Huhu Lisa,
Erst mal auch von mir herzlich willkommen hier im Forum und auf viele gute Gespräche!!

Ich möchte nur mal eben vorm Schlafengehen auf die Frage bezüglich der Hormontherapie eingehen. Eine gute Seite hierfür findest du unter
http://www.transsexuell.de/med-hormone.shtml - allerdings hast du da viel zu lesen und es ist wirklich nicht sehr leicht geschrieben finde ich. Was für dich relevant ist, ist primär die generelle Wirkungsweise von Hormonen und dann natürlich die Auswirkungen auf deinen Körper, denn die Zuführung von Hormonen steuert nicht nur eine Funktion (zum Beispiel das erwünschte Brustwachstum), sondern löst zudem noch einiges mehr aus. Dazu später mehr.
Also mal zum besseren Verständnis - das steht auch auf der Seite, deren Link ich dir geschickt habe, nur ist es da bissi kompliziert erklärt - du musst dir den Hormonhaushalt vorstellen wie einen Regelkreislauf - das hast du in Bio sicher schon gehabt... Sprich, es gibt einen "Fühler", der den misst, wie viel Sexualhormon im Blut ist. Als "Fühler" agieren zwei Bereiche im Gehirn: die Hypophyse und der Hypothalamus. Dabei ist es egal ob es sich um das männliche Sexualhormon Testosteron oder um das Weibliche Östradiol handelt. Folglich kann man auch problemlos das gegengeschlechtliche Hormon zuführen, Hauptsache der Ist-Wert passt zum Soll-Wert im Endeffekt. Die Hypophyse sendet je nachdem, wie viel Sexualhormon vorhanden ist, sogenannte Gonadotropine aus. Und wenn nun mal schon ausreichend Sexualhormon im Blut vorhanden ist, bei der Hromontherapie also auch weibliches Sexualhormon, dann wird die Aktivität der Produktion der eigenen Sexualhormone zurück. Folglich gibbet dann weniger Testosteron bei dir, weil ja eh schon durch von außen zugeführte Hormone genug Hormone da sind.

So, ich hoffe das System war nun bissi anschaulicher...
Ich hatte ja oben schon angedeutet, dass Hormone nicht nur auf einen Teil des Körpers Einfluss nehmen, sondern viele Prozesse in Gang setzen. Auch hierzu gibt es viele Seiten im Netz, bei der oben genannten steht wieder einiges dabei, was du nicht unbedingt wissen musst. Hier die gefilterte Version in Form einer Liste...:
- Abnahme der Libido
- Senkung der sexuellen Potenz (also generell kann man sagen, dass du nach 3 Monaten auf Androcur, das ist das gängige Mittelchen, chemisch kastriert bist...)
-> keine Spermienproduktion mehr
- Einleitung des Brustwachstums
- Vergrößerung der Brustwarzen
- Zunahme des Drüsengewebes
- Annäherung des Körpers ans weibliche Vorbild durch weibliche Fettverteilung
- "Verweiblichung" der Gesichtszüge bis zu einem gewissen Punkt
- Veränderung der Haut (zarter und berührungsempfindlicher)
- Verringerung der Körperbehaarung
- Muskelschwund und so Angleichung an die weibliche Muskulatur
- psychische Folgen (kann sein, dass du bissi sentimentaler oder weinerlicher wirst...)
Dann gibt es noch eine recht lange Liste mit Nebenwirkungen, die auftreten können. Hört sich allerdings gefährlicher an als es ist, da einfach alles aufgelistet werden muss, was jemals aufgetreten ist. Das muss nichts Geläufiges sein.

Es gibt auch Dinge, die man nicht ändern kann mit Hormonen, dies sind z.B. komplette Ausschaltung des Bartwuchses und die Stimme. Der Stimme kann man mit Logopadie und Stimmtraining auf der einen oder mit einer OP auf der anderen Seite beirücken; der Bartwuchs geht durch Epilation recht zuverlässig weg. Da gibt es verschiedene Methoden.
Voraussetzung für den Start der Hormontherapie ist in jedem Falle die Hormonfreigabe durch einen Therapeuten soweit ich weiß... Die Psychotherapie muss eh sein damit du deinen Weg gehen kannst. Vielleicht hilft sie dir auch bei der Selbstfindung ein bisschen weiter...

So, das war's nun erst mal zum Thema Hormone. Ich bitte alle, mal ein bisschen auf Fehler durchzuschauen und wenn jemandem etwas auffällt, setzt euch einfach drunter mit einem Beitrag... Würde mich freuen. Hoffe trotzdem, dass ich nichts falsch erklärt habe.
Alles Liebe dir, Lisa!!

Liebe Grüße auch an alle anderen,
Polly