anderen Geschlecht irgendwie ähnlich zu sehen. Daneben gibt es selbstverständlich auch Unterschiede, das möchte ich garnicht in Abrede stellen, aber eben auch unübersehbare Gemeinsamkeiten.

Was ich deshalb überhaupt nicht angemessen finde, das sind diese massiven, reflexhaften Abgrenzungen und Distanzierungen, die bis hin zu Verunglimpfungen reichen.

Ich halte da weitaus mehr von Solidarität.

Liebe Grüße
Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
... aber denkst du nicht auch, dass es ein himmelweiter Unterschied zwischen einer Gesetzgebung und Konstrukten der Gesellschaft gibt?

Gesetzgebung einerseits und die Stimmung in der Gesellschaft andererseits sind sicherlich nicht identisch. Aber genauso wenig sind sie unabhängig von einenander. Vielmehr sind sie wechselseitig von einander abhängig und bedingen sich gegenseitig.

Gesetzliche Grundlagen verändern sich erst, wenn die gesellschaftliche Lage dies zulässt. Und umgekehrt kann eine veränderte Rechtslage gesellschaftliche Veränderungen befördern oder diese erschweren.

Ich bin übrigens gar nicht pessimistisch, allerdings denke ich, dass gerade in den letzten 10 Jahren eine Spaltung der Extreme stattgefunden hat.
Diese spiegelt sich in der Akzteptanz gegenüber uns wieder.
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Politik & Weltgeschehen / Re: Trans* in Bereich Straftat gerückt...
Den Anfang bildet doch eigentlich die richtungsweisende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10.10.2017, durch die ein/e Intersexuelle den bis dato noch nicht vorhandenen Personenstand "divers" erstritten hat. Obwohl das BVG in seiner Urteilsbegründung vor allem auf die Bedeutung einer freien Entfaltung der Geschlechtsidentität zur Verwirklchung der verfassungsrechtlich garantierten Freiheits- und Geleichheitsrechte abzielte, war das von Seehofer geführte Innenministerium sehr darum bemüht, dieses Recht auf Intersexuelle einzuschränken.  Da dies im Gesetzgebungsverfahren wohl nur unzureichend erreicht wurde, versucht das Innenministerium jetzt über entsprechende "Schulungen" der zuständigen StandesbeamtInnen sowie über Einschüchterungen und Drohungen gegenüber der Ärzteschaft Transgender von dieser Möglichkeit auszuschließen.

Sofern diese Strategie, aufgeht (wonach es zur Zeit sehr aussieht), wäre es wohl lohnend, dass der von dieser intersexuelln Person vorgeebnete Weg dann eben auch noch von einer Trans*person beschritten und auch für uns das Recht auf diese dritte Option erstritten wird. Um einen solchen Weg aber gehen zu können, ist es unerlässlich, dass diese Person eine breite Rückendeckung und vor allem eine Absicherung des damit verbundenen, finanziellen Risikos erhält.

Welche Trans*-Organisation wäre wohl imstande soetwas zu leisten?
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
Hallo ParisParlan und Dietlinde,

gesellschaftliche Normen änderns sich permanent. Manchmal langsam, manchmal schnell: Bei meinen ersten sexuellen Kontakten mit Männern musste ich noch fürchten im Gefängnis zu landen und rund 30 Jahre später gab es einen schwulen regierenden Bürgermeister und einen homosexuellen Außenminister. Das hätte damals niemand geglaubt dss eine diskriminierte und kriminalisierte Minderheit so etwas erreichen kann. Menschen, die früher in die Irrenanstalt weggesperrt wurden, dürfen heute wählen gehen. Auch ein Bundesverfassungsgericht setzt und interpretiert Normen und hat uns zum Thema Diversität doch ein bahnbrechendes Urteil geschenkt, gegen das konservative Politiker jetzt verzweifelt ankämpfen um ihre offensichtlich veralteten, inzwischen aber verfassungswidirgen Normen vielleicht doch noch zu retten.

Manches lässt sich nicht verändern und dann ist so ein Kampf gegen Windmühlen sinnlos. Aber gerade bei unserem Thema ist in den letzten 10 bis 20 Jahren so viel positives geschehen, so viel Akzeptanz gewachsen, dass ich Euren Pessimismus und Eure Resignation nicht nachvollziehen kann. 

Aus meiner Sicht muss hierbei keine die Vorkämpferin spielen, die das nicht möchte. Was ich mir aber wünschen würde, das sind Verständnis und Anerkennung für diejenigen, die sich aus dem Versteck wagen. Aber Geringschätzung oder sogar Abwertung aus unserer eigenen Community gegenüber Menschen, die das Wagnis eingehen sich in ihrer Uneindeutigkeit zu zeigen und dadurch gewohnte Bilder verlassen, soetwas sollte möglichst rasch der Vergangenheit angehören. Und dafür kan jede etwas tun ohne ein persönliches Risiko einzugehen.

Liebe Grüße Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
Hallo Michelangela,

wenn das was Du geschrieben hast stimmt, dann wäre es für uns vermutlich die weitaus stimmigere und gesündere Option die gesellschaftliche Norm zu verändern (z.B. dadurch dass wir in möglichst sichtbar werden), anstatt verzweifelt zu versuchen uns an die gesellschaftlich geforderte, geschlechtliche Eindeutigkeit anzupassen und durch unsere Unsichtbarkeit die Norm stärken.

Was ich daran besonders erschreckend finde ist, wie stark wir diese, uns eigentlich widersprechende, gesellschaftliche Norm verinnerlicht haben, dass dieses Streben nach Eindeutigkeit als inneres Bedürfnis und nicht als äußerer Zwang wahrgenommen wird.

Liebe Grüße
Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?

... Wir sind mit dieser Art von Diskussion genau an einem wunden Punkt, bei der Diskussion über die Begriffe "Umwandlung", "umoperieren", "zur Frau werden", "anerkannt werden" oder auch nicht, eine Frau "emulieren". Solang wir selbst in diesen Begriffen sprechen, denken wir auch so, und lassen zu dass andere in diesen Begriffen denken, und uns in unserem Selbst angreifen...
Danke Michelangela, dass Du das so gut auf den Punkt gebracht hast.

Wo sind wir Frau und damit authentisch wir selbst? Und wo machen wir Frau-Sein lediglich nach?

Ich für mich empfinde es so, dass mein Körper ein männlicher Körper ist, der mir nur deshalb häufig im Weg ist, weil er verhindert, dass mein inneres Frau-sein, wahrgenommen und anerkannt wird. Und das gilt leider nicht nur für meine Mitmenschen, sondern tragischer Weise durchaus auch für mich selber. Auch in mir gibt es Zweifel, wie ich mir denn anmaßen kann eine Frau sein zu wollen, bei so einem Körper.

Durch operative Eingriffe, kann ich diesen Körper anders erscheinen lassen, im Grunde genommen bleibt es aber derselbe Körper. Es ist im Nachhinein gemacht. Also lediglich "nachgemacht"? Dann wäre aber auch vieles andere, was wir inzwischen tun um in die weibliche Rolle hinüberzuwechseln, nachgemacht. Aber genauso ist ja auch keine Cis-Frau mit Schminke und Rock zur Welt gekommen. Auch Cis-Menschen tun vieles um das von Ihnen gewünschte Rollenbild zu verstärken. Wo ist der Unterschied?

Im Grund bleibt die Frage, was unser Sein tatsächlich ausmacht? Als Trans*Menschen tendieren wir meist dazu zu sagen, dass das innere Identitätsgefühl der entscheidende Faktor ist und nicht das Äußere wie u.a. der Ursprungskörper. Wenn wir das aber konsequent zu Ende denken, dann erscheint es mir unlogisch, warum wir dann doch wieder so großen Wert darauf legen uns äußerlich und körperlich diesem Frauenbild anzunähern. Wenn wir uns das tatsächlich glauben würden, dass es nur auf das innere Identitätsgefühl ankommt, dann sollten wir meines Erachtens diese ganzen Angleichungsmaßnahmen eigentlich nicht nötig haben. Wir können es trotzdem tun, weil es uns einfach guttut - aber diese innere Not, dieses fast zwanghafte Bedürfnis, dass auch mich immer wieder beherrscht, würde ich gerne vor diesem Hintergrund verstehen.

