Hi Tanja,
ich erlaube mir einfach mal, mich deinem Thread anzuschließen, denn für mich war es ja auch das erste Mal so richtig en femme in der Öffentlichkeit. Und es ist total spannend zu lesen, wie ähnlich, aber auch unterschiedlich unsere Gefühle und Erfahrungen sind.
Freitag war ich auch hin- und hergerissen... denn immer, wenn es ernst wird, fange ich innerlich an, alles in Zweifel in stellen. Aber Freitag spürte ich auch den deutlichen Wunsch in mir, es jetzt durchzuziehen - weil ich sonst nicht mit mir weiterkomme. Zum Glück war die Zeit knapp, so dass ich nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken hatte. Schön: Bereits am Mittwoch kam meine Bestellung mit dem schwarzen Parka (Neckermann ist einfach schneller als Happy Size :-) - ich sonst nämlich nichts zum Überziehen für Draußen gehabt.
Ich wusste, ich werde nicht perfekt sein (vor allem wusste ich nicht, welche Funktion diese beiden Bänder in der Perücke haben - danke, Lana!

Jetzt sitzt sie endlich fest und verrutscht nicht mehr. Das muss ja so peinlich gewesen sein... egal). Aber darauf kam es mir im Moment auch nicht, für mich war für den Abend entscheidend, wie ich mich innerlich fühlen werde.
Auf der Hinfahrt alleine im Auto dachte ich die ganze Zeit: Nein, bitte nicht heute Murphy's Law. Lass mich nicht ausgerechnet heute einen Unfall bauen. ;-) Murphy hatte wohlwollen mit mir. :-)
Die größte Angst, die ich hatte, war, reinzukommen, und noch keine vom Stammtisch ist da. Ich wusste von Fanny zwar, dass wir da gern gesehene Gäste sind, aber alleine sitzen wollte ich da auch nicht - es war mir wichtig zu wissen, dass da jemand auf mich wartet. Als ich am "Gagga" parkte, sah ich erstmal, dass Leute vor der Tür standen und dachte erstmal "Mist, an denen musst du jetzt wohl vorbei". Ich gab mir fünf Minuten, um tief Luft zu holen, nahm meinen Mut zusammen und stackselte dann einfach los. Am Empfang wusste man sofort, als ich "Lana" sagte, wo ich hinmuss, und zum Glück war der Weg kurz und einfach und ich wurde erwartet - und alles wurde gut.
Wie Tanja blieb ich auch bis zum frühen Morgen und fuhr dann nachts heim (die Zeit verging wie im Fluge). Tagsüber kriege ich eigentlich immer etwas in meiner Straße, aber nachts eben nicht. Und diesmal musste ich richtig weit weg parken... Werden mir Leute auf dem Rückweg begegnen? Nun, das ist nicht passiert. Dafür fiel mir auf, dass meine Schuhe mit Absatz eigentlich etwas ungünstig sind, wenn frau möglichst unauffällig bleiben will... denn die halbe Weidestraße konnte mich stackseln hören. Das hatte ich nicht bedacht, als ich sie wauswählte. Hätte ich lieber meine Freizeitschuhe nehmen sollen? Ach, nöööööö. :-)
Zuhause ging es mir genau wie dir, Tanja. Es war wunderschön, ich war glücklich, es gemacht zu haben, und ein paar Freudentränen kullerten mir dann aus den Augen. Und noch viel wichtiger: Ich spürte, dass das, was ich heute getan hatte, richtig war. :-)
Gestern folgte dann die erste Offenbarung in meinem Freundeskreis: Ich hatte mir bewusst ein Pärchen ausgesucht, von dem ich weiß, dass Sie über den Dingen stehen. Ich wurde superlieb aufgenommen, ich fühlte mich super angenommen und das wichtigste, es fühlte sich alles richtig an - ich gewinne an Sicherheit, was ich will. :-) Und: Es war gar nicht mehr so schwer, alleine um die paar Blocks zu laufen.
Ach ja, und gestern wurde ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit angesprochen. Ich saß im Auto, und zwei jüngere Frauen, die mir gefolgt waren, klopften ans Fenster und fragten mich nach dem Weg (wussten sie wirklich nicht, wo die Sternschanze ist oder wollten sie einfach nur wissen, ob ich biologisch Mann oder Frau bin?). Ich hab' einfach das Fenster geöffnet und es war mir nicht die Spur peinlich, nur neu. Und das nächste Mal biete ich ihnen auch an, sie rumzufahren.
Vielen Dank an alle für den schönen Abend!
Es ist schön, welch eine positive Energie von euch allen ausgeht!
LG Kirsten
PS: Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei.