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Autor Thema: Historisches zum Transgenderdasein  (Gelesen 1523 mal)
Roxanne
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« am: 11. März 2007, 17:52:02 »

Wieder ein Thema, daß bisher nur am Rande angesprochen wurde.

Zum Einsteig mal der Link zum guten Wikipedia-Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Transvestitismus

Wer mag, kann hier in loser Folge Personen vorstellen, die interessant erscheinen.
Hekate kann da sicher eine Klopapierrolle vollschreiben.. Cheesy

ELAGABAL

Ziemlich weit zurück in der Geschichte taucht der römische Kaiser Heliogabal, Elagabal oder Elagabalus auf, der ständig in Frauenkleidern auftrat und um den sich aufregende Mythen drehen. So hätte damals ein auf GaOP-spezialisierte Chirurg ein gutes Geschäft machen können: "Kaiser Elagabalus trat oft öffentlich in Frauenkleidern auf und ließ sich als Venus schminken (Allerdings war er wohl mehr als nur ein Transvestit, denn er versprach sein halbes Reich demjenigen, der ihn auch mit weiblichen Genitalien ausstatten würde). "   Roll Eyes

http://de.wikipedia.org/wiki/Elagabal   

Nicht so ganz einig sind sich die Historiker, ob Elagabal tatsächlich transsexuell oder Transvestit war oder ob das alles eine Fehlinterpretation und Falschüberlieferung seines Wirkens war. Schließlich hat er die ganze Religionsstruktur im Reich umkrempelt, sich so nicht nur viele Feinde machte, sondern auch durch Abkehr von alten Riten schnell den Ruf eines lasterhaften und obszönen Herschers bekommen.

Aber zumindest schien der Gute sexuellen Reizen und Experimenten gegenüber aufgeschlossen zu sein, wie diese alte Darstellung nahe legt..  Cool





« Letzte Änderung: 11. März 2007, 21:01:07 von Roxanne » Gespeichert

Natürlichkeit ist langweilig. 
HEKATE
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« Antwort #1 am: 13. März 2007, 20:35:16 »

"Hekate kann da sicher eine Klopapierrolle vollschreiben..."

Na da muß ich mal Roxannes Erwartungen mit den ersten Klopapierblättchen erfüllen:

Elagabal: die Sache mit dem "als Venus schminken" hatte sein Biograph noch etwas schlimmer: er habe in einem Theaterstück die Rolle der Venus gespielt und dabei seine Partner unzüchtig berührt! Glauben tu ich beides nicht recht: denn er verkörperte in dem von ihm importierten Elagabal-Kult zugleich selbst die Rolle dieses obersten Gottes - und hätte sich kaum herabgelassen, stattdessen eine "untergeordnete Kollegin" zu spielen  Grin ! Möglicherweise war das eine Verwechslung mit

Caligula: der hatte sich als erster römischer Kaiser selbst zum Gott erklärt - und beanspruchte je nach Laune die Kostüme der verschiedensten römischen Gottheiten: nicht bloß Jupiter, Mars oder Merkur, sondern eben auch mal Venus! Besonders bezaubernd wirkte er zwar als solche nicht - hatte aber immerhin von früher schon Erfahrung mit Frauenkleidung:

als der mißtrauische alte Kaiser Tiberius herausfinden wollte, wie er den übermächtigen Garde-Kommandeur Sejanus am besten loswerden könne, hatte sich sein Neffe Caligula als freigiebige Kollegin verkleidet unter die Nutten der Gardekneipen gemischt, um dessen populärsten Rivalen zu entdecken und für einen Coup zu rekrutieren (berichtet zumindest Robert Graves im Roman "Ich, Claudius" - für den er gründlich alle zeitgenössischen Quellen studiert hatte).

Das Elend mit all solchen Quellen ist bloß, daß sie nur zu oft puren "Klatsch-Journalismus" berichteten - vor allem nach dem Tod eines unbeliebten Kaisers schrieb man ihm alle erdenklichen "Laster" zu, je toller desto besser: so sind denn auch Berichte, daß etwa Nero oder Commodus mal zum Jux als Fellatrices verkleidet in Bordellen gearbeitet hätten usf., mit gewisser Vorsicht zu "geniessen" ... 

Eure geschichtskritische  HEKATE 
« Letzte Änderung: 13. März 2007, 20:39:10 von HEKATE » Gespeichert

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neomideluxe
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« Antwort #2 am: 13. März 2007, 22:01:12 »

Da fiele mir Lord Cornbury,  Gouverneur von New York und New Jersey ein.

Er galt zwar als korrupt aber ließ sich auch als Frau porträtieren.


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Auch die Amtsgeschäfte führte er zeitweise so ;-) Also weit seiner Zeit vorraus.

Weiter entdeckte ich im Magnus Hirschfeld Archiv (auf der Suche nach Lord Cornbury) den Chevalier d'Eon, französischer Diplomat des 18. Jahrhunderts und bekannter Degenfechter.
Er  lebte zeitweilig als Mann, zeitweilig als Frau. Mit seinem fechterischen Können trat er jedoch in beiden Geschlechtsrollen hervor.
   

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Sehr praktisch war natürlich, daß der Bartschatten beim portraitieren wie von selbst verschwand... ;-)




« Letzte Änderung: 13. März 2007, 22:11:52 von neomideluxe » Gespeichert
HEKATE
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« Antwort #3 am: 14. März 2007, 20:00:09 »

Hallo Neomi,
es gibt da noch ein viel hübscheres Portrait der
"Chevaliere d'Eon" (man beachte den Degen!):



[die derzeit beste Darstellung der Lebensgeschichte findet
sich bei http://freenet-homepage.de/Jula.Me/deon.htm ]

Augenblicklich höchst aktuell ist dagegen die vielgelobte
japanische anime Chevalier d'Eon von 2006



in deren phantasiereichem Konzept allerdings eine ermordete
Schwester Lia (die er real nie hatte) zuweilen in den Leib des
männlichen Chevaliers fährt - um ihm gegen finstere Intrigen
beizustehen, in denen u.a. Zombies und Gargoylen, der Graf
v. St. Germain und gar Maximilien Robespierre(!) mitmischen:

[mehr dazu unter http://en.wikipedia.org/wiki/Le_Chevalier_D%27Eon ]

Zu Lord Cornbury jedoch solltest Du mal Jula konsultieren,
die mir gegenüber arge Zweifel an dessen TV-tum äußerte!
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Jula
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« Antwort #4 am: 14. März 2007, 21:32:13 »

Genau, Neomie,

über Lord Cornbury habe ich mal gründlicher recherchiert.
Belegt ist nur, dass er ein lausiger, allseits verhasster Politiker war. Die Sache mit den Frauenklamotten scheint substanzlos zu sein ... und auf dem Bild eben nicht Cornburry abgebildet, sondern wie ich irgendwo gelesen habe "einfach nur eine hässliche Frau"!
Belegt ist jedoch, dass ein später Amtsnachfolger von ihm, nämlich Rudi Giuliani, als Marylin Monroe gestylt öffentlich aufgetreten ist.

Bei den historischen Transvestiten fehlt übrigens noch einer der heftigsten:
Abbè Timoleon de Choisy! Als ich dessen Autobiographie gelesen habe, hat es mich schier zerrissen. Nach heftigen Exzessen und Totalpleite dank Spielsucht ist er in seinen späten Jahren sogar noch ein (von seiner exzentrischen Kleidung abgesehen) normaler  Priester geworden.
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Roxanne
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« Antwort #5 am: 14. März 2007, 23:16:09 »

. Nach heftigen Exzessen (....)normaler  Priester geworden.

Als Nonne wollten sie ihn dann wohl doch nicht mehr nehmen  Wink
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Natürlichkeit ist langweilig. 
Jula
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« Antwort #6 am: 15. März 2007, 08:18:26 »

. Nach heftigen Exzessen (....)normaler  Priester geworden.
Als Nonne wollten sie ihn dann wohl doch nicht mehr nehmen  Wink

Das hatte er nicht nötig. Er hat mit einer Selbstsicherfheit "sein Ding" durchgezogen, dass es mich  sprachlos macht. Ein Zeitgenosse schrieb:
"Vielleicht würde es für die Würdigung seiner Kirchenannalen genügen, sich einen Augenblick lang diesen siebzigjährigen Priester vorzustellen, in einem Gewand, das so wenig für sein Alter und seinen Stand gemacht ist, arbeitend an der Geschichte der Märtyrer und der Einsiedler und mit derselben Hand sich weltlichen Putz anlegend, mit der er sie Beschlüsse des Konzils niederschrieb."
Zu diesem Zeitpunkt war er Mitglied der ehrenwerten Academie Francaise.
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HEKATE
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« Antwort #7 am: 17. März 2007, 20:28:06 »

"Hekate kann da sicher eine Klopapierrolle vollschreiben..." (Roxanne)