Liebe Grüße Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
Liebe Dietlind,

das im Stehen uinieren überlasse ich gerne meinen Töchtern. Meine Stimme kann ich mir mühsam versuchen abzutrainieren oder mich einer Stimmband-OP unterziehen. Bislang habe ich nur unsicher, teilwiese sehr piepsige Stimmen erlebt, die dabei heraus kamen. Da ziehe ich es ehrlich gesagt vor, mit einer selbstbewußten Stimme zu sprechen, auch wenn diese deutlich männlicher klingt. Und was die Halbglatze anbelangt, bleibt mir als Alternativen leider nur die Wahl im Sommer unter einer Perücke zu schwitzen, die noch dazu als Fremdkörper rumrutschen kann. Das Geld für eine teure Haartransplantation unserem knappen Familienbudget zu entziehen ist für mich keine Möglichkeit. Und soweit ich weis, gibt es auch bei Dir einen Aspekt Deiner männlichen Anteile, zu dem Du Dich auch bekennst: Dein von Dir vermutlich mit Deinem männlichen y-Chromosom gezeugter Sohn. Ich glaube, jede muss für sich selbst entscheiden welche gegengeschlechtlichen Aspekte für sie tragbar sind und welche sie beseitigen will oder muss. In meinen Augen mag die Wahl dieser Grenze einen Menschen männlicher oder weiblicher erscheinen lassen, es hat aber keinen wirklichen Einfluß darauf was ein Mensch im grunde seines Wesens tatsächlich ist.

Du selber scheinst mir hier im Vergleich zu den meisten Trans*Menschen in einer Sondersituation zu sein: Dein Körper ist von seiner Grundanlage nicht eindeutig männlich oder weiblich. Hier kann ich bisweilen manchmal fast neidisch auf Dich sein, dass diese innere Stimme bei Dir eine körperliche Manifestation hat. So wie sich das in meinen Ohren anhört, musst Du lediglich ohnehin vorhandene körperliche Aspekte betonen. Das ist eine deutlich andere Situation als mit einem eindeutig männlichen Körper geboren zu sein.

Etwas Ähnliches versuche ich auch, in dem ich mich bemühe meine weiblichen Seiten so frei als möglich zu leben, jedoch mit der Einschränkung so wenig als möglich in meine körperliche Integrität einzugreifen. Bisweilen habe ich dafür von meinen Mitmenschen das Geschenk erhalten, trotz meines erkennbaren männlichen Körpers als Frau angenommen zu sein - nicht nur als Frau unter Frauen, sondern als Frau unter Menschen.

Liebe Grüße
Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
....Transphobie bedeutet auch, dass nicht-transgender und nicht-transsexuelle Menschen meinen, über das Authentisch-Sein von transsexuellen und transgender Menschen urteilen zu können....
Sofern ParisParlan selber TG und/oder TS ist (was ich vermute), trifft diese Definition von Transphobie auf sie nicht zu.

Ich halte dieses Todschlagargument der Transphobie insbesondere bei internen Diskussionen für äußerst problematisch, da damit jegliche kritische Äußerungen vom Tisch gefegt werden können, anstatt sich damit inhaltlich auseinander zu setzen. 

Ich möchte an dieser Stelle gerne einmal den Spieß umdrehen und fragen, warum es einigen hier so extrem wichtig zu sein scheint, dass ihre männlichen Anteile und damit ihr Trans*Sein nicht erkennbar ist? So wichtig, dass sie auf eine Vermutung, dass ein Steelth-Leben unmöglich sei nach meinem Empfinden schon ziemlich emotional reagieren.

Ich kenne dieses extreme Bemühen, nur ja keinerlei Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass ich eine Frau bin, von mir selber auch ziemlich gut. Das setzt mich bisweilen massiv unter Druck. Ich frage mich oft, woher das wohl rühren mag, dass ich mich für das, was ich bin (nämlich eine Frau mit einem männlichen Körper) offesichtlich so sehr schäme, dass ich es am liebsten vor aller Welt verbergen möchte. Als einigermaßen inteligentes Wesen halte ich ein solche massive Scham für äußerst ungesund. Wie kann ich diese Scham am ehesten überwinden? Ich für mich glaube, dass es mir mehr hilft, mich selbstbewußt so wie ich bin zu zeigen, als wenn ich mich verzweifelt bemühe, dass mir meine männlichen Anteile nur ja nicht anzumerken sind.

