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Autor Thema: aus meiner Anfangszeit...  (Gelesen 6607 mal)
cilii
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« am: 15. Oktober 2006, 14:53:59 pm »

auf Wunsch von Kathreen... lang lang ists her



150 meter, die die Welt bedeuten

Es heisst immer das visuelle sei der am stärksten ausgeprägte Sinn des
Menschen, das will ich gar nicht bestreiten, doch unterstellt dies das die
anderen Sinne nicht so intensiv seien

Das hingegen muss ich bestreiten.
z.b. der Gehörsinn. das merkt man am besten dann wenn das Sehen
eingeschränkt ist. Das soll keine Abhanldung über eine Spielart des SM oder
Bondage mit Augenmaske sein.
nein, es spielt sich im kleinen ab, im Detailreichtum einer unscheinbaren
Situation, die jedoch für mich jedesmal zu einer in der Größe eines
Universums wird.

es geht um 150 meter.

Diese 150 meter bedeuten die Welt für mich. Es gibt viele Strecken die 150
meter lang sind. es ist eine banale aber doch nicht alltägliche strecke.
sie wird nicht im sport angewendet. es geht auch nicht darum diese 150
meter so schnell wie möglich zurückzulegen, sondern so intensiv wie
möglich.

es sind 150 meter Geräusche

es sind die 150 meter von meiner Wohnungstür bis um die Ecke zu meinem
Auto.

die 150 meter die über mein ganzes Leben Macht ausüben, die 150, die mich
in hässlichen weiten Männerklamotten aus dem Haus gehen lassen nur um mich
später fertig zu schminken. ich bin schon überall als Ffrau herumgelaufen,
ich werde so gut wie nie erkannt oder durchschaut, zu 95% nicht und wenn
dann nur freundlich und respektvoll, sei es abends in einem Restaurant mit
männlicher Begleitung, sei es tagsüber beim Einkaufen, sei es beim Bummeln
und Shoppen in den Geschäften jeder Innenstadt, egal...

nur eben nicht auf diesen 150 metern...

sitze ich erstmal in meinem wagen ist alles kein problem, ich kenne die
nahegelegenen Orte in jeder Richtung, an den ich die Schuhe wechsle, die
hose- aus und den Rock anziehe und das Makeup fertig mache.

ironischerweise bin ich diese 150 meter schon oft als Frau gelaufen, wenn
ich abends heimkomme und aber alles schon dunkel ist. als Mann ist dies nur
ein Vorplatz und Parkplatz, langweilig und banal. Als Frau sind diese 150
meter eine Herausforderung, die ich bisher nur im Dunkeln angenommen habe.
auf hohen Schuhen dauern sie Minuten oder gar Stunden, so kommt es mir vor,
ich bin nie nervöser aber auch nie aufgeregter und geniesse doch jede
Sekunde.

und da ich diese 150 meter als Frau nur im dunkeln gegangen bin kenne ich
diese 150 meter nur vom Geräusch. der Weg ist wie ein alter Bekannter,
dessen Namen man weiss aber bei dem man sich nicht mehr erinnern kann wie
er aussieht. ich kenne meinen Weg nur vom hören und fühlen. 150 meter sind
ca. 300-400 mal das klacken meiner Absätze auf dem Pflaster und genauso oft
das abwechselnde Lockern und Spannen des Stoffes meines Rocks bei diesen
schritten.

meine 150 meter gehören nur mir, wie ein alter Freund, egal was ich an
diesem Abend oder Tag unternommen habe, am ende begegnen wir uns immer, als
würde er mich begrüßen. ich bin zu Hause und ich bin um viel Gefühle,
Eindrücke und Emotionen reicher. Vielleicht war ich mit einem netten mann
essen, vielleicht habe ich mit einem tollen Liebhaber geschlafen oder ich
war nur einkaufen, meine 150 meter weg sind immer da um mich in Empfang zu
nehmen.

ich bin noch nie diese 150 meter als Frau bei Tageslicht in die andere
Richtung gelaufen.

ich freue mich auf den Tag an dem ich mich das traue, so lächerlich es auch
klingen mag. wie kann man sich nur als Frau am Samstag nachmittag in die
innenstadt zum shoppen trauen, mit tausenden von Menschen die einen sehen,
aber nicht vor die eigene Haustür?

meine 150 meter warten auf mich und wir beide wissen, eines tages werden
wir uns sehen und nicht nur hören, und zwar werden wir uns beide so sehen
wie wir wirklich gesehen werden wollen, meine 150 meter weg im tageslicht
und ich als frau...

