Skip to main content
Topic: Gender Studies (Read 1525 times) previous topic - next topic

Gender Studies

War vor kurzem im Krankenhaus ( Bruch am rechtem Ellenbogen, schreibe daher mit links), wo ich, Frau mit TS-Vergangenheit, mich mit einer Britin unterhielt (Brexit und Trump vor allem), und das Gespräch kam auch auf TS/Gender (wegen meiner relativ tiefen Stimme).
Die Frau meinte, dass Gender Studies nichts verändert hätten, und Frauen, Homosexuelle und Transsexuelle immer noch diskriminiert und sogar ermordet werden, während die meist männlichen Täter mit lächerlichen Strafen davon kämen. Zudem meinte sie, dass Gender Sudies mehr zu einer sektenähnlichen Ideologie verkommen sei, die alles niedermacht, sogar mit Gewaltandrohung, der anderer Meinung ist.
Glaubt ihr, sie hat Recht? Inwiefern?

Re: Gender Studies

Reply #1
In meinem realen Umfeld, also außerhalb von Internet und Medien, spielt Gender nur im Sinne von Gleichberechtigung von Männern und Frauen eine Rolle. Wegen der Diskussionen um die "Ehe für alle" kommen immerhin auch mal Homosexuelle in Gesprächsthemen vor. Von Bekannten werde ich selten mal zum Thema Geschlechtsidentität angesprochen (auch wenn sie in der Regel andere Formulierungen verwenden), das sicherlich nur weil sie meine Vergangenheit kennen: Ähnlich wie Homosexuelle im Bekanntenkreis eben auch normalerweise keine Gespräche zum Homo-Thema aufs Auge gedrückt bekommen. Gender Studies sind in meinem Umfeld eher "so ein Unfug aus Berlin oder Amerika", jedenfalls gaaaaanz weit weg.

Re: Gender Studies

Reply #2
Eine Freundin von mir studiert Gender, sie findet es stinklangweilig. Ob Gender Studies die Diskriminierung von LGBT vermindern, weiß ich nicht. Zumindest schaffen sie ein Problembewusstsein in der Öffentlichkeit. Welche Folgen dieses Problembewusstsein hat, wird sich noch zeigen.

Persönlich fühle ich mich z.B. durch die gendergerechte Sprache nicht "inklusioniert", sondern eher abgeschreckt. Ich gehe diesen schwierigen und harten Weg auch nicht, um mich am Ende als Neutrum oder Transmensch bezeichnen zu lassen.


 

Re: Gender Studies

Reply #3
Dass in manchen Teilen der Welt Frauen, Homesexuelle oder Menschen mit transsexuellen Erfahrungen nicht viel gelten ist leider eine Tatsache. Dass sie überdurchschnittlich oft  Ziel von Gewaltverbrechen werden auch.

Gender Studies hat ja nun mit weder mit Gewaltprävention noch mit LGBT relativ wenig zu tun, sondern mehr damit wie traditionelle Rollenbilder entstehen, die Menschen prägen, genutzt werden sie zu kontrollieren und auch einschränken. Mit der Einführung des Begriffs wurde die Frauenforschung auch auf Männer erweitert.

Natürlich spielt es für Menschen mit transsexueller Erfahrung eine Rolle, weil wir mit den Werkzeugen der Genderstudies auch Statusverlust, Homo- und Transphobie und persönlich traumatisierende Erfahrungen erklären können. Primär befassen sich Gender Studies aber nicht mit uns oder anderen Teilen des LGBTTIQA - Community als Gegenstand. Wir kommen außer vielleicht bei Judith Butler nur als statistische Randnotizen vor.

Dass Teile des queer-feministischen Spektrums Dinge sagen wie "Wir müssen aufpassen dass wir auch die Trans-Leute auf die Party kriegen, wer lädt die ein?" und mir dann eine Handvoll Flyer in die Hand drücken, hat mit Gender Studies nichts zu tun, sondern mit genau dem gleichen Mangel an Sensibiliserung wie ihn auch der schwule Normalo, oder der heterosexuelle Normalo haben.

Schade ist halt, dass die Menschen zu sehr verallgemeinern. Die haben den Begriff Gender noch nie gehört, und lernen dann, alles mit Gender im Namen in einen Topf zu schmeissen: Gender Studies, Gender Mainstreaming, Transgender, Gender gaga,  und nehmen dann Erfindungen wie Frühsexualisierung, Abschaffung der traditionellen Rollen, Frauenquote, und beim passenden politischen Lager auch Atomausstieg, die Anzahl Geflüchteter im eigenen Viertel und die  Rundfunkgebühren auch noch dazu.