Wenn ich das ganz alleine mache, als einziges uneindeutiges Wesen zwischen lauter anscheinend eindeutigen Männern und Frauen, dann ist das ziemlich schwer, ich glaube sogar unmöglich. Noch schwerer wird das, wenn mir klar wird, wie viele Trans*Menschen bemüht sind, ihre männliche Körperlichkeit soweit als irgend möglich zu verbergen. Auf der anderen Seite wird es immer leichter, je mehr Menschen sich trauen als Mischwesen sichtbar zu werden und damit das Tabu einer angeblichen geschlechtlichen Eindeutigkeit aufzuweichen.

Mir ist es extrem wichtig, dass mir meine weiblichen Anteile zugestanden und diese als Teil meines Frauseins anerkannt werden. Ich möchte mich aber von dem Zwag befreien, dafür als eindeutige Frau wahrgenommen werden zu müssen. Ich selber kann nur dann authentisch sein, wenn ich mein Frausein leben kann, ohne dafür meine männlichen Aspekte verstecken zu müssen.

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Events & Parties / Lorenza Böttner: Requiem für die Nrom
Hallo Ihr Lieben,

heute war ich in  der Ausstellung "Requiem für die Norm" die dem Schaffen der Transgender-Künstlerin Lorenza Böttner gewidmet ist (link zur Ausstellung). Sie ist noch bis zum 28.07.2019 im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart zu sehen.

Ich bin immernoch tief beeindruckt von den Zeichnungenm Gemälden, Fotos und Video-Installationen, die Trans in einer eigenen Ästhetik einer Vereinigung von Männlichem und Weiblichem in einer Person zeigen: Mutig, sehenswert und sehr berührend.

Viele Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
Liebe Dietlind,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich habe u.a. Genetik studiert und mich aus meiner nicht ganz identischen Betroffenheit auch intensiv mit Intersexualität und deren unterschiedlichen Erscheinungsformen und Ausprägungen beschäftigt. Wenn Du das Klinefeltersyndrom hast, dann steckt in fast jeder Deiner Zellen dass xx für Weiblich und das y für Männlich. Und Du schreibst ja gerade selber "Ich bin beides". Was mich in Anbetracht dieser Situation wundert, dass ist Dein Satz "... für mich gibt es keine Uneindeutigkeit". Ich würde eigentlich denken, dass in jeder Deiner Zellen geschlechltiche Uneindeutigkeit herrscht. Das würde ich gerne verstehen und bekomme es im Kopf nicht zusammen.

Alle diejenigen intersexuellen Menschen, die ich bislang kennenlehrnen durfte, legten großen Wert darauf, endlich in diesem Raum "dazwischen" leben zu dürfen. Sie fühlten sich von diesen falschen und oft viel zu früher Festlegungen massiv beschnitten - tragischer Weise oft im wörtlichsten Sinne des Wortes. Bei Dir scheint dass Alles ganz anders zu sein. Das würde ich gerne besser verstehen.

Viele liebe Grüße
Nicola
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Neu & Unbekannt / Re: Tranny Jenni sucht Ihn
Ich weiß nicht, wo die Idee her kommt, dass die Bürgerrechtsbewegung Nigger als angemessen fan.  Das Wort kommt aus der Ghetto-Sprache und ist sogenannte Ganster-Sprache.  Die Bewegung verwendete das Wort Negro.  Ich habe mehrere schwarze Freunde, und die würden sich eher die Zunge abschneiden, als sich als Nigger zu bezeichnen!  und genauso wenig will ich mich Trany oder Transe nennen.  Wenn es sein muss, dass ich meinen Weg zur Frau erläutern mus, nenne ich m ich Trans-Frau!  Ansonsten bin ich eine Frau, und will auch nichts Anderes sein!
Liebe Dietlind,

da Du in den USA lebst, kennst Du Dich da vermutlich besser aus. Ich war bislang davon ausgegangen, dass diese Selbstbemächtigung über das Schimpfwort seinen Anfang vor allem bei den Black Panthers genommen hat und dann auch Eingang in die Ghetto-Sprache genommen hat.

Das tut meines Erachtens aber diesem Prozess keinen Abbruch. Ein weiteres Beispiel für eine neue Wertzuordung für ehemalige Schimpfworte durch Selbstermächtigung ist meines Erachtens auch das Wort "schwul" das vor lediglich wenigen Jahren noch ein sehr eindeutiges Schimpfwort war und das inzwischen selbst einige Politiker stolz vor sich hertragen, obwohl sie doch sonst so auf ihr öffentliches Ansehen achten.

Gerade das Wort "Neger" finde ich ein treffendes Beispiel für den Bedeutungswandel dem Begriffe unterliegen: Zunächst stand der Begriff für negro=schwarz und war genauso wenig wertend wie weiß. Im Zuge der Sklaverei wurde der Begriff zu einem Schimpfwort, dass diesen Menschen jegliche Rechte und jegliche Würde absprach. Und mit der Selbstbemächtigung über dieses Wort (egal ob durch die Bürgerrechtsbewegung oder die Hip-Hop-Kultur) verändert sich die Wertung erneut.

In der negativen Bedeutung findet sicher keine/r der Betroffenen eines der Schimpfworte für sich als angemessen. Darum geht es auch nicht. Die Frage ist, wie mit solchen Herabwürdigungen umgegangen wird. Ob wir uns zu Opfern machen oder ob wir versuchen die Macht über solche Begriffe, über solche Beschreibungen über uns zu bekommen.

Ich möchte das sicherlich von niemandem verlangen, sich mit solchen Worten selbst zu bezeichnen. Ich würde mir aber innerhalb unserer Szene mehr Verständnis und womöglich sogar Anerkennung  wünschen für die meines Erachtens Mutigen, die sich das trauen.

Liebe Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
Es ist doch bloß eine Frage der Kommunikation: den Leuten, die hinreichend "open minded" sind, kann man doch verständlich machen, dass geschlechtliche Identität sich auch zwischen den Polen verortet sein kann. Und damit auch, dass es für die, die das betrifft, nicht immer so ganz einfach ist, eine tragfähige Lösung fürs Leben zu finden. Und sicherlich auch, dass das auch mal einen mehrfachen Wechsel der Rollen bedeuten kann.
Ich halte die Menschen im Durchschnitt auch für relativ offen, aber für (naturgemäß) wenig informiert.
Nicole - Dir möchte ich insofern widersprechen, als Du von ausnahmslos schreibst; wenn man akzeptiert, dass Geschlechtlichkeit zwischen zwei Polen "aufgespannt" ist, spricht doch nichts dagegen, dass die Identität eines Transmenschen auch  ganz nah und ganz stabil am "anderen" Pol verortet sein kann? Der nach wie vor ja Minderheit, bei der eine Transition im Kindesalter notwendig ist, billige ich das per se erst mal zu.
Liebe Beate,

bis auf eine Ausnahme stimme ich Deinen Ausführungen zu: Mein Name ist Nicola mit a am Ende und nicht mit e. Das ist zwar eigentlich nicht so wichtig, aber nachdem das nicht das erste Mal ist und mir mein richtiger Name viel lieber ist, möchte ich Dich doch darauf hinweisen.

Aber zurück zum Inhalt:
Das kenne ich von mir selber sehr gut, dass die Identität ziemlich weit und ziemlich konstant im Bereich des einen Pols bleibt. Den Tanz den ich meinte und den auch Airin ein ganzes Stück weit tanzt, das ist die äußere Rolle, das Bild das nach außen vermittelt wird, die durch Kleidung und Namen symbolisiert wird und die nach der Meinung der Mehrheit in unserer Gesellschaft durch die Genitalien festgelegt ist. Und da glaube ich tatsächlich,, dass es da bei den meisten von uns zum Teil recht radikale Wechsel (= wilde Tänze) in unseren Leben gab. Die einzigen Trans-Menschen, die keinen solchen öffentlichen Tanz aufgeführt haben, das sind die "Zimmertransen", aber wohl die allermeisten von letzteren tanzen für sich privat.