Christina d`Yvon
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Roxanne
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Quasselstrippe mit Überlänge


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« Antwort #1 am: 15. Oktober 2006, 15:00:49 pm »

Toll geschrieben, wunderbar nachvollziehbar, echt und beeindruckend. Respekt.
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Natürlichkeit ist langweilig. 
Zoe
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« Antwort #2 am: 15. Oktober 2006, 15:49:17 pm »

Ich glaube, diese oder ähnliche Erfahrungen hatten wir alle. Irgendwie in Männerklamotte (zumindest drüber) zum Auto und dort fertigmachen. Auch ich hatte meine Stellen in unterschiedlicher Richtung, wo man einigermaßen ungestört war und sich im Autospiegel so gut wie eben möglich hergerichtet hat. Nur war mein Weg glücklicherweise keine 150 Meter lang. 50 reichten absolut aus. Und zurück im dunklen wenn alles schlief... kein Problem.

schön, daß diese Zeiten zu Ende sind Smiley
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zoe-delay.de | “If high heels were so wonderful, men would be wearing them.” (-Sue Grafton)
cilii
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« Antwort #3 am: 15. Oktober 2006, 16:02:38 pm »

"schön, daß diese Zeiten zu Ende sind"


allerdings, da hast du recht. zurücklickend sieht immer alles ganz einfach aus... aber mal ehrlich, was hatten wir  alle Schiss...

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Katreen
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« Antwort #4 am: 15. Oktober 2006, 16:56:14 pm »

*knicks* Vielen Dank, hatte den Text damals leider nicht gespeichert, inhaltlich geb ich gar keinen Kommentar ab, für die meisten eh nachvollziehbar. Aber es ist vor allem schööön geschrieben, einfach
lesenswert.
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Monika Moretti
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Ein Engel im Schlafzimmer, eine Hure in der Küche

Monika_Moretti
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« Antwort #5 am: 06. November 2006, 19:15:46 pm »

liebe Cilii,

Du hast auf eine wundervolle Art, schon fast poetisch, zusamengefasst was wir wohl schon alle mal erlebt, nein gefühlt haben!

Danke Dir dafür!

lg

Monika
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carpe diem  -   jeden Tag ein Karpfen!

veritas odium parit
kleine_zicke
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Häßlich, dumm und angemalter Mann.


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« Antwort #6 am: 07. November 2006, 18:47:07 pm »

Toll beschrieben.

Hier sind es gar nur 10 Meter, die ich noch nie geschafft habe, noch nie eine Tür hinter mir geschlossen und einen Schlüssel als Zicke eingesteckt. Nie mit Kajal in den Rückspiegel des banalen, unscheinbaren Zweitwagen geschaut.

Schlicht und einfach die Angst.

Die Angst an der Ampel zu stehen.

Das bedarf keiner 150 Meter.

Irgendwann, vielleicht mal im Winter, mal sehen.

Z
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dieser beitrag wurde 738 mal editiert, zuletzt am 31.06.2008
dany purple
Gast

« Antwort #7 am: 10. Oktober 2014, 02:13:45 am »

auf Wunsch von Kathreen... lang lang ists her



150 meter, die die Welt bedeuten

Es heisst immer das visuelle sei der am stärksten ausgeprägte Sinn des
Menschen, das will ich gar nicht bestreiten, doch unterstellt dies das die
anderen Sinne nicht so intensiv seien

Das hingegen muss ich bestreiten.
z.b. der Gehörsinn. das merkt man am besten dann wenn das Sehen
eingeschränkt ist. Das soll keine Abhanldung über eine Spielart des SM oder
Bondage mit Augenmaske sein.
nein, es spielt sich im kleinen ab, im Detailreichtum einer unscheinbaren
Situation, die jedoch für mich jedesmal zu einer in der Größe eines
Universums wird.

es geht um 150 meter.

Diese 150 meter bedeuten die Welt für mich. Es gibt viele Strecken die 150
meter lang sind. es ist eine banale aber doch nicht alltägliche strecke.
sie wird nicht im sport angewendet. es geht auch nicht darum diese 150
meter so schnell wie möglich zurückzulegen, sondern so intensiv wie
möglich.

es sind 150 meter Geräusche

es sind die 150 meter von meiner Wohnungstür bis um die Ecke zu meinem
Auto.

die 150 meter die über mein ganzes Leben Macht ausüben, die 150, die mich
in hässlichen weiten Männerklamotten aus dem Haus gehen lassen nur um mich
später fertig zu schminken. ich bin schon überall als Ffrau herumgelaufen,
ich werde so gut wie nie erkannt oder durchschaut, zu 95% nicht und wenn
dann nur freundlich und respektvoll, sei es abends in einem Restaurant mit
männlicher Begleitung, sei es tagsüber beim Einkaufen, sei es beim Bummeln
und Shoppen in den Geschäften jeder Innenstadt, egal...

nur eben nicht auf diesen 150 metern...

sitze ich erstmal in meinem wagen ist alles kein problem, ich kenne die
nahegelegenen Orte in jeder Richtung, an den ich die Schuhe wechsle, die
hose- aus und den Rock anziehe und das Makeup fertig mache.

ironischerweise bin ich diese 150 meter schon oft als Frau gelaufen, wenn
ich abends heimkomme und aber alles schon dunkel ist. als Mann ist dies nur
ein Vorplatz und Parkplatz, langweilig und banal. Als Frau sind diese 150
meter eine Herausforderung, die ich bisher nur im Dunkeln angenommen habe.
auf hohen Schuhen dauern sie Minuten oder gar Stunden, so kommt es mir vor,
ich bin nie nervöser aber auch nie aufgeregter und geniesse doch jede
Sekunde.

und da ich diese 150 meter als Frau nur im dunkeln gegangen bin kenne ich
diese 150 meter nur vom Geräusch. der Weg ist wie ein alter Bekannter,
dessen Namen man weiss aber bei dem man sich nicht mehr erinnern kann wie
er aussieht. ich kenne meinen Weg nur vom hören und fühlen. 150 meter sind
ca. 300-400 mal das klacken meiner Absätze auf dem Pflaster und genauso oft
das abwechselnde Lockern und Spannen des Stoffes meines Rocks bei diesen
schritten.

meine 150 meter gehören nur mir, wie ein alter Freund, egal was ich an
diesem Abend oder Tag unternommen habe, am ende begegnen wir uns immer, als
würde er mich begrüßen. ich bin zu Hause und ich bin um viel Gefühle,
Eindrücke und Emotionen reicher. Vielleicht war ich mit einem netten mann
essen, vielleicht habe ich mit einem tollen Liebhaber geschlafen oder ich
war nur einkaufen, meine 150 meter weg sind immer da um mich in Empfang zu
nehmen.

ich bin noch nie diese 150 meter als Frau bei Tageslicht in die andere
Richtung gelaufen.

ich freue mich auf den Tag an dem ich mich das traue, so lächerlich es auch
klingen mag. wie kann man sich nur als Frau am Samstag nachmittag in die
innenstadt zum shoppen trauen, mit tausenden von Menschen die einen sehen,
aber nicht vor die eigene Haustür?

meine 150 meter warten auf mich und wir beide wissen, eines tages werden
wir uns sehen und nicht nur hören, und zwar werden wir uns beide so sehen
wie wir wirklich gesehen werden wollen, meine 150 meter weg im tageslicht
und ich als frau...

Christina d`Yvon

Manchmal sind diese 150 Meter wirklich schwer erreichbar, doch hat man sich erstmal dazu überwunden - merkt man auf einmal - dass diese 150 Meter eigentlich nur ein Katzensprung waren, und diese (Sport ist Mord, oder ähnliches) Gedanken viel schlimmer sind als die Realität.

liebe Grüße
Dany
 
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