Jein.

Vor allem in früheren Jahren, zur Pubertät, aber auch noch später ging es mir auch so, dass oft Freundinnen (ich meine jetzt nicht meine „eigene“) mit mir über sehr private Dinge gesprochen haben, fast wie mit der besten Freundin. Wir haben dann oft über Beziehungsprobleme oder auch andere Dinge gesprochen. Das kam sicherlich daher, dass ich mich im Allgemeinen relativ gut in andere Menschen hinein versetzen kann. Ich versuche viele Dinge auch aus deren Blickwinkel zu betrachten und sie zu verstehen. Und ich denke, das merken Menschen. Natürlich konnte ich nicht immer helfen, aber manchmal genügt es ja auch nur mal mit jemand darüber gesprochen zu haben. Auch habe ich natürlich niemals meine „gewonnenen“ Informationen ausgenutzt oder gar anderen weitererzählt. Dadurch, dass ich mich gut in andere hinein versetzen kann, aber auch meine eigene Sichtweise habe, ergaben sich oftmals neue Perspektiven. Übrigens würde ich das nicht als seelischen Mülleimer wie die Ronja sehen (wobei ich glaube, dass sie es so nicht gemeint hat), sondern als Privileg. Denn nicht Jede(r) hat diese Fähigkeit oder nutzt sie.
In späteren Jahren wurde das dann seltener. Dass kam hauptsächlich daher, weil die alten Cliquen sich aufgrund der unterschiedlichen Wege, die man beruflich gegangen ist langsam aber sicher aufgelöst haben.
Und am Arbeitsplatz ist es dann meistens so, dass man selten aus sich herausgeht und vielleicht seinem Kollegen mögliche private Probleme anvertraut. Die Offenheit geht dann bei vielen verloren und wird ersetzt durch eine Art Angst seinen Kollegen Angriffsflächen zu bieten. Es wird auch über das ein oder andere erzählt, vielleicht auch mal über Beziehungsprobleme, aber anderes als früher. Es wird dann meistens ganz schnell dicht gemacht.
Wobei auch heute oft eine Arbeitskollegin mit ihren Problemen auf mich zukommt. Das sind zwar keine Beziehungsproblem, sondern Lebensprobleme der allgemeinen Art. Bei ihr „muss“ ich allerdings zugeben, manchmal selbst dicht zu machen, da dies irgendwann selbst mir zu viel wird, vor allem wenn es immer und immer wieder dieselben Probleme sind. Aber vor kurzen habe ich auch einem Kollegen (der sich sonst nie geöffnet hat) in einem seelischen Notstand wirklich helfen können. Ich denke, ich konnte mich mehr in ihn hereinversetzen als seine Frau und so habe ich irgendwie auch Vermittler „gespielt“ und wohl auch helfen können. Und das tut mir dann auch gut.
Der zweite Punkt von Ronja trifft auf mich eigentlich nicht zu. Wir unterhalten uns zwar auch über typische Frauenthemen. Aber nur oberflächlich. Sicherlich könnte ich manchmal auch das eine oder andere beisteuern. Es würde aber schon etwas komisch wirken, wenn ich plötzlich mit ihnen über SmokeyEyes sprechen würde, wo sie mich doch nur als Mann kennen und nie meine andere Seite erahnen würden. Wahrscheinlich würden einige gar nicht wissen von was ich da rede.
