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Messages - nicola f

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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
... aber denkst du nicht auch, dass es ein himmelweiter Unterschied zwischen einer Gesetzgebung und Konstrukten der Gesellschaft gibt?

Gesetzgebung einerseits und die Stimmung in der Gesellschaft andererseits sind sicherlich nicht identisch. Aber genauso wenig sind sie unabhängig von einenander. Vielmehr sind sie wechselseitig von einander abhängig und bedingen sich gegenseitig.

Gesetzliche Grundlagen verändern sich erst, wenn die gesellschaftliche Lage dies zulässt. Und umgekehrt kann eine veränderte Rechtslage gesellschaftliche Veränderungen befördern oder diese erschweren.

Ich bin übrigens gar nicht pessimistisch, allerdings denke ich, dass gerade in den letzten 10 Jahren eine Spaltung der Extreme stattgefunden hat.
Diese spiegelt sich in der Akzteptanz gegenüber uns wieder.
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Politik & Weltgeschehen / Re: Trans* in Bereich Straftat gerückt...
Den Anfang bildet doch eigentlich die richtungsweisende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10.10.2017, durch die ein/e Intersexuelle den bis dato noch nicht vorhandenen Personenstand "divers" erstritten hat. Obwohl das BVG in seiner Urteilsbegründung vor allem auf die Bedeutung einer freien Entfaltung der Geschlechtsidentität zur Verwirklchung der verfassungsrechtlich garantierten Freiheits- und Geleichheitsrechte abzielte, war das von Seehofer geführte Innenministerium sehr darum bemüht, dieses Recht auf Intersexuelle einzuschränken.  Da dies im Gesetzgebungsverfahren wohl nur unzureichend erreicht wurde, versucht das Innenministerium jetzt über entsprechende "Schulungen" der zuständigen StandesbeamtInnen sowie über Einschüchterungen und Drohungen gegenüber der Ärzteschaft Transgender von dieser Möglichkeit auszuschließen.

Sofern diese Strategie, aufgeht (wonach es zur Zeit sehr aussieht), wäre es wohl lohnend, dass der von dieser intersexuelln Person vorgeebnete Weg dann eben auch noch von einer Trans*person beschritten und auch für uns das Recht auf diese dritte Option erstritten wird. Um einen solchen Weg aber gehen zu können, ist es unerlässlich, dass diese Person eine breite Rückendeckung und vor allem eine Absicherung des damit verbundenen, finanziellen Risikos erhält.

Welche Trans*-Organisation wäre wohl imstande soetwas zu leisten?
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
Hallo ParisParlan und Dietlinde,

gesellschaftliche Normen änderns sich permanent. Manchmal langsam, manchmal schnell: Bei meinen ersten sexuellen Kontakten mit Männern musste ich noch fürchten im Gefängnis zu landen und rund 30 Jahre später gab es einen schwulen regierenden Bürgermeister und einen homosexuellen Außenminister. Das hätte damals niemand geglaubt dss eine diskriminierte und kriminalisierte Minderheit so etwas erreichen kann. Menschen, die früher in die Irrenanstalt weggesperrt wurden, dürfen heute wählen gehen. Auch ein Bundesverfassungsgericht setzt und interpretiert Normen und hat uns zum Thema Diversität doch ein bahnbrechendes Urteil geschenkt, gegen das konservative Politiker jetzt verzweifelt ankämpfen um ihre offensichtlich veralteten, inzwischen aber verfassungswidirgen Normen vielleicht doch noch zu retten.

Manches lässt sich nicht verändern und dann ist so ein Kampf gegen Windmühlen sinnlos. Aber gerade bei unserem Thema ist in den letzten 10 bis 20 Jahren so viel positives geschehen, so viel Akzeptanz gewachsen, dass ich Euren Pessimismus und Eure Resignation nicht nachvollziehen kann. 

Aus meiner Sicht muss hierbei keine die Vorkämpferin spielen, die das nicht möchte. Was ich mir aber wünschen würde, das sind Verständnis und Anerkennung für diejenigen, die sich aus dem Versteck wagen. Aber Geringschätzung oder sogar Abwertung aus unserer eigenen Community gegenüber Menschen, die das Wagnis eingehen sich in ihrer Uneindeutigkeit zu zeigen und dadurch gewohnte Bilder verlassen, soetwas sollte möglichst rasch der Vergangenheit angehören. Und dafür kan jede etwas tun ohne ein persönliches Risiko einzugehen.

Liebe Grüße Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
Hallo Michelangela,

wenn das was Du geschrieben hast stimmt, dann wäre es für uns vermutlich die weitaus stimmigere und gesündere Option die gesellschaftliche Norm zu verändern (z.B. dadurch dass wir in möglichst sichtbar werden), anstatt verzweifelt zu versuchen uns an die gesellschaftlich geforderte, geschlechtliche Eindeutigkeit anzupassen und durch unsere Unsichtbarkeit die Norm stärken.

Was ich daran besonders erschreckend finde ist, wie stark wir diese, uns eigentlich widersprechende, gesellschaftliche Norm verinnerlicht haben, dass dieses Streben nach Eindeutigkeit als inneres Bedürfnis und nicht als äußerer Zwang wahrgenommen wird.

Liebe Grüße
Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?

... Wir sind mit dieser Art von Diskussion genau an einem wunden Punkt, bei der Diskussion über die Begriffe "Umwandlung", "umoperieren", "zur Frau werden", "anerkannt werden" oder auch nicht, eine Frau "emulieren". Solang wir selbst in diesen Begriffen sprechen, denken wir auch so, und lassen zu dass andere in diesen Begriffen denken, und uns in unserem Selbst angreifen...
Danke Michelangela, dass Du das so gut auf den Punkt gebracht hast.

Wo sind wir Frau und damit authentisch wir selbst? Und wo machen wir Frau-Sein lediglich nach?

Ich für mich empfinde es so, dass mein Körper ein männlicher Körper ist, der mir nur deshalb häufig im Weg ist, weil er verhindert, dass mein inneres Frau-sein, wahrgenommen und anerkannt wird. Und das gilt leider nicht nur für meine Mitmenschen, sondern tragischer Weise durchaus auch für mich selber. Auch in mir gibt es Zweifel, wie ich mir denn anmaßen kann eine Frau sein zu wollen, bei so einem Körper.

Durch operative Eingriffe, kann ich diesen Körper anders erscheinen lassen, im Grunde genommen bleibt es aber derselbe Körper. Es ist im Nachhinein gemacht. Also lediglich "nachgemacht"? Dann wäre aber auch vieles andere, was wir inzwischen tun um in die weibliche Rolle hinüberzuwechseln, nachgemacht. Aber genauso ist ja auch keine Cis-Frau mit Schminke und Rock zur Welt gekommen. Auch Cis-Menschen tun vieles um das von Ihnen gewünschte Rollenbild zu verstärken. Wo ist der Unterschied?

Im Grund bleibt die Frage, was unser Sein tatsächlich ausmacht? Als Trans*Menschen tendieren wir meist dazu zu sagen, dass das innere Identitätsgefühl der entscheidende Faktor ist und nicht das Äußere wie u.a. der Ursprungskörper. Wenn wir das aber konsequent zu Ende denken, dann erscheint es mir unlogisch, warum wir dann doch wieder so großen Wert darauf legen uns äußerlich und körperlich diesem Frauenbild anzunähern. Wenn wir uns das tatsächlich glauben würden, dass es nur auf das innere Identitätsgefühl ankommt, dann sollten wir meines Erachtens diese ganzen Angleichungsmaßnahmen eigentlich nicht nötig haben. Wir können es trotzdem tun, weil es uns einfach guttut - aber diese innere Not, dieses fast zwanghafte Bedürfnis, dass auch mich immer wieder beherrscht, würde ich gerne vor diesem Hintergrund verstehen.

Liebe Grüße Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
Liebe Dietlind,

das im Stehen uinieren überlasse ich gerne meinen Töchtern. Meine Stimme kann ich mir mühsam versuchen abzutrainieren oder mich einer Stimmband-OP unterziehen. Bislang habe ich nur unsicher, teilwiese sehr piepsige Stimmen erlebt, die dabei heraus kamen. Da ziehe ich es ehrlich gesagt vor, mit einer selbstbewußten Stimme zu sprechen, auch wenn diese deutlich männlicher klingt. Und was die Halbglatze anbelangt, bleibt mir als Alternativen leider nur die Wahl im Sommer unter einer Perücke zu schwitzen, die noch dazu als Fremdkörper rumrutschen kann. Das Geld für eine teure Haartransplantation unserem knappen Familienbudget zu entziehen ist für mich keine Möglichkeit. Und soweit ich weis, gibt es auch bei Dir einen Aspekt Deiner männlichen Anteile, zu dem Du Dich auch bekennst: Dein von Dir vermutlich mit Deinem männlichen y-Chromosom gezeugter Sohn. Ich glaube, jede muss für sich selbst entscheiden welche gegengeschlechtlichen Aspekte für sie tragbar sind und welche sie beseitigen will oder muss. In meinen Augen mag die Wahl dieser Grenze einen Menschen männlicher oder weiblicher erscheinen lassen, es hat aber keinen wirklichen Einfluß darauf was ein Mensch im grunde seines Wesens tatsächlich ist.

Du selber scheinst mir hier im Vergleich zu den meisten Trans*Menschen in einer Sondersituation zu sein: Dein Körper ist von seiner Grundanlage nicht eindeutig männlich oder weiblich. Hier kann ich bisweilen manchmal fast neidisch auf Dich sein, dass diese innere Stimme bei Dir eine körperliche Manifestation hat. So wie sich das in meinen Ohren anhört, musst Du lediglich ohnehin vorhandene körperliche Aspekte betonen. Das ist eine deutlich andere Situation als mit einem eindeutig männlichen Körper geboren zu sein.

Etwas Ähnliches versuche ich auch, in dem ich mich bemühe meine weiblichen Seiten so frei als möglich zu leben, jedoch mit der Einschränkung so wenig als möglich in meine körperliche Integrität einzugreifen. Bisweilen habe ich dafür von meinen Mitmenschen das Geschenk erhalten, trotz meines erkennbaren männlichen Körpers als Frau angenommen zu sein - nicht nur als Frau unter Frauen, sondern als Frau unter Menschen.

Liebe Grüße
Nicola
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Rat & Tat / Re: Wie wichtig ist es euch als Frau wahrgenommen zu werden?
....Transphobie bedeutet auch, dass nicht-transgender und nicht-transsexuelle Menschen meinen, über das Authentisch-Sein von transsexuellen und transgender Menschen urteilen zu können....
Sofern ParisParlan selber TG und/oder TS ist (was ich vermute), trifft diese Definition von Transphobie auf sie nicht zu.

Ich halte dieses Todschlagargument der Transphobie insbesondere bei internen Diskussionen für äußerst problematisch, da damit jegliche kritische Äußerungen vom Tisch gefegt werden können, anstatt sich damit inhaltlich auseinander zu setzen. 

Ich möchte an dieser Stelle gerne einmal den Spieß umdrehen und fragen, warum es einigen hier so extrem wichtig zu sein scheint, dass ihre männlichen Anteile und damit ihr Trans*Sein nicht erkennbar ist? So wichtig, dass sie auf eine Vermutung, dass ein Steelth-Leben unmöglich sei nach meinem Empfinden schon ziemlich emotional reagieren.

Ich kenne dieses extreme Bemühen, nur ja keinerlei Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass ich eine Frau bin, von mir selber auch ziemlich gut. Das setzt mich bisweilen massiv unter Druck. Ich frage mich oft, woher das wohl rühren mag, dass ich mich für das, was ich bin (nämlich eine Frau mit einem männlichen Körper) offesichtlich so sehr schäme, dass ich es am liebsten vor aller Welt verbergen möchte. Als einigermaßen inteligentes Wesen halte ich ein solche massive Scham für äußerst ungesund. Wie kann ich diese Scham am ehesten überwinden? Ich für mich glaube, dass es mir mehr hilft, mich selbstbewußt so wie ich bin zu zeigen, als wenn ich mich verzweifelt bemühe, dass mir meine männlichen Anteile nur ja nicht anzumerken sind.

