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Autor Thema: Ich bin kein Mann für eine Nacht  (Gelesen 521 mal)
Nena
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nena_switch
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« am: 20. Oktober 2006, 22:19:22 »

Hier mal nen Bericht der auf http://www.welt.de veröffentlicht wurde:



Experiment
Ich bin kein Mann für eine Nacht
Wie ist es für einen Hetero, eine Frau zu sein? Unser Autor hat es probiert, ist als Transvestit um die Häuser gezogen und hat dabei interessante Dinge über das andere Geschlecht erfahren.

Von Tobias Schönpflug
Verdreht: Als Frau erlebt der Mann von Heute ungewöhnliche Dinge
Verdreht: Als Frau erlebt der Mann von Heute ungewöhnliche Dinge


Wie lange ist das jetzt her? 10 Jahre? Fünfzehn Kilo? Man braucht Zeit, um diese Geschichte zu erzählen. Zeit und Abstand. Es ist die Geschichte von einem Typ, der für eine Nacht eine Frau war. Meine Geschichte.

Zwischen 15 und 25 Jahren fragt sich jeder Hetero, dessen Brett vor dem Kopf nicht seine gefährlichste Waffe ist, ob es nicht besser wäre, schwul zu sein. Das Sexualleben ist besser organisiert, die Geschlechtspartner nur vom anderen Ufer, nicht vom anderen Stern. Es ist die Zeit, in der es schick ist, schwule Freunde zu haben, für die schwulen Freunde wiederum ist es schick, orientierungslose Heteros auf ihre Partys mitzubringen. So saß ich nun bei Garfield, der mich vor einem halben Jahr adoptierte, seinem Freund Erna, die Aids hatte, und seinem Bekannten Jens, einem hünenhaften Trachtenmodel, das alle nur die Silberförsterin nannten. Das Wohnzimmer war klein, der Durst groß, wir tranken Pfläumchen und billigen Rose. Irgendwann sagte die Silberförsterin: „Deine Wimpern sind beeindruckend.“ Sie machte eine bedeutungsvolle Pause und dachte kurz nach. Dann sagte sie es: „Du wärst im Fummel bestimmt eine Wucht.“

Alkohol, Orgasmen und verrückte Nächte

„Meinst du wirklich?“, sagte ich mehr zu mir selbst. So viele nickende Köpfe hatte ich zuletzt auf einem Hiphop-Konzert gesehen. Der rosa Stammtisch war sich schnell einig: Ich musste UNBEDINGT Frauenkleider anziehen. Schnell. Alles in mir schrie, dass das keine gute Idee war. Andererseits, worum ging es als junger Mann? Um den Dreikampf: Alkohol trinken, den man nicht bezahlt hatte. Orgasmen haben, die man nicht selbst verursacht hatte. Und verrückte Nächte erleben, mit denen man seine Freunde beeindrucken konnte.


„O.K.“, sagte ich leise und von da an war der Zug nicht mehr aufzuhalten: Das Trio quietschte wie die Gummienten, Erna zauberte ein Abendkleid und eine rothaarige Perücke aus dem Kleiderschrank, während die Silberförsterin losgeschickt wurde, um ordentliche Stiefel zu holen. Ich wurde auf einen Stuhl gesetzt und musste ganz Dame sein. Was für eine Tagesschausprecherin eine ganz normale Prozedur ist, war für mich die längste Stunde meines Lebens. Peeling, Creme, Make-up, Kajal, Lippenstift. Und NICHT bewegen. Früher habe ich mich gefragt, warum Frauen so lange im Bad bleiben. Jetzt frage ich mich, wie sie neben dem Schminken noch Zeit für irgendetwas finden.
Als die Silberförsterin mit den Stiefeln kam, war ich komplett. Die Gesellschaft betrachtete mich mit dem Entzücken einer ältlichen Tante. Ich erhob mich mit weichen Knien vom Stuhl. Erinnern Sie sich noch, als Sie das erste Mal auf der Kante vom Drei-Meter-Brett gestanden sind? So fühlte ich mich, als sie mich mit geschlossenen Augen zum Spiegel führten.

