cilii
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« Antwort #2 am: 15. Oktober 2006, 13:58:20 » |
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aufgrund der positiven Anregung poste ich hier mal das tagebuch der Paris-Reise, die ich mit meiner besten freundin Ulli gemacht habe.
Der Text sollte eigentlich woanders veröffentlicht werden, aber die Person dort hat dies nie getan, daher nun hier.
keine fiktion, alles 100% for real. Kommentare und Fragen gerne willkommen.
------------------------- Zwei Ladies in Paris
Ein kurzes Tagebuch von Ulli und Christina auf ihrer Reise nach Paris
Vorwort:
„Souhaitez-vous être parfumée?“
Wünschen Sie parfümiert zu werden? Diese Frage hallt gerade durch meinen Kopf als ich einen kurzen Tagtraum habe. Ich finde meine Sinne wieder und lächle den jungen Herrn an der vor mir steht und mir gerade angeboten hat die neueste Création des Hauses zu testen.
Irgendwie ist das alles ein wenig surreal. Ich stehe in ein Kostüm gekleidet, mit Pumps und Handtasche inmitten eines Pariser Kaufhauses, am Stand von meiner Lieblingsmarke Chanel. Träume ich? Muss mich jemand zwicken und ich wache in meinem Bett auf oder passiert das hier alles wirklich?
Ich verzichte mal aufs Aufwachen und träume lieber weiter. Anbei die Geschichte wie es zu diesem Traum kam:
Einleitung:
Alles begann mit 2 bis 3 ungezwungenen Emails. Ulli und ich haben uns von Anfang an gleich gut verstanden weil wir ähnliche Vorstellungen von Weiblichkeit haben. Aus einem intensiven Email- und Telefonaustausch wurde erst ein Treffen, dann weitere bis eines Tages Ulli die Idee hatte zu etwas Großem, etwas was weder wir noch irgendjemand den wir kennen je gewagt hatte.
Ich bin beruflich öfters in Paris, also meinte Ulli, warum fahren wir da mal nicht als Ladies hin? Und als wäre das nicht genug, entschieden wir zu fliegen. Und da uns auch das nicht reicht, legten wir fest, das diese komplette Reise von Anfang bis Ende en femme stattfinden sollte und wir von Zürich starten sollen, was für mich am nächsten liegt. Inkl. sämtlicher Zollkontrollen bei Verlassen der EU, Sicherheitschecks und vielem mehr
Tag 0 Donnerstag 18. Mai
Für Ulli begann das Abenteuer Paris einen Tag früher. Sie lies sich in Frankfurt ein Reisestyling verpassen und fuhr dann en femme zu mir in mein beschauliches Schwarzwaldnest
Ich musste an diesem Donnerstag noch arbeiten, und trotz gewissem Neid das Ulli schont gestylt war packte ich fröhlich meine Koffer und mein Beautycase. 2 große Koffer reichen bei einer Dame gerade so für 4 Tage Paris (7 Paar Schuhe waren das Minimum!)
Morgen ist es soweit, wir haben beide nicht viel geschlafen diese Nacht
Tag 1 Freitag 19. Mai
An diesem sonnigen Morgen konnte auch ich mich endlich stylen, dazu habe ich Ullis makeup noch ein wenig erneuert. Unsere Reiseoutfits lagen schon lange fest und waren Gegenstand unendlicher Emaildiskussionen. Als perfekte Businessladies ging es aus dem Haus, die Koffer in Ullis Auto und los in Richtung Schweiz bzw. Flughafen Zürich Kloten. Wir fühlten uns wie 2 Kinder am Abend vor Weihnachten.
Am Zoll in Waldshut wurden wir wortlos durchgewunken. Für mich ist dieser Übergang mittlerweile Routine, Ulli war jedoch noch ein wenig nervös.
Das sollte aber auch die einzige Kontrolle der Reise sein wo ich Routine beweisen konnte, die großen Aufregungen standen uns noch bevor. Nachdem das Parkhaus am Flughafen angesteuert war begeben wir uns mitsamt all unserer Koffer in die Check-in Halle. Hier die erste Überraschung. Es wimmelt von Menschen wie ich es als Zürich-Vielflieger noch nie gesehen habe. Dazu funktioniert der elektronische quick-check-in Schalter nicht wie gewünscht und wir sind gezwungen uns in die normale Schlange zu stellen. Ulli scheint das weniger auszumachen als mir.