Wenn ich das ganz alleine mache, als einziges uneindeutiges Wesen zwischen lauter anscheinend eindeutigen Männern und Frauen, dann ist das ziemlich schwer, ich glaube sogar unmöglich. Noch schwerer wird das, wenn mir klar wird, wie viele Trans*Menschen bemüht sind, ihre männliche Körperlichkeit soweit als irgend möglich zu verbergen. Auf der anderen Seite wird es immer leichter, je mehr Menschen sich trauen als Mischwesen sichtbar zu werden und damit das Tabu einer angeblichen geschlechtlichen Eindeutigkeit aufzuweichen.

Mir ist es extrem wichtig, dass mir meine weiblichen Anteile zugestanden und diese als Teil meines Frauseins anerkannt werden. Ich möchte mich aber von dem Zwag befreien, dafür als eindeutige Frau wahrgenommen werden zu müssen. Ich selber kann nur dann authentisch sein, wenn ich mein Frausein leben kann, ohne dafür meine männlichen Aspekte verstecken zu müssen.

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Events & Parties / Lorenza Böttner: Requiem für die Nrom
Hallo Ihr Lieben,

heute war ich in  der Ausstellung "Requiem für die Norm" die dem Schaffen der Transgender-Künstlerin Lorenza Böttner gewidmet ist (link zur Ausstellung). Sie ist noch bis zum 28.07.2019 im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart zu sehen.

Ich bin immernoch tief beeindruckt von den Zeichnungenm Gemälden, Fotos und Video-Installationen, die Trans in einer eigenen Ästhetik einer Vereinigung von Männlichem und Weiblichem in einer Person zeigen: Mutig, sehenswert und sehr berührend.

Viele Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
Liebe Dietlind,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich habe u.a. Genetik studiert und mich aus meiner nicht ganz identischen Betroffenheit auch intensiv mit Intersexualität und deren unterschiedlichen Erscheinungsformen und Ausprägungen beschäftigt. Wenn Du das Klinefeltersyndrom hast, dann steckt in fast jeder Deiner Zellen dass xx für Weiblich und das y für Männlich. Und Du schreibst ja gerade selber "Ich bin beides". Was mich in Anbetracht dieser Situation wundert, dass ist Dein Satz "... für mich gibt es keine Uneindeutigkeit". Ich würde eigentlich denken, dass in jeder Deiner Zellen geschlechltiche Uneindeutigkeit herrscht. Das würde ich gerne verstehen und bekomme es im Kopf nicht zusammen.

Alle diejenigen intersexuellen Menschen, die ich bislang kennenlehrnen durfte, legten großen Wert darauf, endlich in diesem Raum "dazwischen" leben zu dürfen. Sie fühlten sich von diesen falschen und oft viel zu früher Festlegungen massiv beschnitten - tragischer Weise oft im wörtlichsten Sinne des Wortes. Bei Dir scheint dass Alles ganz anders zu sein. Das würde ich gerne besser verstehen.

Viele liebe Grüße
Nicola
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Neu & Unbekannt / Re: Tranny Jenni sucht Ihn
Ich weiß nicht, wo die Idee her kommt, dass die Bürgerrechtsbewegung Nigger als angemessen fan.  Das Wort kommt aus der Ghetto-Sprache und ist sogenannte Ganster-Sprache.  Die Bewegung verwendete das Wort Negro.  Ich habe mehrere schwarze Freunde, und die würden sich eher die Zunge abschneiden, als sich als Nigger zu bezeichnen!  und genauso wenig will ich mich Trany oder Transe nennen.  Wenn es sein muss, dass ich meinen Weg zur Frau erläutern mus, nenne ich m ich Trans-Frau!  Ansonsten bin ich eine Frau, und will auch nichts Anderes sein!
Liebe Dietlind,

da Du in den USA lebst, kennst Du Dich da vermutlich besser aus. Ich war bislang davon ausgegangen, dass diese Selbstbemächtigung über das Schimpfwort seinen Anfang vor allem bei den Black Panthers genommen hat und dann auch Eingang in die Ghetto-Sprache genommen hat.