Auf dieser - vornehmer - Klio-Papierrolle (Klio: Muse der Geschichts-schreibung) sind die Blätter zwischen Alt-Rom und Neuzeit ziemlich leer - doch nicht ganz:

“Da gab’s mal einen ziemlich berühmten Ritter - irgendein hohes Tier in der Steiermark, und Minnesänger war er auch noch - der ließ sich extra in Venedig Frauengewänder nach der vornehmsten Mode machen, lange falsche Zöpfe dazu und alles: und ließ dann verkünden, er werde so im Minnedienst zu Ehren der Frauen als ‘Frau Venus’ mit Gefolge durchs ganze Land ziehen. Wenn er irgendwo hinkam, traf er sich vormittags erstmal in voller Frauentracht mit den Damen und ließ sich von ihnen abküssen; am Nachmittag konnten ihn dann Ritter zum Lanzengang herausfordern - natürlich auch wieder in seinem Venuskostüm über dem Kettenhemd: und regelmäßig gewann er!”
(schreibt Phryne Pseudogyne in ihrer Story "Capemädel")

Das war der Herr Ulrich von Liechtenstein (1200-1275): im "Codex Manesse" der Minnesänger zwar so abgebildet, als hätte er bloß eine Venusfigur auf dem Helm getragen - aber sein eigner Bericht "Frauendienst", den kein Geringerer als der große Romantiker und Shakespeare-Übersetzer Ludwig Tieck wieder ausgrub, sagt eindeutig, daß er sich voll auftranste und stolz darauf war!
http://gutenberg.spiegel.de/ulrichls/fraudnst/fraudnst.htm

[Weder der vertriebene Herzog Ulrich in Hauffs Roman "Lichtenstein" noch der hochstapelnde "Sir Ulrich von Lichtenstein" im Film "Ritter aus Leidenschaft" 2001 haben was mit diesem hier zu tun] 
« Letzte Änderung: 17. März 2007, 20:34:01 von HEKATE » Gespeichert

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« Antwort #8 am: 18. April 2007, 19:57:36 »

Hab noch was:

Ashurbanipal (668 - 627 v. Chr.)
Der assyrische König war bekannt für seine Kriegstätigkeiten und seine große Tontafel-Bibliothek. Er soll sehr oft Frauensachen getragen, Make-up benutzt und in einer höheren Tonlage geredet haben, um so eine Frau zu imitieren. Es gibt Überlieferungen, laut denen er in Frauenkleidern bestattet wurde.

Nachtrag: In seiner Bibliothek befand sich auch das Repzept nach dem noch heute Glas hergestellt wird!

Emil August (1772 - 1822)
Er war der vorletzte Fürst des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg. Es heißt, dass er nicht nur eher feminin-pazifistisch und dem allzu männlichen martialischem abgeneigt war, sondern sich auch gern in Frauenkleidern präsentierte und sich Emilie nennen lies. Zudem werden ihm homoerotischen Beziehungen nach gesagt.
« Letzte Änderung: 18. April 2007, 19:59:09 von Jessica-Spirit » Gespeichert
Ili
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« Antwort #9 am: 13. Juni 2008, 22:02:43 »

Was für ein interessantes Thema, so für mich als Geschichte-Studentin  Grin

Ich habe in "Sodom und Gomorrha" von Hergemöller kürzlich etwas gefunden, und zwar einen kurzen Bericht über eine "Frau" im spät-MA/frühe NZ (ich glaube, es war 15. Jahrhundert), die angeblich mit Obrigkeitlicher Genehmigung einen männlichen Namen angenommen und eine Frau geheiratet hätte.
Leider stand nicht viel dazu dabei, da das eigentliche Thema des Buches "Homosexuelle im Mittelalter" waren, deshalb nur am Rande erwähnt. Würde mich auch wundern, wenn es dazu allzu viele Infos gäbe - aber ich war doch ziemlich überrascht, als ich es gelesen habe.

MzF-Trans* wurde in dem Buch auch häufiger erwähnt.
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« Antwort #10 am: 13. Juni 2008, 22:05:40 »

Zitat
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V.a. ist das ganze doch meines Wissens in der Historia Augusta überliefert, die mein Dozent als Klatschblatt der Antike bezeichnet hat (oder so ähnlich) - sie sprüht nur so vor schlüpfrigen Details, von denen einige vor allem der Unterhaltung der LEser dienen sollen und weniger der Darstellung der Wahrheit.
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