Nicht dass es etwas ungewöhnliches wäre, dass ich erkannt werde, aber so eine Situation wie heute Mittag bei Vapiano in Nürnberg habe ich noch nicht erlebt. Ich saß dort lesend bei einer Tasse Cappucino, als eine Frau mit zwei Kindern fragte, ob sie sich zu mir setzen könnten, wogegen ich natürlich nichts einzuwenden hatte. Der Junge, geschätzte neun Jahre, gar nicht schüchtern und mit kräftiger Stimme, "das ist ja ein Mann!" Der Mutter war's natürlich peinlich, als sie aber an meinem breiten Grinsen sah, dass ich nicht böse war, mahnte sie ihren Filius nur, er möge nicht so rumschreien, und bat mit einem "Kinder verstehen das halt noch nicht" um Entschuldigung.
Nach einem kurzen Gespräch widmeten sich sich ihrem Essen und ich mich wieder meinem Buch. Die neugierigen Blicke des Jungen und die verhohlenen des Mädchens (3. Klasse, wie ich später erfuhr) erwiderte ich dabei gelegentlich mit einem Lächeln. Nachdem die Mutter merkte, dass mir die Situation nicht peinlich war, fing sie eine Unterhaltung über das Warum, Wieso und Wie an. Auch die Kinder ließen ihrer Neugier freien Lauf, wollten meine Haare berühren (was ich ausnahmsweise gestattete. Die Tochter, jetzt gar nicht mehr schüchtern, war ein richtiger Perrückenfan, wie ich erfuhr), meinen Namen wissen, ob ich ihn mir selbst ausgesucht hätte, und ob ich einmal einen Mann oder eine Frau heiraten werde...

Süß nicht? Wenn's mich auch etwas in Antwortschwierigkeiten brachte...
Auch die Mutter, früher wie ich eine Münchnerin, wie sich im Laufe des Gesprächs herausstellte, hatte einige Fragen. So entwickelte sich ein nettes und munteres Gespräch, wobei den dreien aber immer wieder mal ein "er" rausrutschte. Vor allem die Tochter (wie gesagt, Perrückenfan, da sie selbst auch nur mittellange Haare hatte und lieber lange trägt) hatte jetzt Zutrauen gefasst. Sie bewunderte meine Ohrringe und meine (mit der unvermeidlichen Sonnenbrille bestückte

) Frisur. Und spätestens nach der Bemerkung, für sie sei ganz klar, ich wäre ein Mädchen, hatte ich sie natürlich ins Herz geschlossen. Zum Abschied schenkte mir die Kleine dann eines ihrer (abstrakten) Kunstwerke, auf das sie in Schönschrift "Sabine" geschrieben hatte, ich war echt gerührt.
Tja, ein schönes Erlebnis mit Feelgood- und Mutmachfaktor, wie man sie gerne öfter erleben möchte.
Sabine