ich bin ja von Natur aus etwas "anders gelagert", und für mich gibt es keine Uneindeutigkeit.  Ich habe den grössten Teil meines Lebens im fast richtigen Körper leben müssen, und nun, da das fast fast vorbei ist, will ich sehr eindeutig sein!  Denn ich bin fast angekommen!
Aber ich finde dieses " Tanzen" schlecht, denn wir leben nun einmal innerhalb einer, uns noch relativ negativ gegenüber eingestellten Gesellschaft, und wenn dann publik gemacht wird, dass jemand hin und her wabbelt, ist das für uns nicht sonderlich gut.  Die Presse stürzt sich ja schon mit Begeisterung auf jeden Menschen, der von Trans auf Cis zurückgeht, und dann das???  Das mag traumhaft für das Individuum sein, aber fur uns als Gruppe ist das nicht gut, in 20 bis 30 Jahren eventuell, aber heute?  und leider leben wir heute!

Liebe Dietlind,

bislang hatte ich Dich so verstanden, dass Du nicht nur Trans* sondern auch intersexuell bist. Und Intersexuell hatte ich bislang so verstanden, dass der Körper bezüglich der Geschlechtsausbildung nicht eindeutig ist. Wenn Du jetzt schreibst, "... für mich gibt es keine Uneindeutigkeit", was habe ich dann falsch verstanden? Oder begrenzt Du das jetzt genauso wie Beate auf die Frage der Identität?

Ich möchte für mich mein Leben und mein Sein nicht auf Identität begrenzen. Für mich gehören Seele, Körper und Verstand alle zusammen zu mir. Alle sind für mein menschliches Leben unverzichtbar. Und die Uneindeutigkeit kommt bei mir daher, dass mein Körper und meine subjektiv empfundene Identität sich im Bereich der unterschiedlichen geschlechtlichen Pole befinden. Der Tanz entsteht dadurch, dass mir einmal das Körperliche und einmal das Seelische wichtiger sind. Er kommt daher, dass ich manchmal mutiger bin alleine zu tanzen und manchmal gerne im Einklang mit meinen Mitmenschen tanze.

Und wenn wir wollen, dass wir in 20 bis 30 Jahren alle so tanzen können wir es jede einzelne für sich als richtig und heilsam empfindet, dann wird das nur möglich sein, wenn spätestens heute die ersten Mutigen damit beginnen. Aber das wird sich kaum eine trauen, solange sie dafür aus den eigenen Trans-Reihen für ihre gelebte und womöglich öffentlich gezeigte Uneindeutigkeit schräg angeschaut wird. Veränderung braucht immer mutige VorkämpferInnen. Und mutige VorkämpferInnen brauchen Solidarität, damit sie nicht gleich untergehen.


Naja ganz nüchtern betrachtet, gibt es für uns keine vollständige Eindeutigkeit, zumindest keine körperliche Eindeutigkeit.
Liebe/r ParisParlan,

auch das sehe ich ein bisschen anders: Bis zum Einsetzten von Angleichungsmaßnahmen sind die meisten von uns gerade auf der körperlichen Seite ziemlich eindeutig. Die Uneindeutigkeit entsteht aus dem Auseinanderfallen von gefühlter Identität und körperlichen Merkmalen. Ich für meinen Teil habe mich an jedem klitzekleinen Hinweis gefreut, dass irgendetwas "objektiv" Weibliches an mir ist. Mein Körper war und ist mir immer viel zu eindeutig männlich. Erst mit dem Anerkennen meiner "nur subjektiv" empfundenen Weiblichkeit konnte ich damit beginnen diesen viel zu eindeutig männlichen Körper zu akzeptieren.

Liebe Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
... Wir haben genug Schwierigkeiten nicht als komische Erscheinungen abgestempelt zu werden, und dass etwas in unserem Kopf verdreht ist, wenn dann noch so ein Tänzer zwischen den Geschlechtern publik gemacht wird, sagen die Leute :"wir wussten es ja, die Transen spinnen"!
Wenn wir ehrlich sind, dann sind wir als Trans* alle und ausnahmslos "Tänzer zwischen den Geschlechtern". Manche zeigen dsa deutlicher, andere versuchen unauffällig zu sein und es mehr zu verbergen. Was ist schlimm an diesem Tanz? Warum sollten wir unsere Uneindeutigkeit, unsere Widersprchlichkeit, die Veränderungen in unserem Leben verbergen? Ich bin davon überzeugt, dass dieses Verbergen uns schadet.

Liebe Grüße
Nicola