Sie hatten sogar schon einen Namen für mich

„Jetzt“, befahl mir Garfield. Ich öffnete die Augen und sah...nun ja, eine Schwuchtel in Nuttenstiefeln, die aussah wie ich. Ich fuhr mir durch meine Mähne. Ich liebe rothaarige Frauen. Jetzt war ich selber eine. Irgendwie fand ich mich?was soll ich sagen?ungewöhnlich begehrenswert. „Die Männer werden ganz scharf auf dich sein“, fauchte die Silberförsterin, die mit zwanzig-Zentimeter-Sohlen zur einer Zwei-Meter-Zehn-Transe mutiert war. „Wie? Welche Männer?“, fragte ich atemlos. „Pass mal auf, mein Schätzchen. Wir gehen jetzt in die beste Disco der Stadt, laufen an der Schlange vorbei und bekommen furchtbar viele Freidrinks. Du wirst ein Star sein, Amanda.“ Amanda. Sie hatten sogar schon einen Namen für mich.

 Bei der Disco angekommen gingen direkt an der Schlange vorbei und grüßten den Türsteher. Der musterte mich von Kopf bis Fuß. Es war nicht wie sonst. Er checkte meinen Körper aus. Das Schwein. Ich war doch kein Objekt. Wortlos klinkte er die Kordel aus und ließ uns ohne Eintritt in den Club. Meine Beine in Strumpfhosen schienen wirklich nicht so schlecht zu sein. Ein leichtes Prickeln schoss unter mein zentimeterdickes Make-up: Ich hatte mein erstes, berauschendes Kompliment als Frau bekommen. Ich war sofort süchtig nach mehr. Es sollte nicht lange dauern.

Die Frauen bewunderten mich

Wir schoben uns durch die Menge: Schlipsträger in Modelbegleitung und andere Spaßbremsen. Viel Geld, wenig Stimmung. Die Silberförsterin nahm mich an der Hand und zerrte mich in Richtung Tresen. „Showtime!“, rief sie mit einer ausladenden Bewegung und hob mich auf die Bar. Bevor ich mir über meine Situation klar werden konnte, tanzte ich mit Frauenkleidern, einer Perücke und Zwei-Meter-Zwanzig-großem Transvestit, der mich Amanda nannte, auf dem Tresen einer Nobeldisko. Die Menge war außer sich und feuerte Amanda, die heute Abend zur Frau wurde, zu immer verwegeneren Höchstleistungen an. Ein Ring hatte sich um die Bar gebildet. Die Männer gafften meine Beine an, versuchten unter meinen Rock zu schielen. Die Frauen bewunderten mich. Ich war ein Star. Die Menge liebte mich, obwohl ich nicht perfekt war, sondern ein Freak. Wie berauschend musste es erst sein, eine schöne anbetungswürdige Frau zu sein.

Wir stiegen von der Theke und bestellten einen Tequilla. Bevor ich mich versah, stand der Nächste für mich da. Ich folgte der Hand, die es hielt und erblickte das schönste Mädchen der Welt. Sie war blond und durch den Alkohol-Nebel meinte ich, ihr unglaubliches Lächeln aus einer Eiswerbung wieder zu erkennen. „Schön, dass ihr da seid. Unsere Typen sind sooooo langweilig“, sagte sie und schob mir den Tequila hin. Die Spenderin hieß Angelika. Ich Amanda. Ich kam natürlich nicht von hier, sondern aus einer Stadt gaaaanz weit weg. Wie sollte das jetzt weitergehen? Ihre Freundin hatte eine Idee:„Ich muss aufs Klo“, meldete sie an. Und wen interessiert das? Angelika! „Ich komm mit.“ Dann guckten mich beide erwartungsvoll an. Warum? Oh Gott. Sie fragten noch nicht mal, sondern boten mir einfach nur ihre Arme zum Einhaken an. Frauen sind anscheinend wie Elite-Truppen. Sie lassen keine allein zurück.

Mann, rochen Frauenklos gut

„So, Schatz, jetzt hier rein“, sprach meine Gespielin und schob mich in eine Klozelle. Mann, rochen Frauenklos gut. Nach Parfüm, Creme und Liebe. Kein Wunder, dass sie so lange drin bleiben.
„Machst du jetzt Pipi oder soll ich zuerst?“ Für sie war es eine einfache Frage, aber für mich brach mit ihr ein Damm und ein Strom von biologischen, technischen und moralischen Problemen los. Mein Magen rebellierte. Der Alkohol gemixt mit der Aufregung waren ein ganz mieser Cocktail. Ohne ein weiteres Wort der Entschuldigung taumelte ich nach oben. „Alles O.k., Schatz?“, fragte meine neue Busenfreundin hinter mir her. Ich konnte nicht antworten. Nach kurzer Suche fand ich den Silberförsterin. Ich fiel ihr an die starke Brust: „Ich will nach Hause.“ Die Silberförsterin streichelte meinen kecken Pony. „Hab keine Angst mein Kind. Ich bring dich ins Bett.“

 In dieser Nacht hatte ich einen bösen Traum. Ich war in einem fremden Bett. Die Sonne ging auf. An einem Spiegel an meiner Seite schminkte sich eine Zwei-Meter-Zehn-Transe ab. Ich hob den Kopf. Es war kein Traum. Die Silberförsterin hob schnippisch eine Augenbraue und legte den Kopf etwas schräg: „Guten Morgen, du Luder. Jetzt sag die Wahrheit, wie war dein erstes Mal mit einem Mann.“ Oh Gott, kaum zwölf Stunden eine Frau und schon war ich eine Schlampe geworden. Alle würden es erfahren. Mein Ruf ist ruiniert. Immer hatte ich mich gefragt, warum manche Frauen nach einem One-Night-Stand morgens so einen kleinen Panik-Anfall bekamen. Jetzt wusste ich es. Mein Gedanken rasten. Ich versuchte mich zu erinnern. Hatte Amanda getan, was Tobias nie konnte? Die Silberförsterin lachte und es war befreiend wie eine Aspirin Plus C. „Nix ist gelaufen, du Dummerchen. Und jetzt schlaf dich aus.“

Ich bin nach diesem Erlebnis kein besserer Mensch geworden, habe mich aber häufig an diesen Abend erinnert. Inzwischen bin ich verheiratet, habe eine Tochter. Sie ist ziemlich hübsch. Wenn sie erstmals in Discos gehen wird, weiß ich wenigstens, was in ihrem Köpfchen vor sich geht. Ich hoffe, ich kann ihr helfen.

Artikel erschienen am 23.08.2006

Im Original nachzulesen hier:
http://www.welt.de/data/2006/08/23/1008335.html

Habe die Ehre

La Nena

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"Wer seinen Geist befreien will muss sich erst seines Körpers entledigen"
Blunzenkoenigin
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« Antwort #1 am: 21. Oktober 2006, 00:13:30 »

is das net der Roberto Blanco auf dem Bildchen?  Undecided
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Annabelle_Legault
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« Antwort #2 am: 21. Oktober 2006, 00:23:31 »

....hmm, das sieht verdammt nach Roberto Blanco aus !  Grin
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Nena
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nena_switch
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« Antwort #3 am: 21. Oktober 2006, 12:57:58 »

Kann schon sein, ich hab das Bildchen von der Site auf der der Artikel stand.....
Wenn ich mir den Hintergrund so ansehe, könnte das bei *Zimmer frei* geknipst worden sein
Aber ich tendiere eher zu Robertos Mama, weil die hat richtich digge Dinga Roll Eyes
« Letzte Änderung: 21. Oktober 2006, 13:00:45 von Nena » Gespeichert

"Wer seinen Geist befreien will muss sich erst seines Körpers entledigen"
Zoe
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« Antwort #4 am: 21. Oktober 2006, 13:57:29 »

Zitat von: die welt
„Jetzt“, befahl mir Garfield. Ich öffnete die Augen und sah...nun ja, eine Schwuchtel in Nuttenstiefeln, die aussah wie ich.

Wären die drei gut gewesen, hätte er sich nicht widererkannt im Spiegel.

Abgesehen davon finde ich den Artikel aber ganz witzig.

Außerdem auch ich kann mich erinnern, an der Schlange ohne Eintritt vorbeigewunken worden zu sein, auch auf einer Discotheke habe ich schon getanzt und Damentoiletten sind mir nicht fremd und ich bekam durchaus auch freidrinks (nicht massenweise jedoch und eher von Barkeepern denn von Gästen) Insofern sind die Inhalte mir nicht gänzlich fremd. Etwas reisserisch geschrieben, nicht jedoch gänzlich falsch.

Das kann schon ein sehr besoffener Abend mit massenweise Adrenalin bei einem ersten Ausgang sein bzw im Nachhinein die Gedanken darüber

btw. das Bild ist sicher Roberto Blanko 100% nicht das Bild dieser Person. Zumindest glaube ich kaum, daß diese Person ihr Bild damals zur Verarbeitung der Eindrücke ersteinmal an die dpa verkauft hat :-)
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