Nachdem wir endlich und was mich betrifft mit 200 Puls an einen Schalter kommen die nächste Überraschung: Wir wollten eigentlich in einer der hinteren Reihen Platz nehmen, aber die einzigen Sitze die noch frei sind haben Nummer 3B und 9B, mittendrin in einem ausgebuchten Flieger! 250 Puls
Nun gut, Gepäck aufgeben, bewaffnet nur mit Beautycase und Handtasche begeben wir uns zur nächsten „Prüfung“: der Flughafen-Zollkontrolle. Was ging mir nicht alles durch den Kopf! Separate Personenkontrolle in der Kabine, Abnahme der Perücke und und und. Als potenzielle Terroristin fühlend lege ich dem Schweizer Herrn von der Kantonalpolizei meinen Pass vor und (300 Puls)... er winkt mich durch. Ich bin so überrascht über die Banalität des Ganzen dass ich fast schon beleidigt schaue. Ulli nach mir ebenso, wir schauen uns grinsend an. Das war alles? Hahahaha dafür alle die Angst? Ich hatte der Zollbehörde sogar einen Brief geschrieben um zu erfahren wie das abläuft wenn man als Frau mit männlichen Papieren da durch will.
Nun es ist noch nicht ganz vollbracht. Nächster Halt: die Sicherheitsschleuse. Erneuter Schock, riesige Menschmassen stauen sich davor und wir sind sowieso schon etwas knapp dran. Selbstverständlich lege ich Tasche, Schuhe und Blazer brav aufs Band, zeige mein Ticket, laufe durch den Detektor und nichts passiert. Ich nehme meine Sachen zusammen, Ulli schlüpft gerade auch problemlos durch und wir beide sind erleichtert. Jetzt haben wir den ersten großen teil geschafft, wir müssen nur noch in den Flieger.
Nach erfolgtem Aufruf beginnt das Boarding, nicht ein krummer Blick, dafür einige Blicke auf die Beine ;-) ein Schelm wer Böses dabei denkt!
Boarding per Bus auf dem Rollfeld, also rein in den Bus, dicht gedrängt unter Reisenden und Geschäftsleuten, es ist windig ich stöckel die Treppe in die Avro A100 hoch…
Wir sitzen beide 6 reihen auseinander in einem proppenvollen Flieger, auf beiden Seiten Männer. Und? Nix war, meine beiden Herren haben mir die Schokolade geschenkt. Ullis Nachbar musste nach 5 Minuten Flug aufs Klo und Ulli stand mitten auf dem Präsentierteller im Flieger.
Während des Fluges habe ich mich mit einem guten Krimi beruhigt …
Dann die Landung Paris, raus aus dem Flieger und zack! stehen wir in der Schlange vor dem Zoll. Ich komme zuerst dran. Der Zollbeamte schaut ohne Übertreibung 10mal in mein Gesicht und in meinen Pass. Ich grinse und bin durch, gleiches Spiel bei Ulli.
Dann 30 Minuten Warterei aufs Gepäck. Unser Held des Wochenendes, mein Stammtaxifahrer Farouk läuft schon nervös auf und ab aber erkennt mich nicht. (zu ihm später mehr!)
Nachdem die Koffer endlich aufgeladen sind, laufen wir zu Farouk, und ich sage nur „Hallo Farouk“, er verliert eine Tausendstelsekunde die Fassung und ist dann sofort wieder ganz Profi: „Auf geht’s!“
Der Mann wird noch ganz andere Qualitäten an diesen 4 Tagen unter Beweis stellen! Niemand ist so cool und so professionell wie Farouk. Auf der Fahrt zum Hotel macht er auch unmissverständlich klar dass es für ihn, der mich ja sonst als Mann durch Paris fährt absolut kein Problem ist mich als Frau als Passagier zu haben. Im Gegenteil er freut sich sehr darüber mich privat auch mal kennen zu lernen. Seine Diskretion ist mir sicher.
Er fährt uns zum Hotel, dem Hotel Residence Lord Byron in der Rue Chateaubriand im 1. Arrondissement, 200 Meter bis zu den Champs Elysées, 500 Meter bis zum Triumphbogen, mitten in Paris, genau für uns geschaffen.
Wir checken ein, der Empfangschef wird von Ulli und mir einstimmig als mindestens schwul, maximal nebenberuflich Drag Queen kategorisiert. Umso herzlicher ist der Empfang, es ist einfach wunderbar sich am Hotel zu melden mit: „Mademoiselle Christina d´Yvon, es müsste ein Doppelzimmer für mich reserviert worden sein. Yes!“
Das Zimmer ist eine kleine Suite mit allen Extras, schönen Möbeln, gemütliche Couch, vielen Spiegeln und großem Bett mit viel Platz für uns und unsere Sachen, wir packen auch gleich aus und decken das Bad mit unseren Beautycases zu
Nach einem kurzen Nachstyling bestellen wir uns ein Taxi und los geht’s ins Treiben von Paris!
Erster Stop: die berühmten Galeries Lafayette, weithin als das schönste Kaufhaus der Welt betrachtet, ein Tempel der Feminität und des Luxus!
Wir flanieren durch die Reihen, Dior, YSL, Chanel, Lancôme, etc etc eine Marke folgt der anderen und wir saugen alles in uns auf, wie in Trance. Das ist das wahre Leben! Hier fühlen wir uns wohl die Minuten werden zu Stunden während wir durch die Etagen ziehen wie Kinder an Weihnachten ehrfurchtsvoll mit leuchtenden Augen. Ich plaudere mit den Verkäuferinnen, lasse mich beraten, probiere alles aus, Düfte hier, Makeup da...
Der Nachmittag wird zum Abend, wir treten die Rückfahrt Richtung Hotel an, wechseln zu einem Abendstyling und gehen in einer schönen traditionelle Crêperie in der Rue Washington essen. Neben uns eine amerikanische Familie, die kleine Tochter (ca. 8 oder 9 Jahre) fragt ihren Papa ob ich Junge oder Mädchen sei und er antwortet ganz „She is a boy, but she will be a girl soon!“ Wir sind Gesprächsthema der ahnungslosen Gruppe, umso mehr bleiben die Münder offen als ich mich in perfektem Englisch von Ihnen verabschiede und einen schönen Abend wünsche... Die Gesichter habe ich richtig genossen
Danach geht es zwei Häuser weiter in die herrliche Weekend´s Bar, schön im art-déco-Stil eingerichtet, sehr gemütlich und elegant.
Der Abend klingt aus, wir sitzen in unserem Hotelzimmer, bewusst das es gerade erst angefangen hat, wir plaudern bis spät und schlafen glücklich ein.
Tag 2 Samstag 20.Mai
Ulli ist schon halb fertig als ich aufwache, kurz vor 9. Das heutige Programm wartet auf uns.
Nach Styling gehen wir auf die Champs Elysées, verdrücken ein teures Frühstück und machen uns aufgrund des starken Windes auf in Richtung Printemps, dem größten Pariser Kaufhaus auf.
Dort folgt der nächste Shoppingtrip, das Highlight ist der Stand von Thierry Mugler Parfums wo Ulli das neue Alien als Boxset in limitierter Auflage ersteht. Die dazugehörige Dame die Promotion für Mugler Parfums macht ist eine Augenweide.
Christina hingegen lässt sich in der Dessous Abteilung fallen, Chantal Thomas Nahtstrümpfe für das Hochzeitsfeier Outfit, Besuch bei „Agent Provocateur“, dem genialsten Laden im ganzen Kaufhaus, die Verkäuferinnen dort sind mehr als sexy und super freundlich. Der Shop hat einfach Stil, oder was sagt man zu einer Reitgerte für SM Spielchen mit brilliantenbesetztem Griff?
Wir gehen noch mal zum Mugler stand zurück und kommen mit dem Personal ins Gespräch. Auf die Frage wo hier denn der Stand von Mugler Damenmoden ist erhalten wir die Antwort das Thierry Mugler keine Damenmodekollektion mehr führt, dafür bekommen wir eine Karte mit einer Adresse zu einem Geschäft welches die gesamten Restbestände der Mugler Damenkollektionen aufgekauft hat… später mehr
Nach einer Stärkung in einem schönen Bistrot lassen wir uns ins 17. Arrondissement in die Rue Legendre fahren. Und es ist ein Traum der wahr wird. Ein Laden mit einer echten Lady als Chefin, voll bis obenhin mit Edelfashion. Wir werden dort herzlich von Sonia empfangen und tun das was jeder Transvestit am liebsten tut: Klamotten anprobieren, mit dem feinen Unterschied das dort alles von Mugler ist, bis unter die Decke meterlang und hinter jedem Vorhang noch mehr Kleider und Kostüme. Ein Top für ursprünglich 2500 Euro, ein Abendkleid ab 13.000 Euro, ein Preisschild an einer Robe habe ich mit 33.500 Euro gesehen, alles dort für 10% des Preises. Mit weiteren Kundinnen kommen wir auch schnell ins Gespräch, unser Geschmack (und unsere schonungslose Ehrlichkeit) werden wohl geschätzt. Es gehört wohl Mut dazu einer Dame zu sagen dass ihr 3000 Euro Blazer nicht zu ihrem Teint passt, umso erstaunter gibt sie uns Recht und freut sich.
Wir genießen die Komplimente und das ungezwungene Gespräch unter Damen. Ich werde fast bei einem Hosenanzug von Mugler schwach der mir wie angegossen passt, Ulli probiert einen Blazer nach dem anderen... Es ist einfach ein Nachmittag unter Frauen, der letztendlich mit einem guten Kauf endet…
Danach flanieren wir noch ein wenig durch das 17. Arrondissement, ein bisschen Postkarten-Paris für die Sinne.
Wir fahren mit einem Honigkuchenpferdgrinsen wieder zu den Champs Elysées zurück, reservieren einen Tisch in einem edlen Restaurant in der Nähe des Hotels (La Catina, mediterrane Küche, Rue Washington)
Dort gehen wir um 20.30 essen, sehr schick und fein, 2 Ladies im Luxus, wir bekommen nicht genug davon, wir freunden uns mit der Kellnerin an die uns sogar stolz ihre mit airbrush verzierten Finger- und Fußnägel zeigt . Merke: um mit einer Frau ins Gespräch zu kommen ist die Frage „Wo haben Sie ihre Nägel machen lassen?“ immer ideal!
Danach eines der Highlights, unser Stammfahrer Farouk hat mir vor Monaten versprochen mit uns eine Paris by Night Tour zu machen. Er fährt mich wie gesagt immer wenn ich beruflich (=als Mann) in Paris weile. Er kennt Paris wirklich wie seine Westentasche und so steigen wie um 22.15 in seinen Mercedes und er fährt uns durch alle mehr oder weniger touristischen Viertel von Paris, erklärt, erzählt Anekdoten, er weiß zu allem was, voller Humor und Ironie, es ist eine Lehrstunde über Paris die zu einer Philosophie Vorlesung und allgemeinem Sinnieren über das Leben wird, 3 Stunden lang, vom Universitätsviertel bis zum Transenstrich vom Bois de Boulogne, vom Eiffelturm bis zum Ritz Hotel, von der Place Vendôme zum Pont Alexandre III, von Pigalle bis zum Malerviertel von Montmarte und nebenbei erfahren wir aus erster Hand bei einer Fahrt durch den Tunnel de l´Alma was damals wirklich mit Lady Diana geschah, denn Farouk kennt die ganze Geschichte, er war damals hautnah dabei.
Farouk setzt uns im Kneipen- und Amüsierviertel des 4. Arrondissement ab, wir setzen uns in eine gemütliche Bar und brechen um 2 Uhr auf Richtung Rue de Rivoli um ein Taxi zu bekommen…
Nur… wir finden keines. Alle Taxi voll oder außer Sichtweite, die Strassen gesäumt von Menschen die den Daumen in die Luft halten, und wir ca. 10 km vom Hotel entfernt. Also stöckeln wir los, 2 Uhr nachts mitten durch Paris. Die Laune erhitzt sich durch gegenseitige bissige Bemerkungen während wir die Rue de Rivoli entlang laufen. Plötzlich laufen 3 angetrunkene Jugendliche neben uns her uns fangen mit dem Hänseln und Spaßen an, sie reden davon uns die Perücken zu klauen etc.
Wir werden beide sehr nervös und ich dränge Ulli schnell zum Abbiegen, wir schütteln sie ab, und laufen auf unseren Schuhen weiter
Wir haben bereits einen kilometerlangen Gewaltmarsch auf Absätzen hinter uns als plötzlich Ulli ein Taxi erblickt. Schweigsam aber erleichtert fahren wir nach Hause, der Tag war trotzdem toll, 99% einfach nur herrlich, es gehört wohl zum Frausein dazu. Oder geht es uns zu gut, so dass wir ein bisschen dafür abgekühlt werden müssen? Gedankenvoll schlafen wir ein, Ulli wird mir diesen Marsch noch lange vorwerfen dürfen...
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