Das tut meines Erachtens aber diesem Prozess keinen Abbruch. Ein weiteres Beispiel für eine neue Wertzuordung für ehemalige Schimpfworte durch Selbstermächtigung ist meines Erachtens auch das Wort "schwul" das vor lediglich wenigen Jahren noch ein sehr eindeutiges Schimpfwort war und das inzwischen selbst einige Politiker stolz vor sich hertragen, obwohl sie doch sonst so auf ihr öffentliches Ansehen achten.

Gerade das Wort "Neger" finde ich ein treffendes Beispiel für den Bedeutungswandel dem Begriffe unterliegen: Zunächst stand der Begriff für negro=schwarz und war genauso wenig wertend wie weiß. Im Zuge der Sklaverei wurde der Begriff zu einem Schimpfwort, dass diesen Menschen jegliche Rechte und jegliche Würde absprach. Und mit der Selbstbemächtigung über dieses Wort (egal ob durch die Bürgerrechtsbewegung oder die Hip-Hop-Kultur) verändert sich die Wertung erneut.

In der negativen Bedeutung findet sicher keine/r der Betroffenen eines der Schimpfworte für sich als angemessen. Darum geht es auch nicht. Die Frage ist, wie mit solchen Herabwürdigungen umgegangen wird. Ob wir uns zu Opfern machen oder ob wir versuchen die Macht über solche Begriffe, über solche Beschreibungen über uns zu bekommen.

Ich möchte das sicherlich von niemandem verlangen, sich mit solchen Worten selbst zu bezeichnen. Ich würde mir aber innerhalb unserer Szene mehr Verständnis und womöglich sogar Anerkennung  wünschen für die meines Erachtens Mutigen, die sich das trauen.

Liebe Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
Es ist doch bloß eine Frage der Kommunikation: den Leuten, die hinreichend "open minded" sind, kann man doch verständlich machen, dass geschlechtliche Identität sich auch zwischen den Polen verortet sein kann. Und damit auch, dass es für die, die das betrifft, nicht immer so ganz einfach ist, eine tragfähige Lösung fürs Leben zu finden. Und sicherlich auch, dass das auch mal einen mehrfachen Wechsel der Rollen bedeuten kann.
Ich halte die Menschen im Durchschnitt auch für relativ offen, aber für (naturgemäß) wenig informiert.
Nicole - Dir möchte ich insofern widersprechen, als Du von ausnahmslos schreibst; wenn man akzeptiert, dass Geschlechtlichkeit zwischen zwei Polen "aufgespannt" ist, spricht doch nichts dagegen, dass die Identität eines Transmenschen auch  ganz nah und ganz stabil am "anderen" Pol verortet sein kann? Der nach wie vor ja Minderheit, bei der eine Transition im Kindesalter notwendig ist, billige ich das per se erst mal zu.
Liebe Beate,

bis auf eine Ausnahme stimme ich Deinen Ausführungen zu: Mein Name ist Nicola mit a am Ende und nicht mit e. Das ist zwar eigentlich nicht so wichtig, aber nachdem das nicht das erste Mal ist und mir mein richtiger Name viel lieber ist, möchte ich Dich doch darauf hinweisen.

Aber zurück zum Inhalt:
Das kenne ich von mir selber sehr gut, dass die Identität ziemlich weit und ziemlich konstant im Bereich des einen Pols bleibt. Den Tanz den ich meinte und den auch Airin ein ganzes Stück weit tanzt, das ist die äußere Rolle, das Bild das nach außen vermittelt wird, die durch Kleidung und Namen symbolisiert wird und die nach der Meinung der Mehrheit in unserer Gesellschaft durch die Genitalien festgelegt ist. Und da glaube ich tatsächlich,, dass es da bei den meisten von uns zum Teil recht radikale Wechsel (= wilde Tänze) in unseren Leben gab. Die einzigen Trans-Menschen, die keinen solchen öffentlichen Tanz aufgeführt haben, das sind die "Zimmertransen", aber wohl die allermeisten von letzteren tanzen für sich privat.


ich bin ja von Natur aus etwas "anders gelagert", und für mich gibt es keine Uneindeutigkeit.  Ich habe den grössten Teil meines Lebens im fast richtigen Körper leben müssen, und nun, da das fast fast vorbei ist, will ich sehr eindeutig sein!  Denn ich bin fast angekommen!
Aber ich finde dieses " Tanzen" schlecht, denn wir leben nun einmal innerhalb einer, uns noch relativ negativ gegenüber eingestellten Gesellschaft, und wenn dann publik gemacht wird, dass jemand hin und her wabbelt, ist das für uns nicht sonderlich gut.  Die Presse stürzt sich ja schon mit Begeisterung auf jeden Menschen, der von Trans auf Cis zurückgeht, und dann das???  Das mag traumhaft für das Individuum sein, aber fur uns als Gruppe ist das nicht gut, in 20 bis 30 Jahren eventuell, aber heute?  und leider leben wir heute!

Liebe Dietlind,

bislang hatte ich Dich so verstanden, dass Du nicht nur Trans* sondern auch intersexuell bist. Und Intersexuell hatte ich bislang so verstanden, dass der Körper bezüglich der Geschlechtsausbildung nicht eindeutig ist. Wenn Du jetzt schreibst, "... für mich gibt es keine Uneindeutigkeit", was habe ich dann falsch verstanden? Oder begrenzt Du das jetzt genauso wie Beate auf die Frage der Identität?

Ich möchte für mich mein Leben und mein Sein nicht auf Identität begrenzen. Für mich gehören Seele, Körper und Verstand alle zusammen zu mir. Alle sind für mein menschliches Leben unverzichtbar. Und die Uneindeutigkeit kommt bei mir daher, dass mein Körper und meine subjektiv empfundene Identität sich im Bereich der unterschiedlichen geschlechtlichen Pole befinden. Der Tanz entsteht dadurch, dass mir einmal das Körperliche und einmal das Seelische wichtiger sind. Er kommt daher, dass ich manchmal mutiger bin alleine zu tanzen und manchmal gerne im Einklang mit meinen Mitmenschen tanze.

Und wenn wir wollen, dass wir in 20 bis 30 Jahren alle so tanzen können wir es jede einzelne für sich als richtig und heilsam empfindet, dann wird das nur möglich sein, wenn spätestens heute die ersten Mutigen damit beginnen. Aber das wird sich kaum eine trauen, solange sie dafür aus den eigenen Trans-Reihen für ihre gelebte und womöglich öffentlich gezeigte Uneindeutigkeit schräg angeschaut wird. Veränderung braucht immer mutige VorkämpferInnen. Und mutige VorkämpferInnen brauchen Solidarität, damit sie nicht gleich untergehen.


Naja ganz nüchtern betrachtet, gibt es für uns keine vollständige Eindeutigkeit, zumindest keine körperliche Eindeutigkeit.
Liebe/r ParisParlan,

auch das sehe ich ein bisschen anders: Bis zum Einsetzten von Angleichungsmaßnahmen sind die meisten von uns gerade auf der körperlichen Seite ziemlich eindeutig. Die Uneindeutigkeit entsteht aus dem Auseinanderfallen von gefühlter Identität und körperlichen Merkmalen. Ich für meinen Teil habe mich an jedem klitzekleinen Hinweis gefreut, dass irgendetwas "objektiv" Weibliches an mir ist. Mein Körper war und ist mir immer viel zu eindeutig männlich. Erst mit dem Anerkennen meiner "nur subjektiv" empfundenen Weiblichkeit konnte ich damit beginnen diesen viel zu eindeutig männlichen Körper zu akzeptieren.

Liebe Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
... Wir haben genug Schwierigkeiten nicht als komische Erscheinungen abgestempelt zu werden, und dass etwas in unserem Kopf verdreht ist, wenn dann noch so ein Tänzer zwischen den Geschlechtern publik gemacht wird, sagen die Leute :"wir wussten es ja, die Transen spinnen"!
Wenn wir ehrlich sind, dann sind wir als Trans* alle und ausnahmslos "Tänzer zwischen den Geschlechtern". Manche zeigen dsa deutlicher, andere versuchen unauffällig zu sein und es mehr zu verbergen. Was ist schlimm an diesem Tanz? Warum sollten wir unsere Uneindeutigkeit, unsere Widersprchlichkeit, die Veränderungen in unserem Leben verbergen? Ich bin davon überzeugt, dass dieses Verbergen uns schadet.

Liebe Grüße
Nicola
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Neu & Unbekannt / Re: Tranny Jenni sucht Ihn
Hallo Ihr Lieben,

da möchte ich Beate und Isabell zustimmen: Jede sollte sich so bezeichenen können, wie es für sie im jeweiligen Moment passt. Und etws mehr Entspannung bei diesen Ausdrücken könnte uns vielleicht guttun.

Und selbstverständlich ist es eine Unvwerschämtheit und ein klarer REgelverstoß, wenn irgendwelche Dritte uns mit Schimpfwörten wie "Schwuchtel", "Transe"... belegen. Aber sind wir doch ehrlich, damit dass wir diese Worte zum Tabu erklären, werden wir rein garnichts dagegen tun können, dass diese Worte von irgendwelchen Idioten benutz werden um uns herabzuwürdigen. Im Gegenteil, genau darum geht es denen ja schließlich: uns mit diesen scharfen Woten zu verletzen.

Ob das gelingt, das liegt auch an uns. Wenn wir uns wehren und protestieren, dann machen wir uns zu Opfern. Wenn wir auf diese Worte aber reagieren indem wir einfach sagen "ja, ich bin eine Transe und das ist gut so" dann nehmen wir diesen Worten (und mehr ist das ja nicht) ihre Schärfe und ihren abwertenden Charakter. Wir bedienen nicht mehr die Erwartungen dieser Vorgestrigen, sondern machen ruhig und souverän deren vermeintliche Waffen stumpf und wirkungslos. Nehmen wir uns doch die schwarze Bürgerrechtsbewegung zum Vorbild und was sie mit dem Wort "nigger" gemacht haben. Heute ist es vielen Menschen noch nicht einmal mehr klar, dass Neger eigentlich ein Schimpfwort war, vielleicht noch ist oder durch eine übertriebene Sparchpolizei wieder wird. 

Ich zumindest verwende für mich dieses hoffentlich bald ehemalige Schimpfwort "Transe" ganz gerne. Immerhin ist es klar weiblich und entzieht sich den meines Erachtens sinnlosen Abgrenzungen von TS, TV, TG, TI, ...

Liebe Grüße
Nicola
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Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
Hallo Ihr Lieben,

nach dem was ich über die diversen Religionen weisd, ist mir eigenltich keine bekannt, die meinen würde, dass eine Seele nicht in relativ enger Beziehung zum Körper steht. Die meisten gehen meines Wissens davon aus, dass es den Tod bedeutet, wenn die Seele den Körper verlässt.
Und dass die Seele nach dem Tod so einfach weiterlebt und sich womöglich einen anderen Körper sucht, das hätte ich jetzt eher dem Budismus zugeordnet. Die zentrale Lehre des Christentum ist meines Erachtens der Glaube an die Auferstehung des Leibes - auch wenn sich das inzwischen schon ziemlich verwässert hat.

Ich persönlich bin von einer ziemlich engen Wechselirkung zwischen dem Seelischen und dem Körperlichen überzeugt: Nur wenn es meiner Seele gut geht, kann es auch meinem Körper gut gehen. Und genauso umgekeht: Nur wenn es meinem Körper gut geht, kann sich mein Seelenleben frei und glücklich entfalten. Mir einzbilden, dass ich beurteilen und entscheiden könnte, wie der Köarper auszusehen hat, in den meine Seele gehört, käme mir ziemlich anmaßend und arrogant vor.
Der Versuch diese Willkür zu beenden, vermute ich als zentralen Antrieb hinter den mehrfachen Wechseln von Airin. Aber das ist sehr schwer, wenn einmal so tiefgreifend in die Integrität des Körpers eingegriffen wurde.

Liebe Grüße
Nicola
15
Trannies & Medien / Re: Personenstand mehrfach gewechselt
Liebe Dietlind,

das Interview von Airin scheine ich ganz anders zu lesen als Du. Nach meinem Verständnis sind ihre/seine mehrfachen Wechsel vor allem von der Suche nach einem authentischen Leben geprägt, von der Suche nach der Rolle in der Airin wirklich sie/er selber sein kann. Hierbei spielt Sexualität eine Rolle, ist jedoch nicht die treibende Kraft, sondern eher ein wichtiges Maß für die Stimmigkeit, die in der jeweiligen Rolle erreicht wird.

Und abgesehen vom ersten Wechsel, waren die weiteren Wechsel soweit ich weiß vor allem soziale Wechsel, ohne operative Eingriffe im Genitalbereich, jedoch mit einer Veränderung in der Hormonsubstitution.

  …Ich kenne keine Trans Person, die ihre Umwandlung in Verbindung mit Sexualität stehen sah.  …
Nach meinem Sprachverständnis bedeutet Sexualität nichts anderes als körperliche Geschlechtlichkeit (im Gegensatz zu Gender = soziales Geschlecht). So gesehen kenne ich keine Trans*Person, bei der die körperliche Umwandlung nicht in Verbindung mit dieser körperlichen Geschlechtlichkeit (=Sexualität) steht. Schließlich werden bei der GaOP gezielt die Sexualorgane verändert.


Liebe/r ParisParlan,
… Denkst du, dass viele Trans*Personen sich eher zwischen den Geschlechtern einordnen würden, wenn es gesellschaftlich toleriert werden würde?
 
Wenn ich mich an meine eigene Scham erinnere, die über viele Jahre mit dieser Position zwischen den Geschlechtern verbunden war, dann bin ich davon überzeugt, dass eine echte und breite Akzeptanz einer Zwischengeschlechtlichkeit diese Position zumindest für mich erträglicher und damit lebbarer gemacht hätte. Und ich vermute, dass das nicht nur für mich zutrifft.

Und was den „Pendelschlag zwischen den Geschlechterpolen“ anbelangt, so kennen, vermute ich, die aller meisten von uns zumindest ein bis zwei Pendelausschläge aus dem eigenen Leben: Sehr viele von uns versuchen eine Zeitlang mehr oder minder verzweifelt der körperlichen Seite Glauben zu schenken, was oft mit einer zum Teil sehr rigorosen Unterdrückung der gefühlten Geschlechtsidentität einhergeht (das Pendel ist ganz auf der körperlichen Seite). Bis diese es nicht mehr aushält und rebelliert, leben und sich zeigen will. Das geht oft mit Versuchen einher, dann möglichst ganz auf der anderen Seite ankommen zu wollen (das Pendel ist ganz auf der seelischen Seite). Und wenn das einigermaßen geschafft ist, dann kann wieder etwas mehr Ruhe einkehren, oft gepaart mit wieder etwas mehr Großzügigkeit gegenüber Aspekten des Ursprungsgeschlecht, so dass sich das Pendel wieder in Bewegung setzen kann …

Bei mir selber hat zum Beispiel jede Phase des intensiven Verliebtseins mein Pendel für eine meist relativ kurze Zeit auf die dem Geschlecht meines Geliebten gegenüberliegende Seite gezogen. Die Bewegung auf die andere Seite kam aber jedes Mal unausweichlich.

Liebe Grüße